mini|Kelly Reichardt bei der Vorstellung des Films First Cow während der Filmfestspiele in Berlin 2020 Kelly Reichardt (* 3. März 1964 in Miami, Florida) ist eine US-amerikanische Drehbuchautorin und Regisseurin, die bevorzugt im Bereich der amerikanischen Independent-Szene agiert.

Leben Reichardt wuchs, wie sie selber erzählt, in Miami auf. Ihr Vater schenkte ihr zum zwölften Geburtstag eine Pentax K1000, und sie besuchte einen Fotografiekurs. Als Jugendliche studierte sie zunächst am Massachusetts College of Art and Design in Boston, wo sie Kurse zu Filmen von Fassbinder und zu Kino aus Indien belegte. Abends ging sie in Arthouse-Kinos und sah amerikanische Films noirs, Filme der Nouvelle Vague, sowie Filme von Fellini, Buñuel und Kurosawa sowie Western.

1988 zog sie nach New York, wo sie bei Independent-Filmproduktionen (z. B. Todd Haynes’ Poison) mitarbeitete, zusammen mit Freunden versuchte, eigene Filmprojekte auf die Beine zu stellen und nebenbei im Büro eines Musik-Clubs Geld verdiente.

Reichardts Spielfilm-Debüt River of Grass kam 1994 heraus. Er war für drei Independent Spirit Awards nominiert, wie auch für den Grand Jury Prize des Sundance Film Festivals. Nach diesem ersten Erfolg konzentrierte sich Reichardt über ein Jahrzehnt auf die Verwirklichung mehrerer Kurzfilmprojekte. Erst mit Old Joy im Jahr 2006 kehrte sie zum abendfüllenden Spielfilm zurück. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Jon Raymond, die Hauptrollen spielen Daniel London und Singer-Songwriter Will Oldham. Old Joy handelt von zwei alten Freunden, die sich nach langer Zeit wiedersehen und zu einem Camping-Trip an den Kaskaden und heißen Quellen von Bagby, in der Nähe von Portland (Oregon), aufmachen. Der Film bekam Auszeichnungen von der Los Angeles Film Critics Association, vom Rotterdam International Film Festival und Sarasota Film Festival.

Auch Kelly Reichardts darauffolgendes Projekt Wendy and Lucy basiert auf einer Kurzgeschichte von Jon Raymond. Diesmal half der Autor Reichardt persönlich beim Drehbuch für die Filmadaption, die im Dezember 2008 veröffentlicht wurde und u. a. wegen der Leistung von Michelle Williams weite Beachtung fand. Der Film war für zwei Independent Spirit Awards, inklusive der Kategorie „Best Film“ nominiert.

Die meisten Filme der Regisseurin zeichnen sich durch eine bewusst minimalistisch gehaltene Inszenierung aus. Zum Beispiel Auf dem Weg nach Oregon (2010), ein Western zu Zeiten des Oregon Trails, der 2010 am Wettbewerb um den Goldenen Löwen bei den 67. Internationalen Filmfestspielen in Venedig teilnahm. Reichardt besetzte dabei erneut Michelle Williams in einer der Hauptrollen.

2019 wurde Reichardt in die Wettbewerbsjury des 72. Filmfestivals von Cannes berufen.

2020 erhielt sie für den Spielfilm First Cow (2019) eine Einladung in den Wettbewerb der 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Im IndieWire Critics Poll 2020 landete sie für diese Regiearbeit auf dem 4. Platz.Eric Kohn und Christian Blauvelt: 2020 Critics Poll: The Best Films and Performances According to Over 200 Critics From Around the World. In: indiewire.com, 14. Dezember 2020. Ihr Film Showing Up wurde im Rahmen der im Mai 2022 stattfindenden Filmfestspiele in Cannes für die Goldene Palme nominiert. Drei Jahre später erhielt sie für The Mastermind (2025) erneut eine Einladung in den Hauptwettbewerb von Cannes.

Neben ihrer Karriere als Filmemacherin unterrichtet Reichardt, z. B. an der New York University oder am Bard College. Sie lebt abwechselnd in New York und Oregon.

