mini|Walserkamm vom Seraspitz Der Walserkamm, auch Walsergrat, ist eine Bergkette im Bregenzerwaldgebirge in Vorarlberg. Sie erhebt sich über dem Walgau und dem unteren Großwalsertal. Höchster Gipfel ist die Tälispitze mit , dominanter Gipfel aus dem Rheintal der Hochgerach ().

Lage und Landschaft Der Walserkamm ist die südlichste Kette des Bregenzerwaldgebirgs. Er beginnt am Furkajoch beziehungsweise am Ladritschbach bei Fontanella und dem ersten Gipfel, dem Pfrondhorn, und zieht sich von Ost nach West bis in die Stadt Feldkirch.

Der markanteste Teil des Kammes ist eine etwa 15 km lange Abfolge von zahlreichen ähnlich aussehenden Bergen zwischen 1900 und 2000 m Höhe. Die Nordflanke zum Laternsertal (dieses steigt, von Rankweil ausgehend, bis zum Furkajoch an) ist steil, felsig und bebuscht bis bewaldet, die Südseite bricht in scharfer Kante in Grashängen weit über 1000 Meter ab. Der Kamm hat nur einen kleinen Nebenkamm, vom Löffelspitz (Grenzspitz) zum Falvkopf (Falbenkopf), daher stammt die Bezeichnung nach Günther Flaig Walserkamm und Falbengrat (AVF 1977).

Am Südfuß bildet sich eine Hochfläche, auf der die Orte Röns, Schlins, Düns, Schnifis, Thüringerberg, St. Gerold und Blons liegen. Schon an der Sohle der Illniederung liegen die Talorte Satteins, Bludesch und Thüringen, und jenseits der Ill und Lutz die Walgau-Gemeinden Frastanz, Nenzing und Ludesch, sowie die Walsergemeinde Raggal.

Westlich des Hochgerachs wird der Grat niedriger, zunehmend bewaldet sowie Alpland und senkt sich kontinuierlich. Er klingt dann, schon besiedelt (Dünserberg, Übersaxen, Göfis) im „Känzele“ aus. Dieses fällt schroff zum Bahnhof Feldkirch, welcher auf dem Niveau des Rheintales liegt, ab. Vom Ladritschbach am Fuße des Pfrondhorns bis hierhin ist der Kamm etwa 20 km lang. Der Walserkamm findet – als Inselberge – im Ardetzenberg und dem schon teilweise Liechtensteiner Eschner Berg seine Fortsetzung an den Alpenrhein.

Umgrenzung und benachbarte Gebirgsgruppen

im Norden Rankweil – Frutz (Laternsertal) – Furkajoch zur Freschengruppe im Osten Ladritschertobel – Ladritschbach bis zur Mündung bei Garsella zur Glatthorngruppe im Südosten Lutz (Großes Walsertal) von Garsella bis zur Mündung nahe Ludesch zum Lechquellengebirge (Westlichste Gruppen: Staffelfedergrat/Breithorn/Kellerspitz, Hoher Fraßen-Stock) im Südwesten Walgau Ill bzw. am Fuß über Thüringen, Bludesch, Frommengersch, Frastanz bis Feldkirch zum Rätikon im Westen Feldkirch – Altenstadt – Rankweil zum Rheintal, bzw. orographisch mitsamt der Ebene zwischen Ill und Frutzbach am Rhein zu den Appenzeller Alpen.

Damit fallen neben genannten Gemeinden im weiteren Sinne auch Teile der Gemeindegebiete von Frastanz und Nenzing, deren Hauptorte jeweils südlich der Ill liegen, zur Gruppe, auch Meiningen am Rhein. Im Nordosten liegt die Gemeindegrenze der Stadt Dornbirn an. mini|Blick vom Lünerseewerk auf den schneebedeckten Walserkamm. Rechts davor der nur noch mit Schneeresten bedeckte Hohe Fraßen. Trimmel sortiert aus hydrographischen Gründen die Westabdachung Stadtschrofen – Kanzele – Hohe Wacht (Hoher Sattel) – Hoch Gastra (Kote 660) – Frutzbach zur Rheintal-Umrahmung.

Geologie Der Walserkamm ist ein typischer hochmittelgebirgiger Zug aus Flysch, einem Sandstein, womit der Zug zur Rhenodanubischen Flyschzone der Alpen gehört. Die Schichtung fällt mit etwa 50° südwärts ab und gibt dem Kamm seine Morphologie. Die großflächigen, glatten, steilen Kare bergen eine enorme Lawinengefahr.Dieter Seibert: Gebietsführer Bregenzerwaldgebirge und Lechquellengebirge. 1. Auflage. 1989, ISBN 3-7633-3328-2, S. 99. Die Lawinenkatastrophe von Blons 1954 geschah durch an der Südseite des Walserkamms abgegangene Großlawinen. Das südseitige Kar zwischen Hochgerach und Hüttenkopf, sowie die Südostseite des Letzteren wurden großflächig mit Stahlrechen bebaut, um das Anrißgebiet zu sichern und die Gemeinde Thüringerberg vor katastrophalen Lawinen zu schützen.

Die Kalkalpen schließen hier südlich mit dem Rätikon an, der nur aus orographischen Gründen zu den Zentralalpen zählt, und wechseln dann im Osten mit dem Lechquellengebirge über die Illfurche, die Flyschzone streicht nach Nordosten in das Allgäu.

Gipfel mini|Das Känzele am rechten Bildrand fällt schroff zum Feldkircher Bahnhof und somit ins Rheintal ab. Der Ardetzenberg (Mitte) und der Eschnerberg (bewaldeter Rücken links im Mittelgrund) bilden aus geologischer Sicht eine Fortsetzung des Walserkamms nach Südwesten. Im Kamm liegen etwa 20 benannte Gipfel zwischen 1800 und 2000 Metern.

Die folgende Tabelle listet die wichtigsten Gipfel von Osten nach Westen:

Gipfel Höhe m ü. A. Anmerkung Pfrondhorn 1949 noch östlich des Furkajochs Seraspitz 1891 Falvkopf 1849 Falbengrat Mont Calv 1804 Falbengrat Grenzspitze 1879 Falbengrat Löffelspitze 1962 Mutabellaspitze 1933 Gerenspitze 1871 Kreuzspitze 1944 leicht südlich des Hauptkamms Melkspitze 1936 Igelkopf 1928 südöstlicher Nebengipfel der Tälispitze Tälispitze 2000 höchster Gipfel der Gruppe Kuhspitze 1964 Hüttenkopf 1976 Hochgerach (Hauptgipfel) 1985 Hochgerach (Laternser Gipfel) 1975 Rappaköpfle 1865 Matonakopf 1854 Kopes 1735 Dünser Horn 1615 Muttkopf 1594 Gröllerkopf 1195 Hoher Sattel 751

Naturschutz Der Walserkamm liegt mit seinem alpinen Hauptteil im UNESCO-Biosphärenpark Großes Walsertal.

Wege und Hütten Der ganze Kamm ist mit einem Höhenweg erschlossen, erfordert aber Trittsicherheit. Daneben gibt es etliche Zustiege. Die Gesamtüberschreitung ist eine lange Ein- oder Zweitagestour. Der Abschnitt vom Pfrondhorn bis zum Hochgerach kann in etwa 9 Stunden begangen werden. Eine Übernachtung ist auf der Gaßner Alpe (am Meletspitz, 1.562 m, privat) möglich. Gegen Westen liegen die Älpelehütte (beim Sender Dünserberg, 1558 m, privates Berggasthaus) und das Gerachhaus (1550 m, Naturfreunde).

Die Seilbahn Schnifis führt von Süden aus dem Walgau bis in die unterhalb von Kopes und Matonakopf auf gut 1300 m gelegene Parzelle Hensler. Sowohl das Furkajoch als auch das Dünser Älpele am Sender Dünserberg sind in der Wandersaison auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

An den Südwesthängen zwischen Übersaxen und Bludesch mit ihren Alpen und Forstwegen gibt es mehrere beschilderte Mountainbike-Routen.„Mountainbikekarte Walgau“ der Landesregierung Vorarlberg, Abteilung Raumplanung, Stand: November 2011 Außerdem ist der Kamm als Gleitfluggebiet beliebt.

Über die Dörfer des Südfußes läuft auf alten Saumpfaden der Rote Weg der Via Alpina.

Literatur

Weblinks

Walsertal und Walserkamm. Vorarlberg von oben (Video, flash)

Einzelnachweise

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