mini|hochkant=1.5|Le massacre de la Saint-Barthélemy, die blutige Bartholomäusnacht des Jahres 1572, gemalt von François Dubois (1529–1584) mini|hochkant=1.5|Das Blutbad bei der Michelade in Nîmes vom 29. September 1567: Um die hundert katholische Mönche und Kleriker fielen den protestantischen Aufrührern zum Opfer.Allan A. Tulchin: The Michelade in Nimes, 1567. French Historical Studies, Vol. 29, No. 1 (Winter, 2006): 1–35. mini|300px|Frankreich in den Religionskriegen (Grenzen von 1685)
Die Hugenottenkriege, im französischen Sprachgebrauch als Religionskriege bekannt (Guerres de Religion),Ebenso in der englischsprachigen Fachliteratur (French Wars of Religion). waren eine Reihe von acht Bürgerkriegen in Frankreich zwischen Katholiken und protestantischen Hugenotten in der Zeit von 1562 bis 1598. Sie waren keine reinen Religionskriege; dynastische und machtpolitische Ziele spielten ebenso eine Rolle: Der französische Adel kämpfte um seine Privilegien und Handlungsfreiräume gegenüber der Monarchie.
Hintergründe Dynastische Hintergründe Frankreich war unter den Herrschern aus dem Hause Valois, Franz I. (1515–1547) und seinem Sohn Heinrich II. (1547–1559), der stärkste europäische Staat, doch schon vor dem Vertrag von Cateau-Cambrésis 1559 zeichnete sich ab, dass es diese Stellung an Spanien verlieren würde. Kaiser Karl V. beherrschte mehrere Staaten, die sich rings um Frankreich gruppierten. Der vorzeitige Tod von Heinrich II. und ein Jahr später seines ältesten Sohnes schuf eine instabile Situation, in der die aus Italien stammende Königin Katharina von Medici die Adelsparteien gegeneinander ausspielte, um ihren minderjährigen Söhnen den Thron zu sichern. Wesentlicher Bestandteil war das Ringen um die Macht in Frankreich zwischen dem Haus Guise (Lothringen) einerseits und dem Haus Bourbon andererseits.
Religiöse Hintergründe König Franz I. stand den Forderungen der Reformation zunächst wohlwollend gegenüber. Dies änderte sich grundlegend mit der Affaire des Placards: Im Oktober 1534 wurden an öffentlichen Plätzen in größeren Städten Frankreichs Plakate angeschlagen, in denen eine unverhüllte Attacke auf das katholische Konzept der Eucharistie vorgetragen wurde. Da eines dieser Plakate im Inneren des königlichen Schlosses von Amboise angebracht worden war, musste Franz I. von nun an um seine eigene Sicherheit fürchten. Bereits zwei Wochen später wurden protestantische Sympathisanten verhaftet und auf den Scheiterhaufen gebracht.
In Frankreich fasste der Protestantismus erst relativ spät in der Variante des Calvinismus Fuß: Das französischsprachige Genf stand seit 1536 unter dem dauerhaften Schutz der Eidgenossen. Dort führte der aus Frankreich geflohene Johannes Calvin die Reformation ein, setzte aber mit der Prädestinationslehre andere religiöse Akzente als das Luthertum in Deutschland und Zwingli in der deutschsprachigen Schweiz. Vor allem organisierte Calvin eine systematische Mission, die auf den Adel in Frankreich und den wallonischen Teilen der Spanischen Niederlande abzielte.
Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen beiden konkurrierenden christlichen Glaubensinterpretationen, also zwischen dem katholischen und dem calvinistischen Glauben, lag in der Auslegung der Eucharistie, des Abendmahls. Die Katholiken glauben, dass dabei Brot und Wein zum Leib und Blut Christi werden und Jesus so in jeder Messe körperlich anwesend sei; auch darf nur ein geweihter Priester diese konsekrieren. Für den Calvinisten sind Brot und Wein beim Abendmahl mehr ein Symbol für Jesu Liebe zu den Menschen. Die Protestanten, Calvinisten wie Lutheraner, lehnten ferner die Verehrung Marias und der Heiligen ab, da hierdurch Gottes Ehre geschmälert werden könnte. Hinzu kommt, dass die Calvinisten an die Prädestination glauben. Dies bedeutet, dass bereits vor der Geburt vorherbestimmt ist, wer in den Himmel kommen kann. An dieser Prädestination lässt sich auch durch ein frommes Leben nichts ändern. Allerdings will der Calvinist durch Sittenstrenge und Erfolg beweisen, dass er auserwählt ist. Im Katholizismus ist es prinzipiell möglich, dass ein glaubender Mensch in den Himmel kommt und dies trotz zum Teil erheblicher Verstöße gegen ein frommes und sündenloses Leben. Voraussetzung hierzu besteht in der Notwendigkeit, Buße zu tun. Nach Luther entscheidet allein Gottes Gnade und Vergebung über das Leben nach dem Tod, und der Christ muss dies vor allem durch seinen Glauben annehmen. In Frankreich breitete sich jedoch nur der Calvinismus aus.
