Der Landkreis Vorpommern-Greifswald ist ein Landkreis im Land Mecklenburg-Vorpommern. Er grenzt an die Ostsee und liegt fast ausschließlich im mittleren sowie südlichen Teil Vorpommerns, umfasst aber zusätzlich ein kleines mecklenburgisches Gebiet am Galenbecker See und die südlich davon gelegene uckermärkische Stadt Strasburg.

Kreisstadt ist die Hansestadt Greifswald. In Pasewalk und Anklam befinden sich Außenstellen der Kreisverwaltung. Neben diesen beiden Städten sind Wolgast und Ueckermünde ebenfalls Mittelzentren. Der Landkreis ist Mitglied im länderübergreifenden Bund der Euroregion Pomerania., abgerufen am 13. November 2015

Geografie mini|Usedomer Strand im Frühling mini|Brohmer Berge

Lage Der Landkreis Vorpommern-Greifswald grenzt im Nordwesten an den Landkreis Vorpommern-Rügen und von Westen bis Südwesten an den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Im Osten grenzt er an Polen und im Süden an Brandenburg. Die größten Orte sind neben der Kreisstadt Greifswald die Mittelzentren Pasewalk, Anklam, Wolgast, Ueckermünde und Torgelow. Vorpommern-Greifswald ist der nach Fläche drittgrößte Landkreis Deutschlands.

Landschaftsgestalt Der Landkreis ist durch seine Küstenlage zwischen Greifswalder Bodden und Stettiner Haff geprägt. Im Norden des Landkreises befinden sich mit den Boddengewässern (Greifswalder Bodden, Peenestrom, Krumminer Wiek, Achterwasser, Stettiner Haff) viele Küstengebiete, welche primär durch Schilfgürtel geprägt sind. An der Ostseeküste der Insel Usedom ist der Küstenstreifen als langer Sandstrand ausgeformt. Die Wasserflächen der vielen kleinen Bodden und Wieke durchziehen weite Bereiche der Landschaft im Hinterland zur Ostsee. Das Festland zwischen Anklam und Greifswald ist sehr stark durch die Landwirtschaft geprägt. Der Festlandgürtel zwischen Anklam und Wolgast wird als Lassaner Winkel bezeichnet. Weite Felder und nur kleinere Erhebungen durchziehen die Landschaft, welche von Moränen, Mooren (Peenetalmoor, Ziesebruch, Thurbruch) bestimmt ist. Mit der Insel Usedom befindet sich hier, nach Rügen, die zweitgrößte Insel Deutschlands. Die Insel ist zudem als Naturpark ausgewiesen.

Der Süden des Kreises ist vor allem durch einen höheren Waldbestand geprägt. Entlang der Haffküste sowie in vielen anderen Teilen der Region erstrecken sich die für das Landschaftsbild so typischen Alleen. Durch die jahrzehntelange Nutzung weiter Teile der Ueckermünder Heide als Truppenübungsplatz der NVA und später auch der Bundeswehr haben sich in diesen Gebieten wertvolle Zwergstrauchheiden und Magerrasen entwickelt. In den Randbereichen sind Naturschutzgebiete und Rückzugsräume z. B. für Seeadler entstanden.

Zwischen der Ueckermünder Heide und den Brohmer Bergen liegt die Friedländer Große Wiese. Sie stellte einst das ausgedehnteste Kalkflachmoor Norddeutschlands dar. Infolge einer großräumigen Melioration in den 1960er Jahren ist von der einstigen Tier- und Pflanzenwelt jedoch nicht mehr viel geblieben. Besondere Bedeutung haben die Wiesenflächen heute als Rast- und Nahrungsrevier für annähernd 100 Brutvogel- und 80 Gastvogelarten.IKZM-Oder Berichte 2002

Die Brohmer Berge zeichnen sich durch ausgedehnte Rotbuchen- und Mischwälder aus. In die Täler und Senken des hügeligen Endmoränenzugs sind viele Waldsölle und Moore eingebettet. Sie bieten den Lebensraum für Schwarzstorch, Schreiadler, Kraniche und auch Rotwild.

Am Rande der Brohmer Berge befindet sich der Galenbecker See mit Rückzugsräumen für in Mitteleuropa gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Im südlichsten Landesteil des Kreises, an der Grenze zur Uckermark, sind eine Vielzahl von Seen, Söllen und Mooren in die weichwelligen lehmigen Grundmoränenplatten eingelagert. Aufgrund der guten Böden wird in diesen Gebieten vorrangig Landwirtschaft betrieben und der Waldanteil ist hier sehr niedrig. Entlang des Randowtals trifft man eine für Deutschland einzigartige Steppenflora an, welche überwiegend durch kontinentalen Trockenrasen gekennzeichnet ist. Seit 2005 wird der Naturraum durch den Naturpark Am Stettiner Haff geschützt.

