Han Ying (, * 29. April 1983 in Liaoning, Volksrepublik China) ist eine deutsche Tischtennisspielerin chinesischer Abstammung. Im Einzel holte sie Silber bei den ITTF World Tour Grand Finals 2016 und den Europaspielen 2019. Mit der Mannschaft wurde sie 2013, 2014 und 2015 Europameisterin sowie 2015 und 2019 Europaspiele-Siegerin und holte Silber bei den Olympischen Sommerspielen 2016.

Werdegang mini|links|German Open 2017, Han Ying

Die Abwehrspielerin Han YingTischtennis Magazin, Offizielles Organ des Tischtennis-Verbandes Niedersachsen 2008/9 S. 3Chen Meng vs Han Ying 2020 (Filmdokument) In: youtube.com spielte beim chinesischen Verein Huang Hai Road. 2002 übersiedelte sie nach Deutschland und schloss sich dem Bundesligisten TV Busenbach an. Mit dessen Damenmannschaft erreichte sie 2004 im ETTU Cup das Endspiel und wurde ein Jahr später Deutscher Mannschaftsmeister. 2005 wechselte sie zum MTV Tostedt, wo sie bis 2012 aktiv war. Als dessen Damenteam 2012 aus der Bundesliga zurückgezogen wurde, schloss sie sich dem polnischen Verein KTS Zamek Tarnobrzeg an, mit dem sie 2016 und 2021 polnischer Meister wurde sowie 2018/19 und von 2022 bis 2024 drei Mal in Folge die Champions League gewann.

Ende 2010 erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Daraufhin trat sie im Januar 2011 erstmals international für Deutschland an, als sie am ITTF Pro Tour Turnier in England teilnahm.

Zudem ist sie seitdem auch berechtigt, an den nationalen deutschen Meisterschaften teilzunehmen. Sie qualifizierte sich für die DM 2011 in Bamberg. Hier wurde sie zusammen mit Irene Ivancan deutsche Meisterin im Doppel, nachdem sie das Endspiel gegen Zhenqi Barthel/Kristin Silbereisen gewonnen hatten. Im Einzel verlor sie im Halbfinale gegen Zhenqi Barthel nach 90-minütigem Kampf im siebten Satz. 2012 nahm sie an den Qatar Open teil, bei denen sie unter anderem die Weltranglisten-Fünfte Feng Tianwei schlug und das Viertelfinale erreichte. Im März erreichte sie so Weltranglistenplatz 40 und damit erstmals eine Platzierung unter den besten 100.

Bei der Europameisterschaft 2013 in Schwechat gewann Han Ying mit der deutschen Mannschaft den Titel. Dabei siegte die Abwehrspielerin, die mit der Rückhand einen Belag mit kurzen Noppen außen spieltHan Ying Tabletennis Reference In: tabletennis-refenece.com, in allen ihrer fünf Einzelspiele. Im Einzel unterlag sie im Halbfinale ihrer Teamkollegin Shan Xiaona und gewann damit die Bronzemedaille. 2014 holte sie bei den Korea Open ihren ersten Einzeltitel auf der World Tour und gab dabei im Turnierverlauf keinen Satz ab, wodurch sie in der Weltrangliste zum ersten Mal in die Top 10 vorrückte und damit bestplatzierte Europäerin wurde. In Lissabon wurde sie mit dem deutschen Team erneut ohne Niederlage Europameisterin. Zudem qualifizierte sie sich für die World Tour Grand Finals, bei denen sie aber in der ersten Runde gegen Yu Mengyu ausschied. Bei den Europaspielen 2015 holte sie zusammen mit Shan Xiaona und Petrissa Solja Mannschaftsgold, genauso wie bei der Europameisterschaft 2015 in Jekaterinburg. Ende des Jahres schlug sie im Einzelwettbewerb der Grand Finals Europameisterin Elizabeta Samara, bevor sie im Viertelfinale der Weltmeisterin und späteren Siegerin Ding Ning unterlag.

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro schied Han Ying im Einzelwettbewerb im Viertelfinale erneut gegen die spätere Goldmedaillengewinnerin Ding Ning aus. Im Teamwettbewerb gewann sie Silber, nachdem die deutsche Auswahl Japan geschlagen und im Finale gegen China verloren hatte. Zudem qualifizierte sich Han wieder für die Grand Finals, bei denen sie nach Siegen über Mima Itō und Miu Hirano sowie nach der krankheitsbedingten Aufgabe von Ding Ning das Finale erreichte, das gegen Zhu Yuling verloren ging. Im Februar 2017 kletterte sie auf Weltranglistenplatz 6, was eine neue persönliche Bestmarke darstellte. Nach drei Titelgewinnen in Folge trat Deutschland bei der EM 2017 als Favorit an, gewann nach einer Finalniederlage gegen Rumänien aber nur Silber. Im Einzel kam Han 2017 ins Halbfinale der Japan und Czech Open und qualifizierte sich zum vierten Mal in Folge für die Grand Finals, wo sie aber in der ersten Runde an Kasumi Ishikawa scheiterte.

