mini|Transdisziplinäre Prozessmalerei von Barbara Heinisch (2008) Barbara Heinisch (* 16. Juli 1944 in Rathenow) ist eine transdisziplinär arbeitende deutsche Prozess-Malerin,Bernhard Spiess: Transdisziplinaere Prozessmalerei. In: Malerei als Ereignis, 2015 mit einer ganz eigenen Kombination von Malerei und Performance – häufig mit Künstlern (z. B. Tanz und Musik) – wobei sich die figürlichen Elemente des Expressionismus mit den Bewegungsspuren des Informel verbindenMichael Klant, Josef Walch (Hrsg.): Grundkurs Kunst 4. Aktion, Kinetik, Neue Medien. Schroedel, Braunschweig 2004, ISBN 3-507-10013-4, S. 28 f. (PDF-Datei)., zutreffend analysiert durch die PerformancekonzeptionZur Performancekonzeption von Barbara Heinisch, Bernd M. Scherer zur Neueröffnung des Goethe-Instituts, Düsseldorf am 3. März 1988. von Bernd M. Scherer.
Leben In Rathenow verbrachte Barbara Heinisch nur das erste Lebensjahr. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sie mit ihrer Mutter nach Berlin. Ihr Vater war nach der Kriegsgefangenschaft wieder als Gymnasiallehrer tätig, verbunden mit mehreren Ortswechseln.
Ihr Studium begann Heinisch erst nach ihrer Heirat 1964 und der Geburt von zwei Kindern (1965 und 1966) an der Kunstakademie Düsseldorf 1969 bei Joseph Beuys. Ihr besonderes Interesse galt seiner Lehre vom Erweiterten Kunstbegriff zur Sozialen Plastik. 1973 setzte Heinisch an der Hochschule der Künste Berlin ihr Studium der Malerei bei Ulrich Knispel und Hermann Bachmann fort und wurde 1978 MeisterschülerinUrkunde: Ernennung zum Meisterschüler Berlin 1978 (PDF-Datei). bei Karl Horst Hödicke.Meister des malerischen Realismus. Kunst 2018, Tageskalender, Harenberg Verlag, Dortmund. Blatt vom 21. Februar 2018
Bereits in dieser Zeit entwickelte sie ihr eigenes Konzept aus Performance und Malerei. Erste Aktionen zur künstlerischen Selbstfindung begannen 1975 mit dem Durchbruch im Gemälde, gefilmt von Rainer Fetting.Erster Durchbruch. Berlin 1975 (YouTube). Es folgte das Blindporträt.Erstes Blindportrait. Berlin 1976 (YouTube). in 1976 und 1977 die erste transdisziplinäre Prozessmalerei.Erste transdisziplinäre Prozessmalerei. Berlin 1977 (YouTube). 1976 wurde sie eingeladen zu der Ausstellung Mit-Neben-Gegen, einer Drei-Tage-Aktion von Joseph Beuys und seinen Schülern im Frankfurter KunstvereinFrankfurter Kunstverein: Beuys in Frankfurt. In: Frankfurter Rundschau. und Amboß für Frau Maos Messer. In: Frankfurter Stadtanzeiger. Vom 4. und 6. November 1976 (PDF-Datei)., u. a. mit Anatol Herzfeld, Jörg Immendorff, Blinky Palermo, Imi Knoebel und Bernd Zimmer.Schreiben an Georg Bussmann, Frankfurt 1976 (PDF-Datei) Dort zeigte Heinisch ihren Super-8-Film von 1975 – Erster Durchbruch.
1978 nahm sie an den European Performance Series im Brooklyn Museum,Einladung: European Performance Artists, Brooklyn Museum vom 28. April 1978 (PDF-Datei) New York teil u. a. mit Marina Abramović, Ulay und Ben d’Armagnac,European Performance Series, New York 1978. sowie an live performances - behaviour workshop - festival - arnhem, Theater en Wij (Performance mit Diederick de Ziederick); u. a. mit Marina Abramović, Hermann Nitsch, Carolee Schneemann, Katharina Sieverding, Gina Pane, Jürgen Klauke, Joseph Beuys und Johannes Stüttgen.live performances - behaviour workshop - festival - arnhem, Arnhem 1978 (PDF-Datei)
1979 wurde Barbara Heinisch der Deutsche Kritikerpreis für Bildende Kunst in Berlin verliehen u. a. gemeinsam mit Otto Sander für Theater und Klaus Wagenbach für Literatur.Kritikerpreise 1979. In: Der Tagesspiegel. 21. März 1980 (PDF-Datei).Urkunde: Der Kritikerpreis für Bildende Kunst, Berlin 1979 (PDF-Datei) In diesem Jahr nahm sie an der Ausstellung Malerei in Berlin – 1970 bis heute der Berlinischen Galerie in Berlin und im Haus an der Redoute in Bonn teil u. a. mit Johannes Grützke, László Lakner, Walter Stöhrer, Hann Trier, Heinz Trökes und Wolf Vostell.Malerei in Berlin – 1970 bis heute, Berlinische Galerie. In: Haus an der Redoute. Bonn 1979 (PDF-Datei)
1980 zeigte Barbara Heinisch im Frankfurter Kunstverein eine Prozessmalerei mit dem Künstler Egon Schrick - Ecce Homo.Egon Schrick: Gedanken zur Frankfurter Aktion mit Barbara Heinisch. In: Katalog Malerei als lebendiger Prozess. 1981 (PDF-Datei). In diesem Jahr wurde sie von dem Kunsthistoriker Egidio Alvaro für eine Ausstellung und eine Prozessmalaktion in seine Pariser Galerie Diagonale eingeladen,Diagonale/espace critique. LATITUDES n° 4 – décembre 1998, S. 26 f. (PDF-Datei) ebenso von dem Künstler Jean-Jacques Lebel zu seinem Performance Festival Avis de passages in das ARC –Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. Sie malte dort das Porträt von Andreas Vitásek, das noch im selben Jahr von der Berlinischen Galerie erworben wurde.Performance Festival: Avis de passages, Paris 1980 (PDF-Datei) 1980 nahm Heinisch auch an der Realism and Expressionism in Berlin Art teil, einer Ausstellung in der Frederick S. Wight Art Gallery, University of California, Los Angeles, u. a. mit Alexander Camaro, Walter Stöhrer, Fred Thieler, Otto Dix, George Grosz, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein.Realism and Expressionism in Berlin Art. Frederick S. Wight Art Gallery, University of California, Los Angeles 1980, (PDF-Datei).
1981 erhielt sie die Einladung zur Sendung 3 nach 9 des Radio Bremen TV für eine Prozessmalaktion mit einem anschließenden Interview von Marianne Koch und Wolfgang Menge.Malerei als lebendiger Prozess. In: 3 nach 9. Radio Bremen TV 1981 (MP4-Datei) Im selben Jahr, erstmals in Berlin und gemeinsam mit dem Künstlerhaus Bethanien und dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, wirkte Heinisch künstlerisch und organisatorisch mit an dem Festival Performance Eins, u. a. mit Emmett Williams, Nan Hoover, Dieter Appelt und Jochen Gerz. 1982 war sie verantwortlich für das Konzept und die Organisation von Performance Zwei im Künstlerhaus Bethanien, u. a. mit Bruce McLean, Emmett Williams, Gina Pane, Peter Gilles, Jürgen Klauke, Mike Hentz und Marina Abramović.Künstlerhaus Bethanien (Hrsg.): Performance – eine andere Dimension. Frölich & Kaufmann, Berlin 1983, ISBN 3-88725-056-7 (PDF, Auszüge).
Von 1982 bis 1983 erhielt Barbara Heinisch das P.S.1-Stipendium für New York.Certificate for P.S.1-Studies. Der Senator für Wissenschaft und Kulturelle Angelegenheiten, Berlin 28. September 1981 (PDF-Datei). Gemeinsam mit dem Musiker Peter Kowald und dem Tänzer David Wolf führte sie am 12. Januar 1983 im Clock Tower, New York eine Prozessmalerei vor.Heinz Ohff: Begegnung mit New York In: Der Tagesspiegel. 26. Mai 1983 (PDF-Datei).
Seit 1983 besteht Urheberschutz durch VG Bild-Kunst (Urhebernummer 281871).
Es folgten mehrere Gast-Professuren, zunächst an der Gesamthochschule Kassel (1983). Hierzu schrieb der Dekan:
Dem schloss sich eine Lehrtätigkeit an der Kunsthochschule Oslo (1984)Guest Teaching Program 1984/1985, Statens Kunstakademi Oslo. 21. November 1983 (PDF-Datei). auf Initiative der Künstlerin Sissel Tolaas an. Zu Beginn zeigte sie dort eine Prozessmalerei mit Sissel Tolaas, die hinter der Leinwand einen Pferdeschädel bewegte. Zu weiteren Lehraufträgen wurde sie an die Hochschule der Künste Berlin (1985/86), an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (1994)Frauen Körper Kunst, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. 5. Januar 1994. und an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (1995)Lehrauftrag –Körpermasken, Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 9. März 1995. eingeladen.
1985 wurde sie mit einem Kunstfonds Arbeitsstipendium ausgezeichnet.Förderungsvertrag für Arbeitsstipendium. Stiftung Kunstfonds Bonn, 1985 (PDF-Datei).
1986 bekam sie von Carola Wedel den Auftrag eine Performance für das Literarische Café des SFB im Café Einstein in Berlin zu zeigen. Dafür engagierte sie den Schauspieler Otto Sander und die Tänzerin Evelyn Heregger.Performance. In: Café Einstein Prozessmalerei zu Walt Whitman-Gedichten Berlin 23. September 1986.
Von 1986 bis 1997 lebte und arbeitete Heinisch in Düsseldorf.
1988 entstand in einer spektakulären Aktion im Museum Folkwang, Essen das Gemälde Phoenix, wobei ein „Nacktes Modell die Grenzen der Malerei sprengte“.Phoenix 1988. In: Museum Folkwang. 15. Januar 1988 (YouTube). 1988 zeigte Barbara Heinisch auch eine Prozessmalerei in der literarischen Revue lyrics von Joachim Dennhardt, live übertragen vom WDR aus dem historischen Spiegelzelt in Düsseldorf. WDR - Lyrics 1988. In: historisches Spiegelzelt, Düsseldorf. 24. September 1988 (WEBM). Es entstand das Gemälde Trias.
1991 erhielt Heinisch den Auftrag für das Bühnenbild und die Kostüme vom Käthchen von HeilbronnKäthchen von Heilbronn. Programmheft Nr. 1, Stadttheater Gießen, 1991/92 (PDF-Datei). sowie 1992 für die Ausstattung vom Hamlet am Stadttheater Gießen, unter der Regie von Johannes Kaetzler.Hamlet. Programmheft Nr. 2, Stadttheater Gießen, 1992/93 (PDF-Datei).
mini|Selbstporträt 1992, Live-Aktion im ZDF In der Livesendung ZDF – Matinée bekam Barbara Heinisch 1992 ein Porträt in der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Nach dem Interview mit der Moderatorin Desirée Bethge malte sie ein Selbstporträt.Selbstporträt Barbara Heinisch. In: ZDF-Matinée. Schirn, Frankfurt 1992 (WEBM). Für die Prozessmalerei engagierte sie die Musikerin Annemarie Roelofs und die Tänzerin Sayonara Pereira.Porträt Barbara Heinisch. In: ZDF-Matinée. Schirn, Frankfurt 1992 (ZDF Live-Kunst).
Ab 1993 Leitung von mehrtägigen Workshops an verschiedenen Instituten u. a. Sommerakademie im Gustav-Lübcke-Museum, Hamm (1995),Gisbert Sander: Gestalt angenommen In: Westfälischer Anzeiger. 22./23. Juli 1995, 2. Sommerakademie Hamm, Ev. Akademie, Löwenstein, Heilbronn (1995–1997)Christiane Dätsch: Kunst, die Einzelgängern keine Chance lässt In: Heilbronner Stimme. 25. Mai 1997, (PDF-Datei) und Ev. Akademie Nordelbien, Bad Segeberg (1997).Workshop: PAAR-BILDungen mit der Künstlerin Barbara Heinisch vom 4. bis 10. Juli 1997. (PDF-Datei). Ein Porträt von Heinisch schrieb 1997 Marion Stuckstätte für die Rheinische Post, Düsseldorf.Marion Stuckstätte: Portrait. Der Mal-Akt in Schwingungen. In: Rheinische Post. 19. Juni 1997 (PDF-Datei). Im selben Jahr lernte Barbara Heinisch ihren zweiten Mann während einer Studienreise kennen. Seit ihrer Heirat 1999 hat sie ihr Atelier in Bad Nauheim.
Barbara Heinisch wurde 2004 in die Anthologie Grundkurs Kunst mit der DVD Kunst in Bewegung von Michael Klant im Kap. Malerei als Ereignis (8 Künstler) aufgenommen.Michael Klant (Hrsg.): Kunst in Bewegung, 2004, ISBN 3-7757-1433-2 (PDF, Leseproben zu Filmbeiträgen zur Kunst der Gegenwart).Die Künstler in Grundkurs Kunst. Unter: Malerei als Ereignis, 2004.
2010 wurde anhand des Gemäldes Ostern II durch Ludwig A. Pongratz im Kapitel Bildung unter Von Leonardo bis Lichtenstein: Eine Theorie-Geschichte der Bildung in Bildern ihre Prozessmalerei analysiert: „[…] Der Prozess der Überschreitung ist hier gleichsam in seiner materialisierten Spur festgehalten. Es gibt kein identifizierbares Subjekt, aber es gibt auch keinen leeren Raum. Es gibt den Ort des Ereignisses, in dem sich Subjektivität in unverwechselbarer Weise aktualisiert. Das Subjekt reißt in seiner Bewegung eine Differenz auf; es zerreißt die Oberfläche planer Faktizität. Es ist im Überschritt sich selbst voraus – deshalb auch nicht objektivierbar. Wollte man dennoch seinen Ort bestimmen, so müsste man ihn, der Bewegung des Bildes folgend, beim jeweiligen Betrachter selbst lokalisieren. Wir sind mitgemeint und werden mit hinein genommen in eine überschreitende Bewegung.“Ludwig A. Pongratz (Hrsg.): Sackgassen der Bildung. Von Leonardo bis Lichtenstein. Verlag Ferdinand Schöningh, 2010, ISBN 978-3-506-76906-0, S. 117 f. (PDF, Auszug). Das Gemälde Ostern II ist in weiteren Beiträgen gewürdigt worden, insbesondere im theologischen Bereich.Ostern II: Dokumentation der Beiträge, von 1980 bis 2021.
mini|Coronabedingter Atelier-Dialog mit Musikerin, Bad Nauheim 2020