mini|Informationstafel zum Aufbau eines Hügelgrabes mini|Bazina mit drei kleinen Grabkammern bei Taouz, Marokko mini|Kasta-Grab in Amphipolis
Ein Hügelgrab oder ein Grabhügel (, Plural ; ) ist eine gestreckte, runde oder ovale Erdaufschüttung. Darin befinden sich Grablegen oder andere Vorzeitmonumente. Bei den Gräbern kann es sich um Körperbestattungen (ggf. im Baumsarg), Urnengräber oder ausgestreuten Leichenbrand handeln. Die Hügel können Einbauten haben, zum Beispiel aus konzentrischen Kreisen, Gebäuden (Grabhügel von Trappendal), steinernen Grabkammern oder Steinkisten.
Steinerne Hügel heißen auf Englisch Barrows, auf Französisch Tumuli de pierres und in Dänemark Gravrøser. Die prähistorischen Hügelgräber Nordamerikas werden als Mounds, die für den Osten Niedersachsens charakteristischen Hügelgräber als Buckelgräber bezeichnet.
Abgrenzung Keine Grabhügel im Sinne dieses Artikels sind Cairns und Rösen. Eine Bezeichnung für einen künstlichen Hügel ist auch Leeberg (oder lautliche Varianten davon), ein solcher muss aber kein Grab beinhalten.
Verbreitung Grabhügel können weder zeitlich noch regional eingegrenzt werden: In Europa gab es sie regional beinahe durchgängig ab der Stein- über die Bronze- bis in die Eisenzeit, zum Beispiel bei den Kelten in der späten Hallstatt- und frühen Latènezeit, und schließlich das Mittelalter – auch Schriftkulturen kannten Grabhügel. Die Griechen warfen in der Antike für ihre Helden ebenso Grabhügel auf wie die Etrusker und die Römer. Im Mittelmeerraum wurden sie tumuli genannt, in Osteuropa Kurgane.
In Eurasien gibt es Hügelgräber in zahlreichen Ländern und Kulturen: Die größten Grabhügel sind wohl die Hügel über den Gräbern der frühen chinesischen Kaiser. Sie enthalten riesige unterirdische Grabanlagen. Die bekannteste ist das Mausoleum Qin Shihuangdis.
Vor der Ankunft des Christoph Kolumbus waren auch bei vielen Ureinwohnern Amerikas Hügelgräber üblich.
Grabhügel im Landschaftsbild Grabhügel haben Höhen von 1 m bis über 30 m oder mehr, abhängig von Tradition und Bedeutung der begrabenen Person. Allein in Dänemark sind 11.054 große (zumeist in Jütland) und 8846 kleine Grabhügel aus unterschiedlichen Zeiten erhalten. Ähnliche Zahlen sind auch für Norddeutschland sowohl an der Ostsee- als auch an der Nordseeküste belegbar. So sind zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern 4978 Einzelhügelgräber sowie 81 Hügelgräberfelder mit ca. 1274 Grabhügeln registriert.Liste der obertägigen Bodendenkmale in Mecklenburg-Vorpommern Die niedrigen Hügel liegen oft auf Gräberfeldern wie die Mansenberge, die Männige Berge im Emsland oder das Pestruper Gräberfeld in der Wildeshauser Geest. Die älteren Hügel nahmen (teilweise durch mehrfache Überbauung) an Höhe zu, bis ihre Bedeutung schließlich vergessen wurde. Solche mächtigen Hügel beeinflussten das Landschaftsbild jahrhundertelang, bis sie durch Wind, Wellen oder Bearbeitung wieder abgetragen wurden.
Dies hat die Norddeutsche Tiefebene von den Niederlanden bis zur Weichselmündung einschließlich Dänemark und Südschweden damals stark geprägt, da in einigen Gegenden mehr als 4000 Jahre Hügelgräber errichtet wurden. Auch in Großbritannien dürfte es diesen Effekt an einigen Orten gegeben haben. Die Landschaften Nordeuropas dürften durch Dolmen, Menhire, Kreisgrabenanlagen und Hügelgräber zur Bronze- und Eisenzeit vermutlich äußerst beeindruckend ausgesehen und die Fantasie der Menschen beflügelt haben. Ähnliche, das Bild der Landschaft beeinflussende Effekte kann man an einigen Stellen noch sehen, wo viel später Skythen und Saken ihre Grabhügel anlegten. Manche dieser Gegenden werden poetisch als „Tal der Könige“ bezeichnet.
