mini|hochkant=0.9|Stammwappen derer von Oppersdorff Oppersdorff, auch Oppersdorf oder Opersdorf, ist der Name eines alten ursprünglich aus Schlesien stammenden Adelsgeschlechts. Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehört zum Uradel im Herzogtum Oppeln und gelangte später auch in den schlesischen Herzogtümern, der Grafschaft Glatz, in Böhmen, Mähren und Niederösterreich zu Besitz und Ansehen.

Geschichte Herkunft Nach einer Überlieferung der Familie sollen die Oppersdorffer von dem alten 1519 erloschenen Grafengeschlecht von Thierstein (auch Tierstein) abstammen. Dieser Legende nach wendeten sich zwei Abkömmlinge, die Grafen Ulrich und Marquardt, in die österreichischen Lande. Von ihren Nachkommen soll Rupertus in der Schlacht auf dem Marchfeld 1278 auf der Seite des Königs Rudolf I. mit größter Tapferkeit gekämpft haben. Zum Lohn habe er Schloss Ebersdorff in Niederösterreich zu Lehen erhalten. Durch Lautverschiebung sei demnach aus Ebersdorff später Oppersdorf geworden.Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon Band 3, S. 97–99. Diese Version, der bereits 1680 der Genealoge Philipp Jakob Spener seine Zustimmung verweigerte,Otto Hupp: Münchener Kalender 1904. S. 30. findet sich noch in genealogischen Werken und Adelslexika, die Anfang des 19. Jahrhunderts erschienen.Neues preussisches Adelslexicon. Band 3, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1837, S. 483–485.

Nach dem Genealogischen Handbuch des Adels wird die Herkunft der Familie aber vielmehr von dem meißnischen Uradelsgeschlecht derer von Rolle abgeleitet.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band III, Band 61 der Gesamtreihe, S. 134–136. Das Geschlecht erscheint mit Thidericus miles dictus Rolle in einer am 19. Mai 1272 datierten Urkunde erstmals.Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Nr. 793 Der Name Rolle erscheint noch 1445 (Sterbedatum) auf dem Grabstein des Hans Rolle von Ulprichsdorf (* 1388) und 1449 bzw. 1467 bei seinem Sohn Heinrich (* 1442; † 1513). Die Oppersdorffer traten demnach in Schlesien mit Rullo, auch Henko Rullonis, 1321 bzw. 1325 erstmals urkundlich auf. Er war Edelknecht von Albrecht dem Jüngeren, Herzog von Oppeln.Staatsarchiv Breslau, Leubus Nr. 206 Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit Henricus de Oprechtsdorf, der ab 1363 in Urkunden genannt wird.Staatsarchiv Breslau, Kreuzstift Neiße Nr. 83 Das gleichnamige Stammhaus Oppersdorf liegt unweit von Neiße und gehörte zum Fürstentum Neisse. Die Ortschaft ist heute ein Ortsteil der Stadt- und Landgemeinde Nysa im Powiat Nyski der Woiwodschaft Oppeln in Polen.

Ausbreitung und Persönlichkeiten Hans Rolle von Uprichsdorf (* 1388; † 1445) heiratete Anna Posadowsky von Postelwitz. Mit der Ehe kamen das Gut Haidau im späteren Kreis Striegau in Familienbesitz, das Anna über ihre Mutter Helene von Dyhrn ererbt hatte. Deren Enkel Friedrich von Oppersdorff (* 1471; † 1544), Sohn von Heinrich von Upprichtsdorf (* 1442; † 1513) und dessen Frau Margarete Broschnitz von Praus († nach 1513), war Hauptmann der Herzogtümer Brieg-Ohlau und wurde auch der Schwarze Reiter genannt. Er heiratete 1512 Barbara Strzela von Othmuth (* 1495; † 1567).Genealogisches Handbuch des Adels, Gräfliche Häuser. Band IV, Band 28 der Gesamtreihe, S. 339–347.

Johann (Hans, Jan), Wilhelm I. und Georg I., drei Söhne aus der Ehe, erhielten 1552 den Herrenstand im Erzherzogtum Österreich unter der Enns und zwei Jahre später den erbländisch-österreichischen Freiherrenstand. Johann, der sich in den Türkenkriegen ausgezeichnet hatte, erhielt für seine Verdienste die Herrschaften Aicha und Friedstein im Königreich Böhmen zu Lehen, mit dem Titel „Freiherr von Aich und Friedstein“. Er gestaltete das Kloster in Böhmisch-Aicha, das 1591 an die Smiřický von Smiřice und 1622 an Wallenstein gelangte, und die spätgotische Burg Rabenstein zu einem repräsentativen Renaissanceschloss um. 1557 wurde Johann Landeshauptmann des böhmischen Erbherzogtums Oppeln.Landeshauptmann Oppeln 1562 konnte er vom böhmischen Landesherrn Kaiser Ferdinand I. zusätzlich die Herrschaft Oberglogau und 1563 die Herrschaft Cosel im Herzogtum Cosel als Pfandbesitz erwerben. Auch in Cosel baute er die Burg zu einem Schloss um und errichtete eine neue Pfarrkirche.Die Herrschaft Cosel wurde 1617 an einen Baron Kochtizky verkauft. Das Majorat Oberglogau blieb bis zum Übergang Schlesiens 1945 an Polen im Besitz derer von Oppersdorff. Deren katholische Linie hatte im Dreißigjährigen Krieg die Gegenreformation in Oberglogau vollzogen.

