mini|350px|Attacke auf ein türkisches Flaggschiff durch einen griechischen Brander im Jahr 1821 Ein Brander bzw. Brandschiff ist die Bezeichnung für einen Militärschiffstyp, der mindestens von der Antike an bis zur frühen Neuzeit als Mittel in der Seekriegsführung verwendet wurde.nach Universallexikon „Academic“ Es handelt sich bei diesem Schiffstyp um ein altes, mit brennbaren Materialien oder Explosivstoffen beladenes Kriegsschiff, das auf feindliche Schiffe getrieben oder gesegelt und dann angezündet wurde, um diese ebenfalls in Brand zu setzen.nach Bobrick, S. 137diese Definition ist am weitesten verbreitet und trifft auf die meisten Brandschiffe zu. Sonderformen der Brandschiffe lassen sich auch teilweise darunter fassen. Einige wenige Ausnahmen der Sonderformen allerdings lassen sich nicht darunter fassen, da diese zwar auch zum Verbrennen von Feinden entwickelt wurden, die konstruktionelle Ausführung allerdings etwas abweicht Am weitesten verbreitet war diese Anwendung zur Zeit der Segelschiffe.

Geschichte mini|200px|Chinesische Brander in einem Militärmanuskript von 1044 Erste Einsätze von Brandschiffen sind in der Antike im Rahmen der athenischen Sizilienexpedition (415–413 v. Chr.)Thukydides 7.53.4 und in der Belagerung von Tyros (332 v. Chr.) bekannt geworden.

In chinesischen Aufzeichnungen ist im Rahmen der Schlacht am Roten Felsen (208 n. Chr.) das Brandschiff als entscheidendes Einsatzmittel angeführt. Aus weiteren Aufzeichnungen aus dem 11. Jahrhundert zur Zeit der Song-Dynastie sind Bilder von Brandern überliefert,nach Wujing Zongyao Militär Manuskript und nach Needham sodass der Einsatz auch außerhalb Europas und die Verwendung sowohl zu Beginn der christlichen Zeitrechnung wie auch im Mittelalter belegt ist.

Wichtiges Kampfmittel im Seekrieg stellten Brander aber hauptsächlich vom 13. bis zum 17. Jahrhundert dar.

Ein letztmaliger Einsatz im Rahmen einer größeren Schlacht fand offenbar im griechischen Freiheitskampf 1821–1829 statt; die Initiative für den Einsatz von Brandern ging von Iakovos Tombazis, dem ersten Admiral der unabhängigen griechischen Flotte, aus.nach Universallexikon „Academic“

Mit der zunehmenden Verbreitung von Dampfantrieben bei Schiffen Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts und später dem Bau von Kriegsschiffen aus Eisen sowie der Weiterentwicklung von Schiffsgeschützen wurden Brandschiffe zumindest in Europa überflüssig.

Aufbau und Funktionsweise eines Branders Meist wurden kleinere, veraltete und deshalb entbehrliche Schiffe (z. B. ausgediente Schaluppen, Pinassennach von der Groeben) für den Brandereinsatz umgebaut. Auf vielen Gemälden aus damaliger Zeit sind aber auch größere Schiffe abgebildet, die einen Brandereinsatz zeigen, so dass auch der Einsatz von 20-Kanonenschiffen und ähnlich großen Schiffen belegt ist.das britische 20 Kanonenschiff Dolphin aus dem Jahr 1731 ist 1747 in ein Brandschiff umgebaut worden - so angeführt an einem Schiffsmodell der Dolphin im National Maritime Museum, London, Vereinigtes Königreich. Zudem berichten von der Groeben und Bobrick von Brandschiffen mit Stückpforten, die aber erst ab einer bestimmten Schiffsgröße verbaut worden sind

Es wurde dabei an Bord des jeweiligen Schiffes ein sogenannter Feuerraum eingerichtet, der meistens unter Deck zwischen Bug und Großmast durch ein Schott oder einen Verschlag von den anderen Räumlichkeiten abgeschlossen war. Der Feuerraum war gefüllt mit Bündeln aus Riedgras, Haufen aus Hanf, Spänen, Werg und Buschzweigen, die wiederum allesamt mit brennbaren Flüssigkeiten übergossen waren.nach Bobrick

Auf einem Gerüst oder auf Stellingen wurden in mehreren parallelen Reihen in gesamter Länge und Breite dieses Feuerraums hölzerne, von innen geharzte Röhren oder Rinnennach v.d. Groeben kamen auch mit geschwefelter Leinwand oder Zündpappe bedeckte Rinnen zum Einsatz verlegt, die miteinander verbunden waren und in denen dann das für die Zündung des Hauptbrennmaterials erforderliche Lauffeuer entlang lief.nach Bobrick mini|links|1667: Eine niederländische Flotte verbrennt Teile der englischen Flotte vor Chatham mit Brandern mini|1672: Ein niederländischer Brander attackiert die englische Royal James

An jeder Seite des Branders befanden sich meistens fünf bis sechs durch Klappen verschlossene Luken, die sich im Gegensatz zu Stückpforten durch ein an der Unterseite angebrachtes Scharnier von oben nach unten hin öffnen ließen. Vor jede dieser verschlossenen Luken wurde eine zehn Zoll lange eiserne, hinten geschlossene Röhre mit fünf Zoll Durchmesser installiert, die auch als Kammergeschütz bezeichnet werden kann. Diese Kammergeschütze wurden ausschließlich mit Pulver geladen und vor die Treibladung ein Holzpfropf in das Rohr eingeschlagen. Im Einsatz wurden die Kammergeschütze später durch das entfachte Lauffeuer über eine Lunte im Zündloch abgefeuert, so dass die zuvor geschlossenen Luken durch die Schüsse aufgesprengt wurden und der im Feuerraum sich ausbreitenden Feuersbrunst durch die einflutende zusätzliche Frischluft mehr Aktivität verschafft werden konnte.nach Bobrick

Unterhalb der Groß- und Fockmastwanten waren im Feuerraum senkrechte Röhren angebracht, unter denen eine Feuertonne stand. Diese Röhren waren, um eine unbeabsichtigte oder durch den Feind angestrebte Entzündung zu verhindern, mit Holzpfropfen und einer darüber liegenden geteerten Persenning an Deck abgedeckt. Unmittelbar vor der Entzündung wurde beides entfernt, so dass sich das im Feuerraum entfachte Feuer über die senkrechten Röhren schnell an den Wanten und an der übrigen Takelage des Brandschiffes ausbreiten konnte.nach Bobrick

Die Feuertonnen wie auch die zuvor angeführten Brennmaterialien wie Büsche, Späne, Riedgras u. Ä. waren mit einer in Weingeist getunkten und mit feinem Schießpulver bestreuten Baumwolllunte versehen und konnten so zeitverzögert (an)gezündet werden.nach Bobrick

In das Oberdeck eingelassen befanden sich zudem noch zwei weitere kleine Luken, über die sich das entfachte Feuer dann ebenfalls an Deck gut ausbreiten konnte, zumal die Oberdecksplanken extra hierfür geharzt waren.nach Bobrick

An die Seiten des Branders wurden mit Schwefel und Schießpulver versetzte Leinwandstücke, sog. Feuerhemden, gehängt, die sich mit einem Pistolenschuss entzünden ließen.nach Bobrick und weiteren Quellen; Pistolenschuss meint dabei das Betätigen des Abzuges einer Pistole. Durch den Funkenflug des an der Pistole befindlichen Steinschlosses oder eines anderen Zündmechanismus wurde das hochentzündliche Feuerhemd in Brand gesetzt

Da ein Brander nicht von einer einzigen Person gesteuert und entzündet werden konnte, gab es an Bord auch Mannschafts-, Offiziers- und Kapitänskajüten, die sich in genau dieser Reihenfolge hinter dem abgeschotteten Feuerraum befanden und in denen die Schiffsbesatzung entsprechend ihrem Rang untergebracht war. Überliefert sind Besatzungsstärken von 10 bis 12 Matrosen,nach v.d. Groeben die wegen des hohen Eigengefährdungsgrades doppelten Sold erhielten.nach Bobricknach von der Groeben und nach Bobrick ist hier als Beispiel die europäische Sichtweise des 19. Jahrhunderts angeführt

Einsatz im Gefecht

mini|1759: Angriff von französischen Brandern auf eine ankernde britische Flotte vor Québec

In der Schlacht begab sich der Brander hinter die Linie(n) der eigenen Kriegsschiffe. Dadurch konnte meistens verhindert werden, dass er durch feindlichen Beschuss schon vor seinem Einsatz entzündet wurde. Das Schiff wurde an den Nocken mit Enterdreggen versehen und segelte während der begonnenen Schlacht in Richtung Feind. Auf dem Weg dorthin wurden die Schutzabdeckungen der senkrechten Röhren und der Feuertonnen entfernt und diese somit einsatzbereit gemacht.nach Bobrick, bestätigt auch in v.d. Groeben

Der Brander segelte dann durch die eigenen Linien hindurch auf ein bestimmtes Schiff zu und verhakte im Idealfall die Enterdraggen am feindlichen Schiff, während die eigene Schiffsbesatzung mittels Enterhaken ebenfalls versuchte, am feindlichen Schiff festzumachen. Ideale Position für einen Brandangriff war dabei eine Bug-zu-Bug-Position,nach v.d. Groeben da der Gegner nicht auf das brennende Brandschiff gelangen konnte und zudem Gegenmaßnahmen kaum möglich waren. War der Brander dicht genug an den Feind herangekommen oder gelang sogar ein Festmachen, entzündete der Kapitänvon der Groeben führt hier auch den Steuermann als denjenigen an, der das Feuer auf dem Brander entzündet die beiden vom Feuerraum nach außen gehenden Röhren mit dem Lauffeuer, begab sich mit dem Rest der Mannschaft über eine nahe der Röhre angebrachte Luke in ein mitgeführtes Beiboot und ruderte eilig davon.nach Bobrick

Die Flammen des brennenden und an die Außenwand des zu zerstörenden Schiffes gehakten Branders griffen sodann auf das feindliche Schiff über und sorgten im Idealfall dafür, dass es durch den hier ausbrechenden Brand kampf- oder manövrierunfähig wurde. Nicht selten endete die Aktion auch mit dem Totalverlust des feindlichen Schiffes, wenn der Brand nicht rechtzeitig gelöscht werden konnte und dieser die Pulverkammern erreichte.

Verteidigung gegen einen Brander mini|1809: Die französische Regulus unter Attacke von mehreren britischen Brandern Um sich gegen ein Brandschiff zur Wehr zu setzen – wenn also Ausweichmanöver mit dem eigenen Schiff oder Versenkungsversuche des Branders nicht erfolgreich oder nicht möglich waren – kamen Brandhaken zum Einsatz. Brandhaken waren starke Bäume oder Spieren, die durch die Stückpforten ausgebracht wurden, um den Brander am Festhaken am eigenen Schiffsrumpf zu hindern.nach Bobrick

Am zweckmäßigsten war es jedoch, bewaffnete Beiboote in Richtung des Brandschiffes auszusenden und dieses oder das Fluchtboot zu kapern.nach Bobrik: Als Gegenmaßnahme der Gegenmaßnahme wurde das Fluchtboot jedoch oftmals mit Drehbassen und starken Ketten gegen eine feindliche Wegnahme gesichert. nach v.d.Groeben: Im Heck des Branders wurden oftmals Kanonen untergebracht, um sich gegen Schaluppen und Boote wehren zu können

Strategische Bedeutung von Brandern in der Schlacht

Besonders erfolgreich wurden Brander gegen ankernde Flotten eingesetzt, da diese sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten. Segelnde Flotten mussten aus gleichen Gründen mitunter halsbrecherische Ausweichmanöver fahren. Dadurch konnte sich die Ordnung einer angegriffenen Flotte auflösen, was nicht selten zur Niederlage führte. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Schicksal der Spanischen Armada im Jahr 1588, die gegen eine mit gerade einmal acht Brandschiffen bestückte englische Flotte eine Niederlage hinnehmen musste.nach v.d. Groeben Ein weiteres nennenswertes Beispiel, wo Brander durch das Auslösen von Panik und Durcheinander eine Schlacht entschieden, war die Seeschlacht bei den Downs im Oktober 1639. Hierbei gelang es der niederländischen Flotte unter Admiral Maarten Tromp, der bei den Downs vor Anker liegenden spanischen Flotte durch den Einsatz von elf Brandern eine schwere Niederlage zuzufügen.Pemsel, Helmut: Seeherrschaft. Eine maritime Weltgeschichte von den Anfängen bis 1850. Band 1. Weltbild-Verlag, Augsburg 1995, S. 198. Zwar konnte der überwiegende Teil der spanischen Schiffe im letzten Moment die Ankertaue kappen (um Bewegungsfreiheit zu erlangen)Pemsel: Seeherrschaft, S. 198., jedoch geriet das spanische Geschwader völlig in Unordnung und viele Schiffe liefen im Durcheinander des in den Morgenstunden durchgeführten Branderangriffs auf Grund und gingen verloren.Pemsel: Seeherrschaft, S. 200.

Die Wirkung von Brandschiffen konnte verheerender als Geschützfeuer sein, da die Takelage (aus Hanf oder Flachs), Segel und die Rümpfe der hölzernen Segler durchwegs brennbar und oft knochentrocken und zudem mit Teer gegen Feuchtigkeit abgedichtet waren. Völlig unversehrte Schiffe konnten somit in wenigen Minuten fast vollständig in Flammen stehen und mussten aufgegeben werden.

Sonderformen

Neben den zuvor beschriebenen Brandern gab es auch Sonderformen von Brandschiffen.