Weltreiterspiele 2014 Austragungsregion: Basse-Normandie, Teilnehmende Pferdesportler: rund 900 Hauptstadion: Stade Michel-d’Ornano, Caen Internet: www.normandy2014.com
Die Weltreiterspiele 2014 (französisch Jeux équestres mondiaux de 2014) fanden vom 23. August bis 7. September 2014 in der Normandie statt, Hauptaustragungsort war Caen.
Bei den Weltreiterspielen 2014 handelte es sich um die Weltmeisterschaften in folgenden acht Reitsportdisziplinen: Distanzreiten Dressurreiten Dressurreiten der Reiter mit Behinderung Reining Springreiten Vielseitigkeitsreiten Vierspännerfahren Voltigieren
Neu zum Programm hinzugekommen war 2014 das Doppelvoltigieren (Pas de deux).
Organisation Vergabe Ende März 2009 gab die FEI bekannt, dass die Weltreiterspiele 2014 an die Region Basse-Normandie vergeben wurden. Es hatte keine weiteren Bewerber um die Austragung gegeben.Weltreiterspiele 2014: „Yes we Caen!“, St. Georg, 31. März 2009. Damit finden nach acht Jahren wieder Weltreiterspiele in Europa statt.
Testturniere miniatur|Springreiter beim Testturnier im Stade Michel-d’Ornano In Vorbereitung der Weltreiterspiele fanden drei Testturniere statt. Vom 15. bis 18. August 2013 wurde in Haras du Pin eine CCI 2*-Vielseitigkeit durchgeführt. Hier siegte Vittoria Panizzon aus Italien mit Merlots Magic.Ergebnis CCI 2* Le Pin au Haras 2013 Das zweite Testturnier wurde in Caen für die Vierspännerfahrer durchgeführt. Dieses als CAI-A 4 ausgeschriebene Turnier wurde vom 22. bis 25. August 2013 durchgeführt, der Sieg ging an den US-Amerikaner Chester Weber mit seinem Gespann.Ergebnis CAI-A 4 Caen 2013
Gut ein Jahr später fand das dritte Testturnier im Stade Michel-d’Ornano in Caen statt, es war als CDI 3* und CSI 2* ausgeschrieben.CDI 3* und CSI 2* Caen 2014 Bei den Dressurreitern siegten hier Gareth Hughes (Großbritannien) mit Nadonna im Grand Prix, Carl Hester (Großbritannien) mit Nip Tuck im Grand Prix Spécial und Cristobal Belmonte (Spanien) mit Diavolo II de Laubry. Den Großen Preis der Springreiter gewann der Franzose Patrice Delaveau mit Ornella Mail. Bei dieser Testveranstaltung zeigten sich noch Mängel im Stallbereich, der auf Kunstrasenplätzen untergebracht ist.Bildergalerie vom Test Event in Caen – Generalprobe für die Weltreiterspiele in der Normandie – Teil 3 – Der Stall
Kritik Die Weltreiterspiele litten in der ersten Woche unter schlechten Witterungsbedingungen, es kam zu erheblichen Niederschlägen. Dies hatte vor allem für die abseits von Caen gelegenen Austragungsorte Folgen: Besonders schlimm traf es die Strecke der Distanzreiter, die Reiter und Pferde mussten sich zum Teil durch 30 Zentimeter tiefen Schlamm hindurchkämpfen. Nur 38 von 170 Starterpaaren kamen in das Ziel. Der Weltverband FEI erklärte, dass die Tierärzte extrem vorsichtig waren, um die Pferde zu schützen.
Bereits zu einem frühen Zeitpunkt des Distanzrittes stürzte Dorado, der Wallach der costa-ricanischen Reiterin Claudia Romero Chacon, über eine Wurzel am Rande des vorgegebenen Weges, stieß dabei mit seinem Kopf gegen einen Baum, was tödliche Kopfverletzungen zur Folge hatte. Die Reiterin kam in ein Krankenhaus. Der Bundestrainer der deutschen Distanzreiter forderte, dass der Distanzritt Konsequenzen haben müsse. Der Veranstalter habe es entgegen der gängigen Praxis nicht gestattet, die Strecke im Vorfeld abzufahren. Die wenigen vorab einsehbaren Abschnitte hätten die Equipechefs in Alarmbereitschaft versetzt, daher hätten fast alle Nationen vor dem Ritt Kritik geübt und eine Entschärfung der Strecke gefordert. Es sei jedoch nichts geändert worden, obwohl es Möglichkeiten für bessere bereitbare Strecken gegeben hätte.WEG: „Kritik der Equipechefs verhallte“, Deutsche Reiterliche Vereinigung / Susanne Hennig, 29. August 2014.Weltreiterspiele Distanzreiten: „Das ist nicht zumutbar“, Frankfurter Rundschau / dpa, 29. August 2014.Distanzreiten: Pferd tot – Reiterin im Krankenhaus, Dieter Ludwig, 29. August 2014.
