Sitzendorf an der Schmida ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im westlichen Weinviertel in Niederösterreich.

Geografie mini|Hauptplatz Sitzendorf an der Schmida mini|Plan des Hauptplatzes von Sitzendorf Sitzendorf liegt an der Schmida. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst  Quadratkilometer. Davon sind 81 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, 4 Prozent Weingärten und 7 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung Hauptort und größter Ort der Gemeinde ist die Ortschaft Sitzendorf. Die größten Teilflächen sind allerdings Frauendorf und Roseldorf. Die Großgemeinde besteht aus neun Katastralgemeinden und gleichnamigen Ortschaften (in Klammern: Fläche Stand: bzw. Einwohnerzahl Stand ):

Nachbargemeinden

Geschichte Auf dem Gemeindegebiet liegt mit der Keltensiedlung Sandberg die größte Fundstätte Österreichs aus der Keltenzeit. Diese mindestens 40 ha große Siedlung an der Grenze zur nördlichen Nachbargemeinde Zellerndorf bestand vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis fast zur Zeitenwende. Sie lag auf dem 340 m hohen Sandberg zwischen Roseldorf und Platt, der durch seine Aussichtswarte „Keltenturm“ weithin sichtbar ist.

Noch ältere Siedlungsspuren reichen etwa 7000 Jahre zurück.

Über die Zeit bis zum Jahre 1794 gibt es in der Gemeinde selbst keine Dokumente, weil bei einem Großbrand am 20. März 1790 alle Unterlagen der Pfarre und der Gemeinde vernichtet wurden.Mayer Ortsgeschichte Band 1 Die Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt kann daher nur aus Unterlagen rekonstruiert werden, die außerhalb der Gemeinde aufbewahrt werden. Das älteste vorhandene Protokoll im Gemeindearchiv ist mit 11. November 1793 datiert. Seither existieren Protokolle und Dokumente lückenlos und wurden im Beitrag zur Ortsgeschichte von Leo Maria Trapp, in der Ortsgeschichte von Ferdinand Mayer und zuletzt im Heimatbuch von Peter Aichinger-Rosenberger aufgearbeitet.

In dem von den deutschen Herrschern gemeinsam mit den österreichischen Markgrafen im 11. Jahrhundert gegen die Mährer und Ungarn eroberten niederösterreichischen Landesviertel wurden Schenkungen an verschiedene Grafengeschlechter gemacht. Darunter waren auch die aus dem bayrischen Chiemgau stammenden Sieghardinger, die vor allem den Raum von Sitzendorf, Frauendorf und Pillichsdorf wirtschaftlich erschlossen.

Etwa um 1020 wurde von Graf Sieghard V. vom Chiemgau (auch Sicco oder Sizzo genannt) der Ort Sitzendorf als Angerdorf oder Kirchweiler gegründet. Von diesem Sicco oder Sizzo leitet sich auch der Name des Ortes, zuerst Sicindorf, dann Sizendorff und schließlich Sitzendorf ab. Von den weit gespannten Besitz- und Herrschaftsrechten der Sieghardinger zeugen auch Ortsnamen wie Siezenheim (bei Salzburg), Sitzenhart (Katastralgemeinde von Sitzendorf), Sitzenberg oder Sieghartskirchen.

Die erste urkundliche Nennung Sitzendorfs als Ort und auch als Pfarre stammt aus dem Jahre 1141, als am 24. September Bischof Reginbert von Passau die Pfarrkirche Groß in der heutigen Stadtgemeinde Hollabrunn weihte und ihr den Zehent zu Großnondorf der Gemeinde Guntersdorf verlieh, das zur Pfarre von Sitzendorf gehörte.

1241 gelangte das Patronat und die Vogtei der Kirche von Sitzendorf durch Pfalzgraf Rapoto III. von Bayern, aus dem Hause der Grafen von Ortenberg, an das bayerische Kloster Baumburg und war seither Zentrum der klösterlichen Besitzungen in der Gegend.Baumburg an der Alz, S. 28 fHeimatbuch „Daheim in Sitzendorf“, S. 32 Die Tatsache, dass in Sitzendorf – etwa im Wappen der Gemeinde – immer wieder der „Passauer Wolf“ zu finden ist, hat ihren Grund wahrscheinlich darin, dass das Gebiet über Jahrhunderte zur Diözese Passau gehörte.

Nun begann eine sehr bewegte Geschichte, und viele bekannte Geschlechter wechselten als Besitzer der grundherrschaftlichen Rechte.

Schon früh traten als Lehnsherren die im benachbarten Waldviertel ansässigen, ursprünglich hochfreien Kuenringer auf. In die Zeit ihrer Herrschaft fällt der Bau einer Wasserburg sowie die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte Anlage des rechteckigen Hauptplatzes von Sitzendorf.Heimatbuch „Daheim in Sitzendorf“.

