Die Operation Brushwood war eine ausschließlich von amerikanischen Truppen und Marinestreitkräften in Marokko durchgeführte Teiloperation des Unternehmens Torch, der Invasion der Westalliierten in Französisch-Nordafrika während des Zweiten Weltkrieges. Ziel der Operation war die Einnahme des etwa 25 Kilometer nordöstlich von Casablanca liegenden und von vichy-französischen Truppen verteidigten Hafens von Fedala, von welchem aus dann nachfolgend der entscheidende Vorstoß gegen Casablanca geführt werden sollte.

Flankierend fanden zudem beinahe gleichzeitig Anlandungen bei Safi (Operation Blackstone) und Mehedia-Port Lyautey (Operation Goalpost) statt. Die Masse der nur aus amerikanischen Einheiten bestehenden sogenannten Western Task Force kam wegen der Konzentration der Kräfte gegen Casablanca bei Fedala zum Einsatz. Der Hafen war vor allem wegen seiner günstigen Anlandemöglichkeiten als eines der Hauptziele ausgewählt worden.

Die amerikanischen Streitkräfte Die bei Fedala eingesetzten Landungstruppen zählten insgesamt 19.364 Soldaten, darunter drei Regimenter der 3. US-Infanteriedivision, zwei Bataillone und ein Regiment der 2. US-Panzerdivision, drei Bataillone Panzerjäger (tank destroyers), das unabhängig operierende 756. US-Panzerbataillon und Teile des 36. US-Pionier-Regiments. Insgesamt verfügte die Invasionsstreitmacht über etwa 80 Panzer, zum überwiegenden Teil leichtere M3 Stuart, und rund 1.630 sonstige Fahrzeuge, wobei alleine etwa 1.300 Fahrzeuge den drei Regimentern der 3. US-Infanteriedivision zugeteilt waren. Die Panzerjäger-Einheiten waren weitgehend mit M3-Halbkettenfahrzeugen mit behelfsmäßig aufmontierten 75-mm-Feldgeschützen M1897A5 sowie mit Dodge M6 GMC mit ebenfalls behelfsmäßig montierten 37-mm-Panzerabwehrkanonen des Typs M3 ausgerüstet. Die Heeresverbände standen unter dem Kommando von Major General George S. Patton

mini|links|Amerikanischer M6 GMC mit aufmontiertem 37-mm-Panzerabwehrgeschütz M3. mini|400px|Übersicht über die Angriffspositionen der alliierten Schiffe vor Fedala. Die Seestreitkräfte der bei Fedala eingesetzten Task Group (TG) 34.9 (Center Attack Group) bestanden aus dem Schweren Kreuzer Augusta, dem Leichten Kreuzer Brooklyn sowie den Zerstörern Rowan (DD-405), Wilkes (DD-441), Swanson (DD-443) und Ludlow (DD-438). Die weiteren Zerstörer der Destroyer Squadron 13 (DesRon 13) – Woolsey (DD-437), Edison (DD-439), Bristol (DD-453), Boyle (DD 600), Murphy (DD-603), Tillman (DD-641), Hogan (DD-178), Palmer (DD-161), Stansburg (DD-180) und Hambleton (DD-455/DMS-20) – sowie der Minenleger Miantonomah (CMc-5) und der Minensucher Auk (AM-57) bildeten den U-Boot-Schutzschirm und fuhren Minensicherung. Die Transportflotte setzte sich aus den Truppentransportschiffen Leonard Wood (AP-25), Ancon (AP-66), Arcturus (AK-18), William P. Biddle (AP-15), Tasker H. Bliss (AP-42), Charles Caroll (AP-58), Joseph T. Dickman (AP-26), Joseph Hewes (AP-50), Thomas Jefferson (AP-60), Oberon (AK-56), Procyon (AK-19), Edward Rutledge (AP-52), Hugh L. Scott (AP-13), Elizabeth C. Stanton (AP-69) und Thurston (AP-77) zusammen. Zu diesen 15 großen Truppentransportschiffen kamen noch 57 mittlere und kleinere Transporter sowie 347 Landungsboote (an Bord der Schiffe).

Die Luftsicherung wurde von dem Flugzeugträger Ranger und dem Geleitflugzeugträger Suwannee gestellt (die von weiteren fünf Zerstörern gesichert und von zwei U-Booten und einem Tanker begleitet wurden). Befehlshaber der Landungsflotte der Center Attack Group vor Fedala war Captain Robert R. M. Emmet an Bord des großen Transporters Leonard Wood, er unterstand dabei dem Oberkommandierenden der Western Naval Task Force (Task Force 34), Rear Admiral H. Kent Hewitt.

An Bord der beiden Flugzeugträger befanden sich insgesamt etwa 110 Flugzeuge, darunter 45 Jagdflugzeuge des Typs Grumman F4F und 35 Torpedobomber und leichte Bomber TBF Avenger.

Die Vichy-französischen Streitkräfte Die französischen Verteidigungsstellungen um und in Fedala bestanden aus drei Küstenbatterien, darunter die rund fünf Kilometer nordöstlich des Hafens positionierte Batterie de Pont Blondin, welche über vier (drei einsatzbereite?) 13,86-cm-Geschütze verfügte (die maximale Reichweite dieser Kanonen lag bei rund 17 Kilometern), sowie die Batterie de Fedala (bestehend aus drei 10-cm-Geschützen), die unmittelbar den Hafen direkt schützte und die deswegen auch als Batterie du Port bezeichnet wurde. Ferner befand sich eine leichtere Batterie mit zwei 7,5-cm-Kanonen auf der dem Hafen vorgelagerten Landzunge des Cap de Fedala (auch Batterie des Passes genannt).Theodor Roscoe: United States destroyer operations in World War II. US Naval Institute, Annapolis 1953, S. 145f. Die Batteriestellungen waren von zahlreichen kleineren Bunkern und offenen Gefechtsständen umgeben, die teils mit leichten Maschinengewehren, teils auch mit einigen wenigen schweren 13,2-mm-Fla-MG des Modells Hotchkiss und mit Scheinwerfern bestückt waren. Insgesamt belief sich die Truppenstärke der Franzosen in Fedala auf etwa 2.500 Mann.

Die Truppen in Fedala selbst verfügten daneben noch über drei völlig veraltete Renault-FT-Panzer. In Casablanca, etwa 25 Kilometer entfernt, standen mit dem 1er Régiment de Chasseurs d’Afrique (1er RMCA) einer der wenigen kampfstärkeren Truppenverbände (der über rund 40 Panzer der allerdings ebenfalls bereits veralteten Modelle Hotchkiss H-39 und Renault R-35 verfügte) sowie rund 4.400 weitere französische Soldaten.

Daneben waren etwa 80 Flugzeuge (davon 37 mittlere Bomber des Typs Lioré & Olivier LeO 451 und rund 40 Jagdmaschinen Dewoitine D.520) auf nahen Flugfeldern im Umland einsatzbereit, welche in der Lage waren, das Kampfgebiet innerhalb weniger Minuten zu erreichen. In Casablanca selbst war zudem eine Bomberstaffel mit elf zweimotorigen Douglas DB-7 stationiert. Eine weitere Staffel der französischen Marineflieger mit neun Glenn-Martin 167F operierte ferner von Port-Lyautey aus. mini|links|Der US-Zerstörer Murphy, welcher während der Landung durch Küstenbatterien beschädigt wurde. mini|hochkant|links|US-Soldaten verlassen ein Higgins-Landungsboot (LCVP).

Die Landung Um einen Überraschungseffekt zu gewährleisten und auch weil man auf alliierter Seite annahm, dass die Franzosen möglicherweise keine Gegenwehr leisten würden, verzichteten die Amerikaner auf einen einleitenden Beschuss der Uferbefestigungen. In völliger Finsternis und bei böigem Wind näherten sich ab 4.00 Uhr morgens die ersten Landungsboote der Küste. Entlang des etwa fünf Kilometer langen Sandstreifens zwischen dem Hafen von Fedala und Pont Blondin, der in vier Invasionsabschnitte (RED 2, RED 3, BLUE 1 und BLUE 2) eingeteilt war, sollten drei Regimentslandegruppen (Regimental Landing Groups, RLG) anlanden. Der böige Wind, leichter Regen und die Dunkelheit erschwerten jedoch die Ausschiffung von den Transportern auf die Landungsboote stark, wodurch der Zeitplan in Verzug geriet. Zudem war der vorgeschobene Zerstörer Wilkes, der den Landungsbooten als Orientierungspunkt dienen sollte, infolge des Windes zu weit nach Südwesten abgedriftet. Dies führte dazu, dass zahlreiche Landungsfahrzeuge ebenfalls nach Süden auswichen und dort auf Untiefen aufliefen. Die erste Welle, bestehend aus 116 Landungsbooten, büßte infolgedessen 62 ihrer Fahrzeuge auf Untiefen und Riffen ein. Von den anfangs 25 LCVP des Transporters Charles Carroll waren nach der ersten Fahrt zum Strand nur noch sieben einsatzbereit.

