mini|Wichtige archäologische Ausgrabungsstätten am Halil Rud südlich von JiroftBasierend auf Nasir Eskandari et al.: "Preliminary report on the survey of Hajjiabad-Varamin, a site of the Konar Sandal settlement network (Jiroft, Kerman, Iran)". In: Iran. Band 61, Nr. 2, 2023, Figur 2. (hal.science) mini|Gefäß aus der Ebene von Jiroft, ca. 2650 – 2350 v. Chr.Datierung von Massimo Vidale, Francois Desset, Irene Caldana: The Ceramic Context of a „Jiroft“ Style Chlorite Vessel. From a Damaged Grave of Mahtoutabad (Konar Sandal South, Kerman, Iran). In: Paléorient. Revue pluridisciplinaire de préhistoire et de protohistoire de l’Asie du Sud-Ouest et de l’Asie centrale. Band 47/2. 2021, Abschnitt 3. (journals.openedition.org) mini|Gefäß aus der Ebene von Jiroft, ca. 2650 – 2350 v. Chr. Als Dschiroft-Kultur (Jiroft-Kultur; ) wird eine archäologische Kultur im Südosten Irans bezeichnet, die ihren Höhepunkt in der Bronzezeit des späten 3. Jahrtausends v. Chr. erreichte. Das Gebiet dieser Kultur liegt in der heutigen Provinz Kerman in der Ebene des Halil Rud südlich von Jiroft. Es gibt verschiedene archäologische Stätten, die diese Kultur überliefern. Ein wichtiger Fundplatz ist Konar Sandal, der der Jiroft-Kultur den Namen gegeben hat. Weitere Fundstätten sind der Friedhof Mahtoutabad und die Stätte Hajjiabad-Varamin. Die Spuren von Besiedlungen der Jiroft-Zivilisation reichen bis ins späte 6. Jahrtausend v. Chr. zurück. Eine Besonderheit stellt die ununterbrochene Besiedlung von Hajjiabad-Varamin vom 4. bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. dar.

Hintergrund Im Verlauf des Jahres 2000 begannen zahlreiche auffällige Artefakte aus Iran den Markt zu überschwemmen. Nachforschungen ergaben, dass sie aus dem Südosten Irans stammen und aufgrund von Plünderungen nach einem Hochwasserereignis auf dem internationalen Markt landeten. Am auffälligsten waren Gefäße aus Steatit und Chlorit, die mit aufwendigen Figuren, pflanzlichen und architektonischen Elementen und farbigen Halbedelsteinen verziert waren. Seit 2000 wurden viele solche Gefäße durch die iranischen Behörden konfisziert. Sie befinden sich heute in den Museen von Jiroft, Kerman, Yazd und im Iranischen Nationalmuseum in Teheran.Yousef Madjidzadeh, Holly Pittman: Excavations at Konar Sandal in the Region of Jiroft in the Halil Basin: First Preliminary Report (2002–2008). In: Iran. Band 46, 2008, S. 69–103, hier S. 69. (jstor.org)

2001 wurden die Plünderungen gestoppt und um weitere Schäden zu verhindern, genehmigte das Ministerium für Kulturerbe, Tourismus und Handwerk umfangreiche Untersuchungen der Gegend. Die archäologischen Grabungen beschränkten sich in einer ersten Phase auf die Standorte südlich von Jiroft und dehnten sich zunehmend auf andere Ebenen, das umliegende Gebirge bis zum Persischen Golf aus.

Topologie der archäologischen Standorte Die Ebene von Jiroft, durch die der Halil Rud fließt, liegt nahe einer Bergkette mit einer Höhe bis zu 3500 m. Sie verfügt über relativ reiche sowohl unter- wie oberirdische Wasservorkommen.Marjan Mashkour, Margareta Tengberg, Zoreh Shirazi, Yousef Madjidzadeh: Bio-archaeological studies at Konar Sandal, Halil Rud basin, southeastern Iran. In: Environmental Archaeology. Band 18/3, 2013, S. 222–246. (tandfonline.com) Bei starkem Schneefall und Regen tritt der Halil Rud mehrmals pro Jahr über die Ufer und überschwemmt die Ebene. Geomorphologische Untersuchungen der Flussablagerungen haben ergeben, dass der Verlauf des Halil Rud vor dem 2. Jahrtausend v. Chr. weiter westlich gelegen haben muss. So führt der heutige Verlauf des Flusses mitten durch den archäologischen Friedhof von Mahtoutabad, der auf die zweite Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. datiert ist und nach einem Hochwasserereignis im Jahr 2000 n. Chr. freigelegt worden war.Yousef Madjidzadeh, Holly Pittman: Excavations at Konar Sandal in the Region of Jiroft in the Halil Basin: First Preliminary Report (2002–2008). In: Iran. Band 46, 2008, S. 69–103, hier S. 71.

