mini|hochkant=1.3|Palais Lubomirski Das Palais Lubomirski ist ein klassizistisches Adelspalais in der polnischen Hauptstadt Warschau. Es befindet sich am westlichen Rand des zentralen Stadtbezirks Śródmieście. Seit der Verschiebung im Jahr 1970 bildet es den Endpunkt der Sächsischen Achse.

Geschichte mini|Das barocke Palais (noch ohne späteren Portikus) auf einem Bild Bernardo Bellottos mini|Die Ghettomauer neben dem ausgebombten Palais, der noch in Ost-West-Richtung steht. Blick von den Mirów-Hallen, Aufnahme vom 24. Mai 1941 mini|Rückseite (Westen). Blick von den Mirów-Hallen, im Hintergrund ein Neubau der Nachkriegssiedlung Za Żelazną Bramą

Das genaue Entstehungsdatum des ursprünglichen Gebäudes ist nicht bekannt. Im ausgehenden 17. Jahrhundert hatte ein Vertreter der begüterten Familie Radziwiłł einen Teil des nördlich der damaligen Stadt gelegenen Gebietes (Wielopole) gekauft. Erstmals 1712 wird ein Palais an dieser Stelle erwähnt. Um das Jahr 1730 war das Palais Eigentum des Architekten Johann Sigmund Deybel.Johann Sigmund Deybel von Hammerau (um 1687–1752) war ein sächsischer Architekt des Rokoko und Artilleriemajor, der in Polen Anfang des 18. Jahrhunderts lebte. Ende der 1730er-Jahre wird der Fürst Stanislaw Wincenty JabłonowskiStanisław Wincenty Jabłonowski (1694–1754) war Wojwode, Starost und Schriftsteller. als Besitzer des Anwesens genannt. Vermutlich von ihm erwarb etwa Mitte des 18. Jahrhunderts Fürst Antoni Lubomirski das Objekt.

Das Palais unter den Lubomirskis Im Jahre 1760 wurde begonnen, das Gebäude nach einem Entwurf von Jakub Fontana im spätbarocken Stil umzubauen. Der Umbau wurde nicht vollendet; 1779 malte Bernardo Bellotto das noch nicht fertiggestellte Palais. Nachdem Fürst Aleksander LubomirskiAleksander Fürst Lubomirski (1751–1804) war Kastellan von Kiew. 1790 Eigentümer des Palais und der Umgebung geworden war, setzte er den Umbau und die Modernisierung des Gebäudes fort. Jakub Hempel entwarf für das nun im klassizistischen Stil gestalteten Palais einen prächtigen Portikus, der auf zehn ionischen Säulen und einem Arkadenfundament ruht. Bis zum Bau des Teatr Wielki war es die größte Kolonnade Warschaus. Auch wurden die den Cour d’honneur flankierenden Seitenflügel erweitert.

1803 erbte Lubomirskis Tochter Rozalie das Palais. Sie verkaufte es 1816 an den General Izydor Krasinski.Izydor Krasiński (1774–1840) war ein polnischer General und Kriegsminister während des Novemberaufstandes.

Der Niedergang Von 1828 bis 1834 war das Gebäude Eigentum der Regierung des Königreichs Polen, die hier Büros einrichtete. Während des Novemberaufstands diente das Gebäude als Lazarett. Im Jahre 1834 wurde das Anwesen an den Geschäftsmann Abraham Simon Cohen verkauft. Von nun an wurde das vormals elegante Palais nach gewinnmaximierenden Methoden bewirtschaftet. Zahlreiche Geschäfte, Marktstände und kleine Wohnungen wurden angelegt. Die reichhaltige Ausstattung verfiel. In den 1870er-Jahren befand sich ein jüdisches Bethaus im Gebäude. 1929 wurde von Waclaw Moszkowski ein zusätzliches Stockwerk auf das Gebäude aufgesetzt, was den ursprünglichen Charakter des Palais endgültig zerstörte.

1934 erwarb die Allgemeine Sparkasse der Stadt Warschau und 1938 die Gemeinde den Bau. Das Palais sollte in den Zustand des Hempelschen Entwurfes zurückgebaut werden. Dieser Plan konnte wegen des Ausbruches des Zweiten Weltkrieges jedoch nicht mehr verwirklicht werden. 1939 wurde das Gebäude während des Kampfes um Warschau von deutschen Fliegerbomben getroffen und brannte aus. Die später errichtete Mauer des Warschauer Ghettos verlief in unmittelbarer Nähe des ausgebrannten Palais (siehe Bild).

