mini|Übersichtsplan des Geländes der Landesgartenschau Die Landesgartenschau Zülpich war die 16. Landesgartenschau (auch: LGS oder LaGa) des Landes Nordrhein-Westfalen und fand gemeinsam mit vier anderen Landesgartenschauen in Deutschland im Jahr 2014 statt. Sie war vom 16. April 2014 bis zum 12. Oktober 2014 in Zülpich geöffnet und stand unter dem Motto „Zülpicher Jahrtausendgärten – Von der Römerzeit bis ins 21. Jahrhundert“. Die LGS Zülpich war nach der LGS in Mechernich-Kommern 1972 die zweite Landesgartenschau im Kreis Euskirchen.

Große Teile des Geländes bleiben auch nach der Landesgartenschau unter dem Namen Seepark Zülpich erhalten.

Geschichte Bewerbung um die Landesgartenschau 2010 Die damalige NRW-Landesregierung hatte am 26. Januar 2006 beschlossen, die Durchführung der Landesgartenschauen in dreijährigem Rhythmus im Zeitraum zwischen 2008 und 2017 fortzusetzen. Da bereits die Bundesgartenschau 2011 in Koblenz, weniger als 100 km von der Grenze Nordrhein-Westfalens entfernt, stattfinden sollte, wurde die für dieses Jahr vorgesehene Landesgartenschau ein Jahr vorverlegt.

Der Rat der Stadt Zülpich gab am 7. September 2006 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, welche die Möglichkeiten, finanziellen Folgen und Risiken einer Landesgartenschau in Zülpich bewerten und ein erfolgversprechendes Konzept für eine Bewerbung liefern sollte. In einem Bürger-Workshop wurden Ideen und Anregungen für eine Landesgartenschau gesammelt, unter anderem wurde die Errichtung einer Seepromenade und eine Verschönerung des derzeit als Parkplatz genutzten Marktplatzes angeregt. Am 8. Februar 2007 beschloss der Stadtrat, sich um die Ausrichtung der Landesgartenschau zu bewerben. Sollte ein Zuschlag für das angestrebte Jahr 2010 ausbleiben, stehe die Stadt Zülpich auch für die darauf folgende Landesgartenschau zur Verfügung.

Einziger Mitbewerber um die Landesgartenschau 2010 war die Stadt Hemer. Die Auswahl wurde von einer zehnköpfigen unabhängigen Bewertungskommission durchgeführt. Sie bestand aus Vertretern der Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau- und Landespflege, des Städte- und Gemeindebundes NRW, der Tourismusagentur NRW, der Naturschutzverbände, der Wissenschaft, der Landesverbände der Kleingärtner, der Gartenamtsleiterkonferenz NRW sowie der Ministerien für Bauen und Verkehr und für Umwelt und Naturschutz. Die Kommission besuchte Hemer am 24. April und Zülpich am 27. April 2007, um sich für ihre Auswahlempfehlung selbst ein Bild zu machen.

Der nordrhein-westfälische Minister für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Eckhard Uhlenberg gab am 2. Mai 2007 in Düsseldorf den Zuschlag für Hemer als Ausrichter der Landesgartenschau 2010 bekannt. „Es war ein sehr knappes Rennen. Beide Bewerbungen hatten ein hohes Niveau und waren nach Ansicht der Kommission gut geeignet für die Durchführung einer Landesgartenschau.“ In seiner Begründung schätzte er „die Beseitigung der siedlungsstrukturellen Defizite wie auch die Verbesserung der touristischen Profilierung in Zülpich nicht so zwingend notwendig und zeitlich dringlich“ wie für Hemer ein.

Zülpich habe jedoch eine „landesgartenschaureife Bewerbung“ abgegeben. Zülpichs Bürgermeister Albert Bergmann wurde von Uhlenberg angehalten, dass Zülpich sich für die nächste Landesgartenschau erneut bewerben sollte.

Bewerbung um die Landesgartenschau 2014 Am 30. August 2007 gab die Stadt Zülpich die Bewerbungsunterlagen für die Landesgartenschau 2014 ab, einziger Mitbewerber war die Stadt Hamm. Die ebenfalls eingereichte Bewerbung der Stadt Duisburg konnte aufgrund der finanziellen Probleme der Stadt nicht berücksichtigt werden. Die Stadt Ahlen hatte eine Bewerbung erarbeitet, diese jedoch aufgrund von offenen Fragen zur Nachnutzung des Landesgartenschau-Geländes nicht eingereicht.

