Jablonowka (, deutsch Wilhelmsberg) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Osjorsk im Rajon Osjorsk.
Geographische Lage Jablonowka liegt östlich von Osjorsk (Darkehmen/Angerapp) an der Kommunalstraße 27K-177, welche die Rajonstadt (zehn Kilometer) mit Gawrilowo (Gawaiten/Herzogsrode), (sechs Kilometer) verbindet. Ein Bahnanschluss besteht nicht.
Durch Jablonowka zieht sich das Flüsschen Rasliwnaja (Friedrichsberger Fließ), das nach wenigen Kilometern in die Wika (Wiek) einmündet.
Geschichte Das einst Kiklutzen bei Gawaiten und später Wilhelmsberg genannte Dorf zählte – neben dem Gutsbezirk Wilhelmsberg – im Jahre 1910 51 Einwohner. Ihre Zahl stieg bis 1925 auf 186, betrug 1933 – nach Eingliederung des Gutsbezirks – bereits 553 und stieg bis 1939 auf 579. Bis 1945 gehörte Wilhelmsberg zum Kreis Darkehmen (1938–1946 Angerapp) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.
Im Januar 1945 wurde der Ort von der Roten Armee besetzt. Die neue Polnische Provisorische Regierung ging zunächst davon aus, dass er mit dem gesamten Kreis Darkehmen (Angerapp) unter ihre Verwaltung fallen würde. Im Potsdamer Abkommen (Artikel VI) von August 1945 wurde die neue sowjetisch-polnische Grenze aber unabhängig von den alten Kreisgrenzen anvisiert, wodurch der Ort unter sowjetische Verwaltung kam. Die polnische Umbenennung des Ortes in Klikucie im Juli 1947Durch die Rozporządzenie Ministrów: Administracji Publicznej i Ziem Odzyskanych z dnia 1 lipca 1947 r. o przywróceniu i ustaleniu urzędowych nazw miejscowości (Verordnung des Ministeriums für die öffentliche Verwaltung und die wiedergewonnenen Gebiete vom 1. Juli 1947 über die Wiederherstellung und Bestimmung der offiziellen Ortsnamen) wurde (vermutlich) nicht mehr wirksam. Im November 1947 erhielt er den russischen Namen Jablonowka und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Pskowski selski Sowet in Rajon Osjorsk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 17. November 1947) 1954 gelangte der Ort in den Gawrilowski selski Sowet. Von 2008 bis 2014 war Jablonowka Verwaltungssitz der Landgemeinde Gawrilowskoje selskoje posselenije. Von 2015 bis 2020 gehörte der Ort zum Stadtkreis Osjorsk und seither zum Munizipalkreis Osjorsk.
Amtsbezirk Wilhelmsberg In der Zeit zwischen 1874 und 1945 war Wilhelmsberg Sitz und namensgebender Ort eines Amtsbezirks. Dieser wurde zum 6. Mai 1874 aus elf Landgemeinden bzw. Gutsbezirken gebildet:Rolf Jehke, Amtsbezirk Wilhelmsberg
Name (bis 1938) Name (1938–1946) Name (seit 1946) BemerkungenLandgemeinden: Kellmienen Kellmen Krasny Bor gehörte zu Adlig Pogrimmen Kermuschienen Fritzenau Porchowskoje (Königlich) Pogrimmen Grimmen Pskowskoje Raudohnen Raunen Wolkowo Szameitschen,1936–1938: Schameitschen (Ksp. Wilhelmsberg) Brahmannsdorf Solnetschnoje 1928 in die Landgemeinde Wilhelmsberg eingegliedert Wilhelmsberg (Dorf) Wilhelmsberg Jablonowka Gutsbezirke: Adlig Pogrimmen Ossipenko 1928 in die Landgemeinde Pogrimmen eingegliedert Brindlacken Kleinfritzenau Prudnoje 1928 in die Landgemeinde Kermuschienen eingegliedert Friedrichsberg Friedrichsberg Pskowskoje ab 1925 Landgemeinde Königsfelde Königsfelde Nowo-Slawjanskoje 1928 in die Landgemeinde Wilhelmsberg eingegliedert Wilhelmsberg Wilhelmsberg (Gut) Slawkino 1928 in die Landgemeinde Wilhelmsberg eingegliedert
Kirche Kirchengebäude Im Jahre 1724 veranlasste König Friedrich Wilhelm I. den Bau einer Kirche in Wilhelmsberg, die 1725 eingeweiht wurde. Sie wurde aus Feldsteinen errichtet und erhielt 1828/29 einen Umbau. Anlässlich einer Kirchenvisitation im Jahre 1910 wurde festgestellt, dass der Kirche ein Turm fehle. Die Gemeinde wollte ihn bauen, erhielt dazu aber von der Regierung keine Bestätigung.
Das Wilhelmsberger Gotteshaus war von vornherein als Simultankirche konzipiert, in der sowohl evangelisch-lutherische wie auch evangelisch-reformierte Gottesdienste gefeiert wurden.
