Seit etwa Ende der 1980er Jahre wird Erythropoetin als Dopingmittel zum Zweck der Leistungssteigerung missbraucht. Vor allem Ausdauersportler profitieren von der Wirkung; durch den erhöhten Anteil an Erythrozyten im Blut steigt allerdings die Gefahr von Blutgerinnseln. Erythropoetin (EPO) (und in der Folge auch alle weiteren Derivate wie zum Beispiel Darbepoetin) steht seit 1990 auf der Dopingliste der internationalen Anti-Doping-Organisation (WADA), der Einsatz ist also im Wettkampfsport verboten. Ein praktikables Nachweisverfahren von nicht körpereigenem EPO kann seit 2000 auch bei Urinproben angewandt werden. Da das Nachweisverfahren jedoch nur innerhalb der ersten vier Tage nach Verabreichung wirksam ist, die leistungssteigernde Wirkung jedoch bis zu 17 Tagen anhält, waren auch die Olympischen Spiele 2000 noch EPO-Spiele,Arnd Krüger: EPO-Spiele auch in Sydney? . da die Sportler bis zu zehn Tage Zeit hatten, eine signifikante Leistungssteigerung zu erzielen. Das spanische Anti-Dopinglabor, das 1990 bei den Pan-Amerikanischen Spielen in Havanna/Kuba die Dopingkontrollen durchführte und hierbei auch auf EPO testete, konnte zwar bei vielen hoch signifikant erhöhte EPO-Werte nachweisen, konnte diese jedoch nicht als Doping deklarieren, weil noch kein Verfahren bestand, um körpereigenes und -fremdes EPO differenzieren zu können.A. T. Kicman, D. A. Cowan: Peptide hormones and sport: misuse and detection. In: Br Med Bull. 1992 Jul;48(3), S. 496–517. Dies war erst ab 2000 möglich.

Der Mediziner, Ausdauersportler und Dopingexperte Jürgen Reul unternahm im Sommer 2007 einen weltweit einzigartigen und heftig umstrittenen Selbstversuch. Er fuhr den vor allem durch die Tour de France bekannten Anstieg nach L’Alpe d’Huez am 21. Juni in ungedoptem Zustand und nochmals am 4. Juli nach einer zweiwöchigen „EPO-Kur“. Ohne die Einnahme von EPO benötigte er für die 21 Serpentinen 70 Minuten, nach erfolgtem EPO-Doping konnte er sich (trotz schlechterer Wetterbedingungen mit Kälte, Regen und Gegenwind) um etwa 5 % auf 66 Minuten verbessern. Reul beschreibt in einem Interview auch die psychische Wirkung der EPO-Einnahme, die in einer (so wörtlich:) „höheren Kampfmoral und unterschwelligen Aggressionen“ bestand.„Das kann tödlich sein“ Epo-Doping im Selbstversuch Interview faz.net, abgerufen am 15. April 2010. Am 10. September 2012 starb der deutsche Amateur-Mountainbiker Frederik Zierke nachweislich an einer illegalen EPO-Einnahme.Tödliche Dopingspritze, spiegel.de vom 16. Dezember 2012 (abgerufen am 16. Dezember 2012).

EPO-Dopingfälle im Profisport

Die hervorgehobene Stellung als Biopharmazeutikum nimmt EPO auch beim Missbrauch zur illegalen Leistungssteigerung ein. Durch Geständnisse ehemaliger Spitzensportler wurde offenkundig, dass mit EPO in nahezu allen Ausdauersportarten seit der Markteinführung entsprechender Präparate gedopt wird. Im Profiradsport gehen anerkannte Dopingexperten wie Werner Franke von einem flächendeckenden, systematischen Missbrauch aus. Stellvertretend für dieses Dopingsystem stehen die Festina-Affäre 1998, das Verfahren gegen den italienischen Arzt Michele Ferrari im Jahr 2004, der Dopingskandal Fuentes 2006, die Geständnisse zahlreicher Radprofis des ehemaligen Team Telekom im Frühjahr 2007 im Zuge der Doping-Affäre Team Telekom, die lebenslange Sperre des ehemaligen US-Radsportstars Lance Armstrong im Oktober 2012 und die Enthüllungen der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats im Juli 2013. In der Außendarstellung wenig zweckdienlich war in diesem Zusammenhang das Engagement des EPO-Herstellers STADA als Hauptsponsor des Bundes Deutscher Radfahrer zwischen 2003 und 2008. Ebenfalls anrüchig wirkt die finanzielle Unterstützung der Radsportveranstaltung „Tour of California“ durch den US-amerikanischen Biotechkonzern Amgen. Auch mehr als ein Jahrzehnt nach Einführung eines von der Welt-Antidopingagentur WADA zugelassenen und ständig verbesserten Verfahrens zum Nachweis von EPO-Doping wurden zahlreiche Spitzensportler überführt und in Einzelfällen als Wiederholungstäter lebenslang gesperrt. Im Februar 2009 berichtete Professor Horst Pagel vom Institut für Physiologie der Universität Lübeck erstmals von Hinweisen, dass Sportler zur illegalen Leistungssteigerung von den klassischen EPO-Präparaten auf das zu diesem Zeitpunkt noch in der klinischen Erprobung befindliche EPO-Mimetikum Hematide umgestiegen sind.