Nach dem Krieg wurde das Gebäude zunächst dem Archäologischen Museum übergeben, das basierend auf einen Entwurf von Tadeusz Żurawski 1947 das Gebäude wieder aufzubauen begann. Die Aufbauarbeiten wurden 1950 von der zu dem Zeitpunkt zum Besitzer gewordenen Polnischen Volksarmee abgeschlossen.

Die Drehung des Palais Ende der 1960er-Jahre wurde beschlossen, das Gebäude von seinem Original-Standort zu verschieben. Der polnische Marschall, Architekt und Stadtplaner Marian Spychalski hatte vorgeschlagen, so einerseits den neu entstandenen Zelaznej-Bramy-Platz gleichmäßig zu gestalten, andererseits die ehemalige Sächsische Achse mit einem Querbau abzuschließen. Das aufwändige Projekt unterstand Alexander Mostowski von der Firma Mostostal Zabrze. Mit der Verschiebung wurde am 30. März 1969 begonnen. Der von den Nebengebäuden sowie den Fundamenten abgetrennte Kernbau wurde auf 16 zu diesem Zweck angefertigten und unter das Gebäude gelegten Schienen von elf Hydraulikpressen an seinen neuen Standort geschoben. Dabei wurde das Gebäude um 78 Grad gedreht. Am 18. Mai 1970 war die Aktion erfolgreich abgeschlossen.

In Folge war das Gebäude Sitz des Garnisonsklubs der Stadt. Vor einigen Jahren wurde das Gebäude von der polnischen Militär-Liegenschaftsagentur (AMW) verkauft; heute befindet sich hier der Sitz des Business Centre Clubs (BCC).

Das Tadeusz-Kosciuszko-Denkmal mini|Das Tadeusz-Kościuszko-Denkmal Am 16. November 2010 wurde vor dem Palais ein von der Citigroup finanziertes Denkmal von Tadeusz Kościuszko enthüllt. Das Denkmal ist eine exakte Nachbildung eines Denkmals in Washington, dass dort am 9. Mai 1910 von Antoni PopielAntoni Sulima Popiel (1865–1910) war ein polnischer Bildhauer. errichtet worden war. Bereits 1991 war das im Jahr 1985 errichtete und bei den Einheimischen unbeliebte sozrealistische Denkmal Poległym w Służbie i Obronie Polski Ludowej (Zu Ehren der im Dienste und der Verteidigung der Volksrepublik Polen Gefallenen) von Jan Bohdan ChmielewskiJan Bohdan Chmielewski (* 1927) ist ein polnischer Bildhauer und emeritierter Hochschullehrer in Warschau. abgerissen worden. Es war von den Warschauern als „Pomnik utrwalaczy“ („Denkmal der Fixierer“ – Veralberung des polnischen Ausdrucks für das fotografische Fixierbad, hier zur Verdeutlichung der Stabilisierung des Kommunismus durch die Gefallenen genutzt) oder „Ubelisk“ (Wortspiel aus den Bezeichnungen „UB“ – Urząd Bezpieczeństwa (Sicherheitsamt) – und „Obelisk“) bezeichnet worden.

Direkt vor dem Gebäude befinden sich vier Löwenskulpturen auf mit militärischen Insignien versehenen Sockeln. Vor dem Zweiten Weltkrieg standen sie in der damaligen Nowowiejska-Straße vor dem Gebäude des Ministeriums für militärische Angelegenheiten.

Bedeutende Bewohner Lubomirski war mit einer der schönsten und berühmtesten Polinnen der Zeit, Rozalia Chodkiewicz verheiratet. Die Ehe war unglücklich. Während der Umbauzeit des Palais lebte die Lubomirska mit ihrem Geliebten während der Zeiten der französischen Revolution in Paris. Dort wurde sie der Förderung des Ancien Régimes angeklagt und als einzige Polin 1794 auf der Guillotine enthauptet. Ihr Leben und dramatischer Tod regten lange Zeit Schriftsteller an.

Rozalia, die Tochter der Eheleute Lubomirski, war mit dem Reisenden und Orientalisten Wacław RzewuskiWacław Rzewuski (1784–1831) war ein Weltreisender, Orientalist, Dichter und Pferdeliebhaber. (genannt „Emir Tadsch el-Fehr“) verheiratet.

Einzelnachweise und Anmerkungen

Siehe auch Liste der Paläste in Warschau

Literatur Tadeusz S. Jaroszewski: Paläste und Residenzen in Warschau. Verlag Interpress, ISBN 83-223-2049-3, Warschau 1985, S. 78 ff.

Weblinks

Details zur Drehung Historische Fotos Fotos zur Drehung

Kategorie:Śródmieście (Warschau) Kategorie:Palast in Warschau Kategorie:Erbaut in den 1700er Jahren Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in Warschau Kategorie:Kulturdenkmal in Warschau Kategorie:Lubomirski