mini|hochkant=1.66|Schematischer Plan der Mounds von Watson Brake Watson Brake ist ein archäologischer Fundort aus der mittleren Archaischen Periode südlich von Monroe, im Ouachita Parish, Louisiana. Gefunden wurde ein komplexes Erdwerk aus elf als Mounds bezeichneten künstlichen Erdhügeln unterschiedlicher Höhe, die durch mehrere lang gestreckte Rücken zu einem Oval mit etwa 300 m in Ost-West- und rund 200 m in Nord-Süd-Richtung auf einer Gesamtfläche von etwa neun Hektar verbunden sind. Die Mounds einer Jäger-, Sammler- und Fischerkultur werden auf 3500–3000 v. Chr. datiert und stellen damit das älteste bekannte komplexe Bauwerk in Amerika da.
Die Anlage ist nach einem gleichnamigen Wasserlauf benannt, der wiederum den Namen eines früheren Grundeigentümers Watson mit einem altenglischen Begriff für Brachland kombiniert.
Die Anlage mini|Illustration der ursprünglichen Anlage, Blick aus der Luft Auf einer Flussterrasse über dem Ouachita River liegen elf Mounds um eine nahezu ebene Fläche. Heute ist der Flusslauf rund 500 m von der Anlage entfernt, in prähistorischen Zeiten verlief ein Nebenarm direkt unterhalb der Mounds, der im Laufe der Zeit vom Zufluss abgeschnitten wurde, verlandete und heute ein sumpfiges Tiefland bildet. Sie teilen sich in ein nördliches und ein südliches Halboval auf, im Westen befindet sich eine größere Lücke, im Osten eine kleinere an einem Einschnitt in der Hangkante. Der höchste Mound A erreicht eine Höhe von 7,50 m über dem Zentrum, der niedrigste Mound K von nur rund 1 m. Die heutigen Höhen entsprechen wohl etwa den ursprünglichen Verhältnissen, ein unterschiedlich guter Erhaltungszustand gilt aber als wahrscheinlich.Soweit nicht anders angegeben, beruht dieses Kapitel auf Saunders et al. 2005
Die Anlage wurde in mehreren Bauphasen errichtet. Die ersten Anfänge fanden um 3500 v. Chr. statt, als die Mounds K und B, sowie möglicherweise auch bereits Mound A begonnen wurden. In der Folge siedelten die Erbauer südlich und westlich der ersten Mounds und häuften Abfälle der Nahrungsmittelzubereitung an, die als ein Stratum gefunden wurden, das besonders reich an organischem Material war. Die Anlage im heutigen Sinne wurde ab etwa 3350 v. Chr. errichtet, Mound J folgte wohl erst um 3000 v. Chr. Etwa die Hälfte der Mounds wurde mehrfach nach langen Unterbrechungen erhöht, was sich daran zeigt, dass die Bodenbildung bereits eingesetzt hatte. Die Mounds E, G, H, K und L hatten nur eine Bauphase, was zumindest bezüglich des zweitgrößten Mounds E überrascht. Die Mounds C und F weisen zwei durch einen jungen Bodenhorizont getrennte Schichten auf, I und J haben drei, B und D vier Schichten. Der höchste Mound A weist mindestens sieben Schichten auf, die jeweils durch einen Bodenhorizont getrennt sind. Es ist aber nicht ganz klar, ob Bohrung und Proben das ursprüngliche Geländeniveau vor Errichtung des Mounds erreicht haben, so dass möglicherweise noch tiefere Schichten existieren. Das Baumaterial der Mounds ist das umgebende Erdreich, die nördlichen Mounds sind im Wesentlichen aus dem Material der östlichen Hangkante zusammengesetzt und reich an Kies aus der Flussterrasse, die südlichen Mounds liegen wohl etwas zu weit von der Hangkante entfernt, weshalb das Material für ihren Bau aus der unmittelbaren Umgebung südwestlich entnommen wurde und kaum Geröll enthält.
Die Rücken, welche die Mounds verbinden, sind nur partiell aus Erdmaterial der Umgebung errichtet, große Teile bestehen aus den Überresten der Nahrungszubereitung, insbesondere den Bruchstücken von zersprungenen Kochsteinen und eine Vielzahl an Objekten aus Ton, die ebenfalls zum Kochen und Backen dienten.
