mini|Von der Orgel in der Marburger Lutherkirche ist Schäfers Prospekt erhalten. Johann Nikolaus Schäfer (* 1671 in Kilianstädten; † 1744) war ein Orgelbauer der Barockzeit, der in Hessen wirkte.
Leben Schäfer stammte aus Babenhausen und ließ sich im Jahr 1705 in Hanau nieder, wo er im selben Jahr eine Orgel für seine Geburtsstadt Kilianstädten baute. Nicht bekannt ist, bei wem er den Orgelbau erlernt hat. Seine Frau hieß Helena Catharina und gebar ihm 1726 den Sohn Johann Ernst Henrich Schäfer. Schäfer gilt als der bedeutendste Hanauer Orgelbauer im 18. Jahrhundert.Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3, Teil 1: A–L. 1988, S. 16. Sein Nachfolger wurde Joseph Carl Großwaldt (* 1760), von dem nur ein Neubau (Wickstadt, 1759) nachgewiesen ist.
Werk Typisch für Schäfer ist der breit angelegte Prospekt.Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2, Teil 2: L–Z. 1975, S. 781. Seine Orgeln zeichnen sich durch eigenwillige Dispositionen aus. So verfügte sein Marburger Werk über vier Acht-Fuß-Labial-Register; im Pedal waren vier von sieben Registern 16-füßig; Oberwerk und Brustwerk besaßen eine sechsfache Mixtur.Siehe die vollständige Disposition bei Die Prospektgestaltung im Régencestil in der Stadtkirche St. Marien (Homberg) ist ungewöhnlich für Hessen-Kassel und weist auf Johann Friedrich Schäffer aus Witzenhausen als Erbauer hin. 1716 wurde Schäfer gebeten, den Entwurf von Caspar Kirchner für einen Orgelneubau in Hachenburg zu begutachten. Er befürwortete den Entwurf im Wesentlichen und sandte zwei eigene Dispositionsentwürfe mit, die in ähnlicher Form bei seinen eigenen Neubauten zur Ausführung kamen.Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2, Teil 1: A–K. 1975, S. 392. Abgesehen von einigen Prospekten ist im Wesentlichen nur noch sein Dieburger Werk als Rückpositiv in Nieder-Ramstadt erhalten.
Die Orgel der Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze) stammt von Johann Friedrich Schäffer und wurde früher Johann Nikolaus Schäfer zugeschrieben.
Werkliste In der fünften Spalte der Tabelle bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale, ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ ein nur angehängtes Pedal und die arabische Zahl in der sechsten Spalte die Anzahl der klingenden Register. Nicht mehr vorhandene Instrumente sind kursiv gesetzt. Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1705 Kilianstädten Ev. Kirche1893 durch Neubau von Walcker ersetzt 1710 Marjoß Maria-Magdalenen-Kirche Neubau oder Einbau einer älteren Orgel; nicht erhalten 1717–1718 Usingen Laurentiuskirche 160x160px I/P 14 1881 von Gustav Raßmann um ein zweites Manual erweitert; 1971/1972 Neubau durch Günter Hardt hinter hist. Gehäuse und unter Verwendung von 4–5 Registern von Raßmann und der Manuallade von SchäferWolfgang Metzler: Die Entwicklung des Klanges der Orgel in der ev. St. Laurentiuskirche zu Usingen/Ts. Abgerufen am 5. Mai 2025. 1720 Kleestadt Ev. Kirche I 7 ohne Pedal gebaut; 1786 um freies Pedal erweitert; Gehäuse und Manualwindlade von Schäfer erhalten (heute I/P/12) 1720 Schaafheim Ev. Kirche I 13 1841 an die kath. Kirche Erbach verkauft; einige Register erhalten 1721–1722 Marburg Lutherische Pfarrkirche St. Marien 160x160px II/P 28 Prospekt erhalten 1723 Dieburg St. Peter und Paul I 11 1844 nach Lengfeld überführt, seit 1965 als Rückpositiv in Nieder-Ramstadt; besterhaltenes Werk 1725 Erbach Stadtkirche Erbach 160x160px II/P 20 1899 durch Neubau von Wilhelm Sauer hinter hist. Gehäuse ersetzt 1726 Altheim Ev. Kirche I 8 ohne Pedal erbaut; später mehrfach erweitert und 1967 durch eine neue Walcker-Orgel ersetzt; Prospekt erhaltenBalz: Orgeln und Orgelbauer im Gebiet der ehemaligen hessischen Provinz Starkenburg. 1969, S. 117 f. 1727 Hanau Johanneskirche 1729–1731 Steinau an der Straße Reinhardskirche I/P 15 Neubau; nicht erhalten 1734 Babenhausen Stadtkirche St. Nikolaus zentriert|160x160px I/P 17 1951 durch Walcker-Neubau hinter hist. Gehäuse ersetzt
Literatur
Gottfried Rehm: Die Orgeln des ehemaligen Kreises Schlüchtern (= Norddeutsche Orgeln. Bd. 10). Pape, Berlin 1975, ISBN 3-921140-14-5.
Weblinks Birger Petersen: Johann Nikolaus Schäfer. In: Musik und Musiker am Mittelrhein 2
Siehe auch Liste von Orgelbauern Liste von Orgeln in Hessen
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauer (18. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Orgellandschaft Hessen Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1671 Kategorie:Gestorben 1744 Kategorie:Mann