Nachdem die Bewertungskommission Zülpich am 2. April und Hamm am 3. April 2008 besucht hatte und ihr Votum einstimmig für Zülpich abgegeben hatte, erhielt Zülpich am 8. April 2008 vom Umweltminister offiziell den Zuschlag. Dieses Mal äußerte Uhlenberg in der Begründung: „Das Konzept aus Zülpich war am Ende aber überzeugender, weil es sehr deutlich darstellt, dass die Gartenschau in Zülpich das am besten geeignete Instrument für die künftige Stadtentwicklung ist und damit der Stadt und der Region auch touristisch einen wichtigen Schub geben wird.“

Mit einem kurzfristig angesetzten Bürgerfest wurde der Zuschlag im Innenhof des Rathauses in Zülpich gefeiert.

Organisation und Bau der Gartenschau Am 22. Januar 2009 schloss sich in der Bürgerbegegnungsstätte Martinskirche der Förderverein zur Landesgartenschau 2014 mit 105 Gründungsmitgliedern zusammen.

Zur Vorbereitung, Durchführung und Abwicklung sowie den Rückbau der Landesgartenschau wurde am 9. Februar 2009 die Landesgartenschau Zülpich 2014 GmbH gegründet. Gesellschafter der GmbH sind die Stadt Zülpich und die Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege NRW e. V. (LAGL) mit Sitz in Köln. Zum Geschäftsführer wurden Stadtplaner Christoph Hartmann und Diplom-Ingenieur Heinrich Sperling bestimmt. Die Gesellschaft verfügt über ein Stammkapital von 30.000 Euro, wobei die Stadt Zülpich eine Stammeinlage von 20.000 Euro und die LAGL eine von 10.000 Euro übernommen hat.

Im Aufsichtsrat sitzen Bürgermeister Bergmann als Aufsichtsratsvorsitzender, dazu Stadtkämmerer Ottmar Voigt, die sechs Vorsitzenden der im Rat der Stadt Zülpich vertretenen Fraktionen sowie vier Vertreter der LAGL. Die Bezirksregierung Köln, das Umweltministerium NRW, der Kreis Euskirchen und der LaGa-Förderverein entsenden je ein beratendes Mitglied. Der Aufsichtsrat besteht somit insgesamt aus zwölf stimmberechtigten und vier beratenden Mitgliedern.

Am 7. November 2011 startete der Dauerkartenverkauf, Tageskarten waren ab Herbst 2013 erhältlich. In der ersten Vorverkaufsphase bis zum 31. Dezember 2011 wurden insgesamt 2760 Dauerkarten verkauft.

Im November 2012 übernahm die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Schirmherrschaft für die LaGa.

Baumaßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur Die Ampelkreuzung vor dem Kölntor wurde durch einen Kreisverkehr ersetzt, Zebrastreifen ersetzen die Fußgängerampeln. Im Zuge dieser Umbauarbeiten wurde die Martinstraße bis zum Durchbruch der Stadtmauer und der gesamte Frankengraben bis zum Münstertor erneuert. Hier wurden zudem beidseitig Radfahrstreifen errichtet. Die Umbauarbeiten starteten im Mai 2011 und wurden Anfang Oktober 2011 abgeschlossen.

Von Juli 2011 bis Februar 2012 wurden die Umbauarbeiten an der Nideggener Straße vorgenommen. Neben der Erneuerung von Straßenbelag und Gehwegen wurden Säulen-Hainbuchen entlang der Straße angepflanzt.

Auch der Vorplatz am Münstertor wurde ab April 2012 von einer Ampelkreuzung in einen Kreisverkehr umgebaut und sollte so einen deutlich attraktiveren Eingang zur Altstadt bilden. Dazu wurde das Eckhaus, ein seit Sommer 2009 leerstehendes Haushaltswarengeschäft, abgerissen, da ein Teil der Grundstücksfläche zum Bau des Kreisverkehrs benötigt wurde. Die an die Kreuzung angrenzende Grünfläche wurde umgestaltet. Auch der Platz am Weiertor und die Weierstraße wurden saniert. Aufgrund von Kanalarbeiten an der Bonner Straße wurde auch diese erneuert.

Historische Funde beim Bau der Landesgartenschau mini|Burg Zülpich Im Februar 2011 stießen Archäologen bei Grabungsarbeiten an der Kurkölnischen Landesburg auf einen zwanzig Meter langen Graben und Überreste von Stützpfeilern einer bis zu diesem Zeitpunkt unbekannten Zugbrücke, mittels derer der Zugang zur Burg ohne das vorherige Betreten der Stadt möglich gewesen war. Diese Stützpfeiler bestanden aus Überresten der an gleicher Stelle gegen 1350 erbauten Vorgängerburg. Darüber hinaus stießen die Archäologen auf zerbrochenes Geschirr, Speiseabfälle und eine Kanonenkugel aus Drachenfels-Trachyt mit einem Gewicht von rund 2,5 Pfund.

