mini|Carrera-Logo mini|Ein typisches Carrera-Auto (Audi R8R)
Carrera ist eine Marke, die durch den fränkischen Spielzeughersteller Blechspielwarenfabrik JNF (Josef Neuhierl Fürth) in Fürth aufgebaut wurde und unter der seit 1963 spurgebundene Autorennbahnen verkauft werden. Der Sohn des Firmengründers, Hermann Neuhierl, hatte auf einer Geschäftsreise nach Amerika die Begeisterung für Autorennbahnen gesehen und konstruierte daraufhin selbst ein solches Modell, das er dann unter der Bezeichnung „Avus“ herausbrachte. Er erwarb bei Porsche die Lizenz für den Markennamen Carrera. Später kamen noch diverse andere Spielwaren, wie RC-Modellbau, Hörspielkassetten, Kartenspiele und weitere dazu.
Im deutschsprachigen Raum wird „Carrera-Bahn“ synonym für Autorennbahnen verwendet. Der Begriff Carrera (spanisch „Rennen“) ist weltweit auch durch Motoren und Automodelle des Herstellers Porsche bekannt geworden, die nach dem Autorennen Carrera Panamericana benannt sind.
Die meisten Fahrzeuge sind Lizenzbauten bekannter Automodelle oder Formel-1-Rennwagen, außerdem sind auch historische Rennwagen und moderne GT-Rennwagen, sowie seit einigen Jahren auch die DTM vertreten. Ein Teil wird auch als Merchandising für Disney, Nintendo, Star Wars oder ähnliche auf Kinder und Jugendliche spezialisierte Konzerne produziert und vermarktet.
Firmengeschichte 1920 als Blechspielwarenfabrik JNF (Josef Neuhierl Fürth) gegründet übernahm Hermann Neuhierl im Jahre 1957 den väterlichen Betrieb und begann 1963 mit der Produktion seiner bekannten Autorennbahnen. 1972 wurde der Firmenname in Carrera-Spielwarenfabrik Neuhierl geändert. Ursprüngliche Maßstäbe sind 1:32 (Carrera Universal) und 1:24 (Carrera 124). Mitte der 1970er Jahre wurden diese beiden Maßstäbe noch durch ein System im Maßstab 1:60 ergänzt, die „Carrera 160“. 1978 wurde die Produktpalette um die spurunabhängigen Bahnen „Servo 132“ und „Servo 160“ erweitert, wobei die Zahl in der Bezeichnung auch hier den Maßstab angibt. 1979 kam „Servo 140“ dazu. In den frühen 1970er Jahren gab es noch „Carrera Transpo“, eine zur Universal kompatible Bahn, auf der man mit LKWs diverse Transportaufgaben lösen konnte. Eine Flugzeug- und Raketenbahn „Carrera Jet“ gab es ebenfalls zu dieser Zeit, man konnte auf transparenten Schienen beispielsweise die Mondflüge der NASA simulieren. Diese Bahnen zählen heute unter Sammlern zu den gesuchtesten überhaupt. Weiter gab es noch die Systeme „Carrera Tempo“ (Aufziehmodelle), „Carrera Structo“ (funkferngesteuerte Autos und Boote) und „Carrera Modelltechnik“ (Flugmodelle).
Wegen des stark rückläufigen Interesses an Autorennbahnen geriet Carrera in der ersten Hälfte der 1980er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten, die schließlich 1985 zum Konkurs und zum Verkauf führten. Gemeinsam mit seiner Mutter nahm Neuhierl sich das Leben.
Durch Kurt Hesse wurde die Firma unter dem Namen Carrera Century Toys weiter betriebenAUTEC AG, Unternehmensgeschichte., der Flugmodellbereich jedoch von einem neu gegründeten Unternehmen namens AirJet-Modelltechnik übernommen. Das bedeutete unter anderem auch, dass die Produktion der ehemaligen Bestseller „Carrera Universal“ und „Carrera 124“ eingestellt wurde. „Carrera 160“ wurde bereits vorher aufgegeben, lediglich „Servo 140“ und „Servo 160“ überlebten noch einige Zeit. Als Ersatz für die beiden klassischen spurgebundenen Systeme wurde 1984 das System „Carrera Profi“ produziert. Neu war auch „Carrera Strax“. Seit 1989 werden die Autorennbahnen im Maßstab 1:24 unter dem Namen „Carrera Exclusiv“ vertrieben, wobei anfangs nur Wiederauflagen alter Modelle der ehemaligen Carrera 124 gefertigt wurden, die aber von der Qualität nicht das Niveau der alten 124er-Fahrzeuge erreichten. Seit 1998 gibt es ein neues, sehr erfolgreiches System im Maßstab 1:32 mit der Bezeichnung „Carrera Evolution“. Bereits 1997 kam es zum Verkauf des Unternehmens und zwei Jahre später erneut zum Konkurs.