Nachdem sie seit April 2014 konstant einen Platz unter den besten 15 der Weltrangliste belegt hatte, fiel sie dann mit Einführung der neuen Weltranglistenberechnung im Januar 2018 auf Platz 32 zurück. Im selben Jahr wurde sie aber zusammen mit Ruwen Filus Europameisterin im Mixed, im Einzel schied sie im Viertelfinale aus. 2019 startete sie als erste Deutsche in der japanischen T.League und gewann bei den zweiten Europaspielen Silber im Einzel sowie Gold mit der Mannschaft. Bei der Team-EM wenige Monate später verlor Deutschland allerdings überraschend bereits im Viertelfinale gegen Portugal.

Bei ihrem Verbandswechsel 2010 galt die Regelung, dass sie nicht an Weltmeisterschaften und World Cups teilnehmen darf. 2018 entschärfte der ITTF-Kongress diese Bestimmung. Demnach gilt nun lediglich eine Sperrfrist von neun Jahren. Somit ist Han Ying bei der auf 2021 verlegten WM 2020 spielberechtigt und konnte 2020 auch zum ersten Mal am Europe Top 16 teilnehmen, bei dem sie das Viertelfinale erreichte. Bei ihrer ersten World-Cup-Teilnahme im November scheiterte sie im Halbfinale an der späteren Gewinnerin Chen Meng und erreichte am Ende den 4. Platz. 2021 konnte sie bei den Olympischen Spielen in Tokio zum zweiten Mal das Viertelfinale erreichen, wo sie Sun Yingsha unterlag, mit der Mannschaft belegte sie den vierten Platz. Ebenfalls gegen Sun Yingsha verlor sie wenige Monate später im Sechzehntelfinale ihrer ersten WM. Im Jahr darauf gewann sie das Europe Top 16 und holte bei ihrer ersten Team-WM mit der deutschen Mannschaft Bronze. Im Mai 2022 belegte sie zum ersten Mal seit 2017 wieder einen Platz in den Top 10 der Weltrangliste. 2023 verteidigte sie im Februar ihren Titel beim Europe Top 16 und gewann im September mit der Mannschaft den Europameistertitel in Malmö.

Anfang 2024 wurde ihre Karriere wegen eines Risses der rechten Achillessehne unterbrochen. Bei ihrem Comeback beim WTT Star Contender Bangkok im Juli 2024 zog sie sich einen Riss der linken Achillessehne zu. Nach der Verletzungspause konnte sie im Februar 2025 die Goldmedaille beim Europe Top 16 gewinnen.Europe Top-16: Überragende Ying Hang gewinnt zum dritten Mal Gold. In: tischtennis.de, 23. Februar 2025.

Verlauf der Position in der Weltrangliste mini|links

Privat Han Ying wohnt in Düsseldorf im Stadtteil Knittkuhl und ist seit 2006 verheiratet mit dem ebenfalls aus China stammenden deutschen Tischtennisspieler Yang Lei, der in der Oberliga NRW beim TTC Waldniel spielt. Im Jahr 2012 bekam sie ihr erstes Kind.