Bei Umbauarbeiten des Marktplatzes im April 2011 wurden zahlreiche Funde aus spätrömischer und fränkischer Zeit entdeckt. Neben rund 50 Gräbern, darunter drei Sarkophage aus den sechsten oder siebten Jahrhundert mit den damals üblichen Grabbeigaben, wurde erstmals ein Stück der Römerstraße entdeckt, die nach Neuss führte. Überreste von zwei Kapellen, von denen eine römischen Ursprungs war, sowie ein 17 Meter tiefer, mittelalterlicher Brunnen, der spätestens im 16. Jahrhundert errichtet wurde, wurden entdeckt. Diese Funde führen zu Bauverzögerungen von mehreren Monaten, da an dieser Stelle, die außerhalb der römischen Stadtgrenzen liegt, auch aufgrund der Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg überhaupt nicht mit dem Fund von Bodendenkmälern gerechnet wurde. Die Grabungskosten in Höhe von 129.000 Euro belasten größtenteils den Haushalt der Stadt Zülpich als Grundstückseigentümerin des Marktplatzes.

Bei archäologischen Grabungen, die von Juli bis September 2011 im Vorfeld von Kanalarbeiten auf dem Mühlenberg stattfanden, wurden diverse Funde aus römischer Zeit entdeckt. Überreste eines Wohnhauses mit Säulen, die es ansonsten nur in tempelähnlichen Bauten gab, deuten darauf hin, dass hier wohlhabende Römer gelebt haben. Dies bestätigen Funde von hochwertigem Geschirr aus dem zweiten Jahrhundert. Darüber hinaus fanden die Archäologen Reste von Trierer Spruchbechern aus dem vierten Jahrhundert sowie eine Feuerstelle aus Ziegeln und Überreste eines Pferdegebisses.

Auch bei den Bauarbeiten von Burgplatz und Kirchplatz auf den Mühlenberg im Sommer 2012 haben Archäologen zahlreiche Fundstücke aus Römerzeit, Spätantike und Mittelalter freigelegt. Neben Resten von Häuserfronten wurden hier verbrannte Ziegel, ein Stampflehmboden und Überreste von römischen Fußbodenheizungen gefunden, was auf ein größeres Haus an dieser Stelle hindeutet. Die Häuser waren mit geometrischen Wandmalereien und teilweise auch mit Mosaiken verziert. Auch Terra Sigillata, eine Fibel aus Bronze und eine goldene Perle, die vermutlich Teil einer Glaskette war, wurden entdeckt. Unmittelbar vor der Pfarrkirche St. Peter gruben die Archäologen einen Matronenstein aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert aus. Auf dem Mühlenberg legten die Archäologen einen römischen Brunnen aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert frei. Auch ein in den Jahren zwischen 50 und 70 nach Christus erstellter Jünglingskopf aus lothringischem Kalkstein wurde hier gefunden. Dieses Halbrelief hat eine Größe von rund 27 Zentimetern und zierte vermutlich die steinerne Einfassung eines Sarges. Außerdem wurden auf dem Mühlenberg 23 hölzerne Gräber entdeckt, die Spuren deuten darauf hin, dass hier Menschen von der Römerzeit bis ins 18. Jahrhundert beerdigt wurden.

Beim Umbau des Ostturms der Landesburg stieß man Ende 2012 auf ein eingemauertes gotisches Fenster.

Konzept Die Landesgartenschau umfasste drei Hauptschauplätze, den 20 ha großen „Seepark“ am Wassersportsee Zülpich, den rund 5 ha großen „Park am Wallgraben“ sowie die „Historische Altstadt“.

Seepark mini|Römerbastion am Seepark zum Eröffnungstag am 16. April 2014 mini|Seebühne mini|Designergarten Bereits am 13. Dezember 2007 beschloss der Rat der Stadt Zülpich im Hinblick auf die Landesgartenschau-Bewerbung, den bislang für 40.000 Euro jährlich gepachteten Wassersportsee von der Juntersdorf GmbH zu erwerben. Neben dem rund 85 ha großen Wassersportsee erwarb die Stadt Zülpich am 15. Februar 2008 auch 25 ha Nebenflächen, der Kaufpreis betrug 1,05 Millionen Euro. Möglich geworden war der von der Stadt bereits seit vielen Jahren angestrebte Erwerb des Sees durch die im Jahr 2007 vollzogene Übertragung des Kanalnetzes an den Erftverband.