Ab 1999 gehörte Carrera zur STS Racing GmbH der Salzburger Stadlbauer-Gruppe. Die Niederlassung in Nürnberg wurde im Sommer 2010 verlassen und der neue Hauptsitz in Puch bei Salzburg bezogen. Im Laufe der Zeit wurden „Carrera Profi“, „Carrera Strax“ und „Carrera Exclusiv“ wieder eingestellt und es gab einen Wechsel von der alten Analogtechnik zur modernen Digitaltechnik mit neuen Systemen. Zum 1. Juli 2019 wurde die Stadlbauer Marketing und Vertriebs GmbH an die Private-Equity-Gesellschaft QCP Quantum Capital Partners GmbH aus München verkauft, die bereits im Vorjahr die Revell GmbH in Bünde erworben hatte. Das ab 2021 Carrera Toys GmbH genannte Unternehmen ist nun Teil der Carrera Revell GmbH.
Produktübersicht (historisch) Carrera Universal / Universal 132 (1963 bis 1984) mini|Dreileiter-Schleifersystem bei der Carrera Universal 132 1963 als „Carrera System“ eingeführt und später in Carrera Universal (ab 1978 Universal 132)Neuhierl GmbH & Co. KG: Carrera Autorennbahn 78/79. Fürth, S. 5f. umbenannt ist es das bekannteste Autorennbahnsystem von Carrera in den 60er, 70er und 80er Jahren. Wurde in den Anfangsjahren, statt durch einen Trafo mit Batterien betrieben, auch als „Carrera Battery“ angeboten, die Schienen und Fahrzeuge sind im Maßstab 1:32. Technische Besonderheit ist das 3-Leiter-System, das in Verbindung mit einem speziellen Stromabnehmer an den Modellautos die Möglichkeit schuf, zum Beispiel mit zwei Autos unabhängig voneinander auf einer Spur zu fahren oder über eine Schienenweiche die Spur wechseln zu können. Auch Drifts sind besser als mit anderen Systemen möglich, sogar eine 180-Grad-Wende, mit Weiterfahrt in die Gegenrichtung, ist machbar. Von Carrera wurden Grundpackungen angeboten, die dies zum Spielprinzip machten (Auto-Razzia).
Das System kann bis zu zehn Spuren ausgebaut werden und hat den Ruf der Marke begründet. Auch heute existiert noch eine große Fangemeinde von Sammlern und Fahrern. Carrera selbst produziert keine Teile mehr für dieses System, die Ersatzteilversorgung ist durch Nachfertigungen von Drittanbietern aber gesichert. Im Internet gibt es sehr viele Fanseiten, die sich mit der Carrera Universal beschäftigen. Auch das zeigt, dass die Uni-Szene nach wie vor sehr lebendig ist.
Carrera 124 (1966 bis 1982) Rennbahnsystem im Maßstab 1:24. Wurde als systematische Ergänzung im Produktprogramm platziert, um auch professionelle Fahrer und Clubs anzusprechen. Die Fangemeinde ist etwas kleiner als bei der 132 Universal, prinzipiell ist die Situation aber vergleichbar. Die Ersatzteilversorgung ist weitgehend gesichert.
Die Schienen waren im 2-Leiter-System ausgeführt und wurden mit Stromleiter aus Edelstahl hergestellt, die absolut rostfrei waren und somit auch einen Aufbau im Freien erlaubten. Von Beginn an waren bis zu vierspurige Rennstrecken möglich, ab 1970 konnte dies dann auf maximal sechs Spuren erweitert werden.
Carrera Jet (1969 bis 1971) Flugspielsystem mit dreidimensionaler Ausbaumöglichkeit der Flugstrecken. War ein finanzieller Flop und deswegen nur kurze Zeit im Programm. Heute sehr gesucht und entsprechend teuer. Der Liebhaberkreis dieses Systems ist überschaubar.
Carrera Transpo (1970 bis 1974) Nutzfahrzeuge, LKWs und Gabelstapler im Maßstab 1:32. Zunächst eigenes Bahnsystem auf Basis der „Carrera 132 Universal“, ab 1975 dann ins Uni-Sortiment integriert.
Carrera Tempo (1970 bis 1972) Ein System ähnlich der bekannten Darda-Bahn. Auf weichen Kunststoffbahnen fahren Fahrzeuge im Maßstab 1:60, die durch einen Aufziehmotor mechanisch beschleunigt werden. Kommerziell war das System nicht besonders erfolgreich. Ein Teil der Fahrzeugformen wurde für die „Carrera 160“ in überarbeiteter Form wiederverwendet.
Carrera Tempo Electric (1970 bis 1972) Die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge sind mit einem Motor und einer Batterie ausgestattet, die an einer so genannten Tankstelle wieder aufgeladen werden kann. Über ein Zählwerk kann die Tankfüllung (Ladestand der Batterie) bestimmt werden. Die Fahrzeuge werden durch einen kleinen Hebel an der Unterseite in Betrieb gesetzt.Neuhierl GmbH & Co. KG: Carrera Katalog 70/71. Fürth, S. 68f.
