mini|Fritz Matthies-Masuren, porträtiert von Heinrich Kühn (Platindruck, 1907) Friedrich August Franz Matthies-Masuren (* 12. Februar 1873 in Insterburg, Ostpreußen; † 10. September 1938 in Berlin) war ein deutscher Maler, Kunstfotograf und Publizist. Als wichtiger Vertreter des Piktorialismus veröffentlichte er zahlreiche Texte in Zeitschriften und Büchern, bei denen er meist selbst die Herausgeberschaft innehatte.
Leben und Wirken Weg zur Kunstfotografie Fritz Matthies-Masuren wuchs als Sohn eines Bauinspektors bis in die 1890er Jahre in guten Verhältnissen auf, vermutlich auf einem ehemaligen Rittergut in Arensdorf (Ostpreußen), das seinen Eltern gehörte. 1894 schrieb er sich an der Großherzoglich-Badischen Akademie der bildenden Künste ein, wo er bis 1896 unter anderem unter Leopold von Kalckreuth verschiedene Künstlerklassen durchlief. Seine frühen Werke, darunter neben Kreidemalereien auch Radierungen und Lithografien, zeigen bereits eine Neigung zu Landschafts- und Porträtdarstellungen.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 10.
Ab 1896 fand Matthies-Masuren zur Fotografie. Für seine ersten Versuche, die auf der „Internationalen Ausstellung für Amateur-Photographie zu Berlin“ 1896 ausgestellt wurden,Kleine Mittheilungen. In: Photographische Rundschau. Jg. 10., Heft 11, 1896, S. 350 erhielt er eine Bronze-Medaille. In der Jury saßen unter anderem der Leiter der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark und Ernst Juhl, Präsident der „Gesellschaft zur Förderung der Amateur-Photographie Hamburg“ und Herausgeber der Zeitschrift Photographische RundschauKühn: Kunstfotografie um 1900. S. 148..
Erste Erfolge Seine Fotografien wurden in der Folge in zahlreichen Ausstellungen für die Amateurfotografie, für die er sich besonders starkmachte, ausgestellt. Nebenbei war er mit Gemälden, Radierungen und Lithografien noch in einigen Kunstausstellungen vertreten.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 148 ff. Matthies-Masuren wurde von der Hamburger „Gesellschaft zur Förderung der Amateur-Photographie“Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 150. zum auswärtigen Mitglied ernannt und von deren Präsidenten Juhl für seinen Beitrag zur Etablierung der Kunstfotografie gelobt. So schrieb dieser 1897 in der Photographischen Rundschau: „Matthies-Masuren mit seinen ausgezeichneten Porträts und Landschaften, die an Thoma’s Kunst, dessen Geburtshaus und -land auch wiedergegeben sind, erinnern, hat seit vorigem Jahre erhebliche Fortschritte gemacht.“Ernst Juhl: Fünfte internationale Ausstellung von Kunstphotographieen, veranstaltet von der Gesellschaft zur Förderung der Amateurphotographie in der Kunsthalle zu Hamburg, in: Photographische Rundschau Nr. 11, 1897, S. 377 ()
Etablierung der Amateurfotografie Im Oktober 1897 zog Matthies-Masuren nach München. Das Photographische Centralblatt, zuvor bei Otto Nemnich in Karlsruhe verlegt, erschien ab Oktober 1897Titelseite des Photographische Centralblatt. 3. Jg., Heft 19. 1. Oktober 1897, (Digitalisat) mit neuem Erscheinungsbild beim Verlag Georg D. W. Callwey in München. Matthies-Masuren übernahm Leitung und Bildredaktion der alle zwei Wochen erscheinenden Zeitschrift, für die nun die Vorgabe galt, „Kunstzeitschrift für Amateur- bzw. Kunstfotografie“ zu sein.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 17. Ziel war aber auch, „aus dem Berufsphotographen, dem Handlanger, einen Künstler [zu] machen.“ Diesen Anspruch teilte Matthies-Masuren unter anderem mit den Hamburgern Lichtwark und Juhl, sowie dem amerikanischen Kunstfotografen Alfred Stieglitz. Noch im selben Jahr begann er auch bereits für die „Photographischen Mitteilungen“ zu schreiben, die auch Reproduktionen seiner Fotografien veröffentlichten.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 152.