Radsport

miniatur|Erik Zabel gestand im Mai 2007, Mitte der 1990er Jahre mit EPO gedopt zu haben. Laut einem Untersuchungsbericht des französischen Senats aus dem Jahr 2013 war er auch bei der Tour de France 1998 gedopt. miniatur|In einer Dopingprobe von Michael Rasmussen wurde im September 2007 das EPO-Mittel DynEPO nachgewiesen. miniatur|Patrick Sinkewitz machte nach seinem aufgedeckten Testosteron-Doping bei der Tour de France 2007 umfangreiche Aussagen zu den Dopingpraktiken des Teams T-Mobile. Dabei räumte er ein, auch mit EPO gedopt zu haben. miniatur|Moisés Dueñas ist einer von sechs überführten EPO-Dopingsündern während der Tour de France 2008. miniatur|Bernhard Kohl wurde im Oktober 2008 des Dopings mit dem EPO-Mittel CERA überführt. miniatur|Das Biotechunternehmen Amgen, Hersteller der EPO-Präparate Epogen und Aranesp, ist Hauptsponsor der Radsportveranstaltung Tour of California. miniatur|Silbermedaillengewinner Davide Rebellin wurde im April 2009 bei Nachkontrollen von Dopingproben, die bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking genommen worden sind, positiv auf das EPO-Mittel CERA getestet. miniatur|Bei Stefan Schumacher wurde in insgesamt drei Dopingproben der Tour de France 2008 und der Olympischen Spiele von Peking 2008 das EPO-Mittel CERA nachgewiesen. miniatur|Christian Pfannberger wurde im März 2009 positiv auf EPO-Doping getestet. Nach seinem Testosteron-Missbrauch aus dem Jahr 2004 wurde er im November 2009 lebenslang gesperrt. miniatur|In Blutkonserven von Alejandro Valverde, die beim spanischen „Dopingarzt“ Eufemiano Fuentes gelagert waren, wurden laut CAS-Urteil vom März 2010 Spuren einer nicht-körpereigenen Form von EPO gefunden. miniatur|US-Radsportstar Lance Armstrong sorgte nach seinem Geständnis im Fernsehinterview mit Oprah Winfrey im Januar 2013 für den größten Dopingskandal in der Sportgeschichte