Staatspolitischer Hintergrund Etwa um diese Zeit war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bereits in eine Vielzahl von so genannten Territorien zerfallen, deren Herrscher nach dem Prinzip „Cuius regio, eius religio“ ab 1555 auch die Religion ihrer Untertanen bestimmten. Heinrich II. von Frankreich wollte eine religiöse Zersplitterung wie in Deutschland verhindern. Eine Übereinkunft nach dem Prinzip des Augsburger Religionsfriedens hätte möglicherweise die unter Franz I. begonnene Zentralisierung Frankreichs gestört.
Maßnahmen König Heinrichs II. Bereits im ersten Jahr seiner Herrschaft (1547) errichtete Heinrich II. die Chambre ardente in Paris, eine Kammer, die die hugenottischen Mitglieder des Parlement de Paris verfolgte. Im Jahr 1551 wurde dieses Prinzip im Edikt von Châteaubriant auf die Provinzparlamente ausgedehnt. 1557 folgte das Edikt von Compiègne: „Die Ordnung in irgendeiner Weise störende“ Protestanten wurden der weltlichen Gerichtsbarkeit unterstellt; die Verurteilung wegen Häresie überließ Heinrich noch der Kirche. Dies gipfelte 1559 im Edikt von Écouen; von da an durften die Gerichte für Häresie nur noch die Todesstrafe verhängen.
Diese Repression war auch außenpolitisch motiviert. Der Thronfolger, Franz II., war mit der schottischen Königin Maria Stuart verheiratet, die aus katholischer Sicht rechtmäßige Ansprüche auf den englischen Königsthron erheben konnte. Heinrich II. behielt deshalb die Repression bei. Im März 1560 schlug der Versuch fehl, Franz II. zu entführen (Verschwörung von Amboise). Mit Ausnahme von Ludwig I. von Bourbon, Prinz de Condé, verloren alle Verschwörer ihr Leben. Doch waren die Hugenotten bereits so stark, dass ihr Anführer, Admiral Gaspard II. de Coligny, in Fontainebleau gegen die Verletzung der Gewissensfreiheit protestieren konnte. Mit Unterstützung des Hauses Bourbon, welches das Königreich Navarra beherrschte, brachten protestantische Prediger hinreichend Mittel zusammen, eine ganze Armee einschließlich schlagkräftiger Kavallerie auszurüsten. (Auf dem Höhepunkt ihrer Macht kontrollierten die Hugenotten rund 60 befestigte Städte und wurden zu einer ernsthaften Bedrohung des katholischen Hofes und der Hauptstadt Paris.) Erst nach dem frühen Tod von Franz II. versuchte seine Mutter als Regentin für den minderjährigen Karl IX. (ab 1560) als Gegengewicht zu dem zu mächtigen Herzog von Guise eine vorsichtige Toleranzpolitik. Ein Religionsgespräch zu Poissy 1561 führte nicht zu der angestrebten Einigung. Die Königinmutter erhob den Bourbonen Anton von Navarra zum Generalstatthalter, mit Michel de l’Hôpital ernannte sie einen gemäßigten Kanzler, der 1562 das hugenottenfreundliche Edikt von Saint-Germain formulierte. Darin wurde den Hugenotten freie Religionsausübung außerhalb der festen Städte zugesichert.
Abfolge der Kriege
Diese Toleranzpolitik wurde im März desselben Jahres von dem entmachteten Onkel von Maria Stuart, Herzog Franz II. von Guise, im Blutbad von Vassy an unbewaffneten Hugenotten torpediert. Ob die Provokationen nun von Katholiken oder Protestanten ausgingen, ist ungeklärt, jedoch machtpolitisch wahrscheinlich von Franz de Guise forciert. (Hinsichtlich der Zahl der Todesopfer gibt es Widersprüche: manche nennen nur 23, andere Quellen hunderte.) In drei Kriegen sicherten sich danach die Hugenotten bis 1570 eine begrenzte Toleranz, abgesichert durch einige wenige Sicherheitsplätze.
