Die DDR-Oberliga 1968/69 war die 20. Auflage der höchsten Spielklasse der DDR. Meister wurde zum sechsten Mal der FC Vorwärts Berlin. Die Saison begann am 17. August 1968 und endete am 17. Mai 1969.
Saisonverlauf Die Meisterschaftsentscheidung fiel am letzten Spieltag zwischen Vorwärts (Erster mit 32 Punkten und +18 Toren), Magdeburg (Zweiter, 31, +3) und dem Titelverteidiger Jena (Dritter, 30, +18). Durch einen 2:1-Sieg beim Stadtrivalen Dynamo sicherte sich Vorwärts den sechsten (und letzten) Titel der Vereinsgeschichte. Jena wurde noch Zweiter und Magdeburg wie im Vorjahr Dritter. Lange Zeit am aussichtsreichsten im Titelrennen lag aber der FC Hansa Rostock, der an den meisten Spieltagen die Tabelle anführte und am Ende aufgrund seiner schlechten Rückrunde (zweitschlechteste Mannschaft) nur Vierter wurde.
Die Entscheidung um den Abstieg fiel ebenfalls am letzten Spieltag zwischen drei Mannschaften. Der Oberliga-Debütant Stahl Riesa hatte dabei den Vorteil, einen bzw. zwei Punkte vor den Verfolgern Union Berlin und Lokomotive Leipzig zu liegen, die allerdings noch gegeneinander antraten. Mit einem Sieg bei Wismut Aue sicherte sich überraschend Riesa die Klasse, während mit Union der Pokalsieger des Vorjahres und mit Leipzig eine der Spitzenmannschaften der letzten fünf Jahre abstiegen.
Abschlusstabelle rechts mini|Der 1. FC Lokomotive Leipzig stieg überraschend ab.
(M) Meister der letzten Saison (P) Pokalsieger der letzten Saison (N) Aufsteiger der letzten Saison Aufsteiger aus der DDR-Liga 1968/69: BSG Stahl Eisenhüttenstadt, SG Dynamo Dresden
Kreuztabelle Die Kreuztabelle stellt die Ergebnisse aller Spiele dieser Saison dar. Die Heimmannschaft ist in der linken Spalte aufgelistet und die Gastmannschaft in der obersten Reihe.
1968/69 22px|FC Vorwärts Berlin 22px|FC Carl Zeiss Jena 22px|1. FC Magdeburg 22px|F.C. Hansa Rostock 22px|BSG Sachsenring Zwickau 20px|BSG Chemie Leipzig 22px|FC Karl-Marx-Stadt 18px|FC Rot-Weiß Erfurt 22px|BSG Wismut Aue 22px|Hallescher FC Chemie 22px|BSG Stahl Riesa 25px|1. FC Union Berlin 22px|1. FC Lokomotive Leipzig 1. FC Vorwärts Berlin 1:0 0:0 3:1 1:0 3:1 5:1 5:0 2:1 2:1 1:1 6:1 2:0 3:0 2. FC Carl Zeiss Jena 2:0 3:1 3:0 0:1 2:2 2:0 1:0 1:0 4:0 3:2 3:0 6:0 3:0 3. 1. FC Magdeburg 4:3 0:0 1:1 2:0 3:1 3:1 1:2 3:2 4:1 2:1 3:1 2:1 2:0 4. FC Hansa Rostock 3:1 4:1 0:1 0:1 2:2 1:2 1:1 3:1 1:0 1:1 1:0 1:1 5:0 5. BSG Sachsenring Zwickau 1:0 0:0 0:0 1:0 0:0 0:1 1:0 2:0 1:2 0:0 4:2 0:1 3:0 6. BSG Chemie Leipzig 0:0 0:0 2:1 1:1 2:1 1:1 2:0 3:1 2:0 3:1 1:0 1:2 1:0 7. FC Karl-Marx-Stadt 2:2 1:0 3:0 3:4 1:1 1:0 0:0 2:3 1:2 0:0 3:1 2:2 3:0 8. FC Rot-Weiß Erfurt 4:0 2:1 6:1 0:0 1:0 1:1 1:0 0:2 2:1 5:2 4:0 0:0 3:0 9. BSG Wismut Aue 0:1 3:2 3:1 3:1 0:0 1:0 1:2 1:0 0:0 4:1 0:1 2:0 0:0 10. Berliner FC Dynamo 1:2 2:1 0:1 1:3 1:1 2:1 1:0 1:0 0:0 1:0 3:1 1:1 2:1 11. Hallescher FC Chemie 1:2 1:1 4:1 1:1 0:1 2:2 2:0 2:0 2:2 2:0 3:0 0:2 1:1 12. BSG Stahl Riesa 1:0 1:2 2:0 0:2 2:1 1:0 2:1 1:0 1:1 4:0 1:1 1:0 1:1 13. 1. FC Union Berlin 0:2 1:2 3:3 3:4 2:3 1:1 1:2 2:0 2:1 1:1 0:1 2:0 1:1 14. 1. FC Lokomotive Leipzig 2:0 0:0 1:3 1:1 1:0 0:0 1:2 1:0 1:1 1:2 1:0 1:1 2:0
