mini|alt=Lächelnde, mittelate Frau mit Pferdeschwanz, die eine schwarze Bluse und Halskette sowie Kreolen trägt|Immaculée Ilibagiza, 2007 Immaculée Ilibagiza (* 1972 in Ruanda) ist eine ruandisch-amerikanische Schriftstellerin und Motivationsrednerin. Ihr erstes Buch Aschenblüte: Ich wurde gerettet, damit ich erzählen kann (englisch: Left to tell: Discovering God Amidst the Rwandan Holocaust) erschien 2006 und ist ein autobiografisches Werk, in dem sie beschreibt, wie sie 1994 den Völkermord in Ruanda überlebte.
Leben Ilibagiza gehört zur Volksgruppe der Tutsi und ist römisch-katholisch. Im April 1994 war Ilibagiza 22 Jahre alt und studierte Maschinenbau und Elektronik an der National University of Rwanda. Da Ostern war, besuchte sie ihre Familie in Kibuye. Als am 6. April das Flugzeug des Präsidenten abgeschossen wurde und mit dieser Initialzündung der Völkermord an den Tutsi begann, befahl ihr Vater ihr, sich zu verstecken. Der Hutu-Nachbar Simeon Nzabahimana, ein Freund der Familie und Geistlicher der Church of the Province of Rwanda, nahm sie in sein Haus auf und brachte sie in ein kleines Badezimmer, in dem sich bereits sechs andere Tutsi-Frauen und -Mädchen versteckten. Dort überlebten sie die nächsten 91 Tage still, auf engem Raum, abgemagert durch die wenige Nahrung, die sie sporadisch erhielten und von Läusen befallen. Die Frauen mussten ihre Anwesenheit vor den anderen Hausbewohnern geheim halten. So konnten sie die Toilettenspülung im Badezimmer nur verwenden, wenn gerade die Toilette im Raum gegenüber benutzt wurde, um den Lärm zu überdecken. Mit einer Liste von Tutsi-Nachbarn, die noch nicht getötet worden waren, kamen die Mörder auch immer wieder zu Nzabahimanas Haus, in dem sich Ilibagiza versteckte, da gesehen worden war, dass Frauen in dieses hereingelassen wurden. Das Haus wurde sogar von den bewaffneten Hutu gestürmt, doch war das kleine Badezimmer gut versteckt. Laut Ilibagiza hörte sie, wie einer der Mörder ihren Namen rief. „Ich hörte jemanden meinen Namen rufen. Er sagte: ‚Ich habe 399 Kakerlaken getötet‘ und wollte, dass ich die 400. bin.“ Nzabahimana erklärte ihnen, dass er die Frauen weggeschickt hatte. Ilibagiza lernte im Versteck mit einem Wörterbuch Englisch, las die Bibel und sprach mit Gott. Nach drei Monaten hörten sie im Radio schließlich Berichte, dass französische Truppen in Ruanda eingetroffen waren, um die überlebenden Tutsi zu schützen, und dass sich ein französisches Lager nur wenige Kilometer entfernt befand. Die Frauen überredeten Nzabahimana sie dort nachts hinzubringen. Ilibagizas erfuhr, dass ihre gesamte Familie (Mutter, Vater und zwei Brüder) bis auf ihren ältesten Bruder Aimable, der gerade im Senegal studierte, ermordet worden war. Ihr Vater war an dem Tag, an dem er ihr befahl, sich zu verstecken, von Hutus, die zu seinem Haus kamen, erschossen worden und ihre Mutter und ihre Brüder wurden in den Massakern von Interahamwe getötet.
Nach dem Völkermord lernte Ilibagiza einen Amerikaner, der für den Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda arbeitete, kennen. Sie heirateten und zogen 1998 nach New York in die USA. Dort begann Ilibagiza eine Arbeit beim Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Sie ist zudem Mutter zweier Kinder.
Im Jahr 2006 veröffentlichte sie mit Aschenblüte: Ich wurde gerettet, damit ich erzählen kann (englisch: Left to tell: Discovering God Amidst the Rwandan Holocaust) ein autobiographisches Werk, in dem sie detailliert beschrieb, wie sie den Völkermord überlebte und wie ihre spirituelle Reise ihr dabei half. Das Buch schaffte es auf die The New York Times Best Seller list. Im selben Jahr erschien inspiriert von ihrem Werk die Dokumentation Diary of Immaculée von Peter LeDonne und Steve Kalafer. Ilibagiza trat in der am 3. Dezember 2006 ausgestrahlten Sendung 60 Minutes (Wiederholung am 1. Juli 2007) auf. Sie gab an sie spreche nun endlich, in der Hoffnung, weitere Gräueltaten nicht nur in Ruanda zu verhindern, sondern auch in Darfur und anderen Orten, wo Massaker drohten. Ilibagiza begann zudem weltweit Reden über das Massaker zu halten und verbreitete dabei ihre Botschaft von Vergebung. 2011 erschien mit If Only We Had Listened ein weiterer Dokumentarfilm, den Sean Bloomfield zusammen mit Ilibagiza produzierte.
Im Jahr 2013 wurde sie US-Staatsbürgerin und erzählte bei der Einbürgerungszeremonie als Hauptrednerin ihre Überlebensgeschichte.
Auszeichnungen 2007 wurde sie mit dem Mahatma-Gandhi-Versöhnungs- und Friedenspreis ausgezeichnet. Zudem erhielt sie 2007 eine Ehrendoktorwürde der University of Notre Dame und 2008 der St. John’s University.
Werke Immaculée Ilibagiza (zusammen mit Steve Erwin): Left to Tell. Discovering God Amidst the Rwandan Holocaust. Hay House, Carlsbad CA 2006, ISBN 1-4019-0896-9. Aschenblüte: Ich wurde gerettet, damit ich erzählen kann. dt. von Maria Zybak. Ullstein, Berlin 2008, ISBN 978-3-548-36981-5 Immaculée Ilibagiza (zusammen mit Steve Erwin): Led by Faith. Rising from the Ashes of the Rwandan Genocide. Hay House, Carlsbad CA 2008, ISBN 978-1-4019-1887-3 Immaculée Ilibagiza: Our Lady of Kibeho. Mary Speaks to the World from the Heart of Africa. Hay House, Carlsbad CA 2008, ISBN 978-1-4019-2378-5. Immaculée Ilibagiza: The Boy Who Met Jesus: Segatashya Emmanuel of Kibeho Hay House, Carlsbad CA 2012, ISBN 978-1401935825 Immaculée Ilibagiza (mit Steve Erwin): The Rosary: The Prayer That Saved My Life Hay House, Carlsbad CA 2013, ISBN 978-1401940171
Literatur Interviews
Weblinks Immaculee.com, Homepage der Autorin
Einzelnachweise
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