mini|Die Hundertwasserkirche im Sommer 2026 Die Pfarrkirche Bärnbach, allgemein als Hundertwasserkirche bekannt, steht in der Stadtgemeinde Bärnbach im Bezirk Voitsberg in der Weststeiermark. Sie ist die Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarre Bärnbach, die zum Seelsorgeraum Voitsberg der Region Steiermark Mitte in der Diözese Graz-Seckau gehört. Patronin der Kirche ist die heilige Barbara.

Die Kirche wurde von 1948 bis 1950 als einfache Nachkriegskirche vom Architekten Karl Lebwohl unter Mithilfe der Bevölkerung erbaut. Am 1. Jänner 1952 wurde sie zur Pfarrkirche der neu gegründeten Pfarre Bärnbach erhoben. Ende der 1970er Jahre beschloss der Pfarrgemeinderat eine Generalsanierung, die 1986/87 durchgeführt wurde. Ihr folgte bis 1988 eine Umgestaltung des Gebäudes durch den österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser, die vor allem das äußere Bild betraf.

Die Pfarrkirche von Bärnbach ist eine einschiffige Hallenkirche. Sie hat einen im Süden an das Langhaus angebauten Zwiebelturm mit vergoldeter Zwiebel. Im Nordwesten schließt die Werktagskapelle und im Norden die Sakristei sowie das Pfarrheim an. Die Außenwände tragen bunte Keramikelemente und verschiedene Farbputze im Stil des phantastischen Realismus. Der Innenraum ist schlicht gehalten; die Kirchenausstattung stammt teilweise noch aus der Bauzeit und wurde vor allem von steirischen Künstlern wie Franz Weiss, Gustav Troger und Erwin Talker gestaltet. Das Kirchengebäude ist von einem Park sowie zwölf Torbögen umgeben. Das gesamte Bauwerk steht unter Denkmalschutz ().

Lage Die Kirche steht zentral im Ortsgebiet von Bärnbach, im südlichen Teil der gleichnamigen Stadtgemeinde. Sie ist von einer kleinen Parkanlage umgeben und steht auf einer Seehöhe von rund 425 Metern. Direkt südlich verläuft die Landesstraße L345, die Piberstraße, die Bärnbach mit Piber verbindet. Das Pfarramt steht südlich der Kirche auf der anderen Straßenseite. Der Friedhof der Pfarre liegt etwa 1,5 Kilometer südwestlich, bereits auf dem Gemeindegebiet von Voitsberg, und grenzt direkt an jenen der dortigen Stadtpfarre an.

Geschichte Kirchenbau in der Nachkriegszeit Bärnbach war seit seiner wohl auf das 12. Jahrhundert zu datierenden Gründung seelsorgerisch von den beiden Pfarren Piber und Voitsberg betreut worden. Durch den aufkommenden Braunkohleabbau, aber auch durch die Glasindustrie in der Gemeinde wuchs die Bevölkerung ab dem 19. Jahrhundert stark an. Im Jahr 1869 hatte Bärnbach 1590 Einwohner, deren Anzahl sich bis 1951 auf 5114 mehr als verdreifachte. Durch das Bevölkerungswachstum wuchs auch der Wunsch nach seelsorglicher Eigenständigkeit. Bereits während des Zweiten Weltkrieges hatte Wilhelm Fleiter, damals Pfarrer von Piber, die Idee zu einem Kirchenbau in Bärnbach. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs griff der Voitsberger Kaplan Franz Derler den Gedanken eines Kirchenbaus auf, weil er die Kinder der Bärnbacher Bergarbeiter besser betreuen wollte. Fleiter und Derler legten im Mai 1948 dem Ordinariat einen Plan für den Bau einer Kirche mit Pfarrhof und Kinderheim vor. Der geplante Kirchenbau war aber sowohl innerhalb der Kirche als auch in der Bevölkerung von Bärnbach und Hochtregist nicht unumstritten. Dennoch fuhren die Bergleute sowie die Arbeiter in der nahegelegenen Glasfabrik und der Grube Oberdorf teilweise Schichten zugunsten der geplanten Kirche.

Nach einer ersten bezirksweiten Haussammlung erfolgte am 21. Oktober 1948 der Spatenstich durch die Katholische Jugend von Ligist ohne eine offizielle Baubewilligung. Um diese wurde erst nachträglich im Februar 1949 beim Ordinariat angesucht, woraufhin Weihbischof Leo Pietsch bereits am Ostermontag des Jahres 1949 die offizielle Grundsteinlegung vollzog. Beim Bau nach den Plänen des Architekten Karl Lebwohl halfen die Katholische Jugend und die Bergarbeiter mit. Noch im Sommer desselben Jahres konnte das Richtfest gefeiert werden. Am 21. Mai 1950 wurde die Kirche gesegnet und am 4. Juni 1950 fand die erste Jugendstunde in der Sakristei statt. Die ersten beiden Glocken wurden 1951 aufgezogen. Am 1. Jänner 1952 wurde die Kirche zu einer eigenständigen Pfarrkirche erhoben. Franz Derler wurde der erste Pfarrer. Derler ließ in den 1950er Jahren statt des ursprünglich geplanten Pfarrhofs einen Kindergarten und ein Pfarrheim errichten. Die Kirchweihe erfolgte am 27. Oktober 1957.

