Mit ihrer Gründung 1949 in London ist die International Pharmaceutical Students’ Federation (IPSF, dt. Internationale Vereinigung der Pharmaziestudierenden) eine der weltweit ältesten, international ehrenamtlich agierende Studentenorganisationen. IPSF ist die größte internationale Interessenvertretung für Pharmaziestudierende mit dem Ziel der Weiterbildung, Vernetzung, Publikationen und Kampagnen. Heute vertritt die Vereinigung über 350.000 Studenten und junge Absolventen aus über 84 Ländern.
Geschichte Die Idee zur Gründung kam 1948 von dem damaligen Sekretär der British Pharmaceutical Students’ Association (BPSA, dt. Britischer Verband der Pharmaziestudierenden), Stephen B. Challen während deren 6. Jahreskongresses. Die Vereinigung wurde am 25. August 1949 mit der Annahme und Unterzeichnung der Satzung während der Eröffnungskonferenz in London gegründet. Am selben Tag wurde Sidney J. Relph zum ersten Präsidenten von IPSF gewählt, zusammen mit 4 weiteren Vorstandsmitgliedern. Die 8 Gründungsstaaten sind Österreich, Australien, Dänemark (die auch Finnland, Norwegen und Schweden vertraten), Island, Irland, Niederlande, Schweiz und das Vereinigte Königreich.
Ziele Aufbau eines dauerhaften Kontakts mit den nationalen Verbänden der Pharmaziestudierenden; Förderung des Ideenaustausches durch internationale Kooperation und Unterstützung der in Erweiterung wissenschaftlicher Kenntnisse und von beruflichen Fachwissen; Förderung von Gründung und Entwicklung von nationalen pharmazeutischen Studentenorganisationen ohne dabei ihren Geltungsbereich zu übertreten; Sammeln von Meinungen und Informationen zum Thema Ausbildung und Erarbeitung von Verbesserungsvorschlägen, mit dem Ziel der Vereinheitlichung der pharmazeutischen Ausbildung weltweit; Ermutigung der Mitgliedsverbände jährlich internationale pharmazeutische Kongresse zu organisieren; Förderung und Unterstützung internationaler Besuche und Austausche von Studierenden; Veröffentlichung des IPSF News Bulletin (dt. Nachrichtenblatt) als Presseorgan; Zusammenarbeit mit anderen internationalen Verbänden auf wissenschaftlicher und kultureller Ebene und im Bildungsbereich
Struktur Mitgliedschaft IPSF hat sowohl studentische Verbände als auch einzelne Personen als Mitglieder, sogenannte Individual Members (IM). Verbände mit Vollmitgliedschaft (engl. Full Members, FM) bilden die Mehrheit der Pharmaziestudierenden eines Landes und besitzen Stimmrecht in der Generalversammlung. Außerordentliche Mitglieder (engl. Members in Association, MiA) dürfen sich in Gespräche während der Generalversammlung einbringen, haben aber kein aktives Stimmrecht. Jede Mitgliedsorganisation bestimmt eine Kontaktperson (engl. Contact Person, CP), die das Bindeglied zwischen IPSF und den Mitgliedern des Verbands ist. Pharmaziestudierende und Graduierte (bis zu vier Jahre nach ihrem Abschluss) können Individual Member werden. Individuelle Mitglieder bekommen regelmäßig Neuigkeiten von IPSF, sind aber nicht berechtigt während der Generalversammlung abzustimmen. Freunde der Vereinigung (engl. Friends of Federation, FoF) sind Unterstützer.
Generalversammlung Die Generalversammlung trifft sich einmal im Jahr, um alle Angelegenheiten und Pläne der Vereinigung zu besprechen, Berichte einzusehen und den Vorstand zu wählen.
Vorstand und Unterkomitees Der Vorstand besteht aus zehn gewählten Mitgliedern: Präsident, Generalsekretär, Schatzmeister, Vorsitzender für öffentliche Gesundheit, Vorsitzender für Ausbildung, Vorsitzender für berufliche Weiterbildung, Vorsitzender für interne Beziehungen, Vorsitzender für auswärtige Beziehungen, Vorsitzender für Medien und Veröffentlichungen und Vorsitzender des Studentenaustauschprogrammes. Der Vorstand umfasst auch kooptierte Mitglieder wie den Vorsitzenden des Empfangskomitees des jährlichen Kongresses (engl. Reception Committee) und die Vorsitzende der Regionalbüros. Alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich, wobei ein Mitglied des Vorstandes dauerhaft als Permanent Officer in Den Haag arbeitet. IPSF verfügt über Unterkomitees um die Arbeit des Vorstandes zu unterstützen und zu überwachen. Mitglieder können sich bei der Generalversammlung selbst für die Unterkomitees vorschlagen.