Im Zuge der Niederösterreichischen Kommunalstrukturverbesserung wurden bis dahin selbständige Gemeinde in mehreren Schritten nach Sitzendorf an der Schmida eingemeindet: mit 1. Jänner 1966 Kleinkirchberg, mit 1. Jänner 1967 Pranhartsberg und Sitzenhart, mit 1. Jänner 1971 Braunsdorf, Frauendorf an der Schmida, Goggendorf und Niederschleinz und mit 1. Jänner 1972 Roseldorf

Einwohnerentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Frauendorf an der Schmida mini|Pfarrkirche Niederschleinz mini|Keller bei den Linden mini|Mühlbergkellergasse

Schloss Braunsdorf Katholische Pfarrkirche Braunsdorf hll. Peter und Paul Katholische Pfarrkirche Frauendorf an der Schmida hl. Stephanus Katholische Pfarrkirche Goggendorf Mariä Verkündigung Katholische Pfarrkirche Niederschleinz Katholische Pfarrkirche Sitzendorf an der Schmida hl. Martin: Die im Kern spätgotische Kirche mit weitem dreischiffigem dreichorigem Kirchenbau hat bemerkenswerte Netzrippengewölbe. In der Pfarrkirche befindet sich die Grabplatte des Hanns von Wulfestorff aus dem Jahre 1504. Katholische Ortskapelle Kleinkirchberg hl. Antonius von Padua Katholische Ortskapelle Pranhartsberg hl. Antonius von Padua Katholische Ortskapelle Sitzenhart hl. Dreifaltigkeit Historischer Hauptplatz und drei unter Denkmalschutz stehende Gebäude: Hauptplatz 13: ehemaliges Kranken- und Waisenhaus aus 1520 mit mächtigem gotischen Erker Hauptplatz 10: Jugendstil-Villa mit Eckturm aus 1912 mit Dekor in Formen der Wiener Werkstätte Am Patergraben 2: ehemaliger protestantischer Pfarrhof, 16. Jhdt. Keltenausstellung: im Gemeindeamt von Sitzendorf befindet sich ein Schauraum zu den Ausgrabungen der Keltensiedlung am Sandberg (Dauerausstellung). Besichtigung vormittags während der Öffnungszeiten des Gemeindeamtes Archäologische Ausgrabungen auf dem Sandberg nordöstlich von Roseldorf (größte bekannte Keltensiedlung) Kreisgrabenanlagen in Pranhartsberg Biotop in Pranhartsberg mit Lehrpfad „Orchideen“ Kellergassen in allen Katastralgemeinden Naturschutzgebiet Mühlberg nördlich von Goggendorf, u. a. Vorkommen von Boden-Tragant, Adria-Riemenzunge und Ruthenischer Kugeldistel.

Wirtschaft und Infrastruktur Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 69, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 233. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 935. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 44 Prozent.

Die Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida ist Mitglied des Landschaftsparks Schmidatal.

Verkehr

Eisenbahn: Durch den Westen des Gemeindegebietes verläuft die Franz-Josefs-Bahn. Der nächste Bahnhof befindet sich in Limberg-Maissau. Straße: Die wichtigste Straßenverbindung ist die Waldviertler Straße B2.

Öffentliche Einrichtungen In der Gemeinde gibt es einen Kindergarten, eine Volksschule und eine Neue Mittelschule.Schulensuche auf Schulen online, abgerufen am 10. September 2020

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 21 Mitglieder. Nach den Gemeinderatswahlen hatte der Gemeinderat folgende Verteilungen: 1990: 13 ÖVP, 4 SPÖ, 3 Sonstige und 1 FPÖ 1995: 14 ÖVP, 6 SPÖ und 1 FPÖ 2000: 14 ÖVP, 6 SPÖ und 1 FPÖ 2005: 14 ÖVP und 7 SPÖ 2010: 15 ÖVP und 6 SPÖ 2015: 17 ÖVP und 4 SPÖ 2020: 17 ÖVP und 4 SPÖ 2025: 14 ÖVP, 4 GUT und 3 SPÖ

Bürgermeister

bis 2014 Leopold Hummer (ÖVP) 2014–2024 Martin Reiter (ÖVP) seit 2024 Florian Hinteregger (ÖVP)

Wappen Der Gemeinde wurde 1964 folgendes Wappen verliehen: Ein schrägrechts geteilter Schild, der in seinem oberen hinteren roten Feld zwei gegeneinandergestellte goldene Rebmesser, in seinem unteren vorderen goldenen Feld eine nach rechts laufenden roten Wolf zeigt.

Der Wolf weist auf die Missionierung durch das Bistum Passau hin, da dieses einen Wolf im Wappen führt. Die Rebmesser führten schon die Grafen Dietrichstein im Wappen. Diese waren einst Inhaber der Burg Sitzendorf.

Persönlichkeiten mini|hochkant|Grabplatte des Hanns von Wulfestorff in der Pfarrkirche von Sitzendorf Personen mit Bezug zur Gemeinde

Ehrenbürger der Gemeinde

Literatur

Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Bearbeitet von Evelyn Benesch, Bernd Euler-Rolle u. a. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1990, ISBN 3-7031-0652-2, S. 1093ff. Markt Sitzendorf – Ein Beitrag zur Ortsgeschichte von Leo Maria Trapp, Kooperator. Mit kirchl. Druckgenehmigung Eggenburger Buchdruckerei, 1919 Handschriftliche Ortschronik von Ferdinand Mayer (Bürgermeister) im Archiv des Gemeindeamtes. Band 1 aus dem Jahre 1964: Rückblick bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Band 2 aus dem Jahre 1964: 1923 bis 1963 Band 3 aus dem Jahre 1980: 1964 bis 1980 Heimatbuch der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida „Daheim in Sitzendorf“, ISBN 3-200-00577-7 herausgegeben von Mag. Peter Aichinger-Rosenberger 2006 im Auftrag der Marktgemeinde. Baumburg an der Alz herausgegeben von Walter Brugger, Anton Landersdorfer und Christian Soika im Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2007, ISBN 978-3-7954-1710-9

Weblinks

Webauftritt der Marktgemeinde Sitzendorf Sitzendorf an der Schmida auf ÖsterreichWiki.org

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 1141