Weinbau am Zürichsee beschreibt den Weinbau in der Region rund um den Zürichsee in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Schwyz. Die in Seenähe gelegenen Weinberge befinden sich am rechten Ufer in Zürich-Hottingen, Zürich-Riesbach, Zollikon, Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg, Meilen, Uetikon, Männedorf, Uerikon, Stäfa, Feldbach und Rapperswil sowie am linken Ufer in Zürich-Enge, Horgen, Wädenswil, Richterswil und Leutschen.

Vom 12. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der Weinbau am Zürichsee die Haupterwerbsquelle der Bevölkerung und die Grundlage des damaligen Wohlstandes. Er stand im Mittelpunkt des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens und beeinflusste während Jahrhunderten die Bevölkerung, ihr Leben und ihre Arbeit.

mini|Rebberg «Lattenberg» beim Weiler Mutzmalen in Stäfa: die grösste zusammenhängende Rebfläche am Zürichsee

Umweltbedingte Gegebenheiten Für den Anbau der Weinreben wurde keine Gegend der Ostschweiz so stark wie das Zürichseegebiet von der Natur begünstigt. Das am See herrschende Klima kann als Weinklima bezeichnet werden. Am See wurden alle für den Weinbau geeigneten Hänge mit Reben bepflanzt und flachere Lagen wurden angepasst, um sie für den Weinbau nutzbar zu machen.

Geländebeschaffenheit mini|Pfannenstiel-Kette vom gegenüberliegenden Zürichsee-Ufer (Etzel) gesehen Der Zürichsee wird von zwei Höhenzügen flankiert, dem Pfannenstiel im Osten und der Albiskette mit dem vorgelagerten Zimmerberg im Westen. Der in der Eiszeit durchfliessende Linthgletscher schliff die heute typischen Geländeterrassen aus den beiden Bergrücken, welche den Hängen beidseits des Sees eine treppenartige Form geben. Die vom See aufsteigenden, durch Terrassen unterbrochenen Hänge weisen eine günstige Neigung auf, obwohl sie für die Bearbeitung oft als steil und mühsam empfunden werden. Naturgemäss ist der Pfannenstiel mit seinem südwestlich ausgerichteten Hanglagen gegenüber dem nordöstlich ausgerichteten Zimmerberg begünstigt. Zudem schafft die Reflexion der Sonnenstrahlung durch den See Vorteile für den Pfannenstiel. Charakteristisch vor allem für das rechte Ufer ist die vertikale Zerteilung des Bergrückens durch tiefe Bachtobel.

Die Böden im Zürichseegebiet entstanden durch Verwitterung des Moränenschuttes und des Molasseuntergrundes. Sie bestehen vorwiegend aus Braunerde und Parabraunerde. Die nicht zu schweren, tiefgründigen und wüchsigen Böden enthalten einen mittleren Kalkgehalt, zum Teil bis zu 40 Prozent, was die Reben gut wurzeln lässt. Sie sind auf den Terrassenebenen tiefgründig und besonders fruchtbar, aber auch an den Hängen lassen sich grosse Ernten erzielen.

Klima Das Klima am Zürichsee kann als Weinklima bezeichnet werden. Im Winter sind schwere Fröste selten. Damit ist die Gefahr des Erfrierens der kälteempfindlichen Reben klein, es sei denn, der See als Wärmespeicher gefriere. Die für den Weinbau notwendigen Durchschnittstemperaturen pro Jahr, für den Monat Juli und für die Vegetationsperiode und die geforderte Sonnenscheindauer werden am Zürichsee im Mittel der Jahre nur knapp erreicht. Die Sonneneinstrahlung kann bei nach Süden gerichteten Terrassenhängen des rechten Ufers um 25 Prozent stärker sein als in einem nach Norden geneigten Hang des linken Ufers. Niederschläge fallen zu viel: Bei über 1000 mm Niederschlag wird die Rebe vermehrt von Pilzkrankheiten und Traubenfäulnis befallen. Die warme Witterung während der Vegetationsperiode mit genügend Niederschlägen begünstigt das Wachstum der Rebe.

Die Hagelgefahr ist mittelstark. Die Schwemmgefahr ist daher an den steilen Hängen ohne Verbauungen meist gross. Durch Entwässerung konnten die Hänge stabilisiert und so Rutschungen verhindert werden.

