thumb|Friedhelm Kemna Friedhelm Kemna (* 14. November 1925 in Dortmund; † 28. März 2007 in Berlin) war ein deutscher Journalist.Biographische Daten von Friedhelm Kemna in: Wer ist Wer – Das deutsche Who’s Who 2000/2001. 39. Ausgabe, Schmidt-Römhild, Verlagsgruppe Beleke, Lübeck 2000, S. 700, ISBN 978-3-7950-2029-3.
Kemna wurde als Kind eines staatlichen Hausbeamten und einer Hausfrau geboren und wuchs zusammen mit seiner älteren Schwester in Dortmund auf. Ab 1930 besuchte er Schule und Gymnasium in Dortmund und Bad Godesberg. Am 18. August 1943 wurde er in die Wehrmacht einberufen und verrichtete dort seinen Militärdienst, zum Schluss als Leutnant im Panzerregiment. 1944 wurde er in Russland verwundet und geriet 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nachdem er das Abitur nachgeholt hatte, studierte er ab 1946 Germanistik, Geschichte und Allgemeine Literaturwissenschaften in Köln und Bonn, unter anderem an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Hier entwickelte Kemna auch sein Interesse am Journalismus und veröffentlichte erste kleine Artikel in der Universitätszeitung. 1969 lernte Kemna in Hongkong die bei der Pan American Airways arbeitende Stewardess Isabel DustmannInformationen zu Isabel Kemna geb. Dustmann, aus der ehemaligen Website über Isabel Kemna, zusammengestellt von Wolf-Christoph-Müller kennen, die er dort nach sechs Monaten am 16. August heiratete.
Journalistische Laufbahn Kemnas erste Arbeit als Journalist kam 1951 beim Exchange Telegraph in London zustande. 1952 wechselte er zu United Press International (UPI) und blieb dort bis 1960 Korrespondent in Bonn, London und Berlin. 1961 erhielt er seine erste Stelle als Redakteur in Hamburg und arbeitete bis 1966 als Korrespondent der Welt in Hamburg, London und Berlin.
Südostasien thumb|Friedhelm Kemna in Vietnam thumb|Friedhelm Kemna vor einem Helikopter in Vietnam Ab 1966 reiste Kemna als neuer Auslandskorrespondent der Welt durch Südostasien. Er wohnte unter anderem in Singapur, Hongkong und Saigon und richtete seinen journalistischen Fokus auf Vietnam, Laos und Kambodscha. Während dieser Zeit erlebte er das Kriegsgeschehen in Vietnam hautnah und dokumentierte die Zustände in Saigon und im Kriegsgebiet in Reportagen für die Welt mit bis zu 20 Artikeln pro Monat für die deutsche Leserschaft. In seiner Arbeit ließ er sich auf die ärmere Bevölkerung ein und schuf über Interviews mit unterschiedlichsten Personen ein differenziertes Bild der Situation. Interviews mit ehemaligen Vietcong-Soldaten, Ex-Guerilla-Kämpfern, führten zu einer seiner Reportagen Chieu Hoi – der lautlose Krieg:
Während seiner Zeit in Saigon erlebte Friedhelm Kemna als Teil des Vietnam-Krieges außerdem zahlreiche Angriffe wie zum Beispiel die Tet-Offensive. Da gerade das Vietnamesische Neujahrsfest gefeiert wurde, waren weder die Amerikaner noch die südvietnamesischen Truppen auf diesen Angriff vorbereitet, sodass die NLF-Kommandos bis zur US-Botschaft vordringen konnten. Da Friedhelm Kemna sich zu diesem Zeitpunkt mitten in Saigon befand, dokumentierte er diese Offensive und ihre Schrecken in einer längeren Reportage:
Aufgrund seiner vielseitigen Erfahrungen in Südostasien wurde Friedhelm Kemna von Rolf Italiaander 1970 gebeten, einen Beitrag im Buch Diktaturen im Nacken zu verfassen:
Nach seinem Umzug nach Berlin 1972 leitete Kemna die Berliner Ausgabe der Welt bis Ende 1978.
Bonn und die „Hauptstadtfrage“
thumb|Friedhelm Kemna mit Hans-Dietrich Genscher thumb|Friedhelm Kemna mit Richard von Weizsäcker thumb|Friedhelm Kemna mit Willy Brandt Nach seinem Umzug nach Bonn 1978 begann Friedhelm Kemna seine Arbeit als stellvertretender Chefredakteur und Chef der Auslandsredaktion der Welt in Bonn, wo er hauptsächlich für den Bereich der Außenpolitik zuständig war. Im Jahr 1983 wechselte er zum Bonner General-Anzeiger und arbeitete dort als Chefredakteur. Während seiner Zeit stieg die Auflage des Blattes um ca. 20.000–25.000. Seine Erfahrungen aus dem südostasiatischen Raum begleiteten Kemna weiterhin in seinem journalistischen Schaffen. In seinem Artikel Zwischen den Fronten vom 6. März 1983 fand Kemna eindrückliche Worte, um die Situation nach dem Vietnamkrieg zu beschreiben:
Im September 1990 trennte sich der Bonner General-Anzeiger von Kemna aufgrund seiner Äußerungen zur Hauptstadtfrage und seiner Betrachtung der Berlin als auch der Bonn befürwortenden Perspektive. Sein Ausschluss vom Bonner General-Anzeiger löste eine breite Diskussion in Journalistenkreisen aus, erbrachte ihm aber auch den Respekt seiner Journalisten-Kollegen. Der Vorsitzende des Journalisten-Verbandes Hanns-Peter Herz schrieb im November 1990 in einem offenen Brief an den Bonner General-Anzeiger:
Berlin Nach Verlassen des Bonner General-Anzeigers zog Kemna 1990 wieder zurück nach Berlin und arbeitete als Welt-Autor zu den neuen Bundesländern. In Anerkennung seiner Unterstützung der US-Armee in Berlin wurde ihm 1995 der Commander’s Award for Public Service von der Armee der Vereinigten Staaten verliehen. Ab 1995 engagierte er sich zusätzlich als Medienberater im Deutschen Bundestag, wo er unter anderem die Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth beriet. Am 1. Oktober 1999 erhielt Kemna den Verdienstorden des Landes Berlin, um seine Bemühungen in Bezug auf die Hauptstadtfrage und die Entwicklung Berlins selbst zu würdigen.
Am 28. März 2007 starb Friedhelm Kemna in Berlin im Alter von 81 Jahren.
Auszeichnungen 1986: Chevalier de l’Ordre national du Mérite 1987: Honorary Citizen of Alexandria, Virginia 1995: Commander’s Award for Public Service 1999: Verdienstorden des Landes Berlin
Bildergalerie
Einzelnachweise
Literatur
Die Hauptstadtfrage. Analysen-Meinungen, General-Anzeiger, Bonn 1990 Konrad, Heike: Zwischen Populismus und Objektivität – die Berichterstattung des General-Anzeigers für Bonn zur Debatte über den Umzug von Parlament und Regierung im Juni 1991. Magisterarbeit, Berlin 1994/95.
Weblinks
Friedhelm Kemna gestorben, In: Der Tagesspiegel, 4. April 2007 Gesamt-Archiv Friedhelm Kemna / Gesamt-Archiv Isabel Kemna
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