mini|hochkant=1.6|Karte Nigers mit den Sprachgebieten der zehn Nationalsprachen Die Sprachen Nigers sind je nach Klassifizierung zwischen 11 und 24 Einzelsprachen.
Die Amtssprache ist Hausa. Sie wurde im Jahr 2025 zur Amtssprache erhoben und ersetzte damit Französisch, ein Erbe der Kolonialzeit Frankreichs in Niger. Zehn der in Niger gesprochenen Sprachen sind Nationalsprachen (von einer Nationalität im Sinne einer ethnisch definierten Volksgruppe gesprochen). Von diesen weisen Hausa und Songhai-Zarma die höchsten Sprecherzahlen auf. Sie sind auch die wichtigsten Vehikularsprachen (Gebrauch als Zweitsprache) des Landes. Die weiteren Nationalsprachen sind Arabisch, Buduma, Fulfulde, Gourmanchéma, Kanuri, Tamascheq, Tasawaq und Tubu.
Die Verbreitung der Einzelsprachen ist regional verschieden, wobei sich die Sprachgebiete oft überschneiden. Mehrsprachigkeit ist üblich. Die Einstufung der Nationalsprache Tasawaq und zwei anderer Einzelsprachen als gefährdet ist umstritten.
Rechtlicher Status Die Verfassung Nigers legt Französisch als einzige Amtssprache des Landes fest. Auch wenn in den Parlamentsdebatten andere Sprachen wie Hausa und Zarma toleriert werden, sind die im Journal officiel veröffentlichten Gesetzestexte ausschließlich auf Französisch verfasst. Ebenfalls in der Verfassung sind die Nationalsprachen (langues nationales) als die nach dem Gleichheitsprinzip zu behandelnden Sprachen jener Gemeinschaften definiert, welche die nigrische Nation bilden. Der Staat hat für die Förderung und Entwicklung der Nationalsprachen Sorge zu tragen. Welche diese Sprachen sind, ist durch ein Gesetz aus dem Jahr 2001 geregelt. Es handelt sich um Arabisch, Buduma, Fulfulde, Gourmanchéma, Hausa, Kanuri, Songhai-Zarma, Tamascheq, Tasawaq und Tubu. Dasselbe Gesetz legt auch die Modalitäten fest, unter denen die Nationalsprachen gefördert und entwickelt werden sollen. Zentral ist ihr Gebrauch im Bildungswesen, der auf die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Bevölkerung zielt.
Amtssprache Französisch mini|hochkant=0.6|Schilder in Kouré (2008) mit der französischen Aufschrift ATTENTION PASSAGE GIRAFES („Achtung Übergang Giraffen“)
Die Bedeutung der französischen Sprache in Niger erschließt sich über ihren offiziellen Status als einziger Amtssprache, ferner über ihre praktische Funktion als Vehikularsprache sowohl im nationalen als auch im internationalen Kontext. Die Republik Niger ist Mitglied der Organisation Internationale de la Francophonie. Noch 1966, sechs Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes von Frankreich, schätzte der Afrikanist Pierre-Francis Lacroix den Anteil der Gesamtbevölkerung, der Französisch als Zweitsprache nutzt, auf lediglich 3 %. Auf statistische Daten konnte Lacroix dabei nicht zurückgreifen. Bei der Volkszählung 1977 erhob Niger erstmals offizielle Daten zur gesprochenen Sprache der Einwohner. Bei der Volkszählung 1988 wurde die jeweilige Muttersprache erfasst. Die Fragestellung legte die für Subsahara-Afrika typische Sprachenvielfalt des Landes offen, erlaubte jedoch keine Rückschlüsse auf die deutliche Präsenz von Vehikularsprachen, insbesondere des Französischen. Zu dessen Verbreitung gibt es unterschiedliche Angaben. Die französische Regierungsorganisation Délégation générale à la langue française et aux langues de France gab 2006 den Bevölkerungsanteil der Französischsprachigen in Niger mit 9 % an. 2012 führte sie Niger unter jenen Staaten mit einem Anteil Französischsprachiger von 5 % bis 15 % und berief sich dabei auf Angaben der Organisation Internationale de la Francophonie. In der Auflage von 2012 des Historical Dictionary of Niger von Idrissa und Decalo werden über 5 % der Nigrer als geübte Französischsprecher eingestuft und bis zu 10 % sollen die Sprache zumindest teilweise beherrschen. Die französische Sprache in Niger ist eng an die eingeschränkte Durchschlagskraft des Bildungssystems gebunden, in dem sie gelehrt wird. Je nach dessen Bewertung bestehen auch höhere Schätzungen des Sprecheranteils.
Ein für die französische Sprache in Niger spezifischer Ausdruck wird als nigérisme („Nigerismus“) bezeichnet. Dies ist der Fall, wenn einzelne Wörter oder Phrasen aus einer Nationalsprache in den französischen Sprachgebrauch übernommen werden (Beispiel: Tazartché, Hausa für „es muss weitergehen“) oder scheinbar unzureichend wortwörtlich übersetzt werden (Beispiel: attacher le mariage, „die Heirat anbringen“ für „heiraten“).
Nationalsprachen Arabisch mini|Sprachgebiet des Arabischen in Niger
Die arabische Sprache wird zum einen als das Hocharabisch des Koran landesweit in der islamisch-religiösen Bildung gelehrt. Zum anderen ist sie in vier Varietäten – Algerisches Sahara-Arabisch (ISO 639-3 aao), Hassania-Arabisch (ISO 639-3 mey), Libysch-Arabisch (ISO 639-3 ayl) und Tschadisch-Arabisch (ISO 639-3 shu) – die Erstsprache der in Niger ansässigen Araber. Bei der Volkszählung 2001 bezeichneten sich 40.085 Einwohner, das entspricht 0,4 % der Gesamtbevölkerung, als Araber.
Algerisches Sahara-Arabisch Die Varietät stammt aus Algerien, wo ungefähr 100.000 (1996) der insgesamt rund 131.000 Sprecher leben. In Niger sprechen etwa 10.000 Personen (1998) Algerisches Sahara-Arabisch. Das nigrische Sprachgebiet grenzt nicht direkt an Algerien, sondern liegt um Dabaga im Süden des Gebirges Aïr. Es handelt sich um eine Sprachinsel in einer von Tamascheq dominierten Zone, das als Zweitsprache der hier lebenden Araber dient.
Hassania-Arabisch Der Gebrauch von Hassania-Arabisch ist ein Teil der nationalen Identität Mauretaniens und in dessen Verfassung verankert. Dort leben etwa 2.770.000 (2006) der insgesamt rund 3.278.000 Sprecher. Bedeutende Minderheiten gibt es in Mali und Marokko. In Niger sprechen circa 10.000 Personen (1998) Hassania-Arabisch. Sie bewohnen vor allem die Gemeindegebiete von Tassara und Tchintabaraden. Auch dort wird oft Tamascheq als Zweitsprache verwendet.
Libysch-Arabisch Libysch-Arabisch ist de facto die nationale Arbeitssprache Libyens, wo ungefähr 4.000.000 (2006) ihrer insgesamt rund 4.321.000 Sprecher leben. In Ägypten wird die Varietät von etwa 316.000 Menschen (2002) gesprochen. In Niger sind es lediglich etwa 5000 Personen. Dort ist Libysch-Arabisch in einem im Osten des Landes gelegenen Korridor zwischen Libyen und Nigeria verbreitet, der einer Route der Sahara-Salzkarawanen entspricht. Der Korridor reicht von den Oasen Bilma, Dirkou und Séguédine im Norden über Tesker, Foulatari und N’Guelbély bis nach Diffa, Chétimari und Gueskérou im Süden. Eine lokal dominierende Sprache ist Libysch-Arabisch in Niger nur in N’Gourti.
Tschadisch-Arabisch Tschadisch-Arabisch weist mit rund 896.000 Personen (2006) die meisten seiner insgesamt etwa 1.139.000 Sprecher in Tschad auf, wo es auch nur eine Minderheitensprache ist. In Niger leben ungefähr 5000 Tschadisch-Arabisch-Sprecher (1998). Sie siedeln vor allem in den Gemeinden am ehemaligen Ufer des Tschadsees im Südosten des Landes: in Bosso, Kabléwa und N’Guigmi.
mini|links|Sprachgebiet des Buduma in Niger
Buduma Das wie Hausa zu den tschadischen Sprachen zählende Buduma (ISO 639-3 bdm) ist die Sprache des gleichnamigen Volks der Buduma, das traditionell auf den Inseln des Tschadsees lebt und Fischerei betreibt. Buduma ist vermutlich noch hinter Tasawaq die in Niger am wenigsten gesprochene Nationalsprache, wenn sie dort wegen des Schrumpfens des Tschadsees überhaupt noch vertreten ist. In der 1996 erschienenen 13. Auflage des Ethnologue von SIL International sind noch 4000 Sprecher in Niger genannt. Ab der 14. Auflage aus dem Jahr 2000 wird Buduma nicht länger als in Niger gesprochene Sprache angeführt, es sind nur Sprecherzahlen für die anderen Anrainerstaaten des Tschadsees angegeben: 51.600 in Tschad (1998), 3000 in Nigeria und 200 in Kamerun.
