mini|230x230px|Bei der Eröffnung einer Ausstellung, TU-Berlin Okt. 2008; Foto: Thilo Rückeis Jost Lemmerich (* 7. Juni 1929Naturwissenschaftliche Rundschau, Bd. 51, 1998, S. 226, J. Lemmerich, Wissenschaftsgeschichte und künftige Nachlässe in BerlinDipl.-Phys. Jost Lemmerich erhält die Ehrendoktorwürde der TU Berlin. Medieninformation Nr. 239 (24. Oktober 1996) der TU Berlin, abgerufen am 19. Juli 2011.; † 21. März 2018 ebenda) war ein deutscher Physiker und Wissenschaftshistoriker, der vor allem zahlreiche Ausstellungen zur Wissenschaftsgeschichte der Physik des 20. Jahrhunderts organisiert hat.
Leben
Bei Kriegsende wurde der 15-Jährige zum Volkssturm eingezogen und verwundet. Sein älterer Bruder war bereits im Kriege gefallen, dann auch sein Vater. Er konnte in der Nachkriegszeit die Schule mit dem Abitur abschließen. Sein Vater war bei Siemens gewesen, daher begann Jost Lemmerich auch dort zu arbeiten, in einem Chemielabor. Von der Firma ermöglicht, studierte er zwischen 1956 und 1962 Physik an der Technischen Universität Berlin. Nach Tätigkeiten wieder bei Siemens wechselte er 1970 an das Deutsche und dann an das Europäische Patentamt in Berlin. Dort und später nach seiner Pensionierung intensiver, begann er sich mit der Physikgeschichte und ihrer öffentlichen Darstellung zu befassen. Er organisierte über 20 Ausstellungen unter anderem an der Staatsbibliothek Berlin und dem Deutschen Museum in München. Den Anfang machte 1977 die Ausstellung über „Die Physik der Zwanziger Jahre“ als in Berlin die „Tendenzen der Zwanziger Jahre“ gezeigt wurden. Später wurde er Fellow des Churchill College der Universität Cambridge, wo er am Churchill Archives Centre Lise Meitners Nachlass bearbeitete. Aus diesem Nachlass edierte er ihre Korrespondenz mit Max von Laue sowie mit Elisabeth Schiemann.
Als Autor verfasste Lemmerich neben Katalogen zu seinen Ausstellungen und einzelnen Artikeln zur naturwissenschaftlichen Geschichte mehrere Biografien.
Ausstellungen (Auswahl)
Die Physik der Zwanziger Jahre, für die Deutsche Physikalische Gesellschaft, ausgestellt 1977 im Verwaltungsgebäude der Siemens AG, Berlin, mit Katalog, Einleitung von H.J. Queisser Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag von Albert Einstein, Lise Meitner, Otto Hahn, Max von Laue, 1979 Staatsbibliothek Berlin, dann in Kaiserslautern und in Peking, Katalog mit K.H. Boeters Dokumente zur Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Ausstellung in der Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz, Berlin 1981 siehe https://d-nb.info/820409170 Der Mensch und die Automation: Historische Aspekte, Ausstellung in einer Fabrikhalle, Osloer Straße 12, Berlin, 1984 mit Katalog A Brief Review of the History of Physics in Berlin, from the beginnings until 1933, anläßlich der „13th Internat. Conf. on Electronics & Atomic Collisions“, North-Holland Publ. 1984, Broschüre; 1983 und erweitert 1987 als Dauerausstellung für den Fachbereich Physik der FU Berlin Maß und Messen – Ausstellung aus Anlaß der Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt am 28. März 1887 – Berlin und Braunschweig 1987, Physikalisch-Technische Bundesanstalt Die Geschichte der Entdeckung der Kernspaltung: Ausstellungen in der Technischen Universität Berlin, 2. Dezember 1988 – 4. Februar 1989, Deutsches Museum München, 18. Februar 1989 – 10. August 1989 siehe umfangreichen Katalog im Bestand der Deutschen Nationalbibliothek unter https://d-nb.info/890488878. Die geplante Ausstellung im Lichthof der TU Berlin wurde kurz vor dem Beginn der Ausstellung von Demonstranten zerstört, siehe Robert Gerwin: Gedenkfeier mit vielen Fragezeichen, in: Physikalische Blätter 45 (1989), Seite 6, I. Peschel: Dunkles Finale, Physikalische Blätter 45 (1989), Seite 9, online, PDF. Laut Peschel wurde die Ausstellung für München rekonstruiert und dort gezeigt. 