Umgestaltung der Kirche Ende der 1970er Jahre zeigte sich, dass die Bausubstanz der Kirche infolge der billigen Bauweise und -mittel in schlechtem Zustand und eine Generalsanierung nötig war. So beschrieb der Pfarrer und Kunsthistoriker Günter Rombold den Zustand der Kirche bei einem Besuch als „armselig“ und der Pfarre auf Dauer kaum zumutbar. In der Folge beschloss der Pfarrgemeinderat 1979 die Generalsanierung der Pfarrkirche, obwohl es noch keine Pläne für eine Umgestaltung gab und auch das Geld dafür fehlte. Der Bärnbacher Pfarrer Friedrich Zeck besuchte im Juni 1981 eine Ausstellung im Grazer Kulturhaus mit Werken von Friedensreich Hundertwasser. Zeck gefiel der Stil Hundertwassers, weshalb ihm die Idee kam, den Künstler mit der Gestaltung seiner Pfarrkirche zu betrauen. Er weihte den in Bärnbach lebenden Briefmarkenstecher Wolfgang Seidel in seine Pläne ein, der bereits mehrmals mit Hundertwasser zusammengearbeitet hatte. Als Hundertwasser am 20. August 1984 zu Besuch bei Seidel war, stellte er ihm Zeck vor. Nach einer Besichtigung der Kirche war Hundertwasser einverstanden, unter der Voraussetzung, dass er freie Hand bei der Gestaltung habe. Hundertwasser verzichtete auch auf ein Honorar oder sonstige Entlohnung, so dass die Pfarre nur die Arbeiter und das Material zu bezahlen hatte. Bei Gesprächen mit Hundertwasser äußerten sich einige Pfarrgemeinderäte zunächst negativ zu dessen möglicher Mitwirkung bei der Renovierung, änderten ihre Meinung aber nach der Sichtung der ersten Entwürfe.

Nachdem die Pfarre von der Diözese die Freigabe zur Sanierung erhalten hatte, wurde 1986/1987 zuerst das Gebäude saniert. Dabei wurde die Grundstruktur der Kirche kaum verändert und es gab auch keine großen Eingriffe in die Bausubstanz. Hundertwasser präsentierte im April 1987 in Wien einer Abordnung der Bärnbacher Pfarre ein erstes Modell zur Neugestaltung der Kirche. Das Modell konnte in der Osterwoche in Bärnbach von der Bevölkerung besichtigt werden. Die Bevölkerung zeigte sich, bis auf wenige Ausnahmen, angetan von diesem Entwurf, so dass er später in großen Teilen verwirklicht wurde. Der Pfarrgemeinderat fasste am 11. Juni 1987 einstimmig den Beschluss zur Durchführung, den später auch die Diözese Graz-Seckau genehmigte. Hundertwasser wurde der Architekt Manfred Fuchsbichler zur Seite gestellt und es wurde beschlossen, dass er nur die Außenseite gestalten darf. Nach Rücksprachen einigte man sich zusätzlich auf Eingriffe im Chorraum, in der Taufnische und im Vorraum der Werktagskapelle. Mit der Gestaltung des Innenraums wurden heimische Künstler wie Franz Weiss oder Erwin Talker beauftragt. Die Kosten für die Umgestaltung waren mit rund 16,5 bis 17 Millionen Schilling veranschlagt, von denen die Diözese aber nur etwa 7,5 Millionen Schilling zur Verfügung stellte. Die Gemeinde Bärnbach brachte drei Millionen Schilling für die Gestaltung des Umfelds der Kirche auf. Den fehlenden Betrag musste die Pfarre selber erbringen, was vor allem durch Sponsoren und Stifter, aber auch Haussammlungen in der Bevölkerung erfolgte. Hundertwasser selbst stellte die Erlöse aus dem Verkauf seiner 1987 geschaffenen Radierung Bärnbacher Andacht zur Verfügung und zahlte die Vergoldung des Kirchturmdachs und der Dachkugeln selbst.