Die ersten US-Soldaten, Teile des 1. Bataillons des 7. Regiments der 3. US-Infanteriedivision,Philip A. St. John: History of the Third Infantry Division. Rock of the Marne. 75th Anniversary Edition. Turner Publishing Company, Nashville 1994, S. 12. erreichten um 5.00 Uhr morgens etwa zwei Kilometer nordöstlich von Fedala das Ufer.St. John: Third Infantry Division, S. 12f. Viele Soldaten mussten die letzten Meter zum Strand schwimmen, da viele der Landungsboote aufgelaufen waren, und erreichten völlig durchnässt und teils ohne Ausrüstung das Ufer. Ob der nicht genau gesicherten Lage schwiegen die französischen Küstenbatterien zunächst noch, doch begannen etwa ab 5.20 Uhr Suchscheinwerfer das Ufer zu beleuchten. Unmittelbar darauf kam es zu ersten Schusswechseln zwischen US-Soldaten und senegalesischen Patrouillen am Strand.

Ein Platoon des 1. Bataillons drang gegen 6.00 Uhr in Fedala ein und erreichte das Hotel Miramar, in welchem auch der für die Vichy-Truppen in Marokko zuständige Zweig der deutschen Waffenstillstandskommission saß. Die dort anwesenden zehn deutschen Soldaten und Offiziere waren bei den ersten Schusswechseln am Strand geflohen, ihr Wagenkonvoi fuhr jedoch um 6.17 Uhr auf einer aus der Stadt hinaus führenden Straße einem anderen US-Platoon in die Hände und wurde mit vorgehaltenen Waffen zum Anhalten gezwungen. Alle zehn Wehrmachtsangehörigen wurden von den Amerikanern gefangen genommen. Bis etwa 6.00 Uhr erreichten knapp 3.500 US-Soldaten das Ufer.

Die Gefechte um die Küstenbatterien Nach den ersten Feuergefechten in Strandnähe eröffneten um 6.04 Uhr sowohl die Batterien bei Fedala als auch die Batterie de Pont Blondin das Feuer. Der Leichte Kreuzer Brooklyn sowie drei Zerstörer erwiderten daraufhin ab 6.20 Uhr den Beschuss, konnten die Batterien aber zunächst nicht ausschalten, da die Schiffe wegen des präzisen Feuers der Küstengeschütze, die bereits nach fünf Minuten den Leichten Kreuzer eingabelten, oft den Kurs wechseln und sich einnebeln mussten. Um 6.45 Uhr wurde der Zerstörer Murphy von einer 13,86-cm-Granate getroffen, die im Steuerbord-Maschinenraum explodierte und drei Mann tötete. 25 weitere Crewmitglieder erlitten Verletzungen. Der Zerstörer legte daraufhin einen Rauchschleier, zog sich vom Kampffeld zurück und wurde durch den Zerstörer Ludlow ersetzt. Da in der Stadt bereits Vorausgruppen operierten, mussten die Beschießungsschiffe ihr Feuer immer wieder unterbrechen, da Granaten auch auf bereits kontrolliertes Gebiet fielen. Hierdurch zog sich das Artillerieduell mit den Batterien erheblich in die Länge. mini|Der Leichte Kreuzer Brooklyn.

Gegen 9.00 Uhr morgens traf eine 15,2-cm-Granate der Brooklyn die Befehlsstelle der Feuerleitung der Batterie Pont Blondin. Zudem zerstörte ein Volltreffer eines der 13,86-cm-Geschütze, warf es von der Lafette und brachte einen daneben liegenden Stapel Kartuschen zur Explosion. Es waren dies die einzigen beiden direkten Wirkungstreffer, die auf dem Batteriegelände erzielt wurden. Rund 20 französische Soldaten wurden durch die Treffer und die nachfolgenden Explosionen getötet oder verwundet. Das daraus resultierende Durcheinander ausnutzend, stürmten die Amerikaner die Anhöhe und eroberten nach kurzem Feuergefecht gegen 9.30 Uhr das Batteriegelände. 72 französische Soldaten wurden dabei gefangen genommen.

Währenddessen hatte der Schwere Kreuzer Augusta die Batterie du Port mehrfach mit seinen schweren 20,3-cm-Geschützen beschossen, weswegen die Batterie gegen 7.25 Uhr zunächst das Feuer eingestellt hatte; eine der 10-cm-Kanonen war auch um 7.10 Uhr durch einen Volltreffer zerstört worden. Etwa ab 8.30 Uhr eröffnete die Batterie jedoch erneut, wenngleich auch nur unregelmäßig, das Feuer auf die Landestrände. Einige Granaten des Kreuzers hatten jedoch auch einen Öltank im Hafengebiet getroffen, weswegen dichter Rauch von den dortigen Bränden das Zielen erschwerte. Infolgedessen gelang es nicht, die Batterie niederzukämpfen. Der sporadische Beschuss wurde erst gegen 11.00 Uhr beendet, nachdem die Batteriebesatzung vor sich nähernden US-Soldaten kapituliert hatte, wobei 22 weitere französische Soldaten gefangen genommen werden konnten.