Statistik Die Meistermannschaft FC Vorwärts Berlin Alfred Zulkowski (26 Spiele / Tore -) Erich Hamann (26/5), Manfred Müller (26/-), Wolfgang Strübing (24/3), Frank-Rainer Withulz (23/-) Gerhard Körner (24/3), Jürgen Nöldner (22/4) Horst Wruck (23/2), Rainer Nachtigall (23/5), Horst Begerad (25/9), Jürgen Piepenburg (26/12) Trainer: Fritz Belger außerdem: Otto Fräßdorf (20/3), Rolf Klippstein (7/-), Rainer Jungbauer (3/1), Peter Ukrow (3/-), Hans-Dieter Krampe (2/-), Heinz Dietzsch (2/-), Hans-Joachim Fröck (1/-), Wolfgang Scheller (1/-) ohne Einsatz blieb: Hartmut Neuhaus (Tor)
Tore In den 182 Punktspielen fielen 456 Tore, im Schnitt 2,51 pro Spiel. Die torreichsten Spiele mit jeweils sieben Treffern waren Union Berlin – Hansa Rostock (3:4, 1. Sp.), Rot-Weiß Erfurt – HFC Chemie (5:2, 2. Sp.), Magdeburg – Vorwärts Berlin (4:3, 8. Sp.), Karl-Marx-Stadt – Hansa Rostock (3:4, 8. Sp.), Rot-Weiß Erfurt – Magdeburg (6:1, 13. Sp.) und Vorwärts Berlin – Stahl Riesa (6:1, 17. Sp.). Der höchste Sieg war das 6:0 von Carl Zeiss Jena gegen Union Berlin am zehnten Spieltag.
Gerd Kostmann vom FC Hansa Rostock konnte seinen Titel als Torschützenkönig der Oberliga aus dem Vorjahr verteidigen. Insgesamt zeichneten sich 126 Spieler als Torschützen aus, hinzu kommen fünf Eigentore. 49 Strafstöße wurden verhängt, wovon 32 verwandelt wurden. Manfred Becker vom BFC und Werner Krauß aus Jena trafen je dreimal per Elfmeter, während der Torhüter Horst Weigang aus Erfurt drei Strafstöße parierte.
Hans-Jürgen Albrecht (Erfurt) gelang als einzigem Spieler ein Hattrick (gegen Vorwärts Berlin am 18. Spieltag), weiteren vier Spielern gelangen ebenfalls drei Tore in einem Spiel: Sparwasser (Magdeburg) gegen Aue (4. Sp.), Walter (Magdeburg) gegen Lok Leipzig (9. Sp.), Kostmann (Rostock) gegen Jena (13. Sp.) sowie gegen Lok Leipzig (16. Sp.) und Zink (Aue) gegen Jena (20. Sp.) sowie gegen Rostock (24. Sp.).
Torschützenliste Spieler Mannschaft Tore 1. Gerd Kostmann FC Hansa Rostock 18 2. Klaus Zink BSG Wismut Aue 15 3. Jürgen Piepenburg FC Vorwärts Berlin 12 4. Peter Ducke FC Carl Zeiss Jena 11 Jürgen Sparwasser 1. FC Magdeburg 11 Meinhard Uentz 1. FC Union Berlin 11 Eberhard Vogel FC Karl-Marx-Stadt 11
Zuschauer Insgesamt sahen 2.111.000 Zuschauer die 182 Oberligaspiele, das ergibt einen Schnitt von 11.599 Zuschauern pro Spiel. Den höchsten Zuschauerschnitt verzeichneten Chemie Leipzig und der HFC Chemie mit 17.000. Am Ende der Zuschauertabelle lagen alle drei Berliner Klubs mit Schnitten von 5.154 (BFC), 7.269 (Vorwärts) bzw. 9.231 (Union). Die größte Zuschauerkulisse erlebten die beiden Spiele zwischen Chemie und Lokomotive Leipzig am achten und 21. Spieltag mit je 40.000; am wenigsten Zuschauer (jeweils 1.500) waren bei den Spielen zwischen dem BFC Dynamo und Chemie Leipzig (14. Spieltag) sowie Vorwärts Berlin und Stahl Riesa (17. Spieltag).
