Leubsdorf ist eine rheinland-pfälzische Ortsgemeinde am Rhein im Landkreis Neuwied. Die Gemeinde gehört der Verbandsgemeinde Linz am Rhein an.

Geographie Leubsdorf liegt auf der rechten Rheinseite südlich von Linz am Rhein und der Ortsgemeinde Dattenberg. Das Gemeindegebiet erstreckt sich mit den Ortsteilen Hesseln, Krumscheid und Rothe Kreuz bis auf die ersten Höhen des Westerwaldes und erreicht dort mit etwa seinen höchsten Punkt. Im Süden grenzt die Gemeinde an die Stadt Bad Hönningen. Das gesamte Gemeindegebiet liegt im Naturpark Rhein-Westerwald.

Geschichte mini|links|St. Walburgis, Luftaufnahme (2017) mini|links|Burg Leubsdorf, Luftaufnahme (2017) mini|Burg Leubsdorf

Ortsgeschichte mini|Leubsdorf (am Rhein), Luftaufnahme (2018) mini|Krumscheid, Luftaufnahme (2017) mini|hochkant|Leubsdorf am Rhein

Mit dem Namen „Lupstorf“ wird der Ort erstmals in einer Urkunde im Jahr 639 erwähnt. Mit „Lupstorf“ ist das „Dorf des Lupo“ oder „des Luitprecht“ gemeint. Dieser Name weist auf die Herrschaft der Franken am Mittelrhein um das Jahr 500 hin.

In dieser Urkunde aus 639 schenkt Pippin der Ältere († 640) seiner Tochter Gertrud (626–659), der ersten Äbtissin des Klosters Nivelles, Orte mit Weinbergen, Wäldern und Fischereien. Hier wird auch „Lupstorf“ aufgeführt. Durch diese Schenkung kommt Leubsdorf in den Einflussbereich dieses Klosters.

Aus einer Schenkung der Gräfin Mechthild von Sayn geht hervor, dass sie im Jahr 1250 ihre Besitzungen, zu denen auch Leubsdorf gehörte, dem Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden, ein Onkel von Mechthild, zuweist. Landesherrlich gehörte Leubsdorf seitdem als Teil des Kirchspiels Linz zu Kurköln und unterstand seit dem 15. Jahrhundert der Verwaltung des Amtes Linz. Der Bischof von Trier blieb der geistliche Vorgesetzte. Nachdem das Rheinland 1815 an das Königreich Preußen abgetreten wurde, wurde die Gemeinde 1816 dem neu gebildeten Kreis Linz (1822 in den Kreis Neuwied eingegliedert) zugeordnet und von der Bürgermeisterei Linz verwaltet.

In einem Verzeichnis des kirchlichen Besitzes des Bistums Trier wird um 1250 auch eine Kapelle in „Lupzstorf“ genannt, die als die Vorgängerkirche der heutigen, 1906 gebauten Pfarrkirche St. Walburgis gilt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Leubsdorf vollständig verwüstet, an selber Stelle aber wieder aufgebaut.

Einwohnerentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Leubsdorf, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten

Jahr Einwohner 1815 614 1835 764 1871 886 1905 950 1939 1.070 1950 1.266 Jahr Einwohner 1961 1.298 1970 1.438 1987 1.551 2005 1.704 2022 1.640

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Leubsdorf besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im gewählten Gemeinderat: Wahl SPD CDU Grüne FDP FWG Gesamt 2024 4 9 2 – 1 16 Sitze 2019 3 9 2 1 1 16 Sitze 2014 5 9 1 – 1 16 Sitze 2009 5 9 1 – 1 16 Sitze 2004 4 10 1 – 1 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Leubsdorf e. V.

Bürgermeister Heiko Glätzner wurde am 14. September 2023 nach einstimmiger Wahl durch den Gemeinderat Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde Leubsdorf. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 89,0 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Glätzner trat die Nachfolge des langjährigen Ortsbürgermeister Achim Pohlen an, der im April 2023 verstorben war. Zuletzt bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war Achim Pohlen mit 75,34 % in seinem Amt bestätigt worden.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|St. Walburgis

Sehenswürdigkeiten Die auf einem Felsen emporragende gotische Pfarrkirche St. Walburgis, auch bekannt als die „Weiße Kirche vom Rhein“, wurde 1905 anstelle einer Vorgängerkirche erbaut, von der noch der Westturm und Teile des Chores erhalten sind. In der Kirche befinden sich Statuen und Skulpturen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Das spätmittelalterliche Burghaus inmitten des alten Ortskerns, ein dreigeschossiger spätgotischer Steinbau der mit Fachwerktürmchen an den vier Ecken bekrönt ist. Es entstand in der Mitte des 16. Jahrhunderts, die Entstehung lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Ortskern sind zahlreiche, liebevoll gepflegte Fachwerkbauten aus dem 18. Jahrhundert erhalten.

