mini|hochkant|Max Bill: Granitskulptur Kontinuität an der Haupt­verwaltung der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Abbildung an ihrem neuen Standort, rechts im Hintergrund die Deutsche-Bank-Hochhäuser Die Skulptur Kontinuität von Max Bill (auch Koloss von Frankfurt genannt) ist ein Hauptwerk der Zürcher Schule der Konkreten und wurde im Auftrag der Deutschen Bank für den Vorplatz vor den Doppeltürmen ihrer Hauptverwaltung an der Taunusanlage in Frankfurt am Main erstellt.

Beschreibung mini|hochkant|Seit 2011 steht die Skulptur in einem Wasserbassin in einer neu geschaffenen Grünanlage neben der Deutschen Bank. Anlässlich einer energetischen Sanierung der „Twintowers“ wurde die Skulptur 2007 vom zentralen Vorplatz entfernt und in unmittelbarer Nähe zu den Zwillingstürmen an der Mainzer Landstraße aufgestellt. Im Herbst 2011 wurde die Skulptur in einer Grünanlage in der Nähe des Deutsche-Bank-Hochhauses platziert. db-artmag.com; abgerufen am 24. Dezember 2011.Deutsche-Bank-Türme wurden umfassend modernisiert. deutsches-architektur-forum.de, 12. September 2011; abgerufen am 24. Dezember 2011.

Das Bildwerk wurde aus einem Rohblock geschaffen, der 180 Tonnen wog und für dessen Transport eine Straße aus dem sardinischen Steinbruch zur Hauptstraße aufgeschüttet werden musste, bevor er mit dem Schiff nach Marina di Carrara kam. Dort wurde die „Kontinuität“ in zweieinhalb Jahren Arbeit geformt und poliert, bevor sie 1986 aufgestellt werden konnte. Dabei entstand eine der schwersten Granitskulpturen der Welt.Eine weitere in etwa gleich schwere Granitskulptur schufen die alten Ägypter, die allerdings in zwei Teile zerbrochen ist. Ägypten: Ramses-Gattin aus Granit gefunden. Spiegel Online, 6. November 2002; abgerufen am 2. Mai 2011.

Der Aufstellungsort der „Kontinuität“ bildete nach Max Bill mit den umgebenden Bauwerken ein Gesamtkunstwerk. Die „Kontinuität“ gehört nach Auffassung des Kunstkritikers Werner Spies zu den „eindrucksvollsten Bildhauer-Werken unserer Zeit“.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 5 (siehe Literatur)

Entgegen einer weitverbreiteten Auffassung ist die Skulptur kein Beispiel für ein Möbiusband, sondern laut Jakob Bill, dem Sohn des Künstlers, ein Band mit zwei Kanten.Jakob Bill (Hrsg.): Max Bill – Unendliche Schleife und die Einflächner 1935–1995. Benteli Verlag, 2000, S. 75. Zitiert nach wikipedia-quellenkritik.de, abgerufen am 10. April 2011.

Entwicklung der „Kontinuität“ Max Bill zählt zu den Vertretern der Zürcher Schule der Konkreten, der in den 1930er Jahren Formen entwickelte, die nicht in der Natur vorkommen. Eine dieser Formen, die er verwirklichte, war die „Unendliche Schleife“ (1935–1937), die er aus einer Papierform entwickelte und als Vorform der „Kontinuität“ betrachtet werden kann.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 8 ff. (siehe Literatur) Sie entstand, als Bill aufgefordert wurde, eine Form für eine Industrieausstellung in London zu entwerfen, die vor einem elektrischen Kaminfeuer aufgestellt werden sollte. Die Skulptur wurde nicht rechtzeitig fertig und so kam sie 1936 auf der Triennale di Milano zur Ausstellung, wo sie als Schleife über einer Säule aufgehängt worden war.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 7 (siehe Literatur) Besucher der Ausstellung machten ihn darauf aufmerksam, dass es sich um ein Möbiusband handelt, woraufhin er das Interesse an diesem Formenkanon verlor.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 17 (siehe Literatur)

Ein Möbiusband besteht nur scheinbar aus zwei Kanten, hat jedoch nur eine umlaufende Kante und bildet damit eine endlose Form. Dieses als Möbiusband bekannte gewordene mathematische Phänomen wurde 1858 erstmals von zwei Mathematikern unabhängig voneinander beschrieben und nach dem Astronomen und Mathematiker August Ferdinand Möbius benannt. Max Bill beabsichtigte seit den 1940er Jahren die Gestaltung des Lebensraums mit Mitteln der Modernität, Rationalität und Technik und war der Auffassung, dass Kunst auf der Basis mathematischer Denkweise entwickelt werden kann. Er befasste sich ferner seit damals mit der Steuerung der Farbenergien von geometrischen Flächen und Körpern.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 23 u. 127 (siehe Literatur)

In der Mitte der 1940er Jahre fanden die Möbiusbänder wieder sein Interesse und er ließ nach einem Papiermodell eine kleine Messingform fertigen. Als er aufgefordert wurde, die „Unendliche Schleife“ auf der Zürcher Kantonalen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung von 23. August bis 19. Oktober 1947 als Skulptur auszuführen und auszustellen, stellte er sie mit etwa drei Meter Höhe her. Das Werk sollte 1947 zeitlich begrenzt im Arboretum am Rande des Zürichsees erhöht auf Findlingen des nahe gelegenen Sihltal aufgestellt werden und verblieb dort allerdings bis 1948. Die Skulptur bestand aus Gips auf einem Stahlgerüst, die mit einem Alu-Spritzverfahren überzogen worden war. Da sie nicht verwitterungsbeständig war, sollte sie 1948 wieder abtransportiert werden. Allerdings wurde sie vor dem Abtransport im April 1948 durch einen Akt von Vandalismus im Verlauf des Sechseläutens zerstört, ein Fest der Zürcher Zünfte. Die Zerstörung von Kunst führte zu einer Diskussion über Kunstfeindlichkeit. In dieser Auseinandersetzung kam es zu zahlreichen Protesten von Künstlern, darunter waren auch Henry van de Velde und Rolf Liebermann. Die Skulptur wurde dadurch weltweit abgebildet und bekannt.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 13 (siehe Literatur) mini|hochkant|Max Bill: „Rhythmus im Raum“ in Hamburg Seine Beschäftigung mit Bändern führte ihn nach Werner Spies zur Ausführung mehrerer Modelle und weiterer Werke, wie der „Dreiteiligen Form“ (1946–1947) (117 × 100 × 90 cm), einem polierten Chromnickelstahl-Guss, die sich im Museu de Arte de São Paulo befindet, der „Unendlichen Schleife“guenter-pilger.de: Abbildung der Unendlichen Schleife von Max Bill im Stadtgarten Essen aus Tranas-Granit, abgerufen am 4. Mai 2011. (1935–1953) (150 × 100 × 120 cm) aus poliertem Tranas-Granit im Stadtgarten Essen und der Granit-Skulptur „Rhythmus im Raum“ (1947–1949) (225 × 25 × 250 cm) in Hamburg an der Außenalster gelegenen Kennedy-Brücke.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 18 ff. (siehe Literatur)

In mehreren Rezensionen der „Unendlichen Schleife“ wurde ausgesprochen, dass derartige Arbeiten auch monumental erstehen sollten.

In den 1980er Jahren nahm die Deutsche Bank Kontakt mit Max Bill auf und beabsichtigte eine Großplastik vor ihren neuen Gebäuden in Frankfurt aufzustellen. Zunächst wollte Bill den kleinen Vorplatz nicht gestalten, da er ihn für zu klein für Großplastiken hielt, und als man ihn um Vorschläge bat, dachte er an eine Mosaiksäule. Die Berater des Vorstands der Deutschen Bank schlugen daraufhin vor, dass er ein anderes Projekt mit Bändern realisieren sollte. Zunächst wehrte er sich dagegen, aber nach dem einstimmigen Beschluss des Bankvorstands und aus Interesse an den technischen SchwierigkeitenMax Bill: Kontinuität (1986). welt-der-form.net; abgerufen am 10. April 2011. der „Kontinuität“ kam für ihn nur eine Ausführung dieses Themas in Granit in Frage.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 14 (siehe Literatur)

Als Max Bill das Modell der „Kontinuität“ vor dem Vorstand der Deutschen Bank vorstellte, hatte er von seinem ursprünglichen Messingmodell im Maßstab von 1:20 weitere drei größere vergoldete Modelle aus Messing zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse herstellen lassen.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 33 (siehe Literatur)

Rezeption mini|hochkant|Seitenansicht der Skulptur Das Werk von Max Bill nimmt in seinem persönlichen Gesamtwerk einen hohen Stellenwert ein, enthält es doch einen Hinweis auf die Kontinuität seiner Arbeiten. Bill hatte sich jahrelang mit Geometrie, Stereometrie und Trigonometrie und mathematischen Gleichungen beschäftigt und veröffentlichte 1949 die Untersuchung „Über die mathematische Denkweise in der Kunst“. Die Kontinuität bildet den Ausdruck eines Grundverständnisses von Max Bill: „Ich bin der Auffassung, es sei möglich, eine Kunst weitgehend auf Grund einer mathematischen Denkweise zu entwickeln“.Max Bill: Die Mathematische Denkweise in der Kunst unserer Zeit. Werk Nr. 3, 1949. Zitiert nach Spies: Kontinuität: Granit-Monolith, S. 23 (siehe Literatur)