Abwendung von der Hamburger Gesellschaft zu Gunsten Wiens
Ende 1898 wandte sich Matthies-Masuren vermehrt den Wiener Künstlern um Hans Watzek, Hugo Henneberg und Heinrich Kühn („Wiener Kleeblatt“) zu, die in der nun erstmals von ihm als Hauptverantwortlichem in München organisierten Veranstaltung mit dem Titel „I. Internationale Elite-Ausstellung künstlerischer Photographien“ stark vertreten waren. Zudem entbrannte ein Streit zwischen der „Photographischen Rundschau“ und dem von Matthies-Masuren geleiteten „Centralblatt“, in welchem er proklamierte, dass die etablierte Jahresausstellung in der Hamburger Kunsthalle vom richtigen Wege abgekommen sei,Fritz Matthies-Masuren: Hamburger Ausstellung, in: Photographisches Centralblatt. Nr. 19, 1898, S. 378–384. eine Meinung, die die „Rundschau“ und die Hamburger Kollegen natürlich nicht teilten. Folgerichtig wurde Matthies-Masuren 1899 die Mitgliedschaft in der Hamburger „Gesellschaft zur Förderung der Amateurphotographie“ aufgekündigt.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 21. Matthies-Masuren verlor aber dennoch nicht an Gewicht. Im Gegenteil, durch die Vereinigung des „Centralblatts“ mit den „Wiener Photographischen Blättern“, die schon als Organ des weltweit bekannten „Wiener Camera-Klubs“ dienten, weitete sich dessen Verbreitungsbereich noch aus.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 157.
Werbung für den Gummidruck und Erweiterung des Einflusses Ab 1900 warb Matthies-Masuren besonders für den Gummidruck als einer technisch anspruchsvollen und künstlerisch wertvollen Methode der Kunstfotografie. Allein für mit diesem Verfahren hergestellte Bilder des „Wiener Kleeblatts“ veranstaltete er in Berlin eine Ausstellung und widmete ihnen später einen Prachtband im renommierten Wilhelm Knapp Verlag in Halle an der Saale.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 163ff. Dorthin zog das „Centralblatt“ – und somit auch dessen Herausgeber Matthies-Masuren – 1902 um. Im selben Jahr übernahm er auch die Leitung der verlagseigenen Monatszeitschrift „Das Atelier des Photographen“, die sich an Berufsfotografen richtete.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 167f.
Als sich sein Konkurrent Ernst Juhl 1902 sehr positiv über kontrovers diskutierte, stark retuschierte Fotografien des Amerikaners Edward Steichen äußerte,Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 24. wurde dieser nach heftigen Widerrufen mehrerer Photographenvereine gezwungen, von seinem Amt als Herausgeber der „Photographischen Rundschau“ zurückzutreten. Wiederum profitierte Matthies-Masuren, der sich in den Jahren zuvor noch gegen manuelles Retuschieren ausgesprochen hatte, von der Situation. Durch die erneute Fusion der hinzugewonnenen Zeitschrift mit dem „Centralblatt“ erweiterte sich sein Einflusskreis aufs Neue.
Zurück zu den Wurzeln 1903, als laut Ernst Juhl die Kunstfotografie ihren Zenit bereits überschritten hatte,Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 35. was sich in den Folgejahren durch eine gewisse „Ausstellungsmüdigkeit“Eduard Arning in: Elfte Ausstellung von Kunstphotographien in der Kunsthalle zu Hamburg, Hamburg 1906, S. 4. ausdrücken sollte, griff Matthies-Masuren die Ansätze, die Henry Peach Robinson 1869 in seinem Buch Pictorial Effect in Photography being Hints on Composition and Chiaroscuro for Photographers gegeben hatte, neu auf und formulierte in seinem eigenen Buch die Vorgaben für eine „bildmäßige Photographie“.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 169. Darin stellte er erneut den höheren Anspruch, den die künstlerische Fotografie gegenüber der gewöhnlichen haben sollte: Der Kunstfotograf habe sich – wie ein bildender Künstler – durch zusätzliche Praktiken und Techniken als „ganzer Mensch“ in seinem Werk auszudrücken.