Zunächst fiel das Resümee der Vielseitigkeits-Geländestrecke positiver aus: auch in Haras du Pin hatte der Regen die Bedingungen massiv erschwert, der Boden war durch den Regen wasserdurchtränkt. Dennoch konnten hier, wo jährlich internationale Vielseitigkeiten stattfinden, mit eigens angelegte und mit Drainagen versehenen Reittrasse bessere, wenn auch nach Aussage von Reitern nicht weltmeisterschaftswürdige, Bedingungen geschaffen werden. Vor Beginn der Prüfung wurden zwei Hindernisse aus der Bahn genommen, damit wurde die Strecke um 500 Meter verkürzt. Die Geländestrecke beendeten mehr als zwei Drittel der Starter, allerdings waren viele der Pferde erschöpft. Nach Aussage des Chefveterinärs vor Ort hätten die meisten Pferde die Strecke generell in guter Verfassung beendet.
Kurz vor Ende des Geländetages der Vielseitigkeitsreiter kam es dann zu einem traurigen Ereignis: Wild Lone, das Pferd des britischen Mannschaftsreiters Harry Meade, brach auf dem Abreiteplatz beim Trockenführen nach dem Ziel tot zusammen. Nach Aussage des Reiters sei der Wallach auf der Strecke noch frisch gewesen, die Bodenverhältnisse hätten keine Rolle für den Zusammenbruch des Pferdes gespielt.Weltreiterspiele 2014, Vielseitigkeit: Strecke entschärft, Reiter Revue International, 30. August 2014.VIELSEITIGKEIT – Die Deutschen verteidigen die Führung, ein Pferd stirbt nach Gelände, St. Georg, 30. August 2014.Weltreiterspiele 2014, Vielseitigkeit: Harry Meades Pferd ist tot, Reiter Revue International, 30. August 2014.Blog 2 von den Weltreiterspielen 2014: Eng, enger, Buschreiter-Container, Reiter Revue International, 25. August 2014.
Neben den Streckenbedingungen gab es auch an weiteren Stellen Kritik: so hätte es an der Unterbringung und Verpflegung der Vielseitigkeitsreiter gehapert, viele Reiter hätten daher die Wohnbereiche ihrer Pferdetransporter den Wohncontainern für jeweils drei Personen vorgezogen. Kritisiert wurden auch die mangelhafte Versorgung der Zuschauer und ein mangelhaftes Transportsystem.WEG – ein ernüchterndes Fazit, Kim Kreling auf dressursport-deutschland.de, 31. August 2014. Bereits vor „Halbzeit“ der Weltreiterspiele bezeichnete der australische Reitsportjournalist Christopher Hector die Veranstaltung als Worst Ever Games (die schlechtesten Spiele überhaupt; Wortspiel mit der Abkürzung WEG, World Equestrian Games), die Umstände seien schlimmer als bei den Weltreiterspielen 1994 in Den Haag., Christopher Hector beim The Horse Magazine, 29. August 2014 (englisch) Auch andere Journalisten stimmten dieser Aussage im Grundsatz zu.http://www.st-georg.de/blog/detail.php?objectID=17422&class=61 Die Normandie ist nicht Aachen. Wirklich nicht., Gabriele Pochhammer, 26. August 2014.
Austragungsorte miniatur|Stade Michel-d’Ornano während des Grand Prix de Dressage Die Austragungsorte verteilen sich über die Normandie, der Schwerpunkt befindet sich in Caen. Hier finden im Stade Michel-d’Ornano, einem zur Reitarena umgestalteten Fußballstadion, die Eröffnungs- und die Schlussfeier statt, die Wettbewerbe im Dressurreiten sowie die Springen im Springreiten und im Vielseitigkeitsreiten werden ebenfalls hier durchgeführt.
Der zweite große Austragungsort in Caen ist das Zénith, eine Halle mit 4000 Sitzplätzen. Hier werden die Voltigierer ihre Wettbewerbe durchführen. In Nachbarschaft hierzu stehen die Messehallen von Caen (Caen Expo-Congrès). Hier finden die Wettbewerbe in Reining statt. Ebenfalls in Caen befindet sich die Trabrennbahn Hippodrome de la Prairie, wo während der Weltreiterspiele Vierspännerfahrer und die Dressurreiter mit Behinderung antreten.
Gut 40 Kilometer östlich von Caen, in Deauville werden außerhalb des normalen Programms der Weltreiterspiele Wettbewerbe im Polo gezeigt. Die zweite Demonstrationssportart, Horseball, präsentiert sich in Saint-Lô. Am westlichen Ende der Normandie, rund um Sartilly, vor der Kulisse von Mont-Saint-Michel, werden die Distanzreiter ihren Ritt austragen.
