Der AMC AMX/3 (alternative Schreibweise: AMX III) ist ein Mittelmotorsportwagen des US-amerikanischen Automobilherstellers American Motors Corporation (AMC), der im März 1970 vorgestellt wurde und ab 1971 in Deutschland bei Karmann in Serie produziert werden sollte. Mit diesem Auto wollte AMC dem ähnlich konzipierten De Tomaso Pantera einen Konkurrenten entgegensetzen. Das Karosseriedesign und der Antrieb kamen von AMC, Fahrwerk und Chassis wurden in Europa entwickelt. Die Konstruktion wurde allgemein Giotto Bizzarrini zugeschrieben. Allerdings stammen nur einzelne Komponenten wie die Aufhängung von ihm. Neben Bizzarrini waren auch Italdesign, Autocostruzioni S.D. und BMW an der Entwicklung beteiligt. Kurz nach der Präsentation gab AMC das Projekt ohne Angabe von Gründen auf, nachdem etwa ein halbes Dutzend Autos entstanden war. Mehrere Versuche, die Konstruktion ohne AMC-Beteiligung unter dem Markennamen Bizzarrini – unter anderem als Bizzarrini Sciabola – wiederzubeleben, blieben erfolglos. Ein AMX/3-Chassis bildete 1972 die technische Basis für das Konzeptfahrzeug Iso Varedo.

Hintergrund mini|Erste AMX-Reihe (1968–1970) mini|Inspiration und direkter Konkurrent: De Tomaso Pantera

Der AMX/3 entstand als Reaktion auf die wirtschaftliche Krise des AMC-Konzerns. AMC, der kleinste der vier großen US-amerikanischen Autokonzerne, hatte in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre erhebliche Einbußen hinnehmen müssen,Alan Naldrett: Lost Car Companies of Detroit, Arcadia Publishing, 2016, ISBN 978-1-62585-649-4, S. 132.AMC produzierte 1966 etwa 160.000 Fahrzeuge der Marke Rambler weniger als 1960 und fiel in dieser Zeit in der Produktionsstatistik der US-amerikanischen Marken von Rang 4 auf Rang 9. Der Marktanteil in den USA fiel von 1960 bis 1967 von 6,4 auf 2,8 Prozent. Vgl. Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984. ISBN 0-517-42462-2, S. 661, und Wolfgang Blaube: Akte X. Vorstellung und Entwicklungsgeschichte des AMC AMX/3. In: Oldtimer Markt. Nr. 4, April 2011, , S. 43. was vor allem mit einer technisch anspruchslosen, vielfach als bieder empfundenen Modellpalette erklärt wurde. AMC versuchte deshalb zum Ende des Jahrzehnts zunächst, mit sportlichen Varianten der Volumenmodelle jüngere Käufer anzusprechen, war damit aber weitgehend erfolglos. Das zum Modelljahr 1968 eingeführte Pony-Car Javelin kam im Vergleich zur Konkurrenz drei Jahre zu spät,J. „Kelly“ Flory, Jr.: American Cars, 1960–1972: Every Model, Year by Year, McFarland, 2008, ISBN 978-0-7864-5200-2, S. 559. und das vom Javelin abgeleitete zweisitzige Fließheckcoupé AMX bekam als frühes Muscle-Car zwar eine gute Presse, verkaufte sich aber – möglicherweise wegen zu großer stilistischer Nähe zu den Standardmodellen von AMC – deutlich schlechter als erwartet.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984. ISBN 0-517-42462-2, S. 21.Larry G. Mitchell: AMC Muscle Cars: Muscle Car Color History, MotorBooks International, ISBN 978-1-61060-801-5, S. 64.Von Herbst 1968 bis 1970 entstanden insgesamt 10.866 Exemplare des AMX. Zum Modelljahr 1971, das im Spätsommer 1970 begann, nahm AMC den AMX aus dem Programm. Der AMX war in den folgenden Jahren kein eigenständiges Modell mehr. Vielmehr bezeichnete der Begriff nunmehr die sportlichsten Varianten der AMC-Modelle Javelin (1971–1974), Hornet (1977), Concord (1978) und Spirit (1979–1980).

Um der Marke AMC ein sportliches Image zu geben, verfolgte das Management seit 1967 das Ziel, die Modellpalette um einen Hochleistungssportwagen mit Mittelmotor zu ergänzen. Auslöser waren vor allem die Motorsporterfolge des entsprechend konstruierten Ford GT40, die Ford werbewirksam zu nutzen verstandWinston Goodfellow: Giottos Meisterstück, Octane Magazin, Heft Mai 2017, S. 66.Larry G. Mitchell: AMC Muscle Cars: Muscle Car Color History, MotorBooks International, ISBN 978-1-61060-801-5, S. 26. und die auch die GM-Marke Chevrolet zur Entwicklung des Konzeptautos Astro II veranlasst hatten. Im Frühjahr 1968 zeigte AMC zunächst den stilistisch vom De Tomaso Mangusta beeinflussten AMC AMX/2, der ein reines Show Car war und in dieser Form keine Aussicht auf eine Serienproduktion hatte.Abbildung des AMC AMX/2 (abgerufen am 29. Dezember 2019). Dieser Entwurf wurde zum AMX/3 weiterentwickelt, der bereits seriennah gestaltet war.