Das Gebiet des Halil Rud besteht aus einem ungefähr 60 km langen und zwischen 10 und 15 km breiten Schwemmboden und enthält tiefe Ablagerungen an Schlick, Sand und Lehm.Yousef Madjidzadeh, Holly Pittman: Excavations at Konar Sandal in the Region of Jiroft in the Halil Basin: First Preliminary Report (2002–2008). In: Iran. Band 46, 2008, S. 69–103, hier S. 72. Durch die Diskontinuität der Besiedlung im Südosten Irans existieren in der Region von Jiroft nur wenige Erhebungen (Tepes) mit hoher archäologischer Akkumulierung, wie es in Mesopotamien oder Syrien der Fall ist. Tepes – oder Tol (oder Tell), Tom und Tump, wie sie in dieser Region auch genannt werden – sind normalerweise nur einige Meter hoch (1 bis 10 m). Ausnahmen bilden die Erhebungen von Konar Sandal Nord und Süd, die eine Höhe von 17 und 21 m haben. Ungefähr 300 Tells wurden gezählt. Manche sind 100 Hektaren groß. Tepes im Südosten Irans enthalten eine beschränkte Anzahl von verschiedenen Schichten von Besiedlungen. Neben diesen gibt es verstreute Anzeichen von Siedlungen, unterirdische und oberirdische Friedhöfe und Begräbniskreise. Sie sind der Beweis für die Dichte und den Umfang der Besiedlung und der Aktivitäten in dieser Region.Roger Matthews, Hassan Fazeli Nashli: The Archaeology of Iran from the Palaeolithic to the Achaemenid Empire. Routledge London/New York 2022.Peter Pfälzner, Nader Alidadi Soleimani: The ICAR–University of Tübingen South-of-Jiroft Archaeological Survey (SOJAS). In: Archäologische Mitteilungen aus Iran und Turan. Band 47, 2015, S. 105–141.

Wegen seinem Klima mit heißen feuchten Sommern und relativ milden Wintern sowie seiner landwirtschaftlichen Produktivität wurde die Region auch schon „kleines Mesopotamien“ genannt.

Entwicklung der Besiedlung Die Region südwestlich von Jiroft weist mehrere Standorte aus der frühen und mittleren Kupfersteinzeit auf. Die älteste Besiedlung stammt aus dem späten 6. Jahrtausend v. Chr. (5200–5000 v. Chr.).

Die mittlere Kupfersteinzeit (4500–4000 v. Chr.) verzeichnet einen deutlichen Anstieg der Besiedlungen mit einem Schwerpunkt am westlichen Ufer der unteren Ebene des Halil Rud. Es handelt sich um kleine Siedlungen, die nahe beieinander lagen.Peter Pfälzner, Nader Alidadi Soleimani, Mohammad Karami: SOJAS 2015–2018: a résumé of four seasons of archaeological survey south of Jiroft. In: Archaeology Journal of the Iranian Center for Archaeological Research. Ausgabe 2/2, 2019, S. 107–124. (archj.richt.ir)

Für die späte Kupferzeit im 4. Jahrtausend v. Chr. (3700–3400 v. Chr.) ist eine markante Steigerung der Besiedlungen südlich von Jiroft in den Ebenen des Halil Rud und Boluk zu beobachten. Sie sind hauptsächlich über Keramiken nachgewiesen. Diese Periode war eine prägende Phase für die städtische Entwicklung in Ebene von Jiroft und eine Voraussetzung für eine eigenständige kulturelle Entfaltung im 3. Jahrtausend v. Chr.

In der frühen Bronzezeit (2900–2500 v. Chr.) explodierte die Anzahl der Besiedlungen aufgrund einer großen Zunahme der Bevölkerung mit dem eindrucksvollsten Zeugnis von Konar Sandal Süd, das der Jiroft-Kultur den Namen gegeben hat. Die beiden südlicheren Standorte Hajjiabad-Varamin und Marjan-Varamin nahmen städtische Ausmaße an. Beide Ortschaften existierten über das ganze 3. Jahrtausend v. Chr., wobei die erste Hälfte des Jahrtausends als frühe Jiroft A und die zweite Hälfte als frühe Jiroft B bezeichnet werden. Beide Ortschaften waren umgeben von anderen gebündelten Besiedlungen aus dem gleichen Zeitraum, die nach Süden zur Ebene des Flusses Boluk verfolgt werden können.