Die ersten Skulpturen von Max Bill im öffentlichen Raum, die einen Wechsel von Raum, Flächen und Volumen darstellen und für Betrachter schwer zu durchschauen sind, stießen auf Widerstand. Die erste Version, die von Spies als unendliche Schleife’’ und von anderen auch als Kontinuität bezeichnet wird und auch als Vorläufer des Granitmonolithen Kontinuität’’ gilt, soll von Rechtsextremisten in Zürich zerstört worden sein. Für Bill, der ein Antifaschist war, wird die Kontinuität in einer Rezension von Erich Schmids Bill – das absolute Augenmass in die Nähe einer Wiedergutmachungsgeste gerückt.Max Bill – das absolute Augenmass, ein Film von Erich Schmid. maxbillfilm.ch; abgerufen am 30. April 2011.

Anne Schloen sieht in den Arbeiten der unendlichen Schleife bis zur Kontinuität von 1946 bis 1982, dass die „endliche Unendlichkeit in unendlicher Bewegung durch die Eigenschaften der Oberfläche der Skulptur noch potentiert’“ wird, denn als Bill 1982 Kontinuität aus vergoldeten Modellen aus Messing herstellen ließ, wurde die Materialität der Skulptur sublimiert und die Skulptur „entmaterialisiert“.Anne Schloen: Die Renaissance des Goldes. Gold in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Dissertation, Universität zu Köln, Philosophische Fakultät, 2006, S. 88; ub.uni-koeln.de (PDF; 1,8 MB) abgerufen am 30. April 2011.

Die „Kontinuität“ war für Bill nach Werner Spies eine „Mischung aus Unendlichkeit, Omega und kosmischer Schlange“.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 28 (siehe Literatur) Die Form der „Unendlichen Schleife“ begeisterte seinerzeit schon die Kunstkenner und ihre Betrachter, gleiches geschah auch mit der „Kontinuität“. „Die wunderbar harmonischen Linien überschneiden sich vor dem sie umwandelnden Betrachter zu immer neuer Schönheit, die so zahlreich sind, wie die Standpunkte, die sich vor dem Werk einnehmen lassen.“Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 8 (siehe Literatur) Das Kunstwerk „Kontinuität“ nimmt die Architektur der Umgebung auf und ist auf die direkte Begegnung des Betrachters bezogen und sie wirkt weniger konstruiert als die Zürcher Unendliche Schleife.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 22f. (siehe Literatur)

Herstellung Steinbruch und Gesteinsbeschreibung mini|Musterplatte eines Rosa Sardo vom Typ Rosa Beta (ca. 25×20 cm) Ursprünglich war für die „Kontinuität“ eine Höhe von 6 Metern geplant, man entschied sich aber für eine Höhe von 4,5 Metern, da beim Transport durch Frankfurt zahlreiche Starkstromleitungen zu unterqueren waren.

Am 20. Oktober 1983 konnte ein Steinblock in der Größe von 450 × 750 × 460 cm abgesprengt werden, der daraufhin zu einer Polyederform in sieben Wochen Arbeit von den Steinbrucharbeitern mit Steinspaltwerkzeugen abgespalten und verkleinert wurde, da das Gewicht des Rohblocks wegen der bestehenden Transportmöglichkeiten maximal 180 Tonnen betragen durfte.Spies: Kontinuität: Granit-Monolith. S. 36 ff. (siehe Literatur)

Als Natursteinmaterial wurde der blassrote helle Rosa Sardo vom Typ Rosa Beta aus dem Steinbruch Scarraciana, in der Nähe von Tempio Pausania im Norden Sardiniens ausgewählt. Dieser Granit enthält Alkalifeldspäte, die durch feinstverteilten Hämatit rötlich gefärbt wurden. Die Granittypen des Rosa Sardo enthalten weiße bis beige Plagioklasfeldspäte und grauen Quarz. Der schwarze Biotit gibt diesem Naturstein sein körniges Gefüge. Etwa 25 % Quarz ist im Rosa Sardo enthalten.Friedrich Müller: INSK kompakt. Die internationale Natursteinkartei für den aktuellen Markt. 1. Auflage. Band I. Ebner Verlag Ulm 1997.

Transport in Italien