Die Burschenschaft Teutonia zu Kiel ist eine 1817 gegründete schlagende und farbentragende Studentenverbindung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Süddeutschen Kartell (SK). Ihre Mitglieder, die Kieler „Teuten“, gehören zur ältesten Burschenschaft Kiels, die zugleich auch Landesburschenschaft ist und als einzige Verbindung zusätzlich die Farben der Kieler Universität violett-weiß tragen darf.
Geschichte mini|links|Ehemaliges Korporationshaus in der Waitzstraße Am 6. November 1817 gründeten die 25 Kieler Teilnehmer am Wartburgfest eine Burschenschaft nach jenaischem Vorbild. Ende des Jahres 1821 zerfiel diese in eine liberale, demokratische Richtung, die am 13./14. Dezember 1821 als Burschenschaft Germania neugegründet wurde, und eine landsmannschaftliche Richtung. Nach den Repressionen im Anschluss an das Hambacher Fest erfolgte eine weitere Neugründung unter dem Namen Albertina (1836), die 1843 schließlich in Kieler Burschenschaft umbenannt wurde, sich aber im Rahmen der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848–50) auflöste. Am 14. November 1855 wurde die Kieler Studentenverbindung Teutonia gestiftet. Im Mai 1863 erfolgte der Eintritt in das 1861 gegründete Süddeutsche Kartell. 1891 bezog die Teutonia ihr eigenes Korporationshaus in der Waitzstraße 43, das sie jedoch im Ersten Weltkrieg aufgeben musste (heute Synagoge Waitzstraße).
mini|Die Teutonia als Mitglied der Deutschen Burschenschaft (1915) Im Nationalsozialismus musste die Teutonia wie alle Studentenverbindungen ihren aktiven Betrieb einstellen. Der Altherrenverband der Teutonia fungierte in der Folge als Altherrenschaft der Kameradschaft Nordschleswig des NS-Studentenbundes, der sich bis 1942 auch die Kartellburschenschaft Teutonia Jena anschloss. Die Kameradschaft Nordschleswig war aus der Stammmannschaft des Kieler NSDStB hervorgegangen und galt als weltanschaulich gefestigt, nahm allerdings im Laufe ihres Bestehens wieder korporative Form an und sah sich in der Tradition der vormaligen Kieler Teutonia. Mehrere Kameraden wurden nach dem Krieg in den Altherrenverband der Teutonia aufgenommen.
Ein regelmäßiger Aktivenbetrieb begann im Sommersemester 1949; die ersten Bestimmungsmensuren fanden Anfang der 1950er Jahre statt, nachdem die Teuten das Versprechen gegenüber der Universität abgegeben hatten, dass Mensuren nicht zur Beilegung von Ehrenhändeln dienen sollten.
1973 trat die Burschenschaft Teutonia Kiel – und im Gefolge nach und nach das gesamte Süddeutsche Kartell – aus dem Dachverband der Deutschen Burschenschaft aus, weil dieser zu weit in das rechtskonservative Lager (Historischer Kompromiss) abgedriftet war.Austrittsschreiben der Burschenschaft Teutonia Kiel An der Universität hatten die Kieler Teuten als originär politische Verbindung in den 1970er Jahren maßgeblichen Anteil an der Bildung der Hochschulgruppierung „Studenten für das Grundgesetz“Hausmann, Franz: Vom »Tumult« zu einer studentischen InteressenvertretungDie Entwicklung der Studenteninitiative »Studenten für das Grundgesetz (GG)«. Ein Zeitzeuge berichtet. In: Auge, O. (Hrsg.): Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: 350 Jahre Wirken in Stadt, Land und Welt. Kiel : Wachholtz, 2015 — ISBN 978-3-529-05905-6, S. 637–647, welche die Bejahung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland als politischen Konsens forderte – wie auch die Burschenschaft Teutonia von ihren Mitgliedern.
Seither haben sich die Kieler Teuten als liberale Burschenschaft in der Verbindungslandschaft etabliert, welche allerdings weiterhin an den Werten von Wissenschaftlichkeit, Ehrlichkeit und der Bestimmungsmensur festhält.