Erst durch das intensive Pflügen der Äcker in Europa wurden die meisten dieser Grabhügel wieder eingeebnet. Einige fielen auch der Küstenerosion zum Opfer, andere wurden von Grabräubern beschädigt oder ganz abgetragen. Noch heute befinden sich im Antiquitätenhandel und in Museumsmagazinen zahlreiche Gegenstände, die aus Hügelgräbern stammen. Insbesondere in Osteuropa, zum Beispiel im Land der Daker und Thraker, aber auch in Russland ist das ein unschätzbarer Verlust. So tauchten zum Beispiel während des Kosovo-Krieges zahlreiche Kunstgegenstände auf, die auf Grabraub schließen lassen. Das zum Teil fehlende Wissen verleitet sehr schnell dazu, nur nach Westeuropa zu schauen. In Deutschland verschwanden zum Beispiel viele Grabhügel oder ihre Reste in Unkenntnis ihrer Bedeutung erst in den letzten 200 Jahren, als die preußischen Könige den Ackerbau massiv förderten. Auch in Deutschland verleitet die heute fehlende Sichtbarkeit dazu, die Menge an Grabhügeln massiv zu unterschätzen. Erst durch die Luftbildarchäologie wurden und werden viele dieser Strukturen nach und nach wieder neu entdeckt. Die große Anzahl an Gräbern verschiedener Kulturen zum Ende des Neolithikums und am Anfang der Bronzezeit im Raum Mitteldeutschland/Norddeutsche Tiefebene sind deutliche Indizien dafür, dass diese Sichtweise überdacht werden muss. Deutsche und skandinavische Wissenschaftler sind derzeit intensiv darum bemüht, das Phänomen der Hügelgräber greifbar zu machen.
Zeitstellung Hügelgräber wurden in vielen Epochen errichtet, in Europa vom Beginn der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter. Die ältesten Aufschüttungen an Megalithanlagen sind an der atlantischen Küste Iberiens zu finden. Die Einhegungen vom Typ Passy in Frankreich stammen aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. und gehören meist zur Cerny-Kultur und zur La-Hoguette-Kultur. Die Anlagen vom Niedźwiedź-Typ und vom Typ „Konens Høj“ (Frauenhügel – benannt nach einem Fundort) sind die ältesten in Nordmitteleuropa und stammen von den Trägern der Trichterbecherkultur (TBK). Zuschüttungen durch Erde wurden bereits während der Einwanderung der Linearbandkeramiker für verschiedene Kreisgrabenanlagen beobachtet und stellen rituell möglicherweise auch eine Beerdigung dar. Kulturübergreifend ist nicht nur das Hügelgrab, sondern auch die Kreisgrabenanlage sowie megalithische Formen.
Die küstennahen Grabhügel Nordafrikas sind überwiegend Tumuli der Phönizier und datieren in die Eisenzeit. Der Kurgan ist ebenfalls ein Hügelgrab, nur wird er traditionell mit der Steppe und Asien verbunden. Kurgankulturen sind also Hügelgrabkulturen. Die Unterscheidung zwischen Grabhügel und Kurgan ist eine moderne Sichtweise. Wesentlich für die Einordnung ist die Unterscheidung, ob es sich um Einzelgräber (ggf. auch mit Gefolge) oder um Gruppengräber handelt. Die frühen Grabhügel des 5. Jahrtausends sind fast alle noch Gruppengräber, so dass die Form noch nicht unbedingt rund war. Zudem experimentierte man mit verschiedenen Formen, Aufbau und Materialien und kombinierte Erde, Grassoden, Holz oder Steine. Wahrscheinlich war die Kreisform nie ausschlaggebend, sondern einfach das Ergebnis der Aufschüttung. Zahlenmäßig vorherrschend sind die Hügel des Endneolithikums, der Bronze- und der frühen Eisenzeit.
Neolithikum In Mittel- und Nordeuropa war die Bestattung unter dem Erdhügel abgesehen von denen der Frühphase der TBK für die späte Einzelgrabkultur, die schnurkeramische oder bzw. Streitaxtkultur und Kugelamphoren-Kultur typisch, kam aber auch in der Baden-Boleraz-Kultur vor.
Bronzezeit In der frühen Bronzezeit sind Grabhügel die typische Bestattungsform für die Eliten der Aunjetitzer Kultur (etwa 2300 v. Chr. – 1600/1500 v. Chr.). Es wurden jährlich 100 bis 150 Grabhügel errichtet. Herausragende Beispiele in Deutschland sind der Bornhöck bei Raßnitz, das Fürstengrab von Leubingen und das Fürstengrab von Helmsdorf. Aus Dänemark sind etwa 60.000 Grabhügel bekannt, von denen aber nur etwa 25 Prozent erhalten sind.
Es folgten die Hügel der Hügelgräberkultur in der mittleren Bronzezeit. Die Hügelgräberkultur fasst verschiedene lokale Kulturgruppen der Bronzezeit vom Karpatenbecken bis zum Rheinland zusammen, bei denen Grabhügel üblich waren. In Norddeutschland sind bronze- oder eisenzeitliche Grabhügel mit doppeltem Kreisgraben, oder als Grabhügel mit Schlüssellochgraben umschlossen, wie das Gräberfeld Plaggenschale bei Osnabrück. Die Grabhügel im Wald von Bremlevænge auf Langeland sind mit einfachem oder doppeltem Steinkränzen gefasst.
