mini|Wallpavillon bei festlicher Beleuchtung Der Wallpavillon ist der bedeutendste Pavillon des Dresdner Zwingers.
Beschreibung Baugeschichte Ausgangsgrundlage Anstelle des erbauten Wallpavillons sollte ursprünglich nach einer Skizze Augusts des Starken eine Kaskade erbaut werden. Stattdessen wurde eine große Treppenanlage erbaut, die alle Terrassenebenen erschließen sollte. 1711 erfolgte jedoch der Bau der Bogengalerie, die die Treppe unmittelbar flankierte. Dadurch konnten nicht mehr alle Terrassenebenen von der Treppe aus erreicht werden. Eine 1712 entstandene perspektivische Zeichnung des Zwingerhofes stellt noch diese Treppe innerhalb des Bogenscheitels dar. Die Treppenanlage war vergleichbar mit der Treppenanlage im Garten des Albert’schen Hauses in der Au nächst München, wobei jeder Treppenabsatz der Erschließung eines Terrassenniveaus diente. Ein Medaillenentwurf von J. G. Fritzsche mit einer Darstellung der Orangerie im Zwingergarten von 1711/12 belegen die frühere Treppenanlage im Kontext der sich seit 1711/12 anschließenden Bogengalerien.Harald Marx (Hrsg.): Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Architekt des Dresdner Zwingers. E. A. Seemann, Leipzig 1990, ISBN 3-363-00414-1, S. 158, 161 [Abbildung 128 J.G. Fritzsche. Medaillenentwurf mit einer Darstellung der Orangerie im Zwingergarten. 1711/12. (Auf einem Blatt mit 17 Medaillenentwürfen als Nr. 17). Feder, Pinsel. Durchmesser 6,1 cm. Dresden, Münzkabinett Archiv: Entwürfe zu Medaillen für August den Starken, M 211 m B. 10c.] 162 [Abbildung 130 Perspektivische Darstellung eines Entwurfs zur Erweiterung des Zwingergartens. Um 1712. Ausschnitt: Treppenanlage im Bogenscheitel der Arkaden. Feder, laviert. 58 x 141 cm. Ehemals Dresden, Staatsarchiv. Seit 1945 verschollen.] Bereits der im Juli 1712 dem König vorgelegte Medaillenentwurf zeigt anstelle der Treppenanlage den Pavillon.Harald Marx (Hrsg.): Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Architekt des Dresdner Zwingers. E. A. Seemann, Leipzig 1990, ISBN 3-363-00414-1, S. 161 [Abbildung 129 J. G. Fritzsche. Medaillenentwurf mit einer Darstellung der Orangerie im Zwingergarten. 1711/1712.] Noch im Jahre 1719 wusste man noch von dem „gewaltigen Treppenkomplex“, so dass zeitgenössische Berichte Bezug nehmend auf das erste Obergeschoss im Wallpavillon von einem „Saal über der großen Treppe“ sprachen.Harald Marx (Hrsg.): Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Architekt des Dresdner Zwingers. E. A. Seemann, Leipzig 1990, ISBN 3-363-00414-1, S. 161.
Vorbilder Vorbilder (laut Michael Kirsten auch Gestaltungsgrundlage) für das Wallpavillon waren Bauten in Wien von Lucas von Hildebrandt. Als Vorbild diente insbesondere das Gartenbelvedere des Palais Schönborn mit seiner geschwungenen, zweigeschossigen Fassade, die wie beim Wallpavillon zwischen zwei Galerien eingebaut wurde. Das Gebäude beweist mit seiner geschwungenen Bauform eine Nähe zu Francesco Borromini. Die Verwandtschaft mit den Bauten des Wiener Hofes war ein Beispiel sowohl für die Konkurrenz als auch für die ideelle Abhängigkeit vom Hause Habsburg.Michael Kirsten: Der Dresdner Zwinger (= DKV-Kunstführer Nr. 576/0). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin o. J, S. 19.
Stärker ist laut dem Kunsthistoriker Heinrich Gerhard Franz die Verwandtschaft zum böhmischen Barock. So das Stift Břevnov von Christoph Dientzenhofer, die Bauten in Kuks und die Fassade der Klosterkirche in Osek: „Pöppelmann löste [jedoch] jede Grundform durch Bildwerk und plastischen Dekor auf.“Michael Kirsten: Der Dresdner Zwinger (= DKV-Kunstführer Nr. 576/0). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin o. J, S. 20f.