Im Herbst 1968 fiel die Entscheidung, den AMX/3 in Serie zu produzieren. Vornehmlicher Rivale sollte der zu dieser Zeit noch in der Entwicklung befindliche De Tomaso Pantera sein, von dem bereits klar war, dass Ford ihn in den USA über sein Händlernetz vertreiben würde.Halwart Schrader, Georg Amtmann: Italienische Sportwagen. Stuttgart 1999, ISBN 3-613-01988-4, S. 102.Der Ford-Konzern unterhielt außer den Händlern der Marke Ford ein eigenständiges Händlernetz für die höher positionierten Konzernmarken Lincoln und Mercury. Von 1971 bis 1973 verkauften ausgewählte Lincoln-Mercury-Händler den De Tomaso Pantera mit Ford-Garantie. Vgl. Daniele Pozzi: De Tomaso: From Buenos Aires to Modena, the History of an Automotive Visionary, Dalton Watson Fine Books, 2016, ISBN 978-1-85443-278-0, S. 146.

Nachdem mehrere Prototypen fertiggestellt waren, ließ AMC im März 1970 Werbefotos vor dem Kolosseum in Rom produzieren.Pressefoto mit dem dritten Prototyp (abgerufen am 29. Dezember 2019). Am 23. März 1970 stellte AMC den Wagen in Rom der italienischen und am 4. April 1970 in New York der amerikanischen Presse vor.Jim Campisano: American muscle cars, Main Street, 1999, ISBN 978-0-7607-4628-8, S. 121. Beide Termine lagen jeweils einen Tag vor der örtlichen Präsentation des De Tomaso Pantera. Ab dem 5. April 1970 stand der AMX/3 schließlich auf der New York Auto Show, wo auch der Pantera debütierte. Unterstützend fuhr Giotto Bizzarrini einige Demonstrationsrunden auf dem Michigan Speedway. Wenig später – je nach Quelle Ende April oder im Sommer 1970 – gab AMC den AMX/3 allerdings überraschend auf. Gründe für die Beendigung wurden nicht genannt. Bis dahin hatte AMC etwa 2 Mio. US$ in das Projekt investiert.

Modellbezeichnung mini|Der übliche Schriftzug

Die Abkürzung AMX steht für American Motors Experimental (sinngemäß: Versuchsmodell der American Motors Company). Seit 1968 verwendete AMC sie für einen in Serie produzierten Sportwagen mit Frontmotor. Das Mittelmotorcoupé erhielt zu Beginn der Entwicklungsphase die Bezeichnung AMX/3; sie war auch als Verkaufsbezeichnung des letztlich nicht verwirklichten Serienmodells vorgesehen. Die 3 – für das dritte Experimentalfahrzeug – wurde typografisch zumeist mit einem Schrägstrich angebunden. Dieser Schriftzug findet sich auf einigen Prototypen. Abweichend davon verwendete AMC allerdings bei mindestens einem Prototyp die Schreibweise AMX III.Abbildungen zum Chassis Nr. 1 auf der Internetseite www.amx3.org (abgerufen am 29. Dezember 2019). Eine zeitgenössische Skizze zeigt außerdem ein Fahrzeug mit dem Schriftzug AMX/K, wobei das K für den Karosseriehersteller Karmann steht.

Entwicklungsgeschichte Die Entwicklungsgeschichte des AMC AMX/3 ist nicht in allen Einzelheiten geklärt. An ihrem Anfang stand das Karosseriedesign, für das innerhalb von sieben Monaten in weiteren Schritten ein Chassis und ein Fahrwerk sowie eine Karosseriestruktur konstruiert wurden, bevor ein Testprogramm mit mehreren Prototypen durchgeführt wurde. An diesem Prozess waren zahlreiche europäische Dienstleister beteiligt, von denen drei zu dieser Zeit geschäftlich eng miteinander verbunden waren.Das betrifft Giotto Bizzarrini, Giorgio Giugiaro und Salvatore Diomante. Diomante leitete den Automobilzulieferer Carbondio und war parallel dazu Werksleiter oder Produktionsmanager bei Automobili Bizzarrini. Nach der Insolvenz Bizzarrinis übernahm Diomante im Insolvenzverfahren das technische Material des Unternehmens sowie zahlreiche Konstruktionspläne für Bizzarrinis Autos und gründete auf dieser Grundlage seinen Betrieb Autocostruzioni S.D., zu dessen Gunsten Carbondio 1969 aufgelöst wurde. Auch Giorgio Giugiaro gehörte in den späten 1960er-Jahren zu Giotto Bizzarrinis Umfeld. Beide waren miteinander befreundet. Als Giugiaro eine technische Basis für das erste Show Car seines neu gegründeten Unternehmens Italdesign suchte, wählte er ein gebrauchtes Bizzarrini-Chassis (P 538). Daraus wurde das im Oktober 1968 vorgestellte Einzelstück Bizzarrini Manta, der im Sommer 1968 in Salvatore Diomantes Unternehmen Carbondio aufgebaut worden war. Mit dem AMX/3 setzten Bizzarrini, Dionmante und Giugiaro ihre Verbindung fort.

Planungen bei AMC Die Entscheidung, die Entwicklung und die Produktion des AMX/3 auf europäische Betriebe auszulagern, hatte finanzielle Gründe. Das Management hoffte, auf diese Weise die Produktionskosten und den Verkaufspreis niedrig zu halten. Die Serienfertigung sollte der deutsche Karosseriehersteller Karmann übernehmen,Winston Goodfellow: Giottos Meisterstück, Octane Magazin, Heft Mai 2017, S. 70.Wolfgang Blaube: Akte X. Vorstellung und Entwicklungsgeschichte des AMC AMX/3. In: Oldtimer Markt. Nr. 4, April 2011, S. 44. der in Rheine schon seit 1968 die für Europa bestimmten Exemplare des AMC Javelin aus zerlegt angelieferten Teilesätzen montierte.Marc Cranswick: The Cars of American Motors: An Illustrated History. McFarland, 2011, ISBN 978-0-7864-8570-3, S. 96.Geschichte des Karmann Javelin auf der Internetseite www.american-motors.de (abgerufen am 29. Dezember 2019).Roland Löwitsch: Karmann-Kabinett. Octane Magazin, Heft Mai 2017, S. 90, 95.Abbildung einer zweisprachigen Verkaufsbroschüre zum AMC Javelin 79-K auf der Internetseite www.lov2xlr8.no (abgerufen am 29. Dezember 2019). Die Planspiele sahen vor, die Produktion des AMX/3 nach einer ersten Serie von 24 Autos auf 1000, nach anderen Quellen sogar 5000 Autos jährlich zu erhöhen, die sowohl in den USA als auch in Europa verkauft werden sollten. Andere Quellen meinen, AMC habe zunächst 5000 Fahrzeuge jährlich als Produktionsziel ausgegeben und dies später auf 24 Autos pro Jahr reduziert. Als Verkaufspreis waren 10.000 bis 12.000 US$ vorgesehen. Das war etwa das Dreifache eines zeitgenössischen Ford Mustang,Ein Mustang Mach I Coupé kostete im Modelljahr 1970 ohne Zusatzausstattung 3271 US$; s. Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1940–1970, Crescent 1981, ISBN 978-0-517-29464-2, S. 201. während ein Ferrari 365 GTB/4 „Daytona“ für 19.900 US$ angeboten wurde.Doug Nye: World Supercars 1: Ferrari 365 GTB/4 Daytona, Arco Publishing 1984, ISBN 978-0-668-05883-4, S. 87.

AMC Design Center Das Karosseriedesign des AMX/3 entstand im Frühjahr 1968. Es wurde AMCs eigenem Designstudio zugeschrieben, das Richard „Dick“ Teague leitete. Die Detailarbeiten verrichteten Vince Geraci, Jack Kenitz, Chuck Mashigan und Robert „Bob“ Nixon. Teague deutete in späteren Jahren an, dass während des Designprozesses „viel Arbeit“ auf den Spezialbetrieb Creative Industries of Detroit ausgelagert worden sei, spezifizierte das aber nicht näher.Leon Dixon: Creative Industries of Detroit: The Untold Story of Detroit’s Secret Concept Car Builder, CarTech Inc, 2017, ISBN 978-1-61325-213-0, S. 167.

Im Herbst 1968 entstand nach den Entwürfen der AMC-Designer ein als Pushmobile bezeichnetes 1:1-Modell aus glasfaserverstärktem Kunststoff, das nicht fahrbereit war, keinen Motor, keine Lenkung und kein Interieur hatte und im Innern von einem Metallgerüst zusammengehalten wurde.Dieses Pushmobile existiert noch; es steht seit etwa 2007 in Kalifornien. Nach seiner Fertigstellung wurde ihm in einem Designwettbewerb ein Alternativvorschlag von Giorgio Giugiaros Studio Italdesign gegenübergestellt, der unter Zeitdruck parallel zum Show Car Bizzarrini Manta entstanden war und als „schwer und unausgereift“ bzw. „unfertig und lieblos“ wahrgenommen wurde. Am Ende gewann der AMC-Entwurf.

Bizzarrini und Italdesign mini|Ungenannter Dienstleister beim AMX/3-Projekt: Italdesign