Am 12. Oktober 1987 wurde mit den Umbauarbeiten begonnen, die bis in den Sommer 1988 andauerten. Am 2. Juli 1988 wurde die neue Turmzwiebel aufgesetzt und am 4. September 1988 weihte Bischof Johann Weber die Kirche neu. Hundertwasser arbeitete nach der Fertigstellung der Kirche noch bis 1991 an der Gestaltung der Außenanlage und der Fertigstellung der dort aufgestellten Torbögen. Von Juni bis Oktober 2016 wurden die Kugeln auf dem Kirchendach sowie die Zwiebelhaube des Turmes neu vergoldet, die dafür vom Kirchturm gehoben werden musste.

Beschreibung Die Stadtpfarrkirche wurde nach den Plänen des Architekten Karl Lebwohl als schlichte einschiffige, nach Norden ausgerichtete Hallenkirche mit hohem Turm mit Pyramidendach erbaut. Im Norden schließen die schmälere Sakristei und das Pfarrheim an den Chor an. Im Nordwesten befindet sich in einem kleinen Anbau an die Chormauer mit halbkreisförmigem Schluss die Werktags- oder Wochentagskapelle, die sowohl von außen als auch von innen betreten werden kann. Die Kirche wurde von Friedensreich Hundertwasser, der eng mit der Wiener Schule des Phantastischen Realismus verbunden war, umgestaltet. Dabei wurden auch das bisherige Turmdach durch eine vergoldete Turmzwiebel ersetzt und im Norden eine schmale rechteckige Apsis angebaut. Die Neugestaltung durch Hundertwasser zeichnet sich vor allem durch bunte Farbputze sowie bunte Keramikelemente aus.

Außenbeschreibung Die Außenwände des Gebäudes sind durch bunte Gesimse und Lisenen mit Appliken aus Keramik sowie verschiedenfarbige Felder gegliedert. Der Sockel besteht aus unbehauenen Steinen. In zwölf dieser Steine sind die Namen der Apostel eingraviert. Das Kirchenschiff hat ein Schopfwalmdach. Es ist wie die Satteldächer der Sakristei und des Pfarrheims sowie das Kegel- und Schleppdach der Wochentagskapelle mit engobierten Ziegeln gedeckt. Auf der Dachfläche sind mit grünen Ziegeln mehrere unterschiedlich große Kreisflächen dargestellt. Die Dachfirste sind nicht waagerecht, sondern teilweise nach unten eingesenkt. Auf die Dachfläche der Sakristei sind an der Ostseite zwei und auf dem Dach des Pfarrheims drei Dachgauben in unterschiedlichen Höhen aufgesetzt. An der Westseite des Pfarrheims erhebt sich eine langgestreckte Gaube über das Dach. An dem Dachgrat im Norden des Kirchenschiffs steht eine vergoldete Kugel. Zwei Kugeln stehen an den beiden Dachgraten des Pfarrheims und zwei weitere an den Ecken der westlichen Dachgaube. Eine weitere steht auf der Dachspitze der Wochentagskapelle.

Im Laufe der Zeit entstanden durch herablaufendes Regenwasser dunkle Streifen an den Außenwänden der Kirche. Sie waren von Hundertwasser nicht geplant, er sah darin aber eine höhere Fügung und einen Beitrag zu seinem Werk.

Kirchturm und Südseite mini|Blick auf den Kirchturm und die Südseite der Kirche Der 36 Meter hohe Kirchturm ist in die Südfassade der Kirche eingestellt und steht dadurch auf drei Seiten frei. Der Turm wird durch Rundsäulen, Querlisenen, Linien sowie mit durch mit bunten Keramikscherben gerahmte Fenster und Bogenöffnungen gegliedert und ist mit zahlreichen Symbolen geschmückt. Die so abgegrenzten Flächen sind teilweise weiß, teilweise aber auch bunt gefärbt. Wie das Kirchenschiff hat der Turm einen Sockel aus unbehauenen Steinen. Der Turm hat eine vergoldete Turmzwiebel aus Kupferblech, die auf einem Aufsatz aus Kupfer ruht. In den vier Ecken des Aufsatzes ist je eine vergoldete Kugel angebracht. Die Turmzwiebel endet in einer schwarzen Turmkugel mit einem Kreuz aus Schmiedeeisen, dessen Balken in insgesamt drei vergoldeten Herzen als Symbol für die Dreifaltigkeit enden. Durch je einen offenen Rundbogen an der West-, Süd- und Ostseite des Turmes kommt man zum Hauptportal der Kirche. Licht fällt durch zwei übereinander angeordnete Rechteckfenster an der Südseite sowie durch je ein einzelnes Rechteckfenster an der Ost- und der Westseite in den Turm. Die Zeiger der Turmuhr sind auf allen vier Seiten zu sehen, aber nur Nord- und Südseite haben ein Ziffernblatt. Über der Turmuhr im obersten Geschoß befinden sich auf allen vier Seiten je zwei gekuppelte rundbogige und ungleich hohe Schallfenster.