Mannschaft Gesamt Heim Auswärts FC Vorwärts Berlin 255.500 9.827 94.500 7.269 161.000 12.384 FC Carl Zeiss Jena 294.500 11.327 134.000 10.308 160.500 12.346 1. FC Magdeburg 331.500 12.750 185.000 14.231 146.500 11.269 FC Hansa Rostock 340.500 13.096 172.500 13.269 168.000 12.923 BSG Sachsenring Zwickau 267.000 10.269 123.500 9.500 143.500 11.038 BSG Chemie Leipzig 397.000 15.269 221.000 17.000 176.000 13.538 FC Karl-Marx-Stadt 359.500 13.827 208.000 16.000 151.500 11.654 FC Rot-Weiß Erfurt 263.500 10.135 134.000 10.308 129.500 9.962 BSG Wismut Aue 305.000 11.731 162.000 12.462 143.000 11.000 Berliner FC Dynamo 212.500 8.173 67.000 5.154 145.500 11.192 Hallescher FC Chemie 358.000 13.769 221.000 17.000 137.000 10.538 BSG Stahl Riesa 259.000 9.962 120.500 9.269 138.500 10.654 1. FC Union Berlin 272.000 10.462 120.000 9.231 152.000 11.692 1. FC Lokomotive Leipzig 304.500 11.712 147.000 11.308 157.500 12.115
Verschiedenes 284 Spieler kamen zum Einsatz, davon waren 42 in allen Punktspielen dabei. Es gab 101 Heimsiege, 48 Unentschieden und 33 Auswärtssiege. 10 Feldverweise und 198 Verwarnungen verhängten die Unparteiischen.
Fußballer des Jahres Nach der Saison wurde Eberhard Vogel vom FC Karl-Marx-Stadt zum ersten Mal als Fußballer des Jahres ausgezeichnet.
Spieler Mannschaft Punkte 1. Eberhard Vogel FC Karl-Marx-Stadt 378 2. Otto Fräßdorf FC Vorwärts Berlin 284 3. Klaus Urbanczyk Hallescher FC Chemie 143
FDGB-Pokal Der FDGB-Pokal wurde in dieser Spielzeit vom Oberliga-Dritten 1. FC Magdeburg gewonnen. Für die Magdeburger, die im Finale den FC Karl-Marx-Stadt besiegten, war es der dritte Pokaltriumph. Der Titelverteidiger Union Berlin unterlag im Achtelfinale in einer Neuauflage des Vorjahresfinales Carl Zeiss Jena.
Internationale Wettbewerbe Der Europapokalwettbewerb wurde in dieser Spielzeit von politischen Ereignissen rund um den Prager Frühling überschattet. Aufgrund des Einmarschs der Streitkräfte des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei zur Unterbindung der dortigen Reformbemühungen veranlasste die UEFA in den beiden von ihr organisierten Wettbewerben (dem Europapokal der Landesmeister und Europapokal der Pokalsieger) eine Neuauslosung der Erstrundenbegegnungen. Zuvor hatten die westeuropäischen Verbände gegen den Einmarsch protestiert und sich geweigert, gegen die osteuropäischen Konkurrenten zu spielen. Die Neuauslosungen sahen eine Einteilung in West und Ost vor, jedoch wurde diese Vorgehensweise von den Verbänden des Warschauer Paktes abgelehnt, woraufhin fünf Verbände (unter ihnen der DFV) ihre Mannschaften komplett zurückzogen. Leidtragende auf ostdeutscher Seite waren Carl Zeiss Jena und Union Berlin. Der 1. FC Union musste (abgesehen vom Intertoto-Cup) bis 2001 warten, um endlich seine Europapokalpremiere nachzuholen.
Im Messestädte-Pokal waren die politischen Auswirkungen nicht zu spüren, weswegen hier Hansa Rostock (gegen den OGC Nizza) und Lokomotive Leipzig (gegen den Kjøbenhavns Boldklub) problemlos gegen Mannschaften des nichtsozialistischen Auslands antreten konnten. Beide erreichten die zweite Runde und unterlagen dort dem AC Florenz (Rostock) bzw. Hibernian Edinburgh (Leipzig). In der Saisonvorbereitung wurde außerdem der Intertoto-Cup ausgetragen. Hier nahmen Karl-Marx-Stadt, Hansa Rostock, Carl Zeiss Jena und Magdeburg teil, wobei Karl-Marx-Stadt und Rostock ihre jeweilige Gruppe gewannen.
Siehe auch DDR-Fußball-Liga 1968/69
Literatur Andreas Baingo, Michael Horn: Die Geschichte der DDR-Oberliga. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2003, ISBN 3-89533-428-6. Hanns Leske: Enzyklopädie des DDR-Fußballs. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-556-3. FUWO: Jahrgänge 1968–1969, Sportverlag Berlin,
Weblinks Daten zur Oberliga. rsssf.org Daten zur Oberliga. fussballdaten.de
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