Im Ersten Hugenottenkrieg (1562–1563) organisierte der Fürst von Condé eine Art Protektorat zugunsten der hugenottischen Gemeinden. Die Guisen (Anhänger des Herzogs von Guise) entführten den König und seine Mutter nach Paris. In der Schlacht bei Dreux wurde de Condé gefangen genommen, auf der anderen Seite Anne de Montmorency, der General der Regierungstruppen. Im Februar 1563 wurde Franz II. von Guise bei der Belagerung von Orléans ermordet; Katharina beeilte sich nun, einen Waffenstillstand abzuschließen, der im März zum Edikt von Amboise führte. Es war ein Religionsfriede, in dem den Hugenotten – ausgenommen Paris – freie Religionsausübung gestattet wurde. mini|links|200px|Grand tour de France von Karl IX, 1564 bis 1566. Seine Mutter Katharina de Medici förderte die Idee, dass der König nach dem ersten Religionskrieg sein Königreich besser kennenlernen sollte und so dabei mitwirken, weitere Kriege zu vermeiden.
Der Zweite Hugenottenkrieg (1567–1568) wurde ausgelöst, weil die Königinmutter die Macht, die den Guisen entglitten war, nicht einfach den Hugenotten zukommen lassen wollte. So wurden 1564 Ausführungsbestimmungen zum Edikt von Amboise erlassen, die dessen Sinn weitgehend verwässerten. Auch befürchteten die Protestanten in Frankreich Gewaltmaßnahmen, wie sie Herzog Alba in Flandern eingeleitet hatte; die Hugenottenführer de Condé und Admiral Coligny beschlossen daher, den jungen König Karl in ihre Gewalt zu bringen (Surprise de Meaux). Der Plan wurde verraten, de Condé belagerte den Hof sechs Wochen lang in Paris und lieferte dann am 10. November 1567 eine Schlacht bei Saint-Denis. Mit Hilfstruppen unter dem kurpfälzischen Prinzen Johann Kasimir rückte er im Februar 1568 wieder gegen Paris vor, während die Katholischen Unterstützung von Herzog Alba erhielten. Der Frieden von Longjumeau bestätigte den Friedensschluss von Amboise und versprach allgemeine Amnestie.
Bereits im Herbst desselben Jahres brach der Dritte Hugenottenkrieg (1568–1570) aus. Beide Seiten waren unzufrieden, es kam zu vielen blutigen Gewalttaten. Die Führer der Hugenotten begaben sich nach La Rochelle, das wegen seiner günstigen Überseeverbindung zu ihrem Hauptquartier wurde. Auch Königin Johanna von Navarra mit ihrem Sohn Heinrich – ein Bourbone – traf dort ein. Wieder kam Hilfe aus dem protestantischen Deutschland (Pfalz-Zweibrücken sowie Oranien) und aus England. Doch in der Schlacht bei Jarnac (März 1569) unterlagen die Hugenotten; Fürst von Condé kam ums Leben. Im Oktober 1569 folgte in der Schlacht bei Moncontour eine weitere Niederlage, doch konnten die Hugenotten mit ausländischer Unterstützung La Rochelle entlasten und im Juni 1570 bei Luçon die königlichen Truppen schlagen (die ihrerseits Hilfe aus Spanien, dem Kirchenstaat und vom Großherzogtum Toskana erhalten hatten).
Der Dritte Hugenottenkrieg endete damit, dass gemäßigte Politiker sich Geltung verschafften und den Frieden von St. Germain en Laye schlossen. Nunmehr erhielten die Hugenotten neben Glaubensfreiheit und Amnestie auch – neben La Rochelle – drei befestigte Plätze zugesprochen.
Danach gelang es dem hugenottischen Führer Admiral Coligny, den jungen französischen König Karl zu einer antispanischen, pro-protestantischen Politik zu bewegen. Als Maßnahme des guten Willens wurde die Hochzeit der Schwester des jungen Königs, Marguerite (Margot) von Valois, mit dem Hugenottenführer Heinrich von Navarra vereinbart. Der Vermählung am 18. August 1572 folgte eine Woche später die – von der Königinmutter veranlasste – berüchtigte Bartholomäusnacht. Die Metzeleien dauerten mehrere Tage. Im September feierte der zur Familie der Guises gehörende Kardinal von Lothringen aus diesem Anlass einen Dankgottesdienst, dem Papst und Philipp II. applaudierten.