Mitglieder August Daniel von Binzer (1793–1868), Dichter und Journalist Uwe Jens Lornsen (1793–1838), Jurist und Beamter der dänischen Regierung Christian August Valentiner (1798–1864), lutherischer Theologe Peter Feddersen (1800–1869), Bürgermeister von Roskilde Justus Olshausen (1800–1882), Orientalist Andreas Ludwig Jacob Michelsen (1801–1881), Historiker, Erster Vorstand des Germanischen Museums in Nürnberg (1863), Abgeordneter der Deutschen Nationalversammlung Theodor Olshausen (1802–1869), Politiker und Publizist Wilhelm Beseler (1806–1884), Politiker, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Georg Beseler (1809–1888), Jurist, Politiker, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, MdHH Lorenz von Stein (1815–1890), Staatsrechtler, Soziologe und Nationalökonom Theodor Mommsen (1817–1903), Historiker und Nobelpreisträger Literatur (1902) Christian Wilhelm Gustav Rosenhagen (1817–1870), Mitglied der Schleswig-Holsteinischen Landesversammlung Karl Viktor Müllenhoff (1818–1884), Mediävist Karl Wilhelm Nitzsch (1818–1880), Geschichtswissenschaftler Franz Christoph Reimers (1818–1905), Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, Bürgermeister von Flensburg und Schleswig, Geheimer Justizrat Emil von Wolff (1818–1896), Agrikulturchemiker und Hochschullehrer Friedrich Harms (1819–1880), Schriftsteller Karl Friedrich Lucian Samwer (1819–1882), Staatsrechtler Friedrich von Esmarch (1823–1908), Mediziner und Begründer des zivilen Samariterwesens in Deutschland Christian Adolf Wallichs (1831–1922), Pädagoge und Mitglied des deutschen Reichstags Johannes Wilhelm Boysen (1834–1870), Ehrenmitglied, Lehrer und Autor George Julius Christian Harms (1834–1914), Reichsgerichtsrat Emil Hölck (1835–1916), 1856 ausgetreten, Landwirt und Mitglied des Provinziallandtages von Schleswig-Holstein Rudolph Dohrn (1836–1915), Gynäkologe Wilhelm Mensinga (1836–1910), Arzt, Wegbereiter der Geburtenkontrolle Christoph von Tiedemann (1836–1907), MdHdA, MdR Wilhelm Jensen (1837–1911), Lyriker und Schriftsteller Christian Jensen (1839–1900), Theologe und Missionar Johann Georg Max Schmidt (1840–1925), Abgeordneter des Provinziallandtags von Schleswig-Holstein Christian August Volquardsen (1840–1917), Althistoriker Julius Engel (1842–1926), Hamburger Richter und Bürgerschaftspräsident Timm Kröger (1844–1918), Rechtsanwalt und Schriftsteller Carl Friedrich Wilhelm Peters (1844–1894), Astronom Hermann Petersen (1844–1917), Schwarzburg-Sondershäusischer Staatsminister Eduard Sachau (1845–1930), Orientalist Hugo Planck (1846–1922), Senatspräsident am Reichsgericht Anton Edzardi (1849–1882), Germanist Ernst Lamp (1850–1901), Astronom Julius Langbehn (1851–1907), Schriftsteller, Kulturkritiker und Anreger der Heimatkunst Albert Plehn (1861–1935), Tropenmediziner Johannes Leonhart (1865–1937), Arzt und Reichstagsabgeordneter Hans Friedrich Blunck (1888–1961), Journalist und Schriftsteller, Präsident der Reichsschrifttumskammer Hans Fliege (1890–1976), Zahnarzt, Hochschullehrer und NSDAP-Funktionär Alfred Richter (1890–1959), Schriftsteller Otto Winkelmann (1894–1977), SS-Obergruppenführer und General der Polizei Alexander Herrmann (1900–1981), HNO-Arzt, Hochschullehrer, Ehrenmitglied der griechischen, spanischen und ungarischen oto-laryngologischen Gesellschaften Wilhelm Casper (1902–1999), Militärverwalter Andreas Hamann (1904–1964), Jurist und Autor rechtswissenschaftlicher Literatur Justus Rubehn (1904–1997), 1959 ausgetreten, Jurist, Kreishauptmann und Regierungsdirektor Karl Marbach (1909–2003), Verwaltungsjurist, Präsident des Landesrechnungshofs Schleswig-Holstein Heinrich Bunke (1914–2001), Arzt Erich Topp (1914–2005), Konteradmiral, Chef des Führungsstabes der Marine und stv. Inspekteur der Marine Henning von Storch (1934–2018), Landrat, Mitglied des Landtages Mecklenburg-Vorpommern (CDU) Carl Hermann Schleifer (* 1942), Staatssekretär in Schleswig-Holstein und Manager Oliver Grundei (* 1970), Staatssekretär in Schleswig-Holstein
Siehe auch Universitätsfahne der Christian-Albrechts-Universität#Hintergrund Süddeutsches Kartell Liste der Burschenschaften Liste der Studentenverbindungen in Kiel
Literatur
Allgemeine Literatur Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 251. Michael Doeberl, Alfred Bienengräber (Hrsg.): Das akademische Deutschland, Bd. 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger. C. A. Weller, Berlin 1931. S. 889–890. Das Teutonenhaus zu Kiel. In: Burschenschaftliche Blätter. 6. Jahrgang 1891, S. 83.
Mitgliederverzeichnis
Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934. S. 1061.
Weblinks Offizielle Seite der Burschenschaft Teutonia Kiel
Einzelnachweise
Teutonia Kiel Kategorie:Studentenverbindung (Kiel) Kategorie:Vereinsgründung 1817