100 Jahre Röntgenstrahlen – Ausstellung aus Anlass der Entdeckung der Röntgenstrahlen, Würzburg 1995, Katalog dt./engl. Ausstellung zum 125. Geburtstag von Lise MeitnerDie Frau des Jahres – Zu Lise Meitners 125. Geburtstag stellt die Staatsbibliothek Briefe, Fotos und Urkunden aus dem Leben der berühmten Physikerin aus. In: Berliner Zeitung, 11. November 2003 (2003) Justus Liebig: Seine Zeit und unsere Zeit. Chemie – Landwirtschaft – Ernährung, Gießen 2003, anlässlich des Liebig-Jahres/Jahres der Chemie Ausstellung über die Geschichte der Physik an der TU BerlinAusstellung zur „Geschichte der Physik an der TU Berlin“ (2009) Hermann von Helmholtz: Ein Wegbereiter der wissenschaftlichen Psychologie, Ausstellung 2014 für das Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie der Universität Würzburg, gemeinsam mit A. Stock und mit Katalog.
Bücher
Michael Faraday: 1791–1867, Erforscher der Elektrizität, München: C.H. Beck Verlag, 1991 Friedrich II und die Naturwissenschaften, Aufsatz im Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 1988, Hrsg. H.J. Reichhardt, Berlin: Siedler Verl., 1988 Lise Meitner – Max von Laue: Briefwechsel 1938–1948, Berlin: ERS-Verl., 1998 Aufrecht im Sturm der Zeit: Der Physiker James Franck, Diepholz: Verl. für Geschichte der Naturwiss., 2007 Science and Conscience: The Life of James Franck, Stanford, California: Stanford University Press, 2011 Bande der Freundschaft: Lise Meitner – Elisabeth Schiemann: Kommentierter Briefwechsel 1911–1947, Wien: Verl. der Österr. Akad. der Wiss., 2010 Mein lieber Sohn! Die Briefe von Max von Laue an seinen Sohn Theodor in den Vereinigten Staaten von Amerika 1937–1948, Berlin: ERS-Verl., 2011 Politik und Werbung für die Wissenschaft: Das Harnack-Haus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft in Berlin-Dahlem, Rangsdorf: Basilisken-Presse, 2015 Hermann von Helmholtz: Ein Wegbereiter der wissenschaftlichen Psychologie, zusammen mit Armin Stock, Würzburg: Verl. Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie, Universität Würzburg, 2014 Max von Laue – Furchtlos und treu: Eine Biographie des Nobelpreisträgers für Physik, Rangsdorf: Basilisken-Presse, 2020 Max von Laue: Intrepid and True: A Biography of the Physics Nobel Laureate, Cham: Springer 2022
Ehrungen
Für seine Arbeiten zum Liebig-Jahr 2003, insbesondere für die Ausstellung Justus Liebig: Seine Zeit und unsere Zeit. Chemie – Landwirtschaft – Ernährung wurde ihm die Liebig-Medaille der Justus-Liebig-Universität Gießen (2003) verliehen.Liebig-Medaille der Universität Gießen für Dr. h.c. Jost Lemmerich. Pressemeldung der JLU in: Informationsdienst Wissenschaft, 10. September 2003 Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1995) Ehrendoktorwürde der TU Berlin (1996) Karl-Scheel-Medaille der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin Ehrenbürger der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg Goldene Ehrenplakette der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (2006)
Weblinks
Ausstellungen von Lemmerich Physikalische Gesellschaft zu Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Wissenschaftshistoriker Kategorie:Sachbuchautor (Physik) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Biografie Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Berlin Kategorie:Ehrenbürger der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Gestorben 2018 Kategorie:Mann