Turnierergebnisse Quelle: ITTF-Datenbank In: ittf.com, International Table Tennis Federation – ITTF, abgerufen am 20. Mai 2019. (englisch) Verband Veranstaltung Jahr Ort Land Einzel Doppel Mixed Team GER Europameisterschaft 2023 Malmö SWE Gold GER Europameisterschaft 2022 München GER Achtelfinale GER Europameisterschaft 2020 Warschau POL Achtelfinale GER Europameisterschaft 2019 Nantes FRA Viertelfinale GER Europameisterschaft 2018 Alicante ESP Viertelfinale Gold GER Europameisterschaft 2017 Luxemburg LUX Silber GER Europameisterschaft 2016 Budapest HUN Viertelfinale GER Europameisterschaft 2015 Jekaterinburg RUS Viertelfinale Halbfinale Gold GER Europameisterschaft 2014 Lissabon POR Gold GER Europameisterschaft 2013 Schwechat AUT Halbfinale Gold GER Europaspiele 2023 Krakau POL Viertelfinale Silber GER Europaspiele 2019 Minsk BLR Silber Gold GER Europaspiele 2015 Baku AZE Viertelfinale Gold GER Europe Top 16 2026 Montreux SUI Halbfinale GER Europe Top 16 2025 Montreux SUI Gold GER Europe Top 16 2023 Montreux SUI Gold GER Europe Top 16 2022 Montreux SUI Gold GER Europe Top 16 2020 Montreux SUI Viertelfinale GER Olympische Spiele 2021 Tokio JPN Viertelfinale 4. Platz GER Olympische Spiele 2016 Rio de Janeiro BRA Viertelfinale Silber GER WTT Series (Champions) 2026 Doha QAT Halbfinale GER WTT Series (Contender) 2023 Antalya TUR Silber GER WTT Series (Contender) 2022 Zagreb HRV Halbfinale GER WTT Series (Star Contender) 2022 Doha QAT Silber GER Pro Tour 2020 Budapest HUN Halbfinale GER Pro Tour 2017 Olmütz CZE Halbfinale GER Pro Tour 2017 Tokio JPN Halbfinale Viertelfinale GER Pro Tour 2016 Stockholm SWE Halbfinale GER Pro Tour 2016 Doha QAT Viertelfinale GER Pro Tour 2016 Kuwait-Stadt KUW Viertelfinale GER Pro Tour 2016 Berlin GER Achtelfinale Silber GER Pro Tour 2015 Lissabon POR Viertelfinale GER Pro Tour 2015 Stockholm SWE Viertelfinale GER Pro Tour 2015 Warschau POL Letzte 32 GER Pro Tour 2015 Wels AUT Gold GER Pro Tour 2015 Olmütz CZE Halbfinale GER Pro Tour 2015 Chengdu CHN Viertelfinale GER Pro Tour 2015 Bremen GER Letzte 32 Achtelfinale GER Pro Tour 2015 Doha QAT Silber GER Pro Tour 2015 Kuwait City KUW Achtelfinale Silber GER Pro Tour 2014 Stockholm SWE Halbfinale Viertelfinale GER Pro Tour 2014 Olmütz CZE Letzte 32 Viertelfinale GER Pro Tour 2014 Incheon KOR Gold Achtelfinale GER Pro Tour 2014 Chengdu CHN Achtelfinale Halbfinale GER Pro Tour 2014 Magdeburg GER Halbfinale Achtelfinale GER Pro Tour 2014 Doha QAT Letzte 32 Achtelfinale GER Pro Tour 2014 Kuwait City KUW Achtelfinale Halbfinale GER Pro Tour 2013 Berlin GER Halbfinale Achtelfinale GER Pro Tour 2013 Olmütz CZE Viertelfinale Viertelfinale GER Pro Tour 2013 Doha QAT Achtelfinale Viertelfinale GER Pro Tour 2012 Doha QAT Viertelfinale GER Pro Tour 2011 Dortmund GER Letzte 64 GER Pro Tour 2011 Sheffield ENG Letzte 64 Achtelfinale GER WTT Finals 2023 Nagoya JPN Viertelfinale GER WTT Cup Finals 2022 Xinxiang CHN Achtelfinale GER World Tour Grand Finals 2017 Astana KAZ Achtelfinale GER World Tour Grand Finals 2016 Doha QAT Silber GER World Tour Grand Finals 2015 Lissabon POR Viertelfinale GER World Tour Grand Finals 2014 Bangkok THA Achtelfinale GER Weltmeisterschaft 2026 London ENG Halbfinale GER Weltmeisterschaft 2025 Doha QAT letzte 32 GER Weltmeisterschaft 2023 Durban RSA Viertelfinale GER Weltmeisterschaft 2022 Chengdu CHN Halbfinale GER Weltmeisterschaft 2021 Houston USA Letzte 32 GER World Cup 2026 Macau MAC Achtelfinale GER World Cup 2025 Macau MAC 17.–32. Platz GER World Cup 2020 Weihai CHN 4. Platz

Literatur Susanne Heuing: Alles eine Frage des Willens, Porträt, Zeitschrift tischtennis, 2014/9, S. 8–11 Susanne Heuing: Deutsch-chinesische Schlagkraft: Wie Tischtennisspielerin Han Ying eine neue Heimat fand. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 4. Oktober 2015, S. 36

Weblinks

HAN Ying – Spielerprofil in ITTF (englisch) Spielerportrait von Han Ying auf tischtennis.de

Einzelnachweise Susanne Heuing: Brackweder Glücksfall – Der Chinese Lei Yang verstärkt den Regionalligisten und kümmert sich um die Jugend. In: nw.de, Neue Westfälische, Artikel vom 29. August 2014, abgerufen am 4. März 2018 Zeitschrift DTS, 2002/6 Seite 18 + 2002/8 S. 32

Qatar Open: Han Ying glänzt auch im Viertelfinale, aber vergibt Matchball gegen Chen Meng, Artikel vom 10. Februar 2023 (abgerufen am 14. Juni 2023)

, In: tischtennis.de, Meldung vom 24. Juli 2013, abgerufen am 20. Mai 2019 In: tischtennis.de, Meldung vom 26. Januar 2011, abgerufen am 20. Mai 2019 In: tischtennis.de, Meldung vom 28. Januar 2011, abgerufen am 20. Mai 2019 Zeitschrift DTS, 2016/6 S. 7 Zeitschrift DTS, 2018/5 S. 21 Zeitschrift DTS, 2019/2 S. 7 Zeitschrift DTS, 2019/6 S. 6 In: tischtennis.de, abgerufen am 9. April 2011

Zeitschrift DTS, 2024/6 S. 12

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