Vorentwürfe Im Jahre 1713 plante man, die Treppenanlage im Scheitel der Orangerie in einem Pavillonbau zu integrieren. Die nach 1710 geschaffenen Entwürfe verdeutlichen, dass dafür die Schauseite des geplanten Schlossneubaus kopiert wurde.Der weitere Ausbau des Zwingergartens mit Kronentor und Wallpavillon. In: Harald Marx (Hrsg.): Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Architekt des Dresdner Zwingers. Leipzig 1990, S. 162f. [Abb. 138 Entwurf zu einem Pavillon. Um 1714.] [Abb. 139 Entwurf zu einem Pavillon im Bogenscheitel der Galerien. 1713/1714] Ein erster Vorentwurf zeigt ein fünfachsiges Gebäude. Der Salon wird durch den Übergang zur Säule kräftig hervorgehoben. Die äußeren Achsen werden als Risalite behandelt, die an den Ecken durch gekuppelte Säulen eingefasst werden. Anschließend gehört von dem Paar je ein Glied zur folgenden Achse. Im Obergeschoss stehen Säule neben Pilaster. Nach der Mitte zu geht oben die Folge vom Pilaster zum gekuppelten Säulenpaar über. Dadurch erhöht sich die Reihe der Stützen von 2 zu 2 zu 3. Die Balustrade der Galerie findet ihre Fortsetzung in der Fensterbank. Die Mittelachse öffnet sich in zwei hohen, übereinanderstehenden Bögen. Der untere Bogen ist als Eingang gebaut und reicht fast bis zum Erdboden. An den Seiten befinden sich Treppen, die von den Galerien herabführen. Die oberste Zone zeigt Ovalfenster zu einem Saal im Innern. Die ovalen Fenster zeigen einen muschelartigen Rahmen. Zusammen mit den Konsolen ergeben sie ein breites Schmuckband. Dazu gehören die darunter befindlichen Sprenggiebel der Fensterbekrönungen. Vor dem gerundeten Dach befindet sich ein Giebel. Dieser ist breit und in der Mitte konkav ausgerundet mit einem stumpf endenden Giebel.Eberhard Hempel: Der Zwinger zu Dresden. Grundzüge und Schicksale seiner künstlerischen Gestaltung. Deutscher Verein für Kunstwissenschaft, Berlin 1961, S. 67f. [Abbildung 44 Pöppelmann: Erster Entwurf zu einem Zwingersalon. Dresden, Sächs. Landesbibliothek].
Ein zweiter Vorentwurf aus dem Jahre 1713 zeigt ein fünfachsiges Gebäude. Sämtliche untere Öffnungen sind bis zum Sockel herabgeführt. Dadurch erscheint der Bau besser gegliedert. Die Zahl der Säulen und Pilaster ist verringert worden. Daraus ergibt sich im Obergeschoss die Folge von 2 zu 1,5 zu 2,5. Der Rundbogen tritt nur in der Mitte beider Geschosse auf. Die übrigen Öffnungen schließen mit horizontalen Stürzen ab. Von der Wand sind oben in der zweiten und vieren Achse Flächen zu sehen. Die Giebel des zweiten Geschosses sind bewegt, indem sich die Seitenteile aus der Fläche herausdrehen. Zum Absetzen von den Galerien wurde eine schmälere, mit einer Statue ausgesetzten Achse neben dem Salon eingeschoben. Daran erfolgt bereits der Übergang zur Säule. Auf den darüber befindlichen Konsolen befinden sich Göttinnen. Auf dem mittleren Giebelteil befinden sich zwei andere Figuren, die tanzen wollen. Dadurch ergab sich erhöhter, besserer Mittelabschluss. Eine bewegte Figurenplastik befindet sich auch zu Füßen des obersten Rundfensters. Die Plastik stellt Figurenpaare dar, die sitzend Kronen hochheben. Der Portalbogen unten ist abgeflacht und zeigt einen kräftigen Schlussstein mit Kopf und seitlichen Festons. Als Abschluss gibt es eine Balustrade mit Vasen auf dem First.Eberhard Hempel: Der Zwinger zu Dresden. Grundzüge und Schicksale seiner künstlerischen Gestaltung. Berlin 1961, S. 68f. [Abbildung: Tafel 45. Pöppelmann Zweiter Entwurf zu einem Zwingersalon. Dresden, Sächs. Landesbibliothek].Michael Kirsten: Der Dresdner Zwinger. (= DKV-Kunstführer Nr. 576/0). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin o. J, S. 5. [Vorentwurf zum Wallpavillon (um 1713)]