Hans starb 1584 ohne Nachkommenschaft zu hinterlassen. Der Besitz ging an seinen Bruder Georg I. Dieser besaß auch schon Polnisch Neukirch, das später an die Grafen Gaschin kam. Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern hatte er außerdem 1577 die überschuldeten Herrschaften Czastolowitz und Tynischt im Königgrätzer Kreis in Böhmen erworben. Georg I. Freiherr von Oppersdorff (* 1516; † 1577) war Landeshauptmann des Fürstentums Neiße und heiratete um 1542 Hedwig von Kalckreuth († 1580). Das Paar hinterließ die Söhne Friedrich II. und Georg II.

Sohn Friedrich Freiherr von Oppersdorff (* 1547; † 1615), Kaiserlicher Rat, Erbauer des Schlosses Czastolowitz und Herr auf Polnisch Neukirch und Tynischt, erhielt 1601 eine böhmische Anerkennung des Freiherrenstandes. Er war dreimal verheiratet. In erster Ehe seit 1573 mit Katharina von Pückler († 1575), in zweiter Ehe 1579 mit Magdalene Burggräfin von Dohna († 1603) und in dritter Ehe ab 1606 mit Katharina Freiin Popel von Lobkowitz († 1614). Sein Nachfolger und Erbe wurde sein Sohn aus zweiter Ehe, Johann Otto Freiherr von Oppersdorff (* 1584; † 1647). Johann Ottos Enkel Johann Eusebius Rudolf Graf von Oppersdorff (* 1670), Sohn des Kaiserlichen Rates und Kämmerers Johann Wenzel Ignaz Freiherr von Oppersdorff (* 1637; † 1676) und dessen Frau Anna Elenore Freiin von Kolowrat-Krakowský (* 1635; † 1692), führte seit etwa 1700 den Grafentitel. Johann Eusebius war Mitherr auf Czastalowitz, das er zusammen mit dem (1615 ausgebrannten) Schloss Tynischt 1682/84 an die Grafen Czernin verkaufte. Sie veräußerten beide Besitze schon 1695 an die Grafen von Sternberg weiterveräußerten, die 1945 enteignet wurden. Nach 1990 u. a. erhielten sie Czastalowitz zurück. Außerdem gehörten Johann Eusebius Milhositz, Czernotitz und Benkowitz. Er war Kaiserlicher Kämmerer, Obrist und Oberststabelmeister. Aus seiner 1690 geschlossenen Ehe mit Helene Elenore Freiin von Krawar und Tworkau (* 1664; † 1741) ging Sohn Johann Franz Wenzel Graf von Oppersdorff (* 1694; † 1772) hervor.

mini|Schloss Oberglogau, Oberschlesien Johann Franz Wenzels Nachkomme aus seiner ersten 1722 geschlossenen Ehe mit Anna Maria Elenore Gräfin von Clary-Sparbersbach (* 1682; † 1757), Johann Wenzel Franz Graf von Oppersdorff (* 1724), wurde k. k. Rat und Kämmerer. Er starb 1785 als Majoratsherr auf Oberglogau, das er 1781 von der erloschenen mährischen Linie seiner Familie geerbt hatte. Es folgte Franz Philipp (* 1750; † 1831) und auf diesen Franz von Oppersdorff (1778–1818), ein Freund Ludwig van Beethovens, der 1806 im Oberglogauer Schloss weilte und seine 4. Symphonie dem Grafen gewidmet hatte.

Dessen Sohn Eduard Georg Maria Graf von Oppersdorff (* 1800; † 1889), Majoratsherr auf Oberglogau, wurde 1847 in die Herrenkurie des Vereinigten Landtages berufen und war seit 1854 erbliches Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Der erbliche Sitz im preußischen Herrenhaus war an den Besitz des Fideikommiss Oberglogau geknüpft, der am 30. Februar 1642 gestiftet wurde und nach dem Erlöschen der schlesischen 1714 und der mährischen 1781 an die böhmische Stammlinie fiel. Von 1871 bis 1873 war Eduard Georg Maria auch Mitglied des Reichstages als Kreisdeputierter des Landkreises Neustadt in Oberschlesien. Er heiratete 1829 Caroline Gräfin Sedlnitzky von Choltitz (* 1811; † 1839) und 1843 Julie Gräfin Henckel von Donnersmarck (* 1819; † 1858).