Wichtigste Flüsse sind die Peene, die Uecker, die Randow und der Ryck, von denen nur die Peene vollständig schiffbar ist, Uecker und Ryck nur in ihren Mündungsbereichen. Grundmoränen mit verschiedenen Ablagerungen später Stadien der Eiszeit sowie Moore (Peenetalmoor, Friedländer Große Wiese, Ziesebruch, Thurbruch) und Randowbruch prägen die Oberfläche des Kreises.

Schutzgebiete Im Landkreis befinden sich 48 ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Februar 2017).

Metropolregion Stettin Der Landkreis wird seit 2012 aktiv durch Kooperationen innerhalb des Ballungsraumes der Metropole Stettin als Teil einer europäischen Metropolregion entwickelt,Modellvorhaben der Raumordnung: Deutsch-Polnisches Entwicklungskonzept für die grenzüberschreitende Metropolregion Stettin, kooperation-ohne-grenzen.de, abgerufen am 25. November 2016 das gemeinsame Entwicklungskonzept wurde im Juni 2015 vorgestellt. (PDF; 2,7 MB)

Städte und Gemeinden

Die größte Stadt des Landkreises ist die Kreisstadt Greifswald, die gemeinsam mit dem nahen Stralsund als Oberzentrum fungiert. Die nächstgrößten Städte sind Anklam, Wolgast, Pasewalk und Ueckermünde, die ihrerseits Mittelzentren sind.

Im Regionalen Raumentwicklungsprogramm Vorpommern (RREP) von 2010 sind zudem folgende Grundzentren im Landkreis definiert: Ducherow, Eggesin, Ferdinandshof, Gützkow, Heringsdorf, Löcknitz, Lubmin, Strasburg (Uckermark), Torgelow und Zinnowitz. – zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015 Die Verflechtungsregion mit Polen profitiert zudem durch die großstädtischen Angebote von Stettin, das einen grenzübergreifenden Ballungsraum bildet.

Städte und Gemeinden samt der Zahl der Einwohner am :

Amtsfreie Gemeinden Anklam, Hansestadt () Greifswald, Hansestadt und Große kreisangehörige Stadt () Heringsdorf () Pasewalk, Stadt * () Strasburg (Uckermark), Stadt () Ueckermünde, Stadt ()

Ämter mit amtsangehörigen Gemeinden und Städten * Sitz der Amtsverwaltung 1. Amt Am Peenestrom () Buggenhagen () Krummin () Lassan, Stadt () Lütow () Sauzin () Wolgast, Stadt * () Zemitz () 2. Amt Am Stettiner Haff () Ahlbeck () Altwarp () Eggesin, Stadt * () Grambin () Hintersee () Leopoldshagen () Liepgarten () Lübs () Luckow () Meiersberg () Mönkebude () Vogelsang-Warsin () 3. Amt Anklam-Land () Bargischow () Blesewitz () Boldekow () Bugewitz () Butzow () Ducherow () Iven () Krien () Krusenfelde () Medow () Neetzow-Liepen () Neu Kosenow () Neuenkirchen () Postlow () Rossin () Sarnow () Spantekow * () Stolpe an der Peene () 4. Amt Jarmen-Tutow () Alt Tellin () Bentzin () Daberkow () Jarmen, Stadt * () Kruckow () Tutow () Völschow () 5. Amt Landhagen () Behrenhoff () Dargelin () Dersekow () Hinrichshagen () Levenhagen () Mesekenhagen () Neuenkirchen * () Wackerow () Weitenhagen () 6. Amt Löcknitz-Penkun () Bergholz () Blankensee () Boock () Glasow () Grambow () Krackow () Löcknitz * () Nadrensee () Penkun, Stadt () Plöwen () Ramin () Rossow () Rothenklempenow () 7. Amt Lubmin () Brünzow () Hanshagen () Katzow () Kemnitz () Kröslin () Loissin () Lubmin * () Neu Boltenhagen () Rubenow () Wusterhusen () 8. Amt Peenetal/Loitz () Görmin () Loitz, Stadt * () Sassen-Trantow () 9. Amt Torgelow-Ferdinandshof () Altwigshagen () Ferdinandshof () Hammer a. d. Uecker () Heinrichswalde () Rothemühl () Torgelow, Stadt * () Wilhelmsburg () 10. Amt Uecker-Randow-Tal ()[Sitz: Pasewalk] Brietzig () Fahrenwalde () Groß Luckow () Jatznick () Koblentz () Krugsdorf () Nieden () Papendorf () Polzow () Rollwitz () Schönwalde () Viereck () Zerrenthin () 11. Amt Usedom-Nord () Karlshagen () Mölschow () Peenemünde () Trassenheide () Zinnowitz * () 12. Amt Usedom-Süd () Benz () Dargen () Garz () Kamminke () Korswandt () Koserow () Loddin () Mellenthin () Pudagla () Rankwitz () Stolpe auf Usedom () Ückeritz () Usedom, Stadt * () Zempin () Zirchow () 13. Amt Züssow () Bandelin () Gribow () Groