Goldach ist eine politische Gemeinde im Kanton St. Gallen. Sie befindet sich im Wahlkreis Rorschach.

Geographie mini|Historisches Luftbild aus 600 m von Walter Mittelholzer von 1927 Goldach liegt am Südufer des Bodensees an der Bahnstrecke Rorschach–St. Gallen und an der Bahnstrecke Seelinie von Rorschach nach Schaffhausen. Im Nordosten grenzt Goldach an die Gemeinde Rorschach, im Südosten an Rorschacherberg, südlich an Untereggen, im Südwesten an Mörschwil, im Westen an Tübach und im Nordwesten, ebenfalls am Bodenseeufer, an die Thurgauer Exklave Horn TG. Die Gemeinde wird vom namensgebenden Fluss Goldach durchflossen, der die Grenze zu Mörschwil und Horn TG bildet und als letztere in den Bodensee mündet. Das im Süden der Gemeinde gelegene Goldachtobel und der Rantelwald bilden das Naherholungsgebiet des Ortes, wo sich auch ein Vitaparcours befindet.

Geschichte Blockzitat: QuelleIm Frühmittelalter entstand eine alemannische Siedlung an der ehemaligen Römerstrasse Arbon-Bregenz. Im 8. und 9. Jahrhundert kam das Kloster St. Gallen durch Schenkungen und Erwerb zu ansehnlichem Grundbesitz in Unter-Goldach. Die Vogteirechte besassen die Herren von Rorschach als Erblehen; erst 1449 gingen diese wieder in den Besitz der Abtei über. Grundherr von Ober-Goldach war das Hochstift Konstanz. Als Verwalter amtierten die Herren von Sulzberg bis 1399 im gleichnamigen Schloss (heute Möttelischloss, in Privatbesitz). 1463 gelang Abt Ulrich Rösch die Eingliederung Goldachs in den fürstäbtischen Staat, indem er die Gerichtsherrlichkeit über Ober-Goldach von den St. Galler Brüdern Gnäpser als den Besitzern des Schlosses Sulzberg kaufte und mit dem Hochstift Konstanz die Lehensrechte über Ober-Goldach gegen die verpfändete Vogtei Horn tauschte (die Auslösung letzter Rechte und Güter des Hochstifts Konstanz erfolgte allerdings erst 1749). 1463 erhielt Goldach auch ein Dorfrecht. 1469 wurde Untereggen dem bis in die Helvetik bestehenden Gerichtsverband Goldach angeschlossen. Der Bau einer gedeckten Brücke über die Goldach um 1480 ermöglichte die Erstellung einer direkten Verbindung nach St. Gallen.

Dass in Goldach um 1000 eine Kirche bestand, ist archäologisch belegt; der heutige Bau wurde 1670 erstellt. Die erste urkundliche Erwähnung der St. Mauritiuspfarrei datiert von 1259. Die Patronatsrechte lagen lange in weltlicher Hand (Herren von Arbon, Herren von Sulzberg, Ritter Hans von Adlikon) und kamen 1473 an die Abtei St. Gallen. 1529/1530 trat Goldach zur Reformation über, kehrte aber schon 1532 zum alten Glauben zurück und blieb dann bis Mitte des 19. Jahrhunderts geschlossen katholisch. 1662 und 1701 erfolgten die Ablösungen der Tochterpfarreien Eggersriet und Untereggen.

Neben Acker- und Rebbau, Fuhrgeschäfte und Mühlen (1670 Bau der Bruggmühle; Nähe zum Kornmarkt Rorschach) trat im 17. Jahrhundert das Leinwandgewerbe (1658 Bleiche im Riet, drei Walken). Goldach wurde 1803 selbstständige politische Gemeinde. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts setzte ein wirtschaftlicher Aufstieg ein, der an den steigenden Bevölkerungszahlen, dem allmählichen Zusammenwachsen von Ober-Goldach und Unter-Goldach (1889 Zusammenschluss) und der Zunahme der Gewerbe- und Industriebetriebe unter Nutzung der vorhandenen Wasserkraft (Goldach 1891 reguliert; Dorfbach, 1895 überdeckt) erkennbar war. Die Bruggmühle wurde 1855 zu einer Grossmühle erweitert. 1857 wurde ein Sägewerk, 1862 eine Granit- und Marmorsäge sowie 1886 eine Rolladenfabrik eröffnet. 1872–1900 war die Neumühle in Betrieb. Stickerei- und Modeindustrie brachten 1880–1910 eine Blütezeit, in welcher der Bahnhof (1886) gebaut und die Industriezone Riet geschaffen wurde. Hier erstellte die Stadt St. Gallen 1895 ihr erstes Trinkwasserpumpwerk sowie 1903 das städtische Gaswerk, das 1969 stillgelegt wurde. Der Zusammenbruch der Stickereiindustrie und der Erste Weltkrieg führten zu einem Unterbruch der wirtschaftlichen Entwicklung, doch gelang in der Zwischenkriegszeit auf der Basis der breit gefächerten Industrie (Metall- und Rasierklingenfabrik, Druck- und Verlagswesen, Kosmetik) ein erster Wiederaufschwung. Nach 1945 entwickelte sich Goldach zunächst zur reinen Industriegemeinde. Von den 1950er Jahren an expandierten in Rorschach ansässige Firmen (Roco-Konserven, Feldmühle, Aluminiumwerke) nach Goldach, das 1992 rund 3600 Arbeitsplätze aufwies (2000 2477). Die Zonenplanung bremste ab den 1970er Jahren das industrielle Wachstum etwas ab und liess Goldach zu einer bevorzugten Wohngemeinde im Städtedreieck Rorschach-St. Gallen-Arbon werden. Die Mehrzweckhalle wurde 1984 errichtet.Rorschach, Rorschacherberg und Goldach prüften 2007 eine Fusion. Auf Grund des niedrigeren Steuerfusses Goldachs erwies sie sich jedoch als politisch nicht durchsetzbar. Im Jahr 2014 wurde erneut eine Grundsatzabstimmung durchgeführt. Ziel dieser Abstimmung war es, den Gemeinderäten einen Auftrag zur vertieften Prüfung zu erteilen und innerhalb von zwei Jahren eine definitive Abstimmung zur Fusion durchzuführen. Diese Grundsatzabstimmung wurde, wie die vorherigen, von den Gemeinden Goldach und Rorschacherberg klar abgelehnt und von der Stadt Rorschach mit deutlicher Mehrheit angenommen.Keine Fusion in der Region Rorschach Tagblatt Online, Artikel vom 18. Mai 2014

Wappen Beschreibung: In Blau zwei gelbe Wellenbalken.

Bevölkerung

Verkehr Öffentlicher Verkehr Goldach besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Rorschach–St. Gallen. Der Bahnhof wird von 4 Buslinien bedient (Stand 2022), den Linien 241, 242, 251 und 252, drei Linien der S-Bahn St. Gallen haben in Goldach ihren Halt: (Stand 2022)

(Nachtnetz, Thurbo)

Das Goldacher Industriegebiet Rietli ist von Montag bis Freitag in den Hauptverkehrszeiten durch eine Buslinie an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. An Samstagen und Sonntagen verkehrt diese Buslinie zur Zeit (2026) nur von Mai bis Mitte September. Dies soll sich bis 2028 durch eine neue Buslinie ändern. Es wird auch ein zusätzlicher S-Bahn-Halt geprüft.

Strasse 2019 hat die Stimmbevölkerung von Goldach und Rorschach (wegen der Beteiligung Rorschachs an den Kosten) dem Anschluss der Gemeinde an die Autobahn A1 zugestimmt. Das Projekt umfasst einen Autobahnanschluss in Goldach Witen im Süden der Gemeinde und von dort eine Kantonsstrasse bis an den See. Das Projekt werde frühestens 2028 fertiggestellt sein.

Religion Das Schweizer Sekretariat des Engelwerkes und der ihm nahe stehende Schmid-Fehr-Verlag befinden sich in Goldach.Heiner Boberski: Das Engelwerk. Theorie und Praxis des Opus Angelorum. Otto Müller Verlag, Salzburg 1993, Seiten 26 und 63. ISBN 3-7013-0854-3 Die Zusammensetzung der Konfessionen in der Bevölkerung stellte sich 2019 wie folgt dar: katholisch 42,8 % und reformiert 19,5 %, weder reformiert noch katholisch: 37,8 %.

Sehenswürdigkeiten

Architektonisch interessant ist die barocke St. Mauritiuskirche (1670), die 1929 in neubarockem Stil massiv erweitert wurde.Johannes Huber: St. Mauritiuskirche Goldach. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 533). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1993, ISBN 978-3-85782-533-0.

Persönlichkeiten Sebastian Gebhard Messmer (1847–1930), römisch-katholischer Erzbischof von Milwaukee Paul Gaechter (1893–1983), römisch-katholischer Theologe Georg Sebastian Huber (1893–1963), katholischer Theologe Victor Allenspach (1895–1987), Tierarzt und Entomologe Max Allenspach (1898–1983), Schriftsteller Walter Stürm (1942–1999), "Ausbrecherkönig" Alexander J. B. Zehnder (* 1946), Mikrobiologe und Hochschullehrer Lukas Gähwiler (* 1965), Bankmanager Michael Gier (* 1967), Ruderer und Olympionike Renato Kaiser (* 1985), Satiriker, Stand-up-Comedian, Slam-Poet, Kabarettist und Moderator Thomas Kuratli (* 1988), Musiker, Komponist, Filmkomponist und Sounddesigner

Literatur Johannes Huber: Schweizerische Kunstführer GSK, Band 533: St. Mauritiuskirche Goldach, Bern 1993, ISBN 3-85782-533-2

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Goldach

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kanton St. Gallen Kategorie:Schweizer Gemeinde