Regionalbüros (Regional Offices) Das Regionalbüro ist eine funktionale Erweiterung des Vorstands, dessen Zweck darin besteht, die Ziele des Verbandes auf lokaler Ebene umzusetzen und zu unterstützen. Es wird von Studierenden aus IPSF-Mitgliedsländern einer bestimmten Region geleitet. Diese gewählten Mitglieder bilden so die regionale Arbeitsgruppe. Afrikanisches Regionalbüro (African Regional Office, AfRO) – 2008 gegründet Asiatisch-pazifisches Regionalbüro (Asia Pacific Regional Office, APRO) – 1999 gegründet Regionalbüro der östlichen Mittelmeerregion (Eastern Mediterranean Regional Office, EMRO) – 2008 gegründet Panamerikanisches Regionalbüro (Pan American Regional Office, PARO) – 1999 gegründet Europäisches Regionalbüro (European Regional Office, EuRO) – 2013
Jährliche Kongresse
Projekte Öffentliche Gesundheit (Public Health) Aktionen von IPSF finden hauptsächlich in den Bereichen öffentliche Gesundheit, pharmazeutische Ausbildung und berufliche Weiterbildung statt. Das beinhaltet Gesundheitskampagnen, Recherchen von Problemstellungen in der pharmazeutischen Ausbildung, das Student Exchange Programme (dt. Studentenaustauschprogramm), internationale und regionale Kongresse und Organisation von Symposien, sowie die Herausgabe der News Bulletin (dt. Nachrichtenblatt) und das wissenschaftliche Feuilleton Phuture. Öffentliche Gesundheit ist von weltweiter Relevanz. Daher ist IPSF bestrebt, dass seine Mitgliedsverbände sich an Aktivitäten beteiligen, die sich positiv auf die Gesundheit und die Kenntnisse im Gesundheitsbereich in ihren Heimatländern und -orten auswirken. Die Vereinigung spielt eine aktive Rolle in der Förderung und Umsetzung solcher Aktionen, wobei ihre Arbeit rege durch die Zusammenarbeit mit der WHO unterstützt wird.
Gesundheitskampagnen (Public Health Campaigns) Zurzeit unterstützt IPSF vier internationale Gesundheitskampagnen, die in Zusammenarbeit mit der WHO beworben werben. IPSF erleichtert die Verteilung des WHO-Materials an Mitgliedsverbände, um es ihnen zu ermöglichen Aktivitäten der öffentlichen Gesundheit auf nationaler und lokaler Ebene umzusetzen.
HIV/AIDS-Aufklärungskampagne mini|HIV/AIDS Campaign Logo Die HIV/AIDS-Aufklärungskampagne gehört zu den ältesten Kampagnen von IPSF. Der Inhalt der Kampagne entwickelt sich ständig weiter um den Anforderungen aller Mitgliedsländer nachzukommen. Ursprünglich lag das Ziel der Kampagne darin, dass Bewusstsein für die Krankheit zu erhöhen und für Prävention zu werben. Heute liegt der Fokus auf der Aufklärung von Gesundheitsberuflern und der Öffentlichkeit im Hinblick auf die Diskriminierung und Stigmatisierung, die im Zusammenhang mit der Krankheit besteht. Der Einsatz für einen universellen Zugang zu antiretroviraler Behandlung ist ebenfalls eine neue Richtung der Kampagne.
Tabak-Alarm-Kampagne Diese Kampagne soll über die Gefahren des Rauchens und die tödlichen Folgen des Tabakkonsums aufzuklären. Basierend auf dem WHO Code of Practice on Tobacco Control for Health Professional Organisations (dt. Kodex zur Vorgehensweise für die Eindämmung des Tabakkonsums für Gesundheitsorganisationen) hat IPSF einen Code of Practice on Tobacco Control entwickelt, der die Mitgliedsverbände ermutigen sollen eine aktivere Rolle in der Förderung einer rauchfreien Welt einzunehmen und einen gesunden Lebensstil vorzuleben. Die Tabak-Alarm-Kampagne hat sich zu einer der populärsten Kampagnen IPSFs entwickelt. Viele Kampagnen, die auf ein jüngeres Publikum abzielen (z. B. Schüler), haben zusätzlich dazu beigetragen, dass IPSF Mitglieder üben konnten, Gesundheitsthemen erfolgreich verschiedenen Zielgruppen zu vermitteln und die Initiative zu nutzen, um wirkungsvolle und informative Präsentationen zu erarbeiten.
Tuberkulosekampagne mini|IPSF Anti-TB Campaign Logo Im Mai 2004 wurde IPSF die erste professionelle Organisation, welche Apotheker oder Pharmaziestudierende vertrat, die beim „WHO Stop TB Partnership“ aufgenommen wurde. Ebenfalls wurde eine gemeinsame Erklärung von IPSF und dem pharmazeutischen Verband des Commonwealth (engl. Commonwealth Pharmaceutical Association, CPA) herausgegeben mit dem Titel Partnerschaften – Schlüssel zur Verbesserung der gesundheitlichen Lage für Tuberkulose / HIV-Patienten. Daraufhin wurde der globale Plan Stop TB 2006–2015: Aktionen fürs Leben – für eine Welt ohne Tuberkulose auf den Weg gebracht. Dieses Bestreben gab IPSF viele Möglichkeiten sich in Diskussionsgruppen und Foren im Zusammenhang mit der Behandlung und Prävention von Tuberkulose (TB) zu beteiligen. TB ist eine Krankheit die viele Länder weltweit betrifft, deshalb werden die Mitglieder ermutigt und unterstützt mit pharmazeutischen oder nicht-pharmazeutischen Einrichtungen in ihrem Land zusammenzuarbeiten, um als interdisziplinäres Team gemeinsam den Plan Stop TB und den Welttuberkulosetag durch Aufklärungsmaßnahmen umzusetzen. So können Pharmaziestudierende durch die Arbeit ihrer Kollegen geschult werden. Das TB Internetforum für Apotheker und Pharmaziestudierende, www.pharmacistsfighttb.org, wird gemeinschaftlich von IPSF und CPA betreut. IPSF, CPA und der indische Pharmazeutenverband verwirklichten das TB Faktenprojekt, bei dem Apotheker aus Mumbai, Indien eine aktive Rolle in der Vorbeugung und Behandlung von TB einnahmen, indem sie Patienten über die Krankheit aufklärten und intensive Beratungsgespräche führten.
Gesund Leben und Diabetes-Kampagne Die Gesund Leben und Diabetes-Kampagne (engl. Healthy Living and Diabetes Campaign) begann im August 2005 und gehört zu den neueren Kampagnen von IPSF. Dabei soll das Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise und die Behandlung von Diabetes geschaffen und für eine vorbeugende statt reaktive Gesundheitsförderung geworben werden. Die Ziele beinhalten außerdem Pharmaziestudierenden die Motivation und Übung in interdisziplinärer Zusammenarbeit zu vermitteln, indem Veranstaltungen und Kampagnen geplant werden. Gesunde Lebensführung und Diabetes wird in den kommenden Jahren einen der Schwerpunkte der Vereinigung bilden. Inhaltlich soll das Bewusstsein von Gesundheitsberuflern und der Öffentlichkeit für Vorbeugung und Pflege dieser chronischen Krankheitwecken.
Weltgesundheitstag mini|World Health Day Logo Der Verband unterstützt jedes Jahr den Weltgesundheitstag, wobei immer ein neues Thema bzw. Motto festgelegt wird. Ziel ist es dabei, dieses Gesundheitsproblem ins Bewusstsein der Pharmaziestudierenden und Apotheker zu rücken, wobei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit angestrebt wird.
Kampagne gegen gefälschte Medikamente Die Kampagne gegen gefälschte Medikamente, die im August 2007 gestartet wurde, ist eine der neusten IPSF Kampagnen. Diese Kampagne ist die Erste gegen gefälschte Medikamente die sich an Studierende im Gesundheitsbereich richtet. Das Hauptziel des Projektes ist es, das allgemeine Bewusstsein angehender Gesundheitsberufler für die Risiken im Zusammenhang mit gefälschten und minderwertigen Arzneimitteln zu erhöhen. Gefälschte und minderwertige Medikamente sind ein ernsthaftes und wachsendes Problem der öffentlichen Gesundheit. Gefälschte Arzneimittel sind vorsätzlich und in betrügerischer Absicht hinsichtlich ihrer Identität und/oder Herkunft falsch gekennzeichnet. Der Begriff „Fälschung“ kann sich sowohl auf Markenprodukte als auch auf Generika beziehen, wobei gefälschte Produkte u. a. Produkte sind, welche falschen Inhaltsstoffe haben, keine aktiven Inhaltsstoffe haben, die falsche Menge an aktiven Inhaltsstoffen haben oder deren Verpackung gefälscht ist. Allerdings imitiert das gefälschte Arzneimittel in der Regel das Original, nicht die Generika.