Nach der frühen Bronzezeit scheinen die Menschen die Region verlassen zu haben. Die Gründe lagen wahrscheinlich in Umweltfaktoren wie Trockenheit und Versalzung des Bodens. Während der der Herrschaft der Achämeniden scheint eine Wiederansiedlung stattgefunden haben. Sieben Siedlungen sind nachweisbar. Eine große Siedlung in dieser Zeit waren Bog Atashan 1 und 2 und eine weitere wichtige Tom-e Imam Hossein. Kleinere Siedlungen aus dieser Zeit tragen die Ausgrabungsnamen Nurabad, Kuguyeh 1 und 3, die eine zweite Verdichtung anzeigen. Die Besiedlung setzt sich in die parthische, sassanidische und frühislamische Zeit fort. Nach dem Fall der Seldschuken scheint sich die Region allmählich entvölkert zu haben und blieb dies auch bis zum Beginn der Neuzeit.

Archäologische Standorte (Auswahl) Varamin Das heutige Dorf Varamin in der Ebene von Jiroft liegt zwischen den zwei archäologischen Standorten Hajjiabad-Varamin im Süden und Marjan-Varamin im Norden. Die antiken Standorte liegen circa 1,5 km voneinander entfernt. In der späten Kupfersteinzeit und der frühen Bronzezeit war dieses Gebiet der Ebene des Halil Rud am stärksten besiedelt und Teil eines archäologischen Siedlungsnetzes, das eine Länge von 12 km und eine Breite von 7 km hat, wovon erst ein Teil erschlossen ist.Nasir Eskandari, François Desset, Mojgan Shafiee, Meysam Shahsavari, Salman Anjamrouz, Irene Caldana, Ali Daneshi, Ali Shahdadi, Massimo Vidale: Preliminary report on the survey of Hajjiabad-Varamin, a site of the Konar Sandal settlement network (Jiroft, Kerman, Iran). In: Iran. Band 61, Nr. 2, 2023, S. 1–28. (hal.science) An Hajjiabad-Varamin kann die kontinuierliche Entwicklung der Besiedlung vom 4. bis zum 3. Jahrtausend v. Chr. und die Entstehung des Städtebaus in der Ebene von Jiroft gezeigt werden. Für die frühe Zeit liefert es Beiträge zu den keramischen typo-chronologischen Sequenzen der Ebene von Jiroft.Nasir Eskandari, François Desset, M. Hessari, M. Shahsavari, M. Shafiee, Massimo Vidale: A late 4th to early 3rd millennium BC grave in Hajjiabad-Varamin (Jiroft, south-eastern Iran): defining a new period of the Halil Rud valley sequence. In: Iranica Antiqua. Band 55, 2020, S. 1–48. (hal.science) Die Ausgrabungsstätte Tepe Varamin wurde 2002 entdeckt und mit der Nummer 4598 als National Site Irans registriert.

Hajjiabad-Varamin Hajjiabad-Varamin liegt ungefähr 6,5 km südwestlich von Konar Sandal Süd und ist eine der größten archäologischen Stätten in der Ebene von Jiroft. Es war vom frühen 4. Jahrtausend (evtl. spätes 5. Jahrtausend) bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Es scheint seine maximale Ausdehnung in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. erreicht zu haben, als in Konar Sandal Süd die Besiedlung begann.

Die Besiedlung von Hajjiabad-Varamin hat ihren Anfang als kleine Einheit im Süden der archäologischen Stätte genommen. Die älteste Besiedlung zeichnet sich durch die spezifische Keramik Gaz Saleh aus, die nach dem modernen, nahe gelegenen Dorf im Südosten benannt ist. Die Keramik Gaz Saleh wird durch stratigrafische Untersuchungen und deren Ergebnisse als die älteste Keramik von Hajjiabad-Varamin festgelegt und ist älter als der Stil Mahtoutabad I, der auf 4200–3800 v. Chr. datiert und nach dem gleichnamigen Friedhof benannt ist, der weiter nördlich entdeckt wurde.

Der prähistorische Haupthügel von Hajjiabad-Varamin im Nordwesten hat eine maximale Höhe von 6 bis 7 m und umfasst etwa 20 Hektaren. Auf dem Hügel wurden sich kreuzende Mauern eines großen Gebäudes gefunden, das in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. errichtet wurde. Die tiefsten Schichten zeigen Zeichen von Besiedlungen von 3700 (Aliabad Periode) und 3400–3300 v. Chr. (Varamin Periode) basierend auf Ergebnissen der Radiokarbonmethode und Vergleichen der Keramiken.