mini|Das Jerusalemkreuz ist das Logo des DEKT mini|Plakat zum Kirchentag 2007 mini|Kirchentag im „Herzen“ der Gastgeberstadt (hier: Abend der Begegnung 2009 auf dem Bremer Marktplatz)

Der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) ist eine Bewegung evangelischer Laien, die alle zwei Jahre die gleichnamige mehrtägige Groß­veranstaltung mit staatlicher Unterstützung durchführt.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag versteht sich als eine freie Bewegung von Menschen, die der christliche Glaube und das Engagement für die Zukunft von Kirche und Welt zusammenführt. Er ist institutionell unabhängig von den evangelischen Kirchen.

Der Kirchentag 2025 fand in Hannover statt. Der 40. Deutsche Evangelische Kirchentag soll vom 5. bis 9. Mai 2027 in Düsseldorf stattfinden.

Themen sind neben dem Christentum viele politische und gesellschaftliche Themen unserer Zeit, wie z. B. der Dialog zwischen Juden und Christen seit 1961 in Berlin oder das Evangelisch-katholische Gespräch 1965 in Köln. Die Friedensbewegung der 1980er wurde durch den Kirchentag stark beeinflusst. Erste große Friedensdemonstrationen fanden anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentages im Juni 1981 in Hamburg und 1983 in Hannover (Motto: „Umkehr zum Leben“) statt.

Das kleinere (und ältere) römisch-katholische Pendant zum Kirchentag ist der Katholikentag. Der erste ökumenische Kirchentag fand 2003 in Berlin statt. Gastgebende Stadt des zweiten Ökumenischen Kirchentages war im Mai 2010 die Stadt München. Die ökumenischen Kirchentage werden gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZDK) organisiert.

Programm Aus den Anfängen des evangelischen Kirchentages hat sich im Laufe der Jahre ein Schema entwickelt, das dem Kirchentag als Rahmen dient. Kirchentage finden meist an den Tagen um Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam statt (siehe Brückentag); sie beginnen in der Regel am Mittwoch vor dem entsprechenden Feiertag und dauern bis Sonntag. Das Rahmenprogramm eines Kirchentags folgt in der Regel einem Raster, das den örtlichen Gegebenheiten angepasst wird. Dazu gehören im Einzelnen:

Eröffnungsgottesdienst Der Kirchentag beginnt mit mehreren Eröffnungsgottesdiensten am Mittwochabend. Früher waren dies bis zu 70 Gottesdienste in der Region, die vom Kirchentag als Quartierbereich bezeichnet wird, da es sich dabei um die Region handelt, wo die Dauerteilnehmer ihre Übernachtungsquartiere haben. Seit dem Kirchentag 2005 gibt es wenige Gottesdienste an zentralen Orten der Stadt, z. B. große Plätze, um die Anreisewege zum folgenden Abend der Begegnung kurz zu halten.

Abend der Begegnung mini|Abend der Begegnung 2005

Kirchliche Gruppen, Initiativen und Werke aus der gastgebenden Landeskirche gestalten die zentrale Eröffnungsveranstaltung, das Straßenfest Abend der Begegnung, im Anschluss an die Eröffnungsgottesdienste in der Innenstadt des Veranstaltungsortes. Dabei stellen sich die unterschiedlichen Regionen der Landeskirche mit vielfältigen (regionalen) kulinarischen Köstlichkeiten vor; zudem wird ein breites Bühnenprogramm angeboten. Auf zahlreichen Bühnen über die Innenstadt verteilt wechseln sich Laien und Profis ab, die Gäste zu unterhalten. Der Abend der Begegnung ist mit in den letzten Jahren etwa 300.000 Besuchern eines der größten Straßenfeste Deutschlands.

Der Abend der Begegnung ist traditionell alkoholfrei, lebt von dem Begegnungselement „Mitmachaktionen“ und hat zunehmend einen „ökofairen“ Schwerpunkt (nach den Kriterien des ökologischen Landbaus und des Fairen Handels erzeugt); Speisen und Getränke kommen vorzugsweise aus der Region und werden mit umweltfreundlichem Mehrweggeschirr verkauft. Typisch ist auch sein spiritueller Abschluss mit Abendsegen, Lichtermeer und experimenteller Klanginstallation, für den z. B. bekannte Künstler wie Markus Stockhausen oder Sven Helbig komponierten.

Ablauf von Donnerstag bis Samstag Die drei vollständigen Tage des Kirchentags laufen in etwa nach dem gleichen Schema ab, wenn man von den Feierabendmahlen am Freitagabend absieht. Die Hauptpunkte sind dabei:

Bibelarbeit Der Veranstaltungstag beginnt jeden Morgen mit Bibelarbeiten. Diese finden in unterschiedlichen Rahmen statt (von einer Messehalle mit mehreren 1000 Besuchern bis hin zu Kleingruppen mit zehn Personen). Sie werden von Laien, wie Künstlern oder Politikern, oder von Theologen geleitet. Einige Bibelarbeiten von Persönlichkeiten aus dem Ausland finden auch in englischer Sprache statt. Allen Bibelarbeiten des Tages liegt der gleiche Bibeltext zugrunde.

Markt der Möglichkeiten Auf dem bis zum frühen Abend geöffneten „Markt der Möglichkeiten“ präsentieren sich viele (auch nichtkirchliche) Initiativen in den Messehallen der gastgebenden Stadt. Es gibt hierbei Stände zu Themen wie Fairem Handel, Klimaschutz oder Homosexualität in der Kirche, aber auch Orthodoxie in Ägypten, Blindenschrift oder besondere Projekte einzelner Kirchengemeinden. Die thematische Anordnung der Stände führt dazu, dass z. B. die Militärseelsorge ihren Stand nur wenige Schritte neben christlichen Friedensgruppen hat.

Vorträge und Diskussionsveranstaltungen Am Vor- und Nachmittag werden die thematischen Schwerpunkte des Kirchentags durch Vorträge und Podiumsdiskussionen vertieft. Daran nehmen auch zahlreiche Prominente aus Politik, Kirche und Gesellschaft teil, unter denen Mitglieder der Bundesregierung genauso zu finden sind wie bekannte Schauspieler, Musiker oder Fernsehmoderatoren. Die Zahl der Zuhörer schwankt von mehreren Dutzend bis zu mehr als 10.000, je nach Thema und Besetzung des Podiums.

Abendveranstaltungen An den Abenden finden eher kulturell oder gottesdienstlich geprägte Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen statt. So gibt es beispielsweise Konzerte bekannter Popmusiker; beim Kirchentag in Dresden traten unter anderem Nina Hagen, die Wise Guys, Laith Al-Deen und Andreas Bourani auf. Es finden aber auch Konzerte von Musikern statt, die eher der christlichen Musikszene zuzuordnen sind, wie Gerhard Schöne, Clemens Bittlinger oder Judy Bailey und ebenso Aufführungen und Uraufführungen von alten und neuen kirchenmusikalischen Werken, Musicals und Theaterstücken oder thematische Abende mit musikalischen, schauspielerischen und gottesdienstlichen Elementen. Für den Kirchentag in Hamburg wurde erstmals eine Oper in Auftrag gegeben.

Gute-Nacht-Cafés In einigen Gemeindehäusern, Jugendzentren und Gruppenquartieren kann man den Tag in einem Gute-Nacht-Café ausklingen lassen. Bei Getränken und kleinen Speisen trifft man sich dort zum Gespräch.

Feierabendmahl Am Freitagabend laden Kirchengemeinden aus der gastgebenden Stadt in ihren Räumen zu unterschiedlich gestalteten Gottesdiensten mit Abendmahlsfeier ein. Diesen folgt meist ein gemütliches Beisammensein, durch das versucht wird, die Kirchengemeinden der Stadt und die Gäste des Kirchentages miteinander ins Gespräch zu bringen. Parallel dazu finden diverse Veranstaltungen des Kirchentages statt; nur ein kleinerer Teil der Kirchentagsbesucher nimmt die Angebote der Gemeinden wahr.

Abschlussgottesdienst Der Kirchentag endet am Sonntag mit einer zentralen Schlussversammlung mit einem Abschlussgottesdienst, in welchem seit 1983 auch Abendmahl gefeiert wird. Er findet heute in der Regel auf einem großen Platz mit über 100.000 Teilnehmenden statt.

Thematische Schwerpunkte Die thematischen Schwerpunkte werden für jeden Kirchentag neu überlegt. Die Formulierungen sind jeweils recht allgemein gehalten, denn sie sollen die gesamte Breite der aktuellen kirchlichen Diskussionsthemen umfassen und strukturieren. Oft sind sie recht ähnlich: Fragen des Glaubens, der individuellen Lebensgestaltung, der Ethik und der Gesellschaftspolitik sollen ihren Platz finden. Arbeitsweisen sind vor allem Vorträge und Podiumsdiskussionen. mini|Bild einer Veranstaltung beim Kirchentag 2005

Kulturelle Angebote Zum Kirchentag gehört immer auch ein Kulturprogramm. Dazu zählen zahlreiche Aufführungen von Theater- und Kabarettgruppen und Konzerte aller erdenklichen Musikrichtungen. In den letzten Jahren wurden auch zunehmend die bildenden Künstler zur Mitarbeit aufgefordert. Zentren Für bestimmte Themen oder Zielgruppen gibt es sogenannte Zentren, in denen sich an einem Ort von Donnerstag bis Samstag vieles um das bestimmende Thema dreht. Manche dieser Zentren sind auf jedem Kirchentag anzutreffen, z. B. das Zentrum Kinder, das Zentrum Jugend, das Zentrum Kirchenmusik oder das Zentrum Juden und Christen. Andere hingegen werden wegen ihrer gesellschaftspolitischen Aktualität eingerichtet, wie z. B. das Zentrum Geschlechterwelten auf dem Kirchentag 2023 oder auch wegen des Lokalkolorits. So wurde beispielsweise beim Kirchentag 2019 in Dortmund das Thema Sport zu einem großen Zentrum Sport unter Mithilfe des Eichenkreuz-Sports und des CVJM ausgebaut. Außer Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen über christliche Werte beim Sport konnten die Besucher an vielfältigen sportlichen Angeboten teilnehmen.Steffen Pflugfelder: , Evangelisches Jugendwerk in Württemberg, 25. Juni 2019, abgerufen am 16. Mai 2025CVJM Beim Kirchentag 2023 in Nürnberg hingegen gab es ein Zentrum Spiel, wo das Spielen nicht nur in Bibelarbeiten, Vorträgen und Diskussionen vorkam, sondern auch bei Brettspielen, Planspielen bis hin zu elektronischen Spielen in zahlreichen Varianten praktisch umgesetzt werden konnte.

Geistliche Angebote Von den frühen Morgenstunden bis gegen Mitternacht werden immer wieder Gottesdienste gefeiert sowie Gebetsstunden und Meditationen an verschiedenen Orten angeboten. Auch gibt es den ganzen Tag über die Möglichkeit zur Seelsorge.

Resolutionen Während des Kirchentages können Resolutionen als Entschließungen der an ihrem Zustandekommen beteiligten Besucher durch Beschlussfassung oder Unterschrift gefasst und verabschiedet werden. Für das Zustandekommen von Resolutionen gibt es bestimmte Mindestvoraussetzungen, bei deren Erfüllung die Resolution durch den Kirchentag den Medien zugänglich gemacht sowie den in der Resolution genannten Adressaten zugestellt wird.

Organisation Rechtsträger Rechtsträger des Deutschen Evangelischen Kirchentages ist der „Verein zur Förderung des Deutschen Evangelischen Kirchentages e. V.“ mit Sitz in Fulda. Die Wahl fiel auf Fulda, weil das Präsidium einen Ort suchte, der „die Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Kirchentages zu gewährleisten in der Lage war und in der Mitte des verbliebenen Deutschlands – Ost und West zusammen – lag“.Zitiert nach Brigitte Busold: Wittenberg – Fulda hin und zurück. Deutscher Evangelischer Kirchentag und 500 Jahre Reformation. In: Susanne Bohl und andere (Hrsg.): Fulda. 50 Schätze und Besonderheiten. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, ISBN 978-3-7319-0425-0, S. 70–73, hier S. 70. Der Kirchentag unterhält dort ein zentrales Büro als dauerhafte Einrichtung. Generalsekretärin des Kirchentages war von 2017 bis 2021 Julia Helmke. Seit 2021 ist es Kristin Jahn.

An der Spitze des Vereins steht für eine Amtszeit von zwei Jahren der Präsident bzw. die Präsidentin. Die Leitung des Kirchentags obliegt dem Präsidium, dem Vorstand des Präsidiums, der Präsidialversammlung, der Konferenz der Landesausschüsse und dem Kollegium. In keinem der Gremien des Kirchentages gibt es institutionelle Vertretungen. Es gibt nur persönliche Mitglieder. Ein großer Teil der Mitglieder des Präsidiums wird von diesem selbst berufen. Das heißt, der Vorstand des Kirchentags wählt faktisch sich selbst. Eine Mitwirkung bei der Zusammensetzung der Leitungsgremien durch die Besucher, die ehrenamtlich Mitarbeitenden oder beispielsweise am Kirchentag interessierte Kirchengemeinden oder Einzelpersonen ist nicht oder nur bei einem kleinen Teil der Mitglieder der Präsidialversammlung möglich.

Zur Ausrichtung des jeweiligen Kirchentags wird unter dem Namen „XX. Deutscher Evangelischer Kirchentag e. V.“ ein eigener Trägerverein gegründet, der dann in der Stadt der Ausrichtung des Kirchentags eine Geschäftsstelle einrichtet.