Niedergang der „künstlerischen Fotografie“ Matthies-Masuren veröffentlichte bis zum Ersten Weltkrieg weiter Texte in Fotografiezeitschriften und veranstaltete mehrere Ausstellungen, allerdings nur noch als Mitbeteiligter. Die ursprünglich elitäre Kunstfotografiebewegung, wie sie sich in den 1890er Jahren etablierte, verlor zusehends an Profil. 1907 veröffentlichte Matthies-Masuren bereits einen überblicksartigen Band mit dem Titel Künstlerische Photographie. Entwicklung und Einfluss in Deutschland. Die publizistische Präsenz der künstlerischen Fotografie reduzierte sich weiter, als 1912 die „Rundschau“ mit den seit 1864 existierenden „Photographischen Mitteilungen“ fusionierte.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 180. 1914 überließ Matthies-Masuren seine gesamte Sammlung an Kunstfotografien als Leihgabe der Bibliothek des Berliner Kunstgewerbe-Museums.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 181 Ein Jahr später wurde er zum Militärdienst eingezogen.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 183.
Stagnation Nach dem Krieg wurde in Eisenach die „Gesellschaft Deutscher Lichtbildner“ gegründet, welcher Matthies-Masuren 1922 beitrat.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 184f. Im Jahr darauf heiratete er die 23 Jahre jüngere Charlotte Bartels, doch dem ehelichen Glück stand berufliche Stagnation gegenüber. Sein amerikanischer Kollege Alfred Stieglitz äußerte sich in einem Brief an Heinrich Kühn abschätzig über die von Matthies-Masuren geführte Redaktion der „Photographischen Rundschau und Mitteilungen“: „Aber es ist unglaublich wie öde u. veraltet u. tot die ‚Rundschau‘ ist trotz Deiner Aufsätze. Die Illustrationen sind bodenlos schlecht – ohne geringste Bedeutung.“Alfred Stieglitz: Brief vom 15. August 1923, zitiert nach Ulrich Knapp: Heinrich Kühn. Photographien, Salzburg/Wien 1988, S. 167f. 1924 kaufte der „Freundeskreis der Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums in Berlin“ Matthies-Masuren seine Sammlung schließlich für 500 Goldmark ab und schenkte sie der Bibliothek, wo sie bis heute erhalten ist.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 186.
NS-Propaganda und Tod Kurz nachdem die Zeitschrift „Das Atelier des Photographen“ 1933 mit dem Titel „Gebrauchs-Photographie. Das Lichtbild im Dienst der Reportage, Werbung, Industrie, Illustration, Wissenschaft, Kunst und Technik“ noch einen neuen Anstrich bekommen hatte, wurde im Oktober desselben Jahres von der NSDAP das Schriftleitergesetz erlassen, welches unabhängige, freie Kunst wie Kritik praktisch unmöglich machte.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 190f. Matthies-Masuren blieb in allen seinen Ämtern, schrieb aber schon seit Beginn der 1930er Jahre kaum mehr.Kühn: Kunstfotografie um 1900. S. 50. Wie man einer der NS-Partei freundlich gesinnten Wahlaufforderung in der „Gebrauchs-Photographie“ 1936 entnehmen kann, fügte sich Matthies-Masuren der von Joseph Goebbels gesteuerten Propaganda.Photographische Rundschau und Mitteilungen, Heft 1, 1930, S. 17. Im April 1938 gab er aus gesundheitlichen Gründen die Redaktion der „Rundschau und Mitteilungen“ ab, bevor er nach Berlin umzog, wo er am 10. September – seine Krankheit war inzwischen weit fortgeschritten – starb.
Publikationen Matthies-Masuren (M.-M.) veröffentlichte zahlreiche Texte in Fachzeitschriften und betreute als Schriftleiter und Bildredakteur eine wachsende Anzahl von Titeln:
Photographisches Centralblatt (): M.-M. ist seit Januar 1898 Bildredakteur der 14-täglich bei D.W. Callwey in München erscheinenden Zeitschrift. Vereinigung des Photographischen Centralblatts mit den seit 1894 als Organ des Wiener Camera-Clubs erscheinenden Wiener Photographischen Blättern (). Die Fusion wird 1899 beschlossen, M.-M. bleibt leitender Bildredakteur. Nach dem Umzug des Photographischen Centralblatts zum Wilhelm Knapp Verlag in Halle an der Saale führt M.-M. seine Herausgebertätigkeit weiter. Das Atelier des Photographen (). Zeitschrift für Photographie und Reproduktionstechnik: M.-M. übernimmt ab Juli 1902 Schriftleitung und Bildredaktion der ebenfalls im Knapp Verlag erscheinenden Monatszeitschrift. Die Photographische Rundschau: M.-M. ist ab 1903 Bildredakteur der ebenfalls im Verlag Wilhelm Knapp erscheinenden Zeitschrift. 1904 fusionieren die beiden von M.-M. geleiteten Blätter Photographische Rundschau und Photographisches Centralblatt.