mini|hochkant=1.2|Das Curti-Schloss auf einer alten Aufnahme um 1870, Ost- und Westflügel stehen rechts nach dem Turm der Stadtkirche, die Spitze des Turms ist mittig zu sehen. (Auszug aus dem größeren Bild) mini|Merian Kupferstich der Altstadt von Groß-Umstadt (ca. 1650) zwischen Stadttorzugang im Süden (rechts) und Pfälzer Schloss (links, außerhalb des Bildes). Der geschweifte Giebelbau bildmittig ist das Wambolt’sche Schloss, der Turm rechts daneben kann der Kötzenturm (auch Hexenturm bzw. Nordturm) der Stadtmauer oder der Treppenturm des Curti-Schlosses sein. Das Curti-Schloss (in seinem Vorgängerbau Schrautenbach’scher Hof und entsprechend der Besitzernachfolge später auch Gall’sches Schloss genannt) war ein um 1655 um- und ausgebautes und 1963 niedergelegtes zweihäusiges Schloss mit Wohnturm und Adelssitz derer von Curti in der Stadt Groß-Umstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen.
Lage Das Anwesen baute auf einem alten Burgmannenhaus auf und befand sich in unmittelbarer Nähe nördlich des Wambolt’schen und des Pfälzer Schlosses. Es lag nördlich dieser Schlösser auf der anderen Seite der heutigen Curtigasse. Diese endete bei Bau des Schlosses direkt an diesem, hieß früher Wamboltsgasse und später bis ins 19. Jahrhundert Kötzengasse. Das Schloss war einst an der Mitte der westlichen Stadtmauer gelegen und einer der sieben Adelssitze in der Stadt. Es hatte Schutz durch den bis 1716 existierenden, direkt an das Anwesen angrenzenden Hexenturm der Stadtmauer. Nordöstlich davon in Rufweite befanden sich zwei weitere Adelshöfe, der schlichteste und kleinste, genannt der Alte Wambolts Hof (heute Heddersdorf’scher Adelshof) und das Rodensteiner Schloss. Der Adelssitz war Teil des westlichen Schutzes der Altstadt und lag auf 162 m ü. NHN.
Geschichte Niederer Adelshof
Der erste Nachweis des Adelshofes erfolgte mit dem Wappenstein mit der Jahreszahl 1516 des Hans Hartliep genannt WalspornSiehe , Nachweise , und Zuordnung des Johann Hartlieb gen. Walsporn vermutlich identisch, möglicherweise später nach Raum Memmingen verzogen. Ein durch Kaiser Maximillian I. an die Brüder Hans und Jakob Hartlieb, Walsporn genannt kann auch zugeordnet werden. als Allianzwappen Hartlieb genannt Walsporn / Bonne von Wachenheim, da der aus einer Wormser Patrizierfamilie stammende Hartlieb die Tochter des Wormser Bürgermeisters Bonn(e von Wachenheim) ehelichte. Hartlieb war vermutlich Pleban zu Umstadt, Verweser des Dieburger Johannis-Altars und Kapitular in Aschaffenburg. Wahrscheinlich stand damals nur der älteste Teil im Nordosten des Geländes.
Der westliche Querbau wurde erst 1590 erwähnt. Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 17. Jahrhunderts werden die Herrn von Weitolshausen genannt Schrautenbach (auch Weitholtshausen oder Weitelshausen und nach Rietstap „Weitelshausen di Schraudenbach“ benannt) als Besitzer erwähnt, die spätestens ab 1522 im hessischen Odenwald nachgewiesen sind und nach denen der Rodauer Hof seinen früheren Namen hat: Ehemaliger Schrautenbach’scher HofRodau im Odenwald. Geschichte. Rodauer Hofgut, Ortswebseite von Rodau; erneut abgerufen am 20. Oktober 2022. Die Schrautenbachs bekamen den Hof in Umstadt vom Landgrafen von Hessen als freien Besitz, alle Güter in der Gemarkung blieben aber Lehen. Lange Jahre wurde das Anwesen dann als Schrautenbachs Hof bezeichnet. Ein eingesetzter Verwalter des Hofes, Niclaus Stark (auch Nikolaus Starck oder Niklaus Starckh) heiratete in die Familie Weitolshausen ein (Ehe mit Martha von Weitelzhaußen genannt Schrautterbergin) und wurde Nachfolger und Eigentümer. Da er nichtadelig war, kam es zu einem langjährigen Rechtsstreit über die Rechte des Besitzes und deren steuerliche Freistellung mit dem Rat der Stadt Umstadt. Nach seinem Tode 1623 war dessen verheiratete Tochter von Kottwitz (von Aulenbach) Erbin und Besitzerin des Anwesens. Die Familie Kottwitz von Aulenbach besaß auch bis 1671 ein freiadliges Gut in Ober-Ramstadt.Das freiadlige (abgabefrei) Gut der Brüder Kottwitz von Aulenbach in der Brückengasse 11, Ober-Ramstadt, später Saalbau Suppes.
Renaissance-Schloss derer von Curti mini|links|hochkant|Der Namensgeber des Schlosses Johann Wilhelm Curtius (Curti) mini|Die Reste des Schlosses: drei Wappen der Familie Curti und seiner Frau von Gressenich und darüber klein das Doppelwappen der Vorbesitzer datiert 1516: Wallsporn – Bonne mini|links|hochkant|Siegel mit Curti-Wappen von 1699 der Anna Helena von Curti geborene Schenck zu Schweinsberg mini|Teilansicht der ehemals südlich zum Wambolt’schen Schloss zeigenden Front mit später ins Gebäude integrierten Treppenturm aus einer Aufnahme von vor 1912 Der Hof verfiel durch die wegen der Rechtsstreitigkeiten unterbliebenen Instandhaltungen. Die Erbin verkaufteWeiterveräußert wurde das Anwesen; Land und Boden waren Lehen von Kurpfalz und Darmstadt-Hessen. den Hof 1653/1654 an Johann Wilhelm Curtius (Johann Wilhelm von Curti) (1598–1678, in Frankfurt am Main), der sich wohl zu diesem Zweck am 14. April 1653 mit einem hessisch-darmstädter Burglehen in Umstadt belehnen ließ. Johann Wilhelm von Curti, der schon seit 1650 im Pfälzer Schloss als Pfälzischer Oberamtmann des Oberamtes Otzberg residierte und das Amt bis 1674 innehatte,Vgl. Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständigen geographisch-historischen Beschreibung der kurfürstlichen Pfalz am Rheine, Teil 2, Frankfurt und Leipzig 1786, S. 4 ließ das Anwesen als Alterssitz und Stammschloss großzügig renovieren. Mit der Wappentafel, die er dort anbringen ließ, nahm er in Anspruch, von der lombardischen, uradligen Familie der Curti di Gravedona abzustammen.1573 erster Nachweis der Vorfahren im Bensheimer Kirchenverzeichnis, schon eingedeutscht als Kurtz bezeichnet, lat. Curtius. Im Deutschen Geschlechterbuch als Freiherren von Kurtz (Curtius) geführt. Die Ahnen sind wohl über Genf am Rhein (ex Allobrogibus) entlang auf heute hessisches Gebiet eingewandert. Vgl. Die Inschriften des Landkreises Bergstrasse, Band 12, S. Scholz, Vlg. Reichert, 1994, S. 173–174Ein Vergleich der Wappen kann aber auch starke Gleichheit mit dem der Luzerner und Rapperswiler Patrizierfamilien aufzeigen. Siehe dazu auch Wappensammlung. Der schweizerische heraldische Webkatalog (Obere Reihe: Curti-Wappen); abgerufen am 26. September 2026.
Nachfolger Johann Wilhelm von Curtis ist sein Sohn Carl-Wilhelm von Curti gen. Curtius (alias Sir Charles William Curtius, 2. Baronet; * 26. Dezember 1654Nach anderen Quellen geboren am 5. Januar 1655 in Den Haag (Genealogisches Handbuch des Adels, Band 52, Seite 254), dies aber vermutlich die Taufe; † 13. April o. September 1733). Dieser war von 1681 bis ca. 1691 ebenfalls Oberamtmann des Oberamtes Otzberg.
Am 20. Februar 1702 fand im Schloss die nicht ebenbürtige und daher heimliche Hochzeit zwischen Christian Karl von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön-Norburg und Dorothea Christina von Aichelberg statt. Trauzeugen waren neben dem kurpfälzer reformierten Inspektor zu Umstadt und Otzberg Johann Jacob Müller die Hauseigner Carl-Wilhelm von Curti und seine Frau Anna Helena von Curti geborene Schenck zu Schweinsberg. Der Kondominatsherr und Landgraf von Hessen-Kassel Karl von Hessen meldete die Nachricht der heimlichen Vermählung an seine Schwester, die Königin von Dänemark Charlotte Amalie von Hessen-Kassel, die die Nachricht an des Herzogs Mutter Elisabeth Charlotte von Anhalt-Harzgerode auf ihrem Witwensitz auf Gut Østerholm auf Alsen weiterleitete. Während die Herzogin am Ende die Liebesheirat ihres Sohnes akzeptierte, hatte sein regierender Bruder Joachim Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön die seiner Ansicht nach morganatische Ehe, wohl vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, nie anerkannt und zwang Christian Karl in einem Vergleich auf alle fürstlichen Rechte für sich und seine Erben zu verzichten. Christian Karl nahm für sich und seine Familie den Namen von Karlstein an. Kurioserweise erbte sein Neffe, der Sohn Christian Carls, Friedrich Karl von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön nach seinem Tod dennoch und wurde letzter Herzog von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön.Georg Philipp Schmidt von Lübeck: Dorothea Christina von Aichelberg. Historische Darstellung aus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte des 18. Jahrhunderts. In: Schleswig-Holsteinische Blätter 3 (1837), S. 406–443, hier S. 414–416 (Digitalisat)Peter Hansen (Hofprediger zu Ploen): Kurzgefasste zuverlässige Nachricht von den Holstein-Plönischen Landen, Plön 1759, S. 302
Carl-Wilhelm von Curtis Söhne (Hermann) Carl August Adolf von Curti (* 22. April 1699, ⚭ 15. März 1740; † 18. August 1753) und verheiratet mit Erhardine Catharina Louise von Wahl (* um 1700; † 17. Februar 1786) auf Breuberg.de vom 13. August 2014, abgerufen am 25. November 2015; Webarchiv geprüft am 3. September 2020 und Philipp Anton von Curti († schon 1735) werden mit dem Besitz belehnt. Die Kinder Carl August Adolfs, Wilhelm Adam von Curti (* 21. Juli 1742; † 15. Januar 1823)August Sauer, Georg Stefansky, Hermann Pongs, Hans Werner Pyritz: Euphorion – Zeitschrift für Literaturgeschichte, Band 46, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 1952, S. 395, verheiratet mit Charlotte Elisabeth geb. von Fleckenbühl genannt Bürgel in Rodheim v. d. H. am 12. August 1774, siehe unter „Verwandte“ und letzter männlicher Spross derer von Curti, sowie Juliane Albertine von Gall geborene Curti (* 17. März 1744 Groß-Umstadt; † 15. Juni 1799 DreieichenhainUniversität Heidelberg – Historische Bestände digital; erneut abgerufen am 5. September 2018), die am 14. April 1768 den Kammerherrn, Hessischen Geheimrat und Oberlandjägermeister des Landgrafen von Hessen-Darmstadt Wilhelm Rudolf Daniel Philipp von Gall (* 1734; † 1799) heiratete (beider Sohn war der Freiherr Ludwig Christian Philipp von Gall und Generalmajor im Dienst des Großherzogtums Hessen-Darmstadt) s. unter „Partner“, werden gemeinsame Erben und 1754 und 1770 mit dem Besitz belehnt.
Gall’sches Anwesen Als Juliane Albertine stirbt, die vermutlich mit dem Konkurs ihres Bruders 1790 in den Besitz des Schlosses kam, gelangt der Besitz an die Freiherren von Gall. Diese setzten nur Verwalter ein, die Land und Gut bewirtschafteten. Als letzter dieser Verwalter wird der bis 1856 amtierende Domänenbote Rückert genannt. 1852 schon wird das Lehen als ehemals hessisches Kunkellehen freies Eigentum und damit Besitz der Freiherrenfamilie.
Städtischer Besitz mini|Das Curti-Schloss auf einer alten Aufnahme um 1870: Linke Bildseite: Ost- und Westflügel stehen rechts nach dem Turm der Stadtkirche Nur vier Jahre nach der Freistellung als Allod nutzen das die Freiherren von Gall und veräußern das Anwesen: Bei der Versteigerung von Schloss und Besitz am 10. und 11. März 1856 ging das Schloss und ein Großteil des Grundes an die Stadt über. Der Turm der Stadtmauer wurde abgerissen und das ehemalige Gärtchen vor dem Adelssitz als Verlängerung der Kötzengasse an die Schulstraße ausgebaut. Der Hauptbau diente im Erdgeschoss als Arrestanstalt, im Obergeschoss war ein Krankenzimmer und die Wohnung des Gefängniswärters eingerichtet. Im Ostflügel wurde 1869 eine „Höhere Privatlehranstalt“ mit zwei Wohnungen für Lehrer eingerichtet, die spätere „Realschule“. 1877 wurden Hospital und Gefängnis geschlossen und durch Umbau neue Schulräume gewonnen. Nach 1891, durch einen Neubau der Real- und Landwirtschaftsschule von 1888 bis 1891 frei geworden, wurden die Gebäude zu Armenwohnungen umgebaut und verfielen im 20. Jahrhundert zusehends. Von daher hatte es auch seinen Spitznamen „Läusekaserne“. Von 1899 bis 1901 war kurzzeitig die kleine „Erweiterte Mädchenvolksschule“ im Schloss untergebracht.