Regelmäßige Veranstaltungen Traditionelle Walburgis-Kirmes: erstes Wochenende im Mai. Ein vom Katholischen Junggesellenverein Leubsdorf ausgerichtetes Fest. Erstmals wurde die Kirmes in ihrer heutigen Form wohl am 1. Mai 1733, dem Datum der Gründung des Junggesellenvereins, gefeiert. Seitdem hat sich an den Veranstaltungen kaum etwas geändert. Weihnachtsmarkt: Immer am dritten Adventswochenende veranstaltet der Katholische Junggesellenverein Leubsdorf einen Weihnachtsmarkt auf dem Franz Josef-Honnef-Platz. Das Motto der Veranstaltung, bei der ein Teil des Umsatzes für soziale Zwecke gespendet wird, lautet: „Ein Weihnachtstraum unterm Kastanienbaum“. Schützenfest: am Wochenende nach Fronleichnam Winzerfest: letztes Wochenende im September (bis 2007) Karnevalsumzug: am Karnevalssonntag

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Haltepunkt Leubsdorf

Am 16. April 1927 wurde in Leubsdorf, das zuvor nur über eine Blockstelle verfügte, ein Haltepunkt an der rechten Rheinstrecke eröffnet.General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 11. April 1927, 2. Blatt (zeitpunkt.nrw)Honnefer Volkszeitung, 21. September 1927, S. 2 (zeitpunkt.nrw) Ab 1930 fand hier eine Gepäck- und Expressgutabfertigung und ab 1932 auch eine Stückgutbeförderung statt.General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 24. Dezember 1929, S. 14 (zeitpunkt.nrw)Deutsche Reichs-Zeitung, 6. Juli 1932, S. 9 (zeitpunkt.nrw) 1934 erhielt der nunmehrige Bahnhof für diesen Zweck einen Güterschuppen.General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 12. September 1934, S. 10 (zeitpunkt.nrw) 1959 wurde der Bahnhof wieder in einen Haltepunkt umgewandelt.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 18. September 1959, Nr. 43. Bekanntmachung Nr. 441, S. 198. 1962 wurde die Blockstelle Leubsdorf aufgehoben.Honnefer Volkszeitung, 11. Mai 1962, S. 4 (zeitpunkt.nrw) Ab 1965 war der Haltepunkt auch personell nicht mehr besetzt.Honnefer Volkszeitung, 1. Oktober 1965, S. 5 (zeitpunkt.nrw) In Leubsdorf hält die Regionalbahn 27 (Mönchengladbach–Köln–Koblenz).

Linie Verlauf Takt

Die B 42 verläuft unterhalb von Leubsdorf und verbindet mit den Städten in Richtung Bonn (Linz am Rhein, Bad Honnef, Königswinter) und in Richtung Koblenz (Bad Hönningen, Neuwied).

Wanderwege Der Rheinsteig, der rechtsrheinische Fernwanderweg von Bonn nach Wiesbaden, führt durch Leubsdorf. Hier endet die von Unkel kommende Etappe (16,7 km, 500 Höhenmeter) und beginnt die Etappe nach Rheinbrohl (14,6 km, 463 Höhenmeter).

Bildung Die erste Schule in Leubsdorf wird 1729 erwähnt. Heute bietet Leubsdorf neben der Grundschule auch einen Kindergarten und eine öffentliche Bücherei. Weiterführende Schulen sind in den nahegelegenen Mittelzentren gut zu erreichen.

Sonstiges Ähnlich wie in vielen Dörfern und Städten in der Umgebung erhielten die Einwohner von Leubsdorf einen Spitznamen, der gerne zur Diffamierung benutzt wurde. So tragen jene bis heute den Namen „Knuddele“ (Spitznamen in den Nachbarorten: „Strünzer“ Linz am Rhein, „Rööpe“ Dattenberg, „Bunne“ Bad Hönningen).

In unmittelbarer Nähe von Leubsdorf verläuft in Ost-West-Richtung die sogenannte Vinxtbachlinie, auch Leubsdorfer Linie oder Bad Hönninger Linie genannt. Diese markiert sowohl die ehemalige politische Grenze zwischen Obergermanien und Niedergermanien in der römischen Zeit als auch nachfolgend die Grenze zwischen den Einflussbereichen der Erzbistümer Trier und Köln. Außerdem stellt sie seit Jahrhunderten die Sprachgrenze zwischen den beiden großen mittelfränkischen Dialektgruppen dar, der südlich anschließenden moselfränkischen und der nördlich davon gelegenen ripuarischen Gruppe.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Heinz Schwarz (1928–2023), Politiker, früherer Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz Doris Zander (* 1958 in Leubsdorf), Fernsehproduzentin Ferdinand Pertzborn (1864 Leubsdorf–1909 Bingen), Musikdirektor in Bingen

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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