Das Gesamtvolumen der Anlage beträgt etwa 33.900 m³Joe Saunders: Are we Fixing to Make the Same Mistake Again? In: Jon L. Gibson, Philip J. Carr (Hrsg.): Signs of Power – The Rise of Cultural Complexity in the Southeast. University of Alabama Press, 2004, ISBN 0-8173-1391-5, Seiten 146–161 oder etwas mehr als zehn olympische Schwimmbecken. Vergleichsversuche mit menschlicher Arbeitskraft ordnen dieses Volumen als ohne weiteres erreichbar ein für eine Kultur auf dem Stand der mittleren archaischen Periode. Bei einer Arbeitszeit von mehreren Monaten pro Jahr zwischen den wichtigsten Phasen des Nahrungserwerbs, hätten zwischen 35 und 40 Personen die Anlage in nur sieben Jahren errichten können.Jon L. Gibson: The Power of Beneficial Obligation in First Mound-Building Societies. In: Jon L. Gibson, Philip J. Carr (Hrsg.): Signs of Power – The Rise of Cultural Complexity in the Southeast. University of Alabama Press, 2004, ISBN 0-8173-1391-5, Seiten 254–269; 265 Nachdem die Daten auf eine weit verteilte Errichtung in mehreren Phasen über rund 500 Jahre deuten, relativieren sich diese Anforderungen noch erheblich.
Die Bewohner von Watson Brake Eine Analyse der gefundenen Artefakte erlaubt einen Einblick in die Lebensbedingungen und -führung der prähistorischen Bewohner der Region. Sie lebten überwiegend von aquatischen Lebensmitteln aus dem unmittelbar an die Anlage angrenzenden Wasserlauf. Fischgräten machen mehr als die Hälfte des Gewichts der gefundenen Spuren tierischer Nahrung aus, die im Verhältnis zum Fleischanteil wesentlich schweren Knochen von Weißwedelhirschen kommen auf 30 Gewichtsprozent, weitere Nahrungsklassen wie Kleinsäuger oder Wasservögel liegen jeweils bei unter 10 %. Flussschnecken und Muscheln wurden nur in kleiner Zahl, aber großer Artenvielfalt gefunden, außerdem waren die Schalen sehr klein, was auf starke Entnahme und Übernutzung der Bestände hindeutet. Pflanzliche Nahrungsmittel lieferten die Wurzeln von Zürgelbäumen und Gänsefüßen sowie die Früchte des Hickory und der Weinrebe. Dabei zeigen morphologische Untersuchungen, dass es sich um natürliche Varietäten und noch nicht um Kulturpflanzen handelt. Es gibt auch keine Anzeichen für die Lagerung von Vorräten, was ebenfalls auf eine reine Existenz als nomadische Jäger und Sammler deutet.
Durch Untersuchung von Statolithen aus den Fischabfällen konnte bestimmt werden, dass alle Jahreszeiten in etwa ausgeglichenem Verhältnis vorkommen. Watson Brake war also ganzjährig genutzt, wobei unbekannt ist, ob es sich um echte Sesshaftigkeit handelt oder Jäger und Sammler sporadisch aber weitgehend gleichmäßig über das Jahr verteilt an der Anlage vorbei kamen und ob es sich im letzten Fall immer um dieselben Personen handelte.
Ihre Steingeräte stellten die Bewohner selbst aus dem Geröll der Flussterrasse her, wie die unzähligen Abschläge und Splitter der Werkzeugherstellung zeigen. Einige wenige Steinwerkzeuge sind aus Sandstein oder verkieseltem Holz gefertigt, diese Materialien kommen wenige Kilometer entfernt in der unmittelbaren Umgebung vor. Unter den Werkzeugen herrschten Projektilspitzen, Bohrer und Klingen vor. Die Projektilspitzen konnten teilweise bekannten Typen zugeordnet werden, so handelt es sich bei knapp der Hälfte der identifizierten Typen um Evans-Points mit breiter Flanke und seitlichen Einzügen, gleich vielen Ellis-Points und eine Pontchartrain-Spitze, die ungewöhnlich groß und breit ist. Außerdem wurden Kerne gefunden, aus denen bereits Abschläge gewonnen worden waren und die auch weiterhin zur Produktion neuer Klingen dienten. Weitere Werkzeuge waren Hämmer, Mahlsteine und verschiedene Reibesteine. Aus dem lokalen Material wurden auch Künstliche Perlen gefertigt, die als Schmuckstücke dienten. Dafür waren schmale Steinbohrer erforderlich, die in großer Zahl gefunden wurden. Im Klima des nördlichen Louisianas erhalten sich Artefakte aus organischem Material nur schlecht. Nachweisen lassen sich Ahlen aus Knochen oder Geweihen, ein knöcherner Spatel, Angelhaken sowie ein fertiger und mehrere angefangene Schmuckanhänger aus Knochen.