Sein ältester Sohn, Graf Hans von Oppersdorff (* 1832; † 1877), war Königlich-preußischer Kammerherr, Landesältester, Kreisdeputierter des Landkreises Leobschütz, Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes sowie Ehrenritter des Malteserordens. Aus seiner Ehe mit Elisabeth de Talleyrand-Périgord (* 1844; 1880), geschlossen 1863 zu Günthersdorf, ging der Sohn Hans Georg hervor. Hans’ jüngerer Bruder Karl Eduard Franz (* 1834; † 1865) hinterließ einen Sohn Johannes (1858–1943) und dieser aus zwei Ehen sieben Töchter, sodass sein Zweig erlosch.

Hans Georg Graf von Oppersdorff (* 1866; † 1948) übernahm 1889 von seinem Großvater Eduard den Besitz Oberglogau mit 6500 ha. Er war bis 1891 auch Majoratsherr auf dem vormals Sedlnitzky’schen Geppersdorf (1892 verkauft) und bis 1924 auf Oberaltwaltersdorf im Kreis Glatz. Er war erbliches Mitglied des Preußischen Herrenhauses und von 1907 bis 1918 Mitglied des Reichstages. Als solcher war er ein hoch umstrittener Zentrumspolitiker. Ferner war er Vizepräsident des deutschen Katholikentages 1899 in Neisse und ab 1904 Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Er heiratete 1895 in Rom Dorothea Prinzessin Radziwiłł (* 1871; † 1947), die Tochter des Kaiserlich-russischen Kammerherrn und Hofjägermeisters Matthias Prinz Radziwiłł. Sie hatten sechs Söhne und fünf Töchter. 1930 übergab er das Majorat seinem ältesten Sohn und zog nach Frankreich, wo er in Lourdes starb.

Der älteste Sohn Wilhelm Karl Hans (* 1896; † 1989) wurde nach dem Verzicht seines Vaters Hans Georg 1930 Majoratsherr und nach Auflösung des Majorats 1935 Herr der Herrschaft Oberglogau. Er heiratete Marie Louise Prinzessin von Isenburg. Sein ältester Sohn Franz Eduard Johannes (* 1919) heiratete 1955 Maria Theresia Prinzessin von Thurn und Taxis (* 1925), die zwei Söhne und zwei Töchter hatten.

mini|Schloss Braunfels, Hessen Hans Georgs zweiter Sohn, Hans Georg Eduard Graf von Oppersdorff (* 1920; † 2003), heiratete 1950 Maria Gabrielle Prinzessin zu Solms-Braunfels (* 1918; † 2003) und erbte nach dem Tod seines Schwiegervaters Fürst Georg Friedrich zu Solms-Braunfels (* 1890; † 1970), des letzten männlichen Vertreters dieser Linie, einen Teil der Besitzungen, unter anderem das Schloss Braunfels sowie Schloss Hungen. Er und seine Nachkommen tragen, nach einer Namensänderung durch den Hessischen Minister des Innern vom 2. Mai 1969 den Namen Graf bzw. Gräfin von Oppersdorff-Solms-Braunfels. Außerdem waren Graf Hans-Georg und seine Frau Prinzessin Maria Gabrielle, wie auch schon deren Eltern, Ehrenbürger der Stadt Braunfels.www.braunfels.de: Die Ehrenbürger der Stadt Braunfels

Der dritte Sohn, Josef Ferdinand (*1922; † 2008) heiratete 1958 Maria-Assunta Gräfin und Herrin von Schönburg-Glauchau (* 1935), Tochter des Carl Graf und Herr von Schönburg-Glauchau (* 1899; † 1945) und dessen Frau Maria Anna Gräfin von Baworów-Baworowska (* 1902; † 1988); sie hatten zwei Söhne und drei Töchter. Der jüngste Bruder Friedrich Karl Eduard (* 1925; † 1985) heiratete 1962 Elisabeth Prinzessin von Hessen (* 1940), Tochter von Philipp von Hessen und dessen Frau Mafalda von Savoyen, königliche Prinzessin von Italien. Ihre beiden Onkel Franz Anton Ignatius (* 1900; † 1975) und Konstantin Anton Coelestin (* 1902; † 1970), die Brüder von Wilhelm Karl Hans, wurden 1944 von Ladislaus Georg Prinz Radziwiłł adoptiert und nannten sich Prinzen Radziwiłł. Die Adoption wurde am 21. September 1945 zu Bad Mergentheim amtsgerichtlich bestätigt. Beide starben, ohne Nachkommenschaft zu hinterlassen.

Maximilian Graf von Oppersdorff erwarb 2005 das Schloss Langenrain bei Konstanz.

Standeserhebungen