Filmografie Kinofilme 1994: River of Grass 2006: Old Joy 2008: Wendy and Lucy 2010: Auf dem Weg nach Oregon (Meek’s Cutoff) 2013: Night Moves 2016: Certain Women 2019: First Cow 2022: Showing Up 2025: The Mastermind

Kurzfilme 1999: Ode 2001: Then a Year 2007: Travis

Auszeichnungen (Auswahl)

Boston Society of Film Critics Award 2020: Runner-up in der Kategorie Beste Regie (First Cow) 2020: Runner-up in der Kategorie Bestes Drehbuch (First Cow)Clayton Davis: 'Nomadland' Named Best Picture at Boston Society of Film Critics Awards, Paul Raci and Yuh-jung Youn Among Winners. In: Variety, 13. Dezember 2020.

British Independent Film Award 2021: Nominierung als Bester internationaler Independent-Film (First Cow)

Chicago Film Critics Association Award 2020: Nominierung für die Beste Regie (First Cow) 2020: Nominierung für das Beste adaptierte Drehbuch (First Cow)Chloé Zhao’s Nomadland leads Chicago Film Critics Association 2020 Award Nominations. In: chicagofilmcritics.org. Abgerufen am 18. Dezember 2020.

Critics’ Choice Movie Award 2021: Nominierung für das Beste adaptierte Drehbuch (First Cow)

Gotham Award 2006: Nominierung als Bester Spielfilm (Old Joy) 2011: Nominierung als Bester Spielfilm (Auf dem Weg nach Oregon) 2016: Nominierung für den Publikumspreis (Certain Women) 2016: Nominierung als Bester Debütfilm (Certain Women) 2021: Nominierung für das Beste Drehbuch (First Cow)Dade Hayes: 'First Cow' Leads Field In Gotham Awards Nominations In: deadline.com, 12. November 2020. 2023: Nominierung als Bester Film (Showing Up)https://filmmakermagazine.com/123497-nominees-33rd-annual-gotham-awards-2023/

Independent Spirit Award 1996: Nominierung als Bester Erstlingsfilm (River of Grass) 1996: Nominierung für das Beste Erstlingsdrehbuch (River of Grass) 1996: Nominierung für den Someone to Watch Award (River of Grass) 2007: Nominierung für den John Cassavetes Award (Old Joy) 2017: Nominierung für die Beste Regie (Certain Women)https://www.filmindependent.org/blog/film-independent-spirit-awards-nominations-announced/ 2020: Auszeichnung mit dem Bonnie Award 2021: Nominierung für die Beste Regie (First Cow)Zack Sharf: 2021 Independent Spirit Award Nominations List. In: indiewire.com, 26. Januar 2021.

Internationale Filmfestspiele Berlin 2020: Nominierung für den Goldenen Bären (First Cow)

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2008: Nominierung Un Certain Regard (Wendy and Lucy) 2022: Nominierung für die Goldene Palme (Showing Up)

Internationale Filmfestspiele von Venedig 2010: Auszeichnung mit dem SIGNIS Award (Auf dem Weg nach Oregon) 2010: Nominee für den Goldenen Löwen (Auf dem Weg nach Oregon) 2013: Nominierung für den Goldenen Löwen (Night Moves)

Locarno Film Festival 2022: Ehrenleopard

London Film Festival 2016: Auszeichnung als Bester Film im Offiziellen Wettbewerb (Certain Women)

Sundance Film Festival 1994: Nominierung für den Grand Jury Prize – Dramatic (River of Grass)

Literatur James Lattimer, Eva Sangiorgi (Hg.): Textur #2: Kelly Reichardt. Viennale – Vienna International Film Festival, Wien 2020, ISBN 978-3-901770-49 4 Gunnar Landsgesell/Michael Pekler/Andreas Ungerböck (Hg.): Real America. Neuer Realismus im US-Kino. Mit Beiträgen über Kelly Reichardt, Ramin Bahrani, Debra Granik, u. a. Marburg: Schüren 2012. ISBN 978-3-89472-778-9. 208 Seiten.

Weblinks

Einzelnachweise

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