Rüthi (bis 1994 offiziell Rüthi (Rheintal) genannt) ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft in der Region und im Wahlkreis Rheintal im Kanton St. Gallen in der Ostschweiz.

Geographie mini|links|x220px|Hirschensprung, Naturphänomen und Vorlage für das Wappen von Rüthi Die Gemeinde Rüthi liegt am Fusse des Berges Hoher Kasten im Rheintal zwischen Altstätten und Buchs SG. Neben Rüthi gehören das Dorf Büchel, der Hirschensprung und der südliche Teil des Weilers Rehag zur Gemeinde, die 1798 bis 1831 auch Kobelwald und 1803 bis 1831 Lienz umfasste.

Im Osten bildet der Rhein die Gemeindegrenze, die hier auch die Schweizer Grenze zu Österreich ist. Im Norden grenzt die Gemeinde an Oberriet, im Süden an Lienz, eine Exklave der Gemeinde Altstätten.

Geschichte Gräberfunde bezeugen, dass das Gemeindegebiet schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Ab dem 7. Jahrhundert besiedelten Alemannen das Gebiet und rodeten Waldflächen, um das Land urbar zu machen. Daher stammt der Ortsname (von mittelhochdeutsch riute – roden).

mini|links|Luftbild (1947) Die erste urkundliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde des Klosters St. Gallen vom 5. Juni 820. Seit 1292 war das Kloster Pfäfers Grundherr des Ortes. Dieses erwarb 1392 die Vogtei von den Grafen von Werdenberg-Heiligenberg und stellte Rüthi 1484 eine Offnung aus. Rüthi und Plona waren zu dieser Zeit nach Rankweil pfarrgenössig, Lienz nach Altenstadt bei Feldkirch. Unter Abt Johann Jakob Russinger 1529 vorübergehend reformiert, kehrte Rüthi 1532 zum alten Glauben zurück. Nach Rechtsstreitigkeiten mit den eidgenössischen Orten, die 1490 Rüthi als Teil der Vogtei Rheintal unter ihre Herrschaft gebracht hatten, verkaufte Pfäfers 1538 Grundzinsen, Zehnten, Gericht und Kirchensatz an die Hofgenossen von Rüthi. Gleichzeitig wurde die 1287 erwähnte St. Valentinskapelle zur Pfarrkirche erhoben. Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind Lienz, Plona und Hirschensprung nach Rüthi pfarrgenössig, besitzen aber eigene Kapellen.

Neben Ackerbau war vor allem die Gras- und Milchwirtschaft auf den Gemeindealpen bis ins 20. Jahrhundert von Bedeutung, der Weinbau blieb marginal. 1803 wurde Rüthi politische Gemeinde des neuen Kantons St. Gallen und gehörte bis 2002 zum Bezirk Oberrheintal. Grösster Grundbesitzer ist nach wie vor die Ortsgemeinde, der bis 1900 auch das Fürsorgewesen oblag. 1858 erhielt Rüthi Anschluss an die Eisenbahnstrecke Rorschach–Chur. Immer wiederkehrende Überschwemmungen zogen den Ort oft in Mitleidenschaft, besonders in den Jahren 1762, 1868, 1871 und 1890. Ebenso hatte der Ort in den Jahren 1887 und 1890 unter grossen Bränden zu leiden. Nach der Rheinregulierung war nur noch der das Dorf Rüthi durchquerende Rheintaler Binnenkanal ab und zu eine Gefahr mit seinem Hochwasser. Aus diesem Grund wurde zwischen 2006 und 2008 ein Projekt zum Hochwasserschutz und Renaturierung des engen Kanals realisiert. Seit den 1960er-Jahren wandelt sich Rüthi vom Bauerndorf zum Gewerbe- und Industrieort (Batteriefabrik) mit 72 % Erwerbstätigen im zweiten Wirtschaftssektor (2005).

Bevölkerung

Wirtschaft Zweigwerk der Firma Winterhalter Gastronom GmbH, Meckenbeuren, die gewerbliche Spülsysteme vor allem für die Gastronomie und Hotellerie herstellt Zweigwerk der Firma Wolf Systembau Gesellschaft m.b.H., Scharnstein, die Bauten für Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie sowie Fertighäuser errichtet Continental Automotive Switzerland AG, eine Niederlassung der Continental AG Menzi Muck AG, einziger Baggerhersteller der Schweiz

Sehenswürdigkeiten

Besondere Anlässe

Freilichtbühne Rüthi Alle drei Jahre zeigt der Verein Freilichtbühne Rüthi ein Stück auf einer jeweils eigens dafür gebauten Freilichtbühne, wobei jeweils etwa 100 Personen auf und 80 Personen hinter der Bühne beteiligt sind. Eine Besonderheit ist, dass das Stück meist einen lokalen Bezug hat und auch jeweils etwa 20 Pferde eingesetzt werden.

Folgende Stücke wurden in den letzten Jahren gezeigt: +JahrStückInformation2008Die Auswandererthematisiert, wie Rheintaler Familien aus wirtschaftlicher Not nach Amerika auswandern mussten2011Der FährmannGeschichte um einen Fährmann im mittelalterlichen Rheintal2014Die Schwabenkinderthematisiert, wie Kinder aus armen Familien früher zum Arbeiten nach Süddeutschland geschickt wurden2017Der SchmugglerkönigGeschichte um den fiktiven Schmugglerkönig Corbin und seine Frau zur Zeit der Rheinregulierung in den 1920ern2020Anna GöldiGeschichte der "letzten Hexe Europas", Anna Göldi(n), die aus dem benachbarten Sennwald stammt.2023Der kopflose ReiterAdaption von Washington Irvings «The Legend of Sleepy Hollow» mit Verortung im Rheintal2026Kurhotel Kamor

Partnerschaften Rüthi pflegt intensiv partnerschaftliche Beziehungen zu Wolfegg in Oberschwaben (Deutschland).

Persönlichkeiten Markus Büchel (* 1949), Bischof von St. Gallen 2006–2025 Thomas Ammann (1964–2022), Nationalrat (CVP), Gemeindepräsident 1997–2016

Literatur

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Rüthi SG

Einzelnachweise

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