Geschichte

Erste Erwähnungen Als erste sollen die Römer die günstigen Verhältnisse für den Rebbau am Zürichsee erkannt haben; sie brachten die Reben in die Ostschweiz. Im 9. Jahrhundert, wahrscheinlich um 874, wurde der Weinbau im Zürichseegebiet erstmals schriftlich erwähnt. In der betreffenden Urkunde werden verschiedene Besitzungen des Grossmünsterstifts aufgezählt, unter anderem in «Zürich gelegene Orte mit Weinreben», die vermutlich Karl der Dicke dem Kloster schenkte. Die Bodmer Chronik der Gemeinde Stäfa gibt an, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit im 9. Jahrhundert dort die ersten Reben angepflanzt wurden und sich ab dem 12. Jahrhundert immer weiter ausdehnten. Erstmals urkundlich erwähnt ist der Weinbau im Jahr 972 oder 981 für die Stadt Rapperswil am Lindenhof, zudem für Erlenbach 981 und für Herrliberg 1262. In einer kaiserlichen Urkunde aus dem Jahr 1018 werden in Pfäffikon in einem Hof des Klosters die Reben des Klosters Einsiedeln erwähnt. 1145 werden Reben urkundlich in Zollikon erwähnt und 1158 am Zürichberg. Im Habsburger Urbar, das den Verkauf für 19.5 Mark Silber mit allem Zubehör an das Kloster Kappel aufzeichnet, wurde 1290 erstmals eine Trotte am Zürichsee erwähnt, die Zehntentrotte von Küsnacht.

13. Jahrhundert und 14. Jahrhundert: Besitz von Geistlichen mini|Landgut Wangensbach, mit Rest des seit 1284 belegten Rebbergs|222x222px In einem Vertrag aus dem Jahr 1240 zwischen Rudolf Manesse, dem Subdiakon des Fraumünsters und dem Frauenmünster wird die Umwandlung eines Ackers in einen Weingarten belegt. Es wird bestätigt, dass Manesse einen Acker in Riesbach auf Lebzeiten erhalten habe, mit der Bedingung, dass er dort Reben pflanze. Der Acker müsse nach seinem Tod ohne Ansprüche dem Kloster zurückgegeben werden. Die erste Erwähnung des Küsnachter Weinbaugebiets im Wangensbach fällt ins Jahr 1246, als eine Gutsbesitzerin namens Anna dem Grossmünsterstift einen Zins schuldete. Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist der Wangensbach als besonders begehrtes Rebland im Besitz kirchlicher Institutionen sowie prominenter Angehöriger der Zürcher Eliten und alter Küsnachter Familien vielfach dokumentiert. Der letzte Rebberg, der an dieses bedeutende Weinbaugebiet erinnerte, wurde 2018 gefällt. Die heute noch bestehenden Küsnachter «Seminarreben» wurden erstmals im Zusammenhang mit einer Lehensübertragung der Propstei Zürich erwähnt. Es handelt sich um vier Juchart Reben, wie der Lehensbrief aus dem Jahr 1279 berichtet. Wahrscheinlich sind auch diese Reben bei der Kantonsschule Küsnacht älter, da die Propstei schon im 12. Jahrhundert einen grossen Teil der Küsnachter Kirche und ihres Gutes besass. Im Jahr 1303 wurden die Reben erneut in einer Urkunde erwähnt.mini|Kantonsschule Küsnacht mit den Seminarreben1307 verlieh Götz Mülner aus dem Küsnachter Kirchgut zugunsten des Spitals von Zürich einige Rebgüter an Private. Am 18. Februar 1315 verlieh der Leutpriester Walter von Zürich Jost Umholz eine Juchart, die von diesem zu eigenen Kosten in einen Rebberg umgewandelt worden war. Zu diesen Reben gehören eine Hofstatt, ein Haus und ein Baumgarten, die weiterhin zu einem jährlichen Zins von einem Mütt Kernen verliehen wurden. Das älteste Zeugnis für die Ausweitung des Rebbaus in Stäfa stammt aus dem Jahr 1384.

Da die Zürcher Landweine im Vergleich zu den importierten Weinen teurer und oft schlechter waren, begann die Stadt Zürich, die einheimischen Weine zu schützen. So wurden Verbote ausgesprochen und Erlasse verordnet. Der Richtebrief von 1304 besagt:

Im 13. und 14. Jahrhundert waren die Reben meistens im Besitz von Geistlichen, so dem Fraumünster- und dem Grossmünsterstift, den Klöstern Oetenbach, Kappel, St. Gallen, Engelberg, Muri, Wurmsbach, St. Blasien, der Zisterzienserabtei Selnau und dem Augustinerstift Zürichberg in Zürich. Weltliche Grundbesitzer waren die Freiherren von Tengen, die Grafen von Rapperswil, die Häuser Habsburg und Regensberg sowie verschiedene Zürcher Familien.