Ein dritter Vorentwurf aus den Jahren 1713/1714 zeigt ein siebenachsiges Gebäude. Mit diesem Entwurf wurde der Salon an die Rahmenform angeglichen und verleiht diesem eine größere Standfestigkeit. Der Salon sollte nun zusätzlich an die Ecken zu Seiten der gerundeten Höfe gebracht werden. Damit sollte dem Bau ein besserer Halt gegeben werden. Das Problem des Herabführens der Galeriegänge über Treppen nach dem mittleren Portal des Salons, musste Pöppelmann lösen. Dadurch, dass er den Gang horizontal bis zur großen Öffnung weiterführte, milderte Pöppelmann den ungünstigen Eindruck der Treppenschrägen. Die Lösung, die Arkaden fortzusetzen, erscheint und wird im unteren Geschoss durchgeführt. Zu den schmalen oberen Rechteckfenster ergab sich nun eine Dissonanz. Die Säulen bleiben bei diesem Entwurf, werden aber in den Zwischenachsen auf eine beschränkt. Die Attika in der obersten Zone wurde niedriger gestaltet. Dadurch verwandeln sich die Rundfenster in liegende Ellipsen.Eberhard Hempel,Der Zwinger zu Dresden. Grundzüge und Schicksale seiner künstlerischen Gestaltung, Berlin 1961, S. 69f. [Abbildung: Tafel 46. Pöppelmann Dritter Entwurf zu einem Zwingersalon. Dresden, Sächs. Landesbibliothek].Harald Marx (Hrsg.): Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Architekt des Dresdner Zwingers. E. A. Seemann, Leipzig 1990, ISBN 3-363-00414-1, S. 170 [Abbildung Nr. 139. Entwurf zu einem Pavillon im Bogenscheitel der Galerien. 1713/1714. Feder, grau laviert, Dach blau angelegt. 43,3 x 59 cm. Dresden, Sächsische Landesbibliothek, Msc. Dresd. L 4/16]
Errichtung, Zerstörung und Wiederaufbau Das im Jahre 1715 errichtete Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg durch die Bombenangriffe vom 13. und 14. Februar 1945 schwer beschädigt. Hans Nadler beschrieb es so: „[…] Der Wallpavillon war bis auf die Mauerschäfte, die aus dem Lot geraten waren, zerstört […] .“Hans Nadler: Daten zum Wiederaufbau des Zwingers nach der Zerstörung 1945. In: Harald Marx: Matthäus Daniel Pöppelmann. 1990, S. 175.
In den Tagen unmittelbar nach der Zerstörung sicherte und barg eine kleine Gruppe unter Leitung von Hubert Ermisch wertvolle und erhaltungsfähige Architekturteile und fertigte eine Schadenskartei an. Die erste Schadensaufnahme ergab, dass von 850 Einzelobjekten wie Figuren, Vasen oder einzelnen Schmuckelementen etwa 300 zu restaurieren oder neu zu fertigen waren. In Anbetracht des erneut zu erbringenden Sicherungs- und Restaurierungsaufwandes, der diesmal alle bisherigen Dimensionen überstieg, verfasste Ermisch eine auf den 17. Juni 1945 datierte Denkschrift mit dem Titel Ist die Rettung des Zwingers möglich? Darin gelang ihm, die Hoffnung auf Wiederaufbau in einer Phase der kaum fassbaren Zerstörung im gesamten Dresden zu wecken, wobei er auf die statischen Studien und den darauf erfolgten Einzug von Stahlbetondecken aus der ersten Wirkungszeit der Zwingerbauhütte verwies. Andernfalls wäre nach seiner Einschätzung der Zwinger als ursprünglich labiles Bauwerk wie ein Kartenhaus zusammengefallen.
Am 14. August 1945 fand eine erste Beratung zur Koordinierung des Wiederaufbaus unter Beteiligung wesentlicher Dresdner Amtsträger statt. Die sowjetische Militärverwaltung bewilligte unverzüglich am 18. August die Freigabe von Bauholz und stellte sich damit demonstrativ hinter die Wiederaufbauabsicht der Dresdner. In zwei Kulturbefehlen der Sowjetischen Militäradministration wurden der Schutz und die Wiedererrichtung von Kulturbauwerken angeordnet. Auf dieser Grundlage bewilligte die neu gebildete Sächsische Landesverwaltung im September 1945 erste Haushaltsmittel für den Wiederaufbau des Zwingers.Ermisch: Zwinger. 1953, S. 96.
Da sich viele Menschen für das Gebäude einsetzten, begann bereits 1945 der Wiederaufbau durch die im Herbst jenes Jahres erneut gegründete Zwingerbauhütte unter Leitung des Dresdner Architekten Hubert Georg Ermisch. Zu den ersten Mitwirkenden zählten der Bildhauer Albert Braun, die Architekten Max Zimmermann und Arthur Frenzel und für die Kupferblecharbeiten ein Meister Jagy.
Die eingetretenen Bauschäden waren durch die Einschläge von Bomben und Brandmunition nicht nur erheblich, sondern auch in bisheriger Weise für den Zwinger unbekannt. Beispielsweise war eine Bogengalerie im südwestlichen Zwingerbereich um 22 Zentimeter in der Tiefe verformt. Ihre Herstellung in die ursprüngliche Lage erfolgte durch das Anheben mit Flaschenzügen im Sommer 1947. Eine fast ähnliche Richtungsverformung zeigten die Mauerschäfte im Obergeschoss des Wallpavillons. Hier bediente man sich ebenso der Flaschenzüge und setzte danach einen Stahlbetonringanker in Höhe des Hauptsimses auf.
1954 wurden drei Giebel des Wallpavillons fertiggestellt.