Das Kirchengebäude hat den Zweiten Weltkrieg überstanden und steht heute noch. Freilich wurde sie in der Zeit der Sowjetunion zweckentfremdet und bis 1994 als Getreidetrocknungsanlage genutzt. Der Fachwerkturm ist nicht mehr vorhanden, die Türen und Fenster mit Brettern vernagelt. Heute steht das vormalige Gotteshaus leer.
Kirchengemeinde Vor der verheerenden Pest mit zahlreichen Toten in den Jahren 1709 bis 1711 war die Bevölkerung von Wilhelmsberg lutherischer Konfession. Zu den neuen vom König angeworbenen Siedlern, die u. a. aus dem Halberstädtischen kamen, waren aber viele mit reformierter Tradition. Im Jahre 1724 wurde eine lutherische Kirchengemeinde gegründet, 1726 zusätzlich eine reformierte. Beide Konfessionen teilten sich bis zur Kirchenunion 1818 das Gotteshaus.
Wilhelmsberg gehörte einst zur Inspektion Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk), dann bis 1945 zum Kirchenkreis Darkehmen (1938–1946 Angerapp, russisch: Osjorsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Während der Zeit der Sowjetunion war alles kirchliche Leben untersagt. In den 1990er Jahren entstand im Nachbardorf Kadymka (Eszerningken/Escherningken, 1938–1946 Eschingen) eine neue evangelische Gemeinde, die sich der ebenfalls neugebildeten Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) zuordnete.
Kirchspiel Zum Kirchspiel Wilhelmsberg gehörten bis 1945 insgesamt 26 Ortschaften, davon 22 aus dem Landkreis Darkehmen, zwei aus dem Landkreis Goldap und zwei aus dem Landkreis Gumbinnen (* = Schulorte):
Name (bis 1938) Name (1938–1946) Name (seit 1946) Landkreis Darkehmen: Bindszuhnen Bindemark Gremjatschje Brindlacken Kleinfritzenau Prudnoje Dinglauken* Altdingelau Sadoroschnoje Eszerningken 1936–1938: Escherningken Eschingen Kadymka Friedrichsberg* Friedrichsberg Pskowskoje Graszgirren 1936–1938: Grasgirren Dingelau Borok Groß Kolpacken* Großbachrode Gründann Gründann Gudwainen* Gudwainen Sarutschje Ischdaggen Brenndenwalde Schilowo Jewonischken Brunshöfen Kariothkehmen* Karkeim Nowoselje Kermuschienen Fritzenau Porchowskoje Karteningken Kleedorf Sobinowo Königsfelde Königsfelde Nowo-Slawjanskoje Pogrimmen* Grimmen Pskowskoje Ramoschkehmen* Ramfelde Sadoroschje Röseningken Rößningen Resnikowo Schakumehlen Wildhorst Schudischken Schudau Szameitschen 1936–1938: Schameitschen (Ksp. Wilhelmsberg) Brahmannsdorf Solnetschnoje Wilhelmsberg Wilhelmsberg Jablonowka Landkreis Goldap: Klein Gudellen Kleinguden Meszehnen 1936–1938: Meschehnen Wehrfeld Landkreis Gumbinnen: Didsziddern 1936–1938: Didschiddern Frankenhof Jucknischken Bahnfelde Stanzionnoje
Pfarrer Bis 1818 amtierten in Wilhelmsberg jeweils ein lutherischer und ein reformierter Geistlicher, danach waren die Pfarrämter vereint:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seiten 149 und 235
Lutherisch Johann Christoph Cammerhoff, 1724–1736 Chr. F. G. Pyllemann, 1737–1746 Johann Trentovius, 1746–1756 Gottlieb Andreas Kahnert, 1756–1780 Heinrich Friedrich Schultz, 1781–1807 Daniel Friedrich Wüsthoff, 1808–1811 Heinrich Samuel Leeder, 1811–1812 Friedrich Constantin Marcus, 1812–1818
Uniert Philipp Gottfried Bierbrauer, 1818–1845 Heinrich Gustav Marks, 1847–1872 Johann Alexander Arbeit, 1872–1893Es handelt sich wohl um Franz Arbeit (1824–1910), Angehöriger des Corps Masovia. Friedrich August Klein, 1894–1919 Walter Schultz, 1920–1928 Johannes Schenk, 1928–1945
Reformiert Georg Philibert Müller, 1726–1731 Johann Jacob Crug, 1731–1732 David Herwie, 1734–1738 Christian Philipp Jacobi, 1738–1743 Johann Abraham Hibelet, 1743–1753 David Elsner, 1753–1762 Friedrich Tamnau, 1762–1805 Johann Ernst Lüls, 1790–1798 Ernst Friedrich Brodowsky, 1798–1804 Philipp Gottfried Bierbrauer, 1804–1818
Anmerkungen
Einzelnachweise
Jablonowka #Osjorsk