15. Jahrhundert: Kriegswirren mini|hochkant|Die Zürcher überfallen die bei Erlenbach gelandeten Schwyzer während der Weinlese. Darstellung aus der Berner Chronik von Diebold Schilling, um 1480 Die Rebberge hatten schwer unter den Kriegswirren zu leiden. Der Weinverkauf in die Innerschweiz wurde durch eine Blockade von Zürich über Schwyz im alten Zürichkrieg verhindert. Zürich war 1442 ein Militärbündnis mit Habsburg eingegangen. Zu diesem Anlass besuchte König Friedrich die Stadt und fuhr mit einem auf 30 Schiffen verladenen Gefolge nach Rapperswil. Daher erhielt der damalige Weinjahrgang den Namen «des Königs Wein». Noch nachteilhafter als die Blockade wirkten sich zahlreiche Beutezüge der Eidgenossen rund um Zürich und den See aus. Eine blutige Episode des Zürichkrieges war der Wümmet, von 1444. Zur Herbstzeit fielen die Schwyzer und ihre Verbündeten in Erlenbach ein, um die reifen Trauben zu ernten. Die Zürcher waren jedoch gewarnt worden und schlugen daher aus dem Hinterhalt zurück, als die Schwyzer mit der Weinlese beschäftigt waren. Nur unter schweren Verlusten konnten sich die Eidgenossen zurückziehen.

Ein zwei Jucharten grosser Rebberg an der sonnigen Südhalde der Halbinsel Au ist für das Jahr 1484 bezeugt. Auf der Au spielten zu dieser Zeit Reben neben Holz eine beträchtliche Rolle.

Die Einfuhr von Weinen geringer Qualität wurde mit einem Erlass aus dem 15. Jahrhundert gänzlich verboten. Die Einfuhr besserer Weine war erlaubt, jedoch nur dann, wenn die eigene Produktion die Nachfrage nicht decken konnte. 1488 wurde die Weinlese vor dem 20. Oktober gesetzlich durch einen Johannes von Winterthur verboten. Dies diente hauptsächlich dem Reifeprozess.

16. Jahrhundert und 17. Jahrhundert Das 16. Jahrhundert und die darauf folgende Zeiten waren wesentlich trinklustiger als spätere Jahrhunderte. Der Wein wurde in grossen Deckelgläsern oder Humpen getrunken. Es gab Vorschriften bezüglich des Weintrinkens: 1682 wurden sechs Personen wegen sonntäglichen Trinkens zu je einem Pfund Geldstrafe verurteilt.

Die Stäfner waren jahrhundertelang dem Kloster Einsiedeln zehntenpflichtig. Als sie 1516 die Zehntentrotte aufbrachen, drohte das Kloster mit der Exkommunikation. Jedoch scheint es, dass das Kloster die Weine vom See geschätzt hatte, so wurden den Hofleuten von Stäfa vom 14. bis 16. Jahrhundert im Herbst Brot und Wein in der Zehntentrotte kredenzt, und bei der Geburt eines Knaben spendete das Kloster zwei Köpfe (= 7,2 Liter) Wein und bei einer Tochter einen Kopf Wein.

Die 1566 erschienene Zürcher Kantonskarte von Jos Murer zeigt die Verbreitung der Reben am Zürichsee. Die Weinberge zogen sich damals am rechten Ufer von Schirmensee und am linken Ufer von Oberrieden seeabwärts bis nach Zürich. Die nächstjüngere Darstellung stammt von Hans Conrad Gyger aus dem Jahr 1667. Die Rebberge reichten bis zum Kloster Wurmsbach und auch in der Leutschen sowie bei Pfäffikon sind solche eingezeichnet.

Im 17. Jahrhundert reichten die Reben von Rapperswil über Feldbach, Uerikon, Stäfa, Männedorf, Uetikon in drei Streifen gegen Meilen und Herrliberg. In Erlenbach und besonders in Küsnacht und Zollikon waren die Hänge mit Reben bepflanzt. Am linken Ufer standen Reben an den Hängen der Leutschen, in Richterswil, Wädenswil, Au, Käpfnach, Horgen, Oberrieden, Thalwil, Rüschlikon, Kilchberg und Enge. Das Rebband vom See setzte sich über Fluntern, Oberstrass, Unterstrass, Höngg, Unter- und Oberengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil bis an die Aargauer Grenze fort.

Blüten des Rebbaus: 18. Jahrhundert und Beginn bis Mitte des 19. Jahrhunderts