Südlich von Caen befindet sich das traditionsreiche Nationalgestüt Haras du Pin. Hier, wo regelmäßig Vielseitigkeitsturniere durchgeführt werden, richteten die Vielseitigkeitsreiter während der Weltreiterspiele ihre Dressur sowie den Geländeritt aus. (englisch)
Eröffnungsfeier und Schlusszeremonie Die Eröffnungsfeier fand im Stade Michel-d’Ornano statt. Vor Beginn der eigentlichen Eröffnungsfeier wurden dem Publikum zunächst in kurzen Schaunummern verschiedene Pferderassen aus aller Welt vorgestellt. Als Einstieg in die Eröffnungsfeier zeichnete die Patrouille de France die französische Flagge in den Himmel über dem Stadion. Am Boden übernahm dann das Kavallerieregiment der Garde républicaine mit einer musikalischen Vorführung. Anschließend war dann der klassische Einmarsch der Nationen auf dem Programm, wobei hier die Fahnen zunächst nicht von den Fahnenträgern der Nationen getragen wurden, sondern von Reitern auf Percheronpferden. Erst am Ende der Runde der Mannschaft durch das Stadion wurde die Fahne dann an den Fahnenträger übergeben, während die übrigen Sportler der Nation das Stadion verließen. Fahnenträgerin der deutschen Mannschaft war Hannelore Brenner.
Die Eröffnung wurde von drei Rednern vollzogen: Zunächst hielt der Präsident des Organisationskomitees und des Regionalrats der Region Basse-Normandie, Laurent Beauvais, seine Rede. Anschließend sprach FEI-Präsidentin Prinzessin Haya Bint Al Hussein auf Französisch und Englisch. Mit wenigen Worten eröffnete dann Premierminister Manuel Valls die Spiele.Let the Games begin!, Pressemitteilung der FEI, 24. August 2014 (englisch) Valls war der erste Premierminister eines Staates überhaupt, der Weltreiterspiele eröffnete.
Einen Eid, vergleichbar dem olympischen Eid, leisteten die Dressurrichterin Anne Peain und als Vertreter für die Sportler der Springreiter Kevin Staut ab. Nach einer weiteren musikalischen Vorführung des Kavallerieregiments der Garde Républicaine begann dann der Schauteil der Eröffnungsfeier mit Lichteffekten, Tanz und Reitvorführungen.
Die Schlusszeremonie, die nach der Siegerehrung der Einzelwertung der Springreiter erfolgte, begann wie die Eröffnungsfeier mit Schaunummern. Die Fahnen der Nationen wurden durch freiwillige Helfer in das Stadion getragen, dabei wurde die Leistung der freiwilligen Helfer gewürdigt. Von den Sportlern durften sich nochmals alle Goldmedaillengewinner präsentieren, die ebenfalls in das Stadion einzogen. Nach einem Zwischenprogramm, das unter anderem eine Vorführung berühmter Hengste der Selle-Français-Zucht umfasste, folgten die drei Schlussredner. Zunächst sprach, wie in der Eröffnungsfeier, Laurent Beauvais. Dieser übergab an Pauline Quinlan, Bürgermeisterin von Bromont. Diese blickte voraus auf die Weltreiterspiele 2018 im überwiegend französischsprachigen Bromont in der kanadischen Provinz Québec. Als letzte Rednerin trat Prinzessin Haya bint al-Hussein vor das Mikrofon, zum letzten Mal als FEI-Präsidentin vor großen Publikum. Ihre Amtsperiode endete im Dezember 2014.FEI-Präsidentin: Prinzessin Haya verzichtet auf dritte Amtszeit, Cavallo, 14. August 2014.
Wettkämpfe Zeitplan Die Eröffnungsfeier wurde am Samstagabend, den 23. August, durchgeführt. In der ersten Woche finden die Prüfungen jeweils von Montag bis Sonntag statt, in der zweiten Woche werden Prüfungen von Dienstag bis Sonntag ausgetragen. Die Schlussfeier wird sich dann am Sonntag ab 17:00 Uhr anschließen. (PDF, englisch)
23. Aug.24. Aug.25. Aug.26. Aug.27. Aug.28. Aug.29. Aug.30. Aug.31. Aug.1. Sept.2. Sept.3. Sept.4. Sept.5. Sept.6. Sept.7. Sept. Zeremonien Eröffnungs-feier Abschluss-feier Distanzreiten E/M Dressur E/M E/M E E Dressur der Reiter mit Behinderung M M E/M E/M E Reining E/M E/M E E Springen E/M E/M E/M E E Vielseitigkeit E/ME/ME/ME/M Vierspännerfahren E/M E/M E/M E/MVoltigieren E/M E/M E/P E/M/P
Legende: E: Prüfung der Einzelwertung M: Prüfung der Mannschaftswertung P: Pas de deux-Prüfung die blauen Felder stehen für Tage mit Prüfungen, die goldenen Felder für den Tag der jeweiligen Entscheidung