Einige Grabhügel sind auch in Anatolien belegt. Daneben gehören die Kurgangrabhügel der Maikop-Kultur in diese Zeit, wobei die Maikop-Kultur bereits eine Kultur der Arsenbronze war, also in Bezug auf Metall viel weiter entwickelt war. Der größte Grabhügel der Bronzezeit in Norddeutschland ist der Dobberworth bei Sagard auf der Insel Rügen mit einer Höhe von 15 Metern einem Durchmesser von 40 Metern und einem Volumen von 22.000 m³.
Eisenzeit In der frühen Eisenzeit (Hallstattzeit) gibt es Hügelgräber wie am Magdalenenberg bei Villingen-Schwenningen aus der Stufe Hallstatt D1, dendrochronologisch datiert am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. Das oben abgebildete Grab von Hochdorf an der Enz stammt ebenfalls aus der Hallstattzeit (HaD1). Der Grabhügel 1 von Eichlehen im Frankfurter Stadtwald barg über 20 Gräber der Stufen Bronzezeit B bis Hallstatt D. Auch das frühkeltische Fürstengrab von Nagold und das keltische Fürstengrab von Glauberg zählen zu den beeindruckenden Grabhügeln jener Zeit. Bedeutende Tumuli gab es bei den Mykenern. So wurde zum Beispiel der Vater von Alexander dem Großen Philipp II. von Makedonien in einem mächtigen Tumulus begraben. Ähnliche beeindruckende Grabhügel findet man auch bei den Karthagern in Nordafrika. Mengen von Grabhügeln sind auch im Gebiet des unteren Don, Dnepr und Kuban, sowie bei Kertsch auf der Krimhalbinsel zu finden, die sowohl von Bolgaren, von Germanen (überwiegend wohl Goten), Kimmerern und vermutlich auch Alanen stammen. Diese Grabhügel sind bestenfalls durch Datierung zuzuordnen. Auffällig sind hierbei auch Grabbeigaben, die einem griechisch-skythischen Stil entsprechen und die Verschmelzung mit den Griechen am Pontus dokumentieren. Auch im Nordosten Österreichs, dem Weinviertel, befinden sich einige Grabhügel, von denen allerdings nicht mehr alle erhalten sind. Der auffälligste ist der oben abgebildete Tumulus von Großmugl mit 14 Metern Höhe. Dieser ist unerschlossen, erste Grabungen bei anderen Tumuli fanden aber schon in den 1870er-Jahren statt.
Römische Kaiserzeit Auf dem Gipfel des Nemrut Dağı in der heutigen Türkei wurde von dem späthellenistischen König Antiochos I. Theos (69–36 v. Chr.) eine monumentale Kombination aus Heiligtum und Hügelgrab mit einer Gesamthöhe von ca. 45 m errichtet.
Hügelgräber gab es auch noch in der späten römischen Kaiserzeit. In den Provinzen wurden diese Begräbnissitte von der lokalen Bevölkerung unter römischer Herrschaft teilweise weitergeführt – ein Beispiel sind die norisch-pannonischen Hügelgräber im Wienerwald (Gemeinden Altlengbach und Asperhofen, aber auch in Wien-HütteldorfDatenblatt des Kulturportals der Stadt Wien).
Frühmittelalter Im Frühmittelalter lebte die Sitte gebietsweise fort, in England zum Beispiel in Sutton Hoo. Für das Frühmittelalter sind für Skandinavien die wikingerzeitlichen, über einem Schiff aufgeworfenen Hügel (Schiffsgrab in Gokstad oder von Oseberg), sowie die Grabhügel vom dänischen Jelling und von Ladby mit dem Ladbyschiff bei Odense bekannt. Für die angelsächsischen Kulturen ist das Königsgrab von Sutton Hoo ein eindrucksvolles Beispiel.Torsten Capelle: Hügelgrab. In: RGA 2, Band 15, S. 179–181. Daneben finden sich noch Beispiele bei den Rus und Sarmaten. Auf einigen Grabhügeln wurden auch Menhire aufgestellt.
In Mecklenburg-Vorpommern sind 132 Einzelgrabhügel und 5 Hügelgräberfelder aus der Slawenzeit (600–1200) bekannt, wobei ein Gräberfeld bei Ralswiek auf Rügen alleine über 400 Hügelgräber aus dieser Zeit aufweist.Liste der obertägigen Bodendenkmale in Mecklenburg-Vorpommern
Neuzeit Die Grabhügelsitte endete erst mit der Christianisierung der Wikinger etwa 1050 n. Chr. und der Christianisierung des Baltikums. Im Fürst-Pückler-Park Branitz in Cottbus befindet sich ein Tumulus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.