Die meisten Funde sind zersprungene Kochsteine und verschiedene Objekte aus gebranntem Ton, die zur Zubereitung der Speisen dienten. Außerdem wurden sechs Feuergruben gefunden und drei Pfostenlöcher. Letztere lagen auf den Rücken beziehungsweise in einem Bodenhorizont im Inneren eines Mounds. Umgeben waren die Werkzeugfunde von tausenden Splittern und Abschlägen aus der Produktion der Steingeräte. Insgesamt wurden 32,640 bearbeitete Steine und Bruchstücke gefunden, mit einem Gesamtgewicht von 16,9 Kilogramm. Davon waren nur 392 fertige oder klar erkennbare Werkzeuge und 175 Kerne, der Rest Bruchstücke und Abschläge aus der Produktion. Die Steinfunde verteilten sich über die meisten Strati in den Mounds und Rücken, nur die oberen Schichte der höheren Mounds waren relativ fundarm. Dies deutet wie die Verteilung der Feuergruben darauf hin, dass Ringe und niedrige Mounds den Menschen als Wohnflächen dienten, welche teilweise in späteren Bauphasen wieder mit Erde überdeckt wurden.
Die von Mounds und Rücken umschlossene Freifläche ist nahezu leer von jeglichen Artefakten, die Funddichte steigt an den Flanken der Mounds und Rücken schnell auf das durchschnittliche Niveau in und auf den Erdwerken an. Entweder die Freifläche wurde aus oder für kultische Zwecke sauber gehalten oder die Bewohner der Anlage betraten sie aus denselben Gründen niemals. Es sind keine Gräber in Watson Brake bekannt, im Baumaterial eingebettet wurden jedoch einige wenige zerstreute menschliche Knochenreste gefunden. Die Archäologen interpretieren das als unwillkürlichen Eingriff in frühere Bestattungen beim Abgraben des Baumaterials.
Im Ergebnis kommen die Ausgräber von Watson Brake zu dem Schluss, dass es sich um eine egalitäre Jäger- und Sammler-Kultur gehandelt hat, die noch keine Anzeichen für eine Soziale Schichtung aufweist. Die Verwendung von ausschließlich lokalen Steinen spricht gegen überregionalen Austausch von Gütern oder Handel. Die Gunst des Standortes mit unerschöpflichen natürlichen Ressourcen erlaubte ihnen über reine Subsistenz hinaus die Errichtung der Mounds.
Bedeutung und Tradition mini|Illustration der Anlage, Blick von Süden Die Mounds von Watson Brake waren 1997 die ersten Mounds im Südosten Nordamerikas, die mittels naturwissenschaftlicher Methoden eindeutig in die mittlere archaische Periode datiert werden konnten. Bis dato galten die Mounds von Poverty Point als die ältesten Erdwerke Nordamerikas, wobei deren Alter noch mit rund 1500 v. Chr. angenommen wurde. Die Datierung des Beginns von Poverty Point wurde nach neuen Probennahmen seit 2001 und durch wesentlich verbesserte Methoden inzwischen selbst um etwas über 200 Jahre nach vorne auf das 18. Jahrhundert v. Chr. korrigiert. Bis zur Veröffentlichung der ersten Datierungen Watson Brakes in die mittlere archaische Periode waren die Kulturen dieser Epoche als hoch mobile, kleine Jäger- und Sammler-Gruppen angesehen worden, die wenig Anreize zu sozialem Wandel oder der Herausbildung von sozialer Führung hatten. Der Bau von großen Erdwerken nach einem wohl durchdachten Plan passte nicht diese Vorstellungen.
In ersten Stellungnahmen sprachen Archäologen von einem radikalen Einschnitt in die wissenschaftlichen Theorien: