Alfred „Fred“ W. Breinersdorfer (* 6. Dezember 1946 in Mannheim) ist ein deutscher Drehbuchautor, Filmproduzent und Rechtsanwalt.

Leben Breinersdorfer studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Rechtswissenschaft und Soziologie.

Er schrieb Drehbücher, Kriminalromane, Theaterstücke und Hörspiele und ist als Produzent und Regisseur tätig. 2016 beendete Breinersdorfer seine Filmtrilogie über NS-Opfer mit Das Tagebuch der Anne Frank. Es folgten weitere Filme mit politischem Inhalt: 2022 Honecker und der Pastor, der das Kirchenasyl des Ehepaars Honecker in Lobetal zum Gegenstand hat und 2025 An einem Tag im September, in dem das historische Treffen von Konrad Adenauer mit Charles de Gaulle am 14. September 1958 in dessen Privathaus erzählt wird, bei dem die 250-jährige, grausame „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich beendet wurde.

Rechtsanwalt Breinersdorfer wurde am 14. Februar 1977 mit seiner Dissertation Gleichheit der Bildungschancen und staatliche Bildungsförderung in Deutschland vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Tübingen promoviert und praktizierte bis 1994. Breinersdorfer ist bis heute (Stand August 2026) als Rechtsanwalt zugelassen. Er gehörte zu den ersten Anwälten, die Studenten in vom Numerus clausus betroffene Studienfächer einklagte. Er publizierte dazu wissenschaftliche Fachartikel und Sachbücher. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen heute im Medien- und Urheberrecht.

Autor Im Jahr 1980 erschien sein erster Abel-Krimi bei Rowohlt: Reiche Kunden killt man nicht. Weitere Krimis, Romane, Kurzgeschichten und dramatische Werke folgten. Als Drehbuchautor debütierte er mit dem Zweierlei Blut – ein Film, in dem Schimanski nackt auf den Anstoßkreis des Wedaustadions gelegt wird. Mitautor war Felix Huby. Es folgten zahlreiche Spielfilme, meist Krimis. 1986 startete das ZDF mit Breinersdorfers Anwalt Abel eine lose Reihe von Spielfilmen mit Günther Maria Halmer in der Titelrolle. Auf diese Weise entstanden 20 Folgen bis zum Jahr 2000. Des Weiteren stammen inzwischen mehr als 20 Tatort-Produktionen aus seiner Feder. 2005/06 entwarf er zusammen mit seiner Tochter das neue Tatortformat Kappl und Deininger des Saarländischen Rundfunks. Auch die Bücher zu den ersten beiden Filmen stammen von ihm und Léonie-Claire Breinersdorfer.

2013 wurde in Hamburg und Berlin am Kurfürstendamm das Theaterstück Hilde Knef – Der Teufel und die Diva gespielt, das Breinersdorfer zusammen mit Katja Röder verfasste. Im Dezember 2013 startete er ein literarisches Experiment mit dem Politthriller BERLIN.classified über die düsteren Seiten der Berliner Politik, einer nur im Internet verfügbaren Romanserie, eng an der Dramaturgie amerikanischer TV-Serien angelehnt. Seit 2008 entwickelte Breinersdorfer, wieder mit seiner Tochter Léonie-Claire, den Kinofilm Elser – Er hätte die Welt verändert. Der von Oliver Hirschbiegel inszenierte Film erhielt, schon vor seiner Uraufführung außer Konkurrenz im Wettbewerb der 65. Berlinale, den Produzentenpreis beim Bayerischen Filmpreis. Das Drehbuch zum Film (englischer Titel „13 Minutes“) wurde 2017 in den Bestand der Margaret Herrick Library in Los Angeles aufgenommen, die seit 1928 für die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wichtige Dokumente der Filmgeschichte sammelt und ausstellt. Sein Projekt, einen Kinofilm über das Tagebuch von Anne Frank zu schreiben, löste Anfang 2014 eine öffentliche Kontroverse aus, weil das ZDF zum selben Zeitpunkt einen Zweiteiler plante – ohne die Verfilmungsrechte zu haben, anders als Breinersdorfers Produzenten.Sonja Álvarez, Joachim Huber: Wem gehört Anne Frank?. Am 14. Januar 2014 auf tagesspiegel.de, abgerufen am 7. Mai 2018 Die Dreharbeiten zu Das Tagebuch der Anne Frank unter der Regie von Hans Steinbichler fanden Anfang 2015 statt; der Film wurde am 16. Februar 2016 auf der Berlinale uraufgeführt und kam am 3. März 2016 in die Kinos.

Breinersdorfers Drehbücher wurden von Regisseuren wie Peter Schulze-Rohr, Nico Hofmann, Marc Rothemund, Michael Verhoeven, Rolf Schübel, Urs Egger, Markus Imboden, Jan Josef Liefers und anderen inszeniert, seine Rollen haben Schauspieler wie Bruno Ganz, Iris Berben, Suzanne von Borsody, Christian Redl, Eva Mattes, Axel Prahl, Julia Jentsch, Hannelore Elsner, Hannah Herzsprung, Burghart Klaußner, Ulrich Noethen, Martina Gedeck, Edgar Selge und viele andere verkörpert. Sein Debüt als Kino-Autor startete er 2005 mit Sophie Scholl – Die letzten Tage. Der Film wurde am 31. Januar 2006 für einen „Oscar“ in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. Theateradaptionen des Drehbuchs kamen u. a. in Salzburg, Cambridge, New York und Bonn auf die Bühne.

Der 2017 entstandene TV-Film Ein Kind wird gesucht, mit Katja Röder als Koautorin, feierte am 22. September 2017 im Rahmen des Festivals Tatort Eifel Premiere und wurde am 15. Dezember 2018 von ARTE vorab ausgestrahlt. Das ZDF und ARTE setzten die Reihe der Truecrime-Filme mit Heino Ferch als Ingo Thiel fort. Bisher wurden Die Spur der Mörder (2019) und Ein Mädchen wird vermisst (2021)Fred Breinersdorfer (Hrsg.): Ein Mädchen wird vermisst auf breinersdorfer.com. Abgerufen am 19. Juni 2026. und weitere Filme mit ähnlichem Zuschauererfolg ausgestrahlt. Die auf historischen Tatsachen beruhende ZDF/arte-Produktion Honecker und der Pastor lief im November 2022 auf der TeleVisonale (neuer Name für das Fernsehfestival der Akademie für Darstellende Künste) in Baden-Baden im Wettbewerb. Gleichzeitig drehte Breinersdorfer einen 60-minütigen Dokumentarfilm über die Recherchen zum Film. Seine Erste Komödie, die ZDF-Produktion Blackoth bei Wellmanns, wurde 2024 bei ARTE erstgesendet. Zu dem vom Leo Baeck Institute New York initiierten Projekt „Stolpertexte“, an dem mehrere Autoren mitwirkten, leistete Breinersdorfer einen Beitrag über den Stuttgarter Musikpädagogen Karl Adler.

An einem Tag im September erzählt die Geschichte der Beendigung der 250-jährigen „Erbfeindschaft“ durch de Gaulle und Adenauer. 2026 erschien das Hörbuch nach einem Originaltext von Breinersdorfer Im Tal der stillen Stimmen bei audible u. a. Der Roman erzählt die Suche einer jungen dunkelhäutigen Frau aus Berlin nach ihrem scheinbar verschollenen Vater, dessen Erbe sie antreten soll.

Produzent Breinersdorfer gründete mit dem Regisseur Marc Rothemund die Produktionsfirma Broth Film, um den Kinofilm Sophie Scholl – Die letzten Tage in Koproduktion mit der Münchener Goldkind Film herauszubringen. Nach der Uraufführung im Wettbewerb der 55. Berlinale 2005, kam der Film am 22. Februar desselben Jahres in die Kinos. Neben seinen mit Siggi Kamml gedrehten Kurzfilmen Sommersonntag und As Time Goes Bye produzierte und koproduzierte Breinersdorfer verschiedene Kino- und Fernsehfilme, darunter Hilde, der auf der 59. Berlinale Uraufführung hatte, Der Mann der über Autos sprang und den Fernsehfilm Der verlorene Sohn. Auf der 65. Berlinale hatte sein jüngster Kinofilm, Elser – Er hätte die Welt verändert, den er mit den Münchener Produzenten Oliver Schündler und Boris Ausserer produzierte, Welturaufführung.

Regisseur 2007 erfolgte Breinersdorfers Regiedebüt mit dem Kurzfilm Sommersonntag zusammen mit Sigi Kamml. Ebenfalls 2007 verfilmte er den Roman Eden Plaza von Dagmar Leupold unter dem Titel Zwischen heute und morgen mit Peter Lohmeyer und Gesine Cukrowski für das Kino. Sein Dokumentarfilm Andula – Besuch in einem anderen Leben mit Hannah Herzsprung, der das grausame Schicksal der tschechischen Schauspielerin Anna Letenská während der Nazizeit behandelt, kam im Herbst 2009 in die Kinos. Von 2018 bis 2020 begleitete Fred Breinersdorfer den Regisseur des gemeinsamen Films „Honecker und der Pastor“ Jan Josef Liefers bei den Recherchen für Drehbuch und Inszenierung mit einem Kamerateam. Aus dem umfangreichen Material ist eine Begleitdokumentation zum Spielfilm entstanden. (Buch und Regie Fred Breinersdorfer)

Verleger Weil kein Verlag Breinersdorfers Manuskript Der Hammermörder drucken wollte, entschloss er sich 1986, einen Verlag (Factor:Verlag:Stuttgart) zu gründen, zunächst als Selbstverlag, um den Roman herauszubringen. Nachdem Der Spiegel ausführlich über den Fall und den Roman berichtet hatte, wurde das Buch ein Erfolg und später verfilmt. Um sich auf den Beruf als Autor konzentrieren zu können, stellte Breinersdorfer seine Verlegertätigkeit 1994 ein.

Auszeichnungen Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg verlieh ihm am 28. April 2012 den „Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg für hervorragende Verdienste“.Gabriele Renz: Landesverdienstorden für Sven Hannawald und Bülent Ceylan. In: suedkurier.de, 27. April 2012, abgerufen am 7. Mai 2018 (Paywall) Im Jahr 2014 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

1985: Walter-Serner-Preis für Pack schlägt sich 1994: Goldener Gong (Buch) mit Peter Schulze-Rohr (Regie) für Der Mann mit der Maske 1997: Nominierung für den Adolf-Grimme-Preis für die Idee zur Figur Jean Abel und Günther Maria Halmer als Darsteller der Figur (ZDF) 2003: Adolf-Grimme-Preis mit Gold für das Drehbuch zu Die Hoffnung stirbt zuletzt (zusammen mit Marc Rothemund, Anneke Kim Sarnau und Axel Prahl) 2003: ver.di-Fernsehpreis für das Drehbuch zu Die Hoffnung stirbt zuletzt 2005: Deutscher Filmpreis für Sophie Scholl – Die letzten Tage (Publikumspreis und Bester Film) 2005: Nominierung zum Deutschen Filmpreis Deutscher Filmpreis für Sophie Scholl – Die letzten Tage (Drehbuch) 2005: Nominierung zum Europäischen Filmpreis Europäischer Filmpreis für Sophie Scholl – Die letzten Tage (Bester Film) 2006: Jupiter für Sophie Scholl – Die letzten Tage (Bester Film) 2005: Bayerischer Filmpreis für Sophie Scholl – Die letzten Tage, Produzentenpreis 2006: Nominierung zum Oscar für Sophie Scholl – Die letzten Tage (Bester fremdsprachiger Film) 2008: Ostfriesischer Kurzfilmpreis (mit Sigi Kamml) für beste Regie, Kurzfilm Sommersonntag 2008: Murnau-Kurzfilmpreis (mit Sigi Kamml) Kurzfilm Sommersonntag 2010: Bernd Burgemeister Fernsehpreis (mit Oliver Berben) für beste Produktion, Der verlorene Sohn 2012: Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg für besondere Verdienste 2014: Bundesverdienstkreuz am Bande 2015: Bayerischer Filmpreis für Elser – Er hätte die Welt verändert, Produzentenpreis 2015: Deutscher Schauspielerpreis Ehrenpreis für Inspiration 2015: Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke für Elser – Er hätte die Welt verändert 2018 Deutsches Fernsehkrimipreis, Publikumspreis und bester Darsteller (Heino Ferch) für Ein Kind wird gesucht 2023 Nominierung zum Grimme-Preis mit Honecker und der Pastor 2023 Nominierung für Honecker und der Pastor zum Jupiter Publikumspreis (bester Film) 2025 Prix Europa, Besondere Anerkennung für An einem Tag im September 2025 Günter Rohrbach Preis, Shortlist, An einem Tag im September 2026 New York Festivals, TV&Film Awards, Shortlist, A Day in September

Privatleben Breinersdorfer hat zwei Kinder, darunter die Drehbuchautorin Léonie-Claire Breinersdorfer. Er ist mit Katja Röder verheiratet und lebt in Berlin.

Werke (Auswahl) Theaterstücke Die Nacht davor, Uraufführung 16. April 1993, Staatstheater Braunschweig Der Hammermörder, Uraufführung 6. Oktober 1993, Württembergische Landesbühne Esslingen mit Betty Hensel: Sophie Scholl, die letzten Tage, Uraufführung 22. Februar 2008, Schauspielhaus Salzburg mit Charlie Perham: Sophie Scholl, Uraufführung 16. Oktober 2012, ADC Theatre Cambridge Der Teufel und die Diva, Koautorin Katja Röder, Uraufführung 7. März 2013, Ernst Deutsch Theater, Hamburg mit Christian Arin: Sophie Scholl, Teateri Jönjöping, schwedische Version, Uraufführung 26. September 2014 mit Betty Hensel: Sophie Scholl, The Final Days, Medicine Show Theatre, New York City, August 2019 mit Jens Heuwinkel: Die Weiße Rose – die letzten Tage der Sophie Scholl, Junges Theater Bonn, UA als Stream Oktober 2021

Hörspiele 1993: Wenn Wagner zahlt, SDR