Wadjesen war ein frühägyptischer hoher Beamter oder, nach Wolfgang Helck, ein möglicher Kronprinz der 2. Dynastie, der vielleicht Thronnachfolger des Königs (Pharao) Ninetjer wurde. Seine Grabstätte konnte bis heute nicht lokalisiert werden.
Belege und Identität Wadjesen ist durch 14 Gefäßaufschriften aus eingebrannter, schwarzer Tinte auf Alabaster- und Kalksteinvasen belegt, die ausnahmslos aus den Untergrundgalerien des Königs Netjerichet (3. Dynastie) aus Sakkara stammen. 9 Inschriften bringen seinen Namen mit dem Sed-Fest in Verbindung, 4 mit seinem Titel Wer-ma’a (wr-m3ˁ) und 1 Inschrift nennt den Titel Is-Inpu (Js-npw).Ilona Regulski: Scribes in Eraly Dynastic Egypt. In: Eva-Maria Engel, Vera Müller, Ulrich Hartung: Zeichen aus dem Sand: Streiflichter aus Ägyptens Geschichte zu Ehren von Günter Dreyer (= Menes. Band 5). Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-44705-816-2, S. 581–606.
Wadjesens Name ist Gegenstand divergierender Ansichten innerhalb der Ägyptologie, da die Anordnung der Zeichen auf den Vasen die Lesung „Wadj-sen“ wahrscheinlich macht. Ägyptologen wie Peter Kaplony, Wolfgang Helck und Jürgen von Beckerath verbinden ihn mit dem zeitgenössischen Nebti-Namen „Weneg“, der mit einer schwer deutbaren Blume geschrieben wurde. Sie setzen zudem beide Namen („Wadjesen“ und „Weneg-Nebti“) mit dem Kartuschennamen des Königs Wadjenes aus ramessidischen Königslisten gleich.
Wolfgang Helck sieht Wadjesens Hofrang als „Kronprinz“ durch den Titel „Wer-ma’a“ gesichert, da dies ein Ehrentitel war, der in der Frühzeit dem ältesten Königssohn vorbehalten blieb. Der Titel „Is-Inpu“ hingegen ist äußerst selten bezeugt, er taucht unter König Hor Den in der 1. Dynastie erstmals auf. Ein bekannter Beamter mit diesem Titel war Sabu unter König Qaa gegen Ende der 1. Dynastie.
Datierung Die Tintenaufschriften lassen gemäß Ilona Regulski aufgrund graphologischer Abweichungen auf unterschiedliche Schreiber schließen. Es sei auch deshalb schwierig, allein aufgrund der Schriftausführungen festlegen zu wollen, wann genau Wadjesen wirkte. Die Handschriften gleichen einerseits jenen aus der Zeit kurz vor und während Ninetjers Regierungszeit, aber auch jenen der hohen Beamten Inichnum und Maapermin vom Ende der 2. Dynastie. Da der Kronprinz gehäuft mit einem Sed-Fest in Verbindung gebracht wird und dieses erstmalig erst im 30. Regierungsjahr eines frühdynastischen Herrschers gefeiert wurde, kommen nach aktueller archäologischer Fundlage nur die Könige Ninetjer und Djoser in Frage. Auch Wolfgang Helck tendiert in diese Richtung, ist aber überzeugt, dass Wadjesen ein Sohn von Ninetjer war und deshalb während der zweiten Hälfte der 2. Dynastie wirkte und eventuell später seinem Vater auf den Thron folgte.
Literatur Pierre Lacau, Jean-Philippe Lauer: La Pyramide à degrés, Tome IV: Inscriptions gravées sur les vases. Fasc. 1: Planches. Fasc. 2: Texte. Institut français d'archéologie orientale (IFAO) Kairo, Kairo 1959, Tafel 19, Nr. 105, Tafel 20, Nr. 101–107. Bernard Grdseloff: Notes d'épigraphie archaique. In: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte. (ASAE) Nr. 44. Institut Français d’Archéologie Orientale, Kairo 1944, S. 279–306. Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. (= Ägyptologische Abhandlungen. (ÄA) Band 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4. Wolfgang Schenkel: Die altägyptische Suffixkonjugation. Theorie der innerägyptischen Entstehung aus Nomina actionis. In: Ägyptologische Abhandlungen. (ÄA) Band 32. Harrassowitz, Wiesbaden 1960, ISBN 3-447-01689-2.
Einzelnachweise
Kategorie:Altägyptischer Beamter (Frühdynastische Zeit) Kategorie:Geboren im 3. Jahrtausend v. Chr. Kategorie:Gestorben im 3. Jahrtausend v. Chr. Kategorie:Mann