EPO wurde mit der gewichtigen Nebenrolle, die es bei der Tour de France 1998 unter anderem durch Funde bei der Festina-Mannschaft erlangte, Inbegriff der leistungssteigernden, aber nur schwer nachweisbaren Sportdroge. Die Funde und die Ermittlungen rund um die Festina-Mannschaft wurden auch unter dem Namen Festina-Affäre bekannt. In der Folge wurden die für Festina startenden Radprofis Richard Virenque, Laurent Brochard, Laurent Dufaux, Armin Meier, Christophe Moreau, Didier Rous, Neil Stephens, Cédric Hervé und Alex Zülle durch die UCI gesperrt (siehe Artikel Doping im Radsport). Jan Ullrich, Gesamtsieger Marco Pantani, Punktesieger Erik Zabel, Laurent Jalabert und Mario Cipollini waren die prominentesten von rund 60 Fahrern, die laut einem Untersuchungsbericht des französischen Senats vom Juli 2013 bei der Tour de France 1998 anhand zuordenbarer Nachtests des Dopings mit EPO überführt werden konnten. Zu den Beschuldigten gehörte auch Ullrichs und Zabels Teamkollege Jens Heppner, der Franzose Jacky Durand sowie der Spanier Abraham Olano. Im Zuge dieser Enthüllungen gestand Stuart O’Grady den EPO-Missbrauch bei der Tour ’98 ein. Im Jahr 2000 gestand der ehemalige Schweizer Radprofi Rolf Järmann, seit Beginn der 1990er Jahre systematisch mit EPO gedopt zu haben. Im Vorfeld der Deutschland Tour 2000 wurde der Radprofi Holger Sievers des EPO-Dopings überführt, vom Bund Deutscher Radfahrer mit einer siebenmonatigen Sperre belegt und von seinem damaligen Team „Nürnberger“ fristlos entlassen. Am 23. April 2000 gab der Franzose Jerome Chiotti in einem Interview mit dem Magazin Vélo Vert zu, beim Gewinn der Mountainbike-Weltmeisterschaften 1996 im australischen Cairns mit EPO gedopt zu haben. Der Titel wurde ihm daraufhin aberkannt und stattdessen der Schweizer Thomas Frischknecht zum Sieger erklärt. Die A-Probe des dänischen Radrennfahrers Bo Hamburger wurde am 19. März 2001 positiv auf EPO getestet. Die B-Probe lag dagegen unterhalb der kritischen Kenngröße, jedoch über dem sonst üblichen Normalwert. Hamburger wurde zwar des Dopings freigesprochen, dennoch entließ ihn sein Rennstall Team CSC fristlos. 2007 veröffentlichte er ein Dopinggeständnis mit EPO. Der Schweizer Roland Meier wurde nach positiver A- und B-Probe bei einer Kontrolle beim Radklassiker Flèche Wallonne am 18. April 2001 wegen EPO-Dopings für 8 Monate gesperrt. Der Schwede Niklas Axelsson wurde während der Straßen-Weltmeisterschaften im Oktober 2001 in Lissabon positiv auf EPO-Doping getestet und anschließend für zwei Jahre gesperrt. Im Vorfeld der Tour de France 2001 wurde der für das Euskaltel-Euskadi-Team startende Baske Txema Del Olmo des EPO-Dopings überführt. Der spanische Radsportverband sah jedoch von einer Sperre mit der Begründung ab, die neue Nachweismethode sei fehlerhaft. Der halbstaatliche französische Anti-Dopingrat CPLD verhängte demgegenüber im Februar 2002 eine dreijährige Sperre gegen Del Olmo. Der Russe Faat Zakirov wurde nach dem Prolog des Giro d’Italia 2002 positiv auf das EPO-Derivat Aranesp getestet und umgehend von seinem Team Panaria entlassen. Der Niederländer Bas van Dooren wurde bei den Mountainbike-Weltmeisterschaften 2002 in Kaprun positiv auf EPO getestet. Einer drohenden Sperre entzog er sich durch seinen Rücktritt. Beim Giro d’Italia 2003 wurde der litauische Radprofi Raimondas Rumšas der illegalen Einnahme von EPO überführt, vom UCI gesperrt und darauf von seinem Team Lampre suspendiert. Bei der Tour de France 2003 wurde der spanische Radprofi Javier Pascual Llorente (Kelme) nach der zwölften Etappe positiv auf EPO getestet und im November desselben Jahres vom internationalen Sportgerichtshof für 18 Monate gesperrt. Im Januar 2004 gestand der Franzose Philippe Gaumont, mehrfach mit EPO-Präparaten gedopt zu haben. Danach zog er sich vom aktiven Leistungssport zurück. Im März 2004 veröffentlichte die spanische Zeitung As eine Serie von Berichten, in denen der spanische Radprofi Jesús Manzano eine detaillierte Beschreibung der Dopingpraktiken im Team Kelme gab. Laut Manzanos Aussage wurden ihm während der Tour de France EPO, Cortison, Wachstumshormone und Tierplasma verabreicht. Außerdem sei das Doping im ganzen Team professionell geplant und durchgeführt worden. Im Juni 2004 gestand der für das Team Equipe Cofidis startende britische Radprofi David Millar nach polizeilichen Verhören ein, beim Titelgewinn der Zeitfahr-WM im kanadischen Hamilton mit EPO gedopt gewesen zu sein. Der Australier Michael Rogers wurde daraufhin nachträglich zum Weltmeister erklärt und Millar von Cofidis fristlos entlassen. Im Juli 2004 wurde der Belgier Dave Bruylandts vom Team Unibet.com positiv auf EPO-Doping getestet und anschließend für 18 Monate gesperrt. Am 22. Juli 2004 wurde der Schweizer Profiradrennfahrer Oscar Camenzind bei einer Dopingkontrolle positiv auf EPO getestet. Er verzichtete daraufhin auf eine Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen, wurde von seinem Radsportteam Phonak Hearing Systems am 9. August 2004 freigestellt und verkündete am darauffolgenden Tag in Luzern sein Karriereende. Der belgische Mountainbiker Filip Meirhaeghe, Gewinner der Silbermedaille bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney, wurde am 29. Juli 2004 beim Weltcup in Mont Sainte-Anne (Québec, Kanada) des EPO-Dopings überführt und für 15 Monate von allen Wettkämpfen ausgeschlossen.