Groß-Umstadt ist eine Stadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Die Stadt ist ein Mittelzentrum im östlichen Kreisgebiet. Der Weinort ist auch als Odenwälder Weininsel bekannt.
Geografie Geografische Lage mini|Gemarkung der Kernstadt Groß-Umstadt liegt im südlichen Hessen am nordöstlichen Rand des Odenwalds und am südlichen Rand des Rhein-Main-Gebiets. Die höchste Erhebung der Stadt ist der Heidelberg mit 365 m ü. NN (südöstlich des Stadtteils Wiebelsbach), die höchste Erhebung der Gemarkung Groß-Umstadt die Alte Höhe mit 358 m ü. NN (in östlicher Richtung zum Stadtteil Dorndiel).
Nachbargemeinden Groß-Umstadt grenzt im Norden an die Gemeinde Münster (Hessen) und die Stadt Babenhausen, im Osten an die Gemeinden Schaafheim und Mömlingen (Landkreis Miltenberg, Regierungsbezirk Unterfranken, Bayern) sowie an die Stadt Breuberg (Odenwaldkreis), im Süden an die Gemeinde Höchst im Odenwald (Odenwaldkreis) und im Westen an die Gemeinden Otzberg und Groß-Zimmern sowie im Nordwesten an die Stadt Dieburg.
Stadtgliederung Etwa die Hälfte der rund 22.000 Einwohner lebt in der Kernstadt, die andere Hälfte in den von 1970 bis 1977 im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingemeindeten Orten Dorndiel, Heubach, Kleestadt, Klein-Umstadt, Raibach, Richen, Semd und Wiebelsbach. Zum Stadtteil Wiebelsbach gehört auch das seit 1961 nach dort eingemeindete Frau-Nauses. Die Kernstadt Groß-Umstadt besteht aus der Gemarkung Groß-Umstadt, Innerhalb dieser Gemarkung liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze: Bahnhaus am Hungerberg Burkards Mühle Eselsmühle Haxenmühle Siedlung Jahnheim Knöllenmühle Langheinzermühle Mittelste Mühle Wüstung Wächtersbach Langheinzermühle
Geschichte mini|Reste eines Römischen Grabdenkmals (rechts) mit Darstellung aus heutiger Sicht (links) aus dem 2. Jahrhundert im Umstädter Heimatmuseum. Funde aus der Groß-Umstädter Stadtkirche in den Resten einer villa rustica. Altsteinzeit und Antike Periode mini|links|Die römischen „Traubensteine“ in der Stadtkirche Aus der Gemarkung sind urgeschichtliche Spuren bereits aus der Altsteinzeit bekannt. Um 125 n. Chr. wurde im Rahmen der römischen Besiedlung des rechtsrheinischen Teiles der Provinz Germania superior die Civitas Auderiensium mit dem Hauptort Dieburg (Med(---)) gegründet. In der Folge begann eine planmäßige Besiedlung und Romanisierung des Gebietes. Um den zentralen Markt- und Verwaltungssitz wurden landwirtschaftliche Güter angelegt. Das Hauptgebäude einer solchen villa rustica wurde unter der heutigen Stadtkirche ergraben; Plätze weiterer römischer Landgüter im heutigen Stadtgebiet sind bekannt. Die Villae Rusticae bestanden bis zu den Alemanneneinfällen gegen Ende des dritten Jahrhunderts (Limesfall). Das weitere Geschehen bis zur urkundlichen Ersterwähnung 450 Jahre später liegt noch im Dunkel der Geschichte. Alamannische und spätere fränkische Gräber, besonders im Bereich zwischen heutigem Sitz der Sparkasse und dem Bahnhof, deuten auf eine fortbestehende Siedlung im Bereich des Stadtgebietes hin. Auch der Bau der Kirche im Kernbereich der ehemaligen Villa Rustica spricht für eine kontinuierliche Besiedlung, zumindest aber für eine bewusste Anknüpfung an die vorhergehende Ansiedlung.
Frühmittelalter Nachdem die Franken das Gebiet der Alemannen erobert hatten, legten sie zur Sicherung der Verwaltung Königshöfe an. Ein solcher ist auch für Umstadt sicher. Von hier wurde die Umstädter Mark verwaltet, die nicht nur das gesamte heutige Stadtgebiet samt Stadtteilen umfasste, sondern auch die Gemeinden Otzberg, Höchst (Odw.), Breuberg und Schaafheim. Umstadt bestand zu diesem Zeitpunkt als Marktflecken mit Kirche und Grafensitz. Groß-Umstadt wurde im Jahre 741 erstmals urkundlich als AutmundisstatUrkunde Kaiser Ludwig des Frommen vom 19. Dezember 822, indem er zwei andere Urkunden an das Bistum Würzburg mit Kirchen und Landschenkungen durch seine Vorgänger Karlmann und Pippin III., vgl. Ludwig der Fromme, 822 dez. 19, Franconofurd: bestätigt der kirche von Wirzburg auf bitte des bi..., 822-12-19 und Karolingische Schenkungen an das Bistum Würzburg bestätigt erwähnt. Der Name Autmundisstat deutet auf eine Stätte des Autmundis (Edmund?) hin, andere Erklärungen versuchen, römische Namenstraditionen nachzuweisen: Autmundis = ad montes (an den Bergen), was die Topographie Umstadts aus Richtung Dieburg gesehen, beschriebe. 766 erlangt das Kloster Fulda den Besitz der Umstädter Mark, zu der auch Groß-Umstadt gehörte. 985 gibt es hier, urkundlich belegt, drei Kirchen, Mühlen und Weinberge, die dem Kloster gehören.
Spätmittelalter mini|links|Die Zehntorte im Amt Umstadt im 15. und 16. Jahrhundert mit ihren verschiedenen späteren Zugehörigkeiten mini|Das Wambolt’sche Wappen zwischen Nord- und Südbau des Wambolt’schen Schlosses in Groß-Umstadt Im Rahmen des allgemeinen Aufschwungs im Hohen Mittelalter besitzt Umstadt seit mindestens 1263 Stadtrechte und wurde mit einer Stadtmauer versehen. Kleine Reste finden sich vor allem nordwestlich des Darmstädter Schlosses und können am Pfälzer Schloss nachverfolgt werden, die sich beide direkt an der Stadtmauer befanden.
Konrad IV. von Hanau hatte sich für seine Wahl zum Fürstabt des Klosters Fulda 1373 hoch verschuldet. Das hatte gleich nach seinem Amtsantritt die Konsequenz, dass er versuchte, die eingegangenen Schulden aus dem Reichsstift Fulda zu refinanzieren. Schon 1374 verpfändet er deshalb die Veste Otzberg, die Stadt Hering und Anteile an der Stadt Umstadt für 23.875 fl. an seinen Neffen, Ulrich IV. von Hanau. Andere Teile wurden von der Kurpfalz übernommen; es entstand das Kondominat Umstadt. Baulich dokumentiert sich das in zwei Schlossbauten: Das Hanauer Schloss, entstanden aus der ersten Wasserburg in der Nordostecke der Stadt, und das Pfälzer Schloss in der Südwestecke. Dazwischen entstanden die Adelshöfe der Burgmannen. Davon überflügelte der Sitz der Familie Wambolt von Umstadt bald die beiden Schlösser der Stadtherren.
Frühe Neuzeit mini|links|hochkant|Die Umstädter Elle am Rathaus, datiert 1604 mini|Kupferstich von Matthäus Merian aus Band 5 „Topographia Palatinatus Rheni et Vicinarum Regionum“ der Topographia Germaniae erschienen 1645. Das Bild zeigt „Umbstatt“ 1504 eroberte Landgraf Wilhelm II. von Hessen, der Mittlere, im Landshuter Erbfolgekrieg und im Auftrag des römisch-deutschen Königs Maximilian I. die Stadt. Da in der Auseinandersetzung die Pfalz und das mit ihr verbündete Hanau unterlagen, hielt Wilhelm II. von Hessen die Stadt zunächst besetzt, und erst der Reichstag zu Worms 1521 klärte die Verhältnisse wieder. Das Ergebnis war erneut ein Kondominat, diesmal zwischen Hessen und der Pfalz. Hanau schied aus, erhielt dafür 12.000 Gulden und mehrere Ortschaften aus der Zent Umstadt, nämlich Harpertshausen, Kleestadt, Langstadt und Schlierbach.Magistrat der Stadt Groß-Umstadt (Hrsg.): Ein Umstädter erzählt – Heimatforscher Georg Füßler und sein Umstadt. Geiger-Verlag, 1995.
Unter der gemeinsamen Herrschaft von Hessen und der Pfalz entwickelt sich bis kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg eine wirtschaftliche Hochblüte der Stadt. Ausdruck sind u. a. das bis heute erhaltene Rathaus, das ab 1596 erbaut wurde, und eine verstärkte militärische Befestigungsanlage zur Sicherung der Stadt. Die starke Befestigung mit Bastionen verhinderte zwar eine größere Zerstörung, doch litt die Bevölkerung unter Not und Entbehrungen in den Kriegswirren und unter den dadurch verbundenen Infrastruktureinbußen. Nicht zuletzt auch durch die Bevölkerungsdezimierung der großen Pest der Jahre 1634 bis 1636Umstädter Museums- und Geschichtsverein (Hrsg.): Das Umstädter Pestbuch – Die große Pest 1634–1636. Sighard Volp, Selbstverlag, 2005. geriet die Stadtentwicklung ins Hintertreffen. Der bis dahin aufstrebende Verwaltungssitz Umbstatt stieg zu einer unbedeutenden ländlichen Kleinstadt ab.
Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs 1688 wurde die Stadt im Dezember durch 600 Mann Dragoner unter dem Marquis von Barbistere kurzzeitig besetzt und verwüstet.Gustav Simon: Die Geschichte der Dynasten und Grafen zur Erbach und ihres Landes, Verlag und Druck Brönner, Frankfurt am Main, 1858, S. 442.
19. Jahrhundert Verwaltungsmäßige Zugehörigkeit 1802 übernahm die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, 1806 von Napoleon zum Großherzogtum Hessen erhoben, die Herrschaft über die Stadt. Bis 1821 nahm das Amt Umstadt Verwaltung und Rechtsprechung in Umstadt wahr. Mit der Verwaltungsreform im Großherzogtum Hessen in diesem Jahr wurden auch hier auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt. Für die Verwaltung wurden Landratsbezirke geschaffen, die erstinstanzliche Rechtsprechung Landgerichten übertragen. Der Landratsbezirk Dieburg erhielt die Zuständigkeit für die Verwaltung unter anderem für das gleichzeitig aufgelöste Amt Umstadt. Durch verschiedene Verwaltungsreformen gehörte Umstadt dann ab 1832 zum Kreis Dieburg, 1848 zum Regierungsbezirk Dieburg und 1852 wieder zum Kreis Dieburg. Dieser wurde 1939 in „Landkreis Dieburg“ umbenannt§ 1 Abs. 3 Dritte Verordnung über den Neubau des Reichs. In: RGBl. I S. 1675. und ging 1977 anlässlich der Gebietsreform in Hessen im Landkreis Darmstadt-Dieburg auf.
Gerichtliche Zuständigkeit Bei der Reform 1821 übernahm das Landgericht Umstadt die erstinstanzliche Rechtsprechung in Umstadt, die zuvor das Amt wahrgenommen hatte. Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz von 1877 wurden Organisation und Bezeichnungen der Gerichte reichsweit vereinheitlicht. Zum 1. Oktober 1879 hob das Großherzogtum Hessen deshalb die Landgerichte auf. Funktional ersetzt wurden sie durch Amtsgerichte.§§ 1, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f. So ersetzte das Amtsgericht Groß-Umstadt das Landgericht Umstadt. Als das Amtsgericht Groß-Umstadt 1968 aufgelöst wurde, übernahm das Amtsgericht Dieburg die örtliche Zuständigkeit für Groß-Umstadt. Das aufgelöste Amtsgericht Groß-Umstadt bestand bis 1970 als dessen Außenstelle weiter, als auch diese aufgelöst wurde.
Weiteres Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Groß-Umstadt:
Ab 1857 trug die Stadt zur Unterscheidung von Klein-Umstadt und Wenigumstadt die Bezeichnung „Großumstadt“.Landgericht Großumstadt: [Bekanntmachung] An sämmtliche Großherzogliche [!] Ortsgerichte des Landgerichtsbezirks Großumstadt vom 25. April 1857. In: Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg und Neustadt Nr. 34 vom 2. Mai 1857 [ohne Seitenzählung]. Erst später wurde die Schreibung „Groß-Umstadt“ gemäß den Rechtschreibregeln für das Großherzogtum Hessen eingeführt (vgl. hier).
Nach dem Anschluss an die Odenwaldbahn Hanau – Michelstadt – Eberbach siedelten sich zahlreiche Werkstatt- und Industriebetriebe in der Stadt an.
Von 1839 bis 1931 wurde intensiv Bergbau auf Schwerspat betrieben. Siehe auch: Liste von Bergwerken im Odenwald.
20. Jahrhundert 1933 wählten 60 % der Umstädter die NSDAP. 1938 wurde die Synagoge geschändet und schließlich 1978 gegen den Willen von Ortsbeirat und Kreistag abgebrochen und in den Hessenpark verbracht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Einwohnerzahl an und stieg durch zahlreiche Eingemeindungen auf etwa 22.500. Eine große portugiesische GemeindeAusländerintegration: Katholisch, fleißig, jung Artikel in: Der Spiegel, 5. November 2005, abgerufen am 8. Januar 2017. lebt in der Stadt und trägt zu den zahlreichen Festen bei.Der erste Portugiese. Wie Saudade in den Odenwald kam, ARTE Dokumentation 2024; abgerufen am 18. April 2024 Die Stadt Groß-Umstadt fällt außerdem durch eine lebhafte Beteiligung der Bürger an Planungsprozessen und Stadtentwicklung (Bürgerhaushalt, lokale Umsetzung der Agenda 21) sowie durch ein reichhaltiges Vereinsleben auf.
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