Der Poporanismus (von , ) war mit dem Sämänätorismus eine ideologische und künstlerische Strömung im Königreich Rumänien vom Ende des 19. Jahrhunderts bis über die Zwischenkriegszeit hinaus, welche eine Aufwertung des ländlichen Raums und der traditionellen bäuerlichen Welt gegenüber der europäisch geprägten modernen städtischen Zivilisation zum Kern hatte.Georgeta Daniela Oancea: Mythen und Vergangenheit, Rumänien nach der Wende. (PDF; 1,8 MB) 2005, Ludwig-Maximilians-Universität München, abgerufen am 12. April 2011. Sie manifestierte sich um den moldauischen Politiker und Publizisten Constantin Stere (* 1864, † 1936) und in der seit 1906 erscheinenden Zeitschrift Viața Românească.

Die wirtschaftlich den Grundbesitzern untergeordnete Bauernschaft machte zu dieser Zeit etwa 80 Prozent der rumänischen Bevölkerung aus und litt unter der staatlichen Steuer- und Abgabenlast.Poporanismul – doctrina politica și program cultural. news20.ro (rumänisch), abgerufen am 12. April 2011.

Grundzüge mini|Constantin Stere, 1895 Constantin Stere war Anfang der 1890er Jahre Begründer des Poporanismus, den er als bäuerlichen Sozialismus verstand, wobei er den Bauern und das Leben auf dem Land als soziale Basis eines politischen Systems sah.Maria-Laura Comşa: Institutioneller Wandel in Rumänien 1866–2005. Eine institutionenökonomische Analyse zur Rolle der Pfadabhängigkeit für die Transformation und die Integration des Landes in die Europäische Union., Universität Siegen, 24. Oktober 2006, S. 247, hier S. 88, abgerufen am 14. April 2011. Er forderte ein Stimmrecht für alle Rumänen und strebte eine Reform des parlamentarischen und landwirtschaftlichen Systems zu einer bäuerlichen Genossenschaftsdemokratie an.Helga Schultz, Dagmara Jajeśniak-Quast, Torsten Lorenz, Uwe Müller: Wirtschaftsnationalismus in Ostmitteleuropa im 19. und 20. Jahrhundert. (PDF; 445 kB) Europa-Universität Viadrina, Forschungsbericht 2006, S. 42, hier S. 7, abgerufen am 13. April 2011. Mit der Bildung von landwirtschaftlichen Genossenschaften sollten Betriebe für Bauern geschaffen werden, die das Agrarwesen in Rumänien von der Kontrolle der Großgrundbesitzer befreien sollten. Der Poporanismus konzentrierte sich im Wesentlichen auf die Ausweitung der Macht der Bauern, war aber auch im Bezug auf die rumänische Sprache und die Pflege des rumänischen Geistes nationalistisch ausgerichtet.

Der politische Aktivist Constantin Dobrogeanu-Gherea, welcher die Idee der sozialrevolutionären Bewegung der Narodniki () aus dem Russischen Kaiserreich nach Rumänien gebracht hatte, nahm mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Kapitalismus und dem Marxismus Einfluss auf den Poporanismus. Im Gegensatz zu den Volkstümlern sah Stere jedoch keine Notwendigkeit für eine Revolution in Rumänien. Der blutige Bauernaufstand in Rumänien 1907 wurde zu einem Impuls des Umdenkens.Anca Monica Gogîltan: Der Einfluß des Agrarianismus auf die rumänische Malerei um die Jahrhundertwende (1880–1920). (PDF; 943 kB), Schlussbericht Projekt Agrarismus in Ostmitteleuropa 1890–1960, 2010, S. 88, hier S. 35, abgerufen am 12. April 2010.

Letztendlich schieden sich die Meinungen an Fragen wie Antisemitismus und Liberalismus. Dobrogeanu-Gherea beteiligte sich später an der Gründung der Partidul Social Democrat Român, und die Poporanisten wandten sich vielfach der Partidul Național Liberal zu. 1910 kritisierte Dobrogeanu-Gherea den Poporanismus in seiner Studie „Neoleibeigenschaft“. Darin analysierte er Rumänien als „feudal-kapitalistisches System, in dem die Bauern einer modernen Leibeigenschaft ausgesetzt“ seien.

Der Poporanismus beeinflusste auch die Bildung der Partidul Țărănesc () im Jahr 1918, die agrarsozialistische Forderungen mit einem Bekenntnis zum Parlamentarismus verband.

Der Marxismus und Internationalismus der 1950er Jahre ging in den 1980er Jahren in einen Neo-Poporanismus über, dessen national- und sozialpopulistische Formeln in den Transformationsideologien der Postkommunistischen Ära nach der Rumänischen Revolution 1989 fortlebten.

Kunst mini|Ion Theodorescu-Sion: Străjerii.Öl auf Leinwand, 151,5 × 106 cm, 1925

Literatur

Der Literaturhistoriker und -kritiker Garabet Ibrăileanu, Mitherausgeber der Zeitschrift Viața Românească, ordnete die sozialkritischen, antisentimentalen und antiidyllischen Prosawerke von Gala Galaction oder Ion Agârbiceanu dem Poporanismus zu..

Die kritische Auseinandersetzung mit dem Poporanismus brachte später einige der großen Bauernromane hervor, wie Liviu Rebreanus Răscoala () von 1932, Zaharia Stancus Desculț () von 1948, und Marin Predas Moromeții ().

Malerei

Die Strömung des Poporanismus in der rumänischen Malerei, mit den Bauern als beherrschende Dimension des rumänischen Nationsbegriffes nach dem Bauernaufstand von 1907, beschrieb Anca Monica Gogîltan von der Babeș-Bolyai-Universität Cluj:

Literatur

In deutscher Sprache:

In rumänischer Sprache:

Weblinks

Poporanismul – doctrina politica și program cultural. news20.ro (rumänisch), abgerufen am 12. April 2011.

Einzelnachweise

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