Carrera Structo (1972 bis 1985) Um mit der Autorennbahn keine Marktanteile an das in den 1970er Jahren immer stärker aufkommende RC-Hobby zu verlieren, versuchte man bei Carrera ab 1972 diesen neuen Markt zu bedienen. Nach einer Umstrukturierung wurde mit dem Aufbau des Carrera-Structo-Modellbaubereichs begonnen mit Eigenproduktionen von RC-Cars, RC-Booten und RC-FlugmodellenSpielwarenfabrik Neuhierl GmbH & Co. KG: Modelltechnik Carrera structo Katalog 1975. Fürth, S. 2ff. bis einschließlich der RC-Fernsteuerung. Diese wurden in unterschiedlichsten Maßstäben konstruiert und angeboten.
Das Fahrzeugangebot lässt sich dabei in zwei Perioden unterteilen. Bis 1980 waren die Fahrzeuge zwar vorbildgetreu, aber insgesamt eher spielzeughaft ausgelegt, eine Angabe des Maßstabs fehlt zumeist. Ab 1980 wurde das Fahrzeugsortiment völlig neu strukturiert und stärker auf den professionellen Hobby-Bereich ausgerichtet, der preisgünstige Spielzeugsektor aber nicht vernachlässigt: Fahrzeuge im Maßstab 1:12 mit Hartplastik-Karosserien (BMW M1, Porsche 935-78): Jeder Fahrzeugtyp hat ein eigenständiges Fahrwerk mit Batteriefach und robuster Hartplastik-Karosserie, die Fahrzeuge wurden betriebsfertig inklusive Fernsteuerung verkauft. Fahrzeuge im Maßstab 1:12 mit Lexan-Karosserien (Ford Capri Zakspeed Turbo, Porsche 935-78, Renault Formel 1): Hierbei kam ein modular aufgebautes Chassis-System zum Einsatz, das auf einer Grundplatte die unterschiedlichsten Radstände und Antriebskonzepte ermöglichte. Vorderrad-, Hinterrad- oder Allradantrieb mit bis zu vier Motoren war möglich. Die Lexankarosserien wurden wahlweise lackiert oder unlackiert geliefert, Fernsteuerung und Servos waren – wie bei den Mitbewerbern üblich – nicht in den Baukästen enthalten. Fahrzeuge im Maßstab 1:10 mit Lexan-Karosserien (BMW M1, Ferrari Formel 1, Porsche 924, Porsche 936, Truck Transpo Diesel). Das gleiche modulare Konzept wurde auch im größeren Maßstab 1:10 angeboten.
Carrera Modelltechnik (1974 bis 1985) mini|Ein Großteil des Carrera-Flugmodellsortimentes mini|Carrera Modelltechnik Baukasten Mistral-C mit 4,45 m Spannweite Bald nach Einführung der Structo-Modellpalette wurde der Flugmodellsektor mit der eigenen Bezeichnung Carrera Modelltechnik versehen. Fahrzeuge und Boote wurden in den Carrera-Modelltechnik-Katalogen anfangs noch mit aufgeführt.Spielwarenfabrik Neuhierl GmbH & Co. KG: Modelltechnik Carrera Katalog 1976. Fürth, S. 2ff. Die etwa 30 Carrera-Flugmodelle waren größtenteils mit dem nahezu unzerstörbaren „Ferran“-Kunststoffrumpf ausgerüstet. Die 18 unterschiedlichen Ferran-Rümpfe wurden in einem speziellen, sehr aufwendigen Verfahren hergestellt. Carrera war neben Robbe und Graupner auch maßgeblich an der Einführung des Elektroantriebes im Flugmodellbau beteiligt. Die Motoren hierfür lieferte die Firma Bühler. Der extreme Aufwand, der bei der Modelltechnik-Palette und dem Zubehör betrieben wurde, führte schließlich zur Insolvenz von Carrera im Februar 1985. Nach dem Freitod von Herrmann Neuhierl übernahm die eigens zu diesem Zweck gegründete Firma Air-Jet in Schwarzenbruck bei Nürnberg die Produktion der Flugmodelle und führte diese bis Ende der 1990 weiter. Der Vertrieb wurde durch die Firma Simprop gewährleistet.
Carrera 160 (1976 bis 1981) Spurgebundenes Rennbahnsystem im 2-Leiter-System und kleinerem Maßstab 1:60, ähnlich der bekannten Faller AMS. Auch diesem System war kein besonders großer kommerzieller Erfolg beschieden, da kurz darauf das lenkbare System „Carrera Servo 160“ vorgestellt wurde.
Carrera Servo (1978 bis 2000)