Almopia ( , slawisch Meglen, osmanisch ) ist eine historische Landschaft in Griechenland an der Grenze zu Nordmazedonien, war bis zur Gemeindereform 1997 als Provinz Almopia (griechisch Eparchia Almopias) Teil der Präfektur Pella und ist seit 2011 eine Gemeinde im Nordwesten der Region Zentralmakedonien. Almopia war zwischen 1910 und 1930 durch die Folgen der Balkankriege und des Griechisch-Türkischen Krieges von einem fundamentalen Bevölkerungswechsel betroffen; die heutigen Einwohner sind Griechen größtenteils Nachfahren von Flüchtlingen (insbesondere Pontier sowie Kappadokier, Kaukasier, Thrakier und türkischsprachige Kleinasiaten) aus dem Gebiet der heutigen Türkei und seit dem Mittelalter hier ansässigen Slawen und slawischsprachige griechischen Makedoniern, während alle nicht griechisch-orthodoxen Bewohner die Provinz nach Bulgarien und in die Türkei verlassen mussten. Bis heute gehört der Nordosten Almopias außerdem zum Hauptsiedlungsgebiet der Meglenorumänen, einer balkanromanischen Minderheit in Griechenland.
Die bis dato dreißig Gemeinden der Provinz Almopia wurden 1997 zu den beiden Gemeinden Aridea und Exaplatanos zusammengefasst. Mit der Verwaltungsreform 2010 wurde aus diesen beiden Gemeinden die Gemeinde Almopia gebildet, die ihren Verwaltungssitz seither in der Kleinstadt Aridea hat.
Toponyme und Etymologie Almopia () ist die antike griechische Bezeichnung eines Distrikts des antiken Makedonien, dessen Einwohner als Almōpes () bezeichnet wurden und deren Name auf einen mythischen Riesen Almops, Sohn des Poseidon und der Helle zurückgeführt wurde, dem nachgesagt wurde, dass er in dieser Gegend hauste.Dr. Vollmers Wörterbuch der Mythologie aller Völker. Dritte Edition. Stuttgart 1874, Reprint Leipzig 1990, ISBN 3-921695-13-9, S. 29 Ptolemäus erwähnt drei Städte in diesem Gebiet, nämlich Horma (), Eurōpos () und Apsalos (). Das heutige Gebiet der Gemeinde, das im Mittelalter den slawischen Namen Meglen (‚Nebel‘Wolfgang Dahmen, Johannes Kramer: Das Meglenorumänische. In: Rumänistik in der Diskussion Tübingen (Narr) 1986, ISBN 3-87808-859-0, S 262; books.google.de , ) erhielt, wird als das antike Almopia verortet.William Smith: Dictionary of Greek and Roman Geography, illustrated by numerous engravings on wood. Walton and Maberly, London 1854 (Eintrag Almopia online) In frühbyzantinischer Zeit erhielt das Gebiet nach einer gleichnamigen Befestigung mutmaßlich in der Nähe Notias den griechischen Namen Enotia (), der auch von 1915 bis 1927 für die Provinz benutzt wurde.Agni K. Koliadymou: Apo tin Axo tis Kappadokias sto nomo Pellas: Prosfytikes Diadromes (1898–1940). Thessaloniki 2006, S. 117; invenio.lib.auth.gr (PDF; 3,6 MB)>Griechisches Regierungsblatt Nr. 304 vom 27. Dezember 1927 (PDF online, 364 kB) Der türkische Name der Gegend war (‚Schwarztal‘, griechisch ).
Geographie Almopia weist topographisch, geologisch, verkehrstechnisch und klimatisch einige Besonderheiten auf, die es von der Umgebung deutlich abgrenzen.
Geographische Lage und Topographie mini|links|hochkant=2|Topografische Karte Almopias Almopia liegt im Nordwesten der griechischen Region Zentralmakedonien und bedeckt die Ebene von Aridea, die auf etwa 100–200 m Seehöhe liegt, sowie die Hänge der umliegenden Gebirge, die das Gemeindegebiet fast vollständig umschließen. Das Voras-Gebirge grenzt die Gemeinde vom südlich angrenzenden Edessa und westlich vom westmakedonischen Florina ab, im Westen und Norden bildet es die Staatsgrenze zu Nordmazedonien. Westlichster und höchster Punkt des Gebiets ist der gleichnamige Hauptgipfel des Voras (, auch Kaimaktsalan), dritthöchster Gipfel Griechenlands, der hier ein ‚Dreiländereck‘ zwischen West-, Zentralmakedonien und der Republik Nordmazedonien markiert. Im Norden findet der Voras mit dem Pinovo-Massiv (), das weitgehend auf dem Gemeindeterritorium liegt, seinen Abschluss. Etwas weiter nordöstlich folgt das Tzena- oder Kožuf-Massiv, das mit dem Tzena () einen weiteren Zweitausender-Gipfel auf dem Gemeindegebiet aufweist. Nach Osten erhebt sich das Massiv des Paiko zwischen dem Skra () nördlich und dem Meterizi (), der den südlichen Abschluss bildet. Es markiert nach Osten die Grenze zur Gemeinde Peonia und trennt im Südosten Almopia vom Gebiet der Gemeinde Pella.
Im Süden verbindet mittelgebirgsähnliches Hügelland die südlichen Ausläufer des Voras und des Paiko, hier grenzt die Gemeinde Skydra an Almopia. Die Ebene von Aridea wird durch den Fluss Moglenitsas oder Almopeos (slawisch BelicaMeyers Konversations-Lexikon 1905 (Artikel Moglena online)) entwässert. Sein Durchbruch in die zentralmakedonische Tiefebene markiert an der Grenze zu Skydra bei knapp 50 m Höhe den südlichsten und tiefsten Punkt des Gemeindegebiets. Eine Straßenverbindung führt vier Kilometer weiter westlich über den Apsalos-Pass in Höhe nach Süden in die Ebene. Früher mündete der Moglenitsas in den Giannitsa-See und verließ ihn als Loudias, daher trug er auch den Namen Ano Loudias (‚Ober-Loudias‘). Durch die Trockenlegung des Sees ist er zu einem Nebenfluss des Aliakmonas geworden.
Zahlreiche Bergbäche bilden die Quellflüsse des Moglenitsas und bewässern das Kulturland der Ebene. Von Norden ergießt sich der Koziakas (), der am gleichnamigen Gipfel entspringt, in die Ebene, aus Nordosten vom Sattel zwischen Tzena und Skra kommt der Golemas (), der um Notia eine vom Becken Arideas separierte kleine Ebene (griechisch ‚Hochebene von Ober-Almopia‘) durchfließt, die wie jene landwirtschaftlich bebaut ist. Aus dem Pinovo-Massiv kommend mündet der Xiropotamos in den Golemas.
Westlich fließt dem Moglenitsas die Toplitsa () oder der Thermopotamos zu. Als Rema Nikolaou entspringt dieser Fluss am Kresna im Voras-Massiv, durchfließt eine enge Schlucht und nimmt bei Loutra Loutrakiou die Wasser von Thermalquellen auf, die mit ihrem metallreichen Wasser zu Heilzwecken genutzt werden und die Toponymie der Gegend (slawisch Toplica und griechisch Thermopotamos bedeutet ‚warmer Fluss‘, Loutra ‚Bäder‘) bestimmt hat. Südlich der Toplitsa kommt von der Südflanke des Kaimaktsalan der Aspropotamos, der bei Ydrea in den Moglenitsas mündet.
Klima mini|Durchschnittstemperatur und Niederschläge in Aridea
In Almopia herrscht ein warmgemäßigtes Kontinentalklima mit relativ trockenen, warmen Sommern und kühlen, niederschlagsreichen Wintern. Bei der Wetterstation in Aridea wurden von 1983 bis 1992 von November bis März durchschnittlich 5,3 Tage Schneefall gemessen, während am Voras ab einer Seehöhe über 1000 Metern eine Schneedecke von über 50 cm keine Seltenheit ist. In der Ebene trat an durchschnittlich 181 Tagen im Jahr Nebel auf, in Frühling und Herbst tendenziell etwas häufiger als in den übrigen Jahreszeiten. Ober-Almopia ist dabei deutlich kühler als die Ebene von Aridea, das frische Klima der Gegend galt traditionell als gesund. Die Abschottung durch Berge in alle Himmelsrichtungen trennt das Becken klimamäßig außerdem von den umliegenden Landschaften und der makedonischen Tiefebene. Der Karatzovitis, ein charakteristischer kalt-trockener Fallwind vom Grat des Voras, kann das ganze Jahr über auftreten, sorgt aber vor allem zur Winterzeit häufig für heftige, bitterkalte Böen in der Ebene. Aus dem Trichter Almopia weht er südlich bis weit in die makedonische Tiefebene in das übrige Gebiet Pellas und nach Imathia hinein. Andererseits erreichen im übrigen Griechenland vorherrschende Südwinde die Ebene von Aridea fast nie.Karatzoglou (s. Lit.) S. 36 ff.Vasilis Karamanlis: I ikologiki diachirisi tis prostatevmenis periochis tou orous Vora stin periochi Arideas, Patras 2007, S. 40–71.Erläuterungen zum Karatzovitis von Pierre Baguis auf
Verwaltungsgliederung Almopia setzt sich aus zwei Gemeindebezirken zusammen, die den Gebieten der ehemaligen Gemeinden Aridea und Exaplatanos entsprechen. Die 30 älteren, kleinen Gemeinden bilden den Stadtbezirk Aridea und 29 Ortsgemeinschaften, die eigene lokale Vertretungen wählen. Die Einwohnerzahlen stammen aus dem Ergebnis der Volkszählung von 2011.
mini|hochkant=2|Verwaltungsgliederung Almopias Gemeindebezirk Aridea – – 20.313 Einwohner. Stadtbezirk Aridea – – 7.057 Aridea – – 6.561 Ydrea – – 496 Ortsgemeinschaft Aloros – – 417 Ortsgemeinschaft Apsalos – – 1.121 Ortsgemeinschaft Dorothea – – 596 Agathi – – 32 Dorothea – – 564 Ortsgemeinschaft Garefi – – 663 Ortsgemeinschaft Loutraki – – 1.146 Loutra Loutrakiou – – unbewohnt Loutraki – – 1.146 Ortsgemeinschaft Lykostomo – – 403 Ortsgemeinschaft Megaplatanos – – 542 Megaplatanos – – 378 Monastiraki – – 164 Ortsgemeinschaft Orma – – 641 Ortsgemeinschaft Piperies – – 558 Ortsgemeinschaft Polykarpi – – 1.049 Ortsgemeinschaft Promachi – – 1.740 Ortsgemeinschaft Sarakini – – 413 Kato Koryfi – – 62 Sarakini – – 351 Ortsgemeinschaft Sosandra – – 1.078 Ortsgemeinschaft Tsaki – – 961 Ortsgemeinschaft Vorino – 1.161 Neochori – – 395 Vorino – – 766 Ortsgemeinschaft Xifiani – – 767 Gemeindebezirk Exaplatanos – – 7.243 Ortsgemeinschaft Archangelos – – 623 Ortsgemeinschaft Chrysi – – 281 Ortsgemeinschaft Exaplatanos – – 1.292 Ortsgemeinschaft Filotia – – 543 Ortsgemeinschaft Foustani – – 454 Ortsgemeinschaft Ida – – 639 Ortsgemeinschaft Konstantia – – 570 Ortsgemeinschaft Milea – – 1.001 Milea – – 558 Rizochori – – 443 Ortsgemeinschaft Neromyli – – 166 Neromyli – – 78 Prodromos – – 88 Ortsgemeinschaft Notia – – 334 Notia – – 309 Aetochori – – 25 Ortsgemeinschaft Periklia – – 423 Periklia – – 341 Langadia – – 82 Ortsgemeinschaft Theodoraki – – 583 Ortsgemeinschaft Thiriopetra – – 334
Politik Zum Bürgermeister der neuen Gemeinde wurde bei den Kommunalwahlen 2010 Dimitrios Pasois (PASOK) gewählt, dessen Liste 16 der 25 Sitze im Gemeinderat errang. Zwei nicht parteigebundene Wahllisten erreichten sieben und vier Sitze.Wahlergebnisse auf den Seiten des griechischen Innenministeriums (griechisch)
Verkehr Von 1916 bis 1936 wurde in Almopia die 42,5 km lange Karatzova-Decauville-Bahn betrieben, die über Apsalos bis Aridea und Orma führte.
Literatur Tasos Karatzoglou: O topos mas. Gnorimia me to dimo Exaplatanou, Thessaloniki u. a. 2003, ISBN 960-8146-05-4; lyk-exapl.pel.sch.gr (PDF; 23,5 MB)
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Gemeinde in Zentralmakedonien Kategorie:Ehemalige Provinz (Griechenland) Kategorie:Territorium (Antikes Griechenland)