mini|Garten der Frauen (2018), südlicher Eingang mini|Garten der Frauen (2018), nördlicher Eingang Der Garten der Frauen ist eine im Sommer 2001 eröffnete Gedenkstätte des Vereins Garten der Frauen e. V., die sich auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg befindet und in der an Frauen, die in der Hamburger Geschichte bedeutend waren, erinnert wird. Auf dem etwa 1700 Quadratmeter großen Gelände nordöstlich des Ohlsdorfer Wasserturms, das im Juli 2001 eröffnet wurde, befinden sich 618 Grabstellen auf elf Gemeinschaftsgrabflächen. Im Garten der Frauen stehen 98 historische Grabsteine. Auf der aus vielen Sandsteinen zusammengesetzten Erinnerungsspirale befinden sich 65 NamenErinnerungsspirale bei garten-der-frauen.de, abgerufen am 26. August 2025 und auf einer Erinnerungssäule, die seit November 2021 im Garten der Frauen steht, bisher sechs Namen. Die Idee zu diesem Garten der Frauen hatte die Historikerin Rita Bake, die den Garten mit Hilfe von Helga Diercks-Norden und Silke Urbanski gründete. Getragen, gestaltet, finanziert und betreut wird das Areal von dem im Jahr 2000 auf Initiative der drei Frauen gegründeten Verein Garten der Frauen. Am 5. Juli 2026 wurde im Garten gefeiert. Dabei entstand ein Film, der online verfügbar ist:
Anlage mini|Garten der Frauen mit viktoria-nischem Gewächshaus von 2017. Die Gedenkstättenanlage wird für drei verschiedene Erinnerungsarten genutzt. Die musealen Grabsteine sind die vor der Vernichtung geretteten Grabsteine, die an diesen Ort verlegt wurden. Sie machen die Ursprungsidee des Gartens der Frauen aus: die Frauen, die Hamburgs Geschichte mitgeprägt haben, sollen in bleibender Erinnerung gehalten werden, auch dann noch, wenn die Nutzungsdauer ihrer Gräber abgelaufen ist und niemand für die Verlängerungsgebühren aufkommt. In solchen Fällen werden die Grabstellen aufgegeben und die Grabsteine zerstört. Damit es nicht zu einer Vernichtung der Steine kommt, verlegt der Verein Garten der Frauen auf eigene Kosten die Grabsteine in den Garten der Frauen. Ein weiterer Gedenkort im Garten der Frauen ist die Erinnerungsspirale, zusammengesetzt aus einzelnen Gedenksteinen für Frauen, die keine Grabsteine hatten oder deren Steine bereits entsorgt wurden. Da die Erinnerungsspirale von ihren Ausmaßen her ihr Ende erreicht hat, befindet sich als Nachfolgerin der Erinnerungsspirale seit November 2021 noch eine Erinnerungssäule im Garten der Frauen. Die dritte Art Gräber besteht aus flach in den Boden eingelassenen Steinwellen in Gemeinschaftsgrabanlagen, hier sind Frauen der Gegenwart bestattet, die sich zu Lebzeiten einen Grabplatz im Garten der Frauen erworben haben und Mitglied des Vereins Garten der Frauen waren.
mini|Rosenpavillon mit zentraler Skulptur Erinnerung (weitere Bilder) mini|Das Glashäuschen im Garten der Frauen Ergänzt wird der Garten der Frauen durch Ausstellungen und Veranstaltungen, die im Garten der Frauen stattfinden sowie durch im Garten der Frauen verteilte Ständer mit Aluminiumtafeln, die in Ringbuchform zusammengefasst sind und Kurzbiografien der hier geehrten Frauen vorstellen. Um einen mit Rosen berankten Pavillon herum sind einige Informationstafeln angebracht, in der Mitte befindet sich die Skulptur Erinnerung von Doris Waschk-Balz. Auch befindet sich ein Glashäuschen im Garten der Frauen, in dem Informationen für die Besuchenden zum Mitnehmen ausliegen.
Historische Grabsteine mini|Felsengrabstein Seit der Anlage des Gartens der Frauen im Jahr 2001 wurden 98 historische Grabsteine aufgestellt, also jene Steine, die nach der betreffenden Grabauflösung erhalten wurden. Viele von ihnen befinden sich gleich am Eingang des Geländes, andere sind im Areal verteilt. So ist zum Beispiel am Kopf jeder Gemeinschaftsgrabanlage der Stein einer historisch bedeutsamen Frau aufgestellt. Es handelt sich dabei um Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Hamburg, Stifterinnen und Mäzeninnen, Bildende Künstlerinnen, Musikerinnen, Schriftstellerinnen, Schauspielerinnen, Sängerinnen und Tänzerinnen, Theaterprinzipalinnen, Professorinnen, Lehrerinnen, Politikerinnen wie Rebellinnen nach der 1848er Revolution, Bürgerschaftsabgeordnete, Frauen der Hamburger Frauenbewegung, Ärztinnen, Kindergärtnerinnen, Gewerkschafterinnen und Widerstandskämpferinnen gegen das NS-Regime.
Neben der Erinnerung bewirkt die Sammlung auch einen Einblick in die Geschichte der Grabkultur innerhalb des Friedhofs Ohlsdorf. So sind aus der Zeit der ersten dortigen Beerdigungen die Felsengrabsteine für Lola Töpke und Martha Hachmann-Zipser erhalten oder Steine des Klassizismus und Historismus beispielsweise für Emmy Beckmann und Amelie Ruths. Die am Anfang des 20. Jahrhunderts in Mode gekommenen, sogenannten halbrunden Grottensteine, die eine höhlenartige Öffnung vorspiegeln, finden sich für Marie Hirsch und Paula Westendorf, die ebenfalls seinerzeit modernen hohen Stelen erinnern an Antonie Milberg, Annie Kalmar und Wilhelmine Marstrand. Vorhanden sind auch die stark reglementierten Steine aus der Zeit des Nationalsozialismus, die aus „deutschem Material“ zu bestehen, ein Ornament aufzuweisen und mit Frakturschrift versehen zu sein hatten, so für die Gräber von Karli Bozenhard und Yvonne Mewes. Auch industriell hergestellte Grabsteine mit den klaren Formen der Nachkriegszeit sind vorhanden, zum Beispiel für Bertha Keyser oder Magda Bullerdiek.
Erinnerungsspirale mini|Erinnerungsspirale (14. August 2021), östlicher Eingang im Hintergrund Im Jahr 2002 wurde neben den historischen Steinen eine sogenannte Erinnerungsspirale angelegt. Sie soll die Erinnerung an jene Frauen wachhalten, deren Grabstellen nicht mehr erhalten waren oder die keine eigenen Grabsteine in Ohlsdorf hatten. Die Spirale symbolisiert das wiederkehrende Leben und wird aus einzeln gestalteten Gedenksteinen gebildet. Sie wurde in den Folgejahren beständig erweitert und umfasst mehr als 65 NamenErinnerungsspirale bei garten-der-frauen.de, abgerufen am 26. August 2025. Erinnert wird hier insbesondere an Frauen, die als Hamburger Originale galten, die sich in besonderem Maße für die Rechte von Frauen einsetzten oder die Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes waren. Im Jahr 2007, dem Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle, widmete sich der Verein Garten der Frauen insbesondere den Menschen, die wegen ihrer ethnischen Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, ihres Alters oder ihres Geschlechts diskriminiert wurden. In diesem Sinne wurde mit einem als Säule gestalteten Stein, der eine symbolisierte Weltkugel trägt, ein Zeichen gesetzt. Als Stellvertreterinnen für die von der Thematik Betroffenen ist dieser Stein der Frauenrechtlerin Gunda Werner und der Prinzessin von Oman Emily Ruete gewidmet. Mit einem Erinnerungsstein für Erna Hoffmann wird an die weiblichen Euthanasieopfer der NS-Zeit erinnert, die durch Nahrungsentzug verhungerten. Ihre durchscheinenden verhungerten Körper werden durch die in der Aushöhlung des Steins aufgestellten Glassplitter symbolisiert. Die Aushöhlung ist durch Gitterstäbe umschlossen und verdeutlicht damit das Eingesperrtsein der Frauen. Ein mit Löchern versehener Stein gedenkt Christel Klein, einem weiblichen Opfer häuslicher Gewalt, die von ihrem Ehemann erschossen wurde. Seit 2015 steht beispielhaft für die im 16. und 17. Jahrhundert in Hamburg als Hexen beschuldigten und verbrannten Frauen der Stein für Abelke Bleken aus schwarzem Basalt mit einem Licht in der Aushöhlung des Steins. Im Weiteren erinnert ein aus schwarzem Basalt gefertigter Stein, der einen umgedrehten Zylinder darstellt und aus dem ein Kaninchen „springt“, an die Zauberhändlerin und Illusionistin Rosa Bartl. Im Jahr 2020 wurde ein aus schwarzem Diabas geschaffener Stein für die französische Widerstandskämpferin France Bloch-Sérazin. Sich in den Widerstand gegen das NS-Regime zu begeben, war eine Gratwanderung zwischen Leben und Tod. Diese Gratwanderung soll durch die Verschlankung des Steins nach oben hin symbolisiert werden. Das obere Ende des Steins ist so behauen, dass hier eine Schneide zu fühlen ist, die Schneide des Fallbeils, mit dem France Bloch-Sérazin im Untersuchungsgefängnis Holstenglacis in Hamburg enthauptet wurde.
Erinnerungssäule mini|Neue Erinnerungssäule November 2021 Seit November 2021 steht im Garten der Frauen eine Erinnerungssäule. Sie führt die Erinnerungsspirale fort, die von ihren Ausmaßen her ihr räumliches Ende erreicht hat. Auf der Erinnerungssäule sind ovale Medaillons aus Stein angebracht, auf denen die Namen von Frauen eingraviert sind, an die erinnert wird. Am oberen Ende der Säule findet sich ein Ausspruch der Schriftstellerin Eva Strittmatter: „So geh ich in den Winter. Und so vergeh ich nicht.“
Gedenkglaswürfel für die verstorbenen Säuglinge und Kleinkinder der Zwangsarbeiterinnen mini|Glaswürfel, der aus 255 9x9 cm großen bunten Glassteinen zusammengesetzt ist Seit dem 8. Mai 2022 steht ein Gedenkglaswürfel für die verstorbenen Säuglinge und Kleinkinder von Zwangsarbeiterinnen im Garten der Frauen. 250 Säuglinge und Kleinkinder und drei ältere Mädchen, die selbst Zwangsarbeit leisten mussten, wurden in der NS-Zeit zwischen 1943 und 1945 auf dem Ohlsdorfer Friedhof bestattet, dazu zwei ältere Jungen mit Grabstätten auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel. Die meisten Gräber gibt es nicht mehr. Zwei jüdische Neugeborene, die gleich nach der Geburt ermordet wurden, erhielten keine Grabstätte. Der Verein Garten der Frauen erinnert an die Kinder mit diesem Glaswürfel, der aus kleinen bunten Glassteinen zusammengesetzt ist. Auf 257 Steinen stehen jeweils der Name und das Alter eines Kindes. An den anderen Steinen sind kleine kindgerechte Zeichnungen eingraviert, und ein Stein steht für alle Kinder, die uns nicht bekannt sind.
Frauen aus 16 Nationen wurden in der NS-Zeit aus ihrer Heimat verschleppt und zur Zwangsarbeit für Hamburger Firmen, in landwirtschaftlichen Betrieben und in privaten Haushalten eingesetzt. Diejenigen unter ihnen, die in dieser Zeit in Hamburg Kinder gebaren, mussten etwa eine Woche nach der Entbindung wieder 10–12 Stunden schwer arbeiten und litten unter Hunger. Es war ihnen nicht möglich, ihre Säuglinge ausreichend zu versorgen. Die meisten Kinder verstarben durch Vernachlässigung und Unterernährung.Laura Kosanke: Erinnerung an die toten Kinder der Zwangsarbeiterinnen. In: Hamburger Abendblatt, 18. Dezember 2021, S. 13.
Erinnerungsstein: Getötet, weil sie Frauen waren Seit dem 18. Mai 2025 steht im Garten der Frauen ein Erinnerungsstein, der an die Opfer des Frauenmörders Fritz Honka erinnert: Gertraud Bräuer, Anna Beuschel, Frieda Roblick, Ruth Schult. Eine Broschüre mit den Lebensgeschichten der Ermordeten liegt kostenlos im Garten der Frauen aus.
Gemeinschaftsgrabanlagen mini|Gemeinschaftsgrabanlage, August 2021