Fulfulde mini|Sprachgebiet des Fulfulde in Niger mini|Fulbe-Marabouts in Say beim Entziffern von Manuskripten (1912)
Fulfulde, die zu den Niger-Kongo-Sprachen gehörende Sprache der Fulbe, ist in einer großen, von Senegal bis Sudan reichenden Zone im nördlichen Afrika verbreitet. In Niger werden die Varietäten West-Niger-Fulfulde (ISO 639-3 fuh) und Zentral-Ost-Niger-Fulfulde (ISO 639-3 fuq) gesprochen. Die nigrischen Fulfulde-Sprecher bilden unterschiedlich große Sprachinseln in anderssprachigen Gebieten. Die relative Mehrheit stellen sie in den Gebieten um die Städte Say und Maïné-Soroa. Bei der Volkszählung 2001 bezeichneten sich 935.517 Einwohner, das entspricht 8,5 % der Gesamtbevölkerung, als Fulbe.
West-Niger-Fulfulde Ungefähr 450.000 Personen (2007) sprechen in Niger West-Niger-Fulfulde. In Burkina Faso wird die Varietät als Nordost-Burkina-Faso-Fulfulde bezeichnet und weist etwa 750.000 Sprecher (1999) auf. In Benin heißt sie meist Gorgal-Fulfulde und wird von circa 30.000 Menschen gesprochen. Dies ergibt eine Gesamtsprecheranzahl von rund 1.230.000. Das Sprachgebiet in Niger überschneidet sich vollständig mit jenem von Songhai-Zarma. Es umfasst den zentralen Teil der Region Tillabéri, an deren Rändern es Überschneidungen oder Sprachgrenzen mit Gourmanchéma, Tamascheq und Zentral-Ost-Niger-Fulfulde gibt, sowie die Region Dosso mit Ausnahme des Departements Dogondoutchi und des Nordens des Departements Gaya bis zum Ort Yélou. Verwendet werden die Dialekte Bitinkoore (Dialekt von Bitinkodji), Dallol (Dialekt des Dallol Bosso) und Téra (Dialekt von Téra). Die meisten West-Niger-Fulfulde-Sprecher sind zweisprachig und gebrauchen auch die Sprache Songhai-Zarma. Generell gilt, dass West-Niger-Fulfulde eher die Sprache der ländlichen Gebiete und Songhai-Zarma eher die Sprache der Städte ist.
Zentral-Ost-Niger-Fulfulde Zentral-Ost-Niger-Fulfulde hat ebenfalls etwa 450.000 Sprecher (1998) in Niger. Das Sprachgebiet umfasst ungefähr die Regionen Maradi und Tahoua, den Süden der Regionen Diffa und Zinder, den Nordosten der Region Dosso sowie ein Gebiet um Sanam in der Region Tillabéri. In dieser weitläufigen Zone ergeben sich Überschneidungen mit mehreren anderen Sprachen, unter denen das oft als Zweitsprache dienende Hausa hervorzuheben ist. Der Dialekt der nomadisch lebenden Fulbe-Untergruppe Wodaabe unterscheidet sich inzwischen von jenem der auf Grund der Hungersnot der 1970er und 1980er Jahre sesshaft und halbsesshaft gewordenen Fulbe. Letztere siedelten sich in unmittelbarer Umgebung von Hausa-Sprechern an, was ihre eigene Sprache dermaßen beeinflusste, dass sie als „Fulfulde-Hausa“ bezeichnet werden kann.
mini|links|Sprachgebiet des Gourmanchéma in Niger Gourmanchéma Gourmanchéma (ISO 639-3 gux), eine Gur-Sprache, ist die Sprache der Volksgruppe der Gourmantché. Bei der Volkszählung 2001 bezeichneten sich 39.797 Einwohner Nigers, das entspricht 0,4 % der Gesamtbevölkerung, als Gourmantché. Der nigrische Teil von deren Siedlungs- und Sprachgebiet befindet sich im äußersten Westen des Landes an der Staatsgrenze zu Burkina Faso, genauer im Westen der Gemeinden Ouro Guélédjo, Tamou und Torodi. Die meisten der insgesamt etwa 813.000 Gourmanchéma-Sprecher, ungefähr 600.000 (1999), leben in Burkina Faso. In Niger sind es etwa 30.000 Personen (1998). Sie verwenden oft Songhai-Zarma als Zweitsprache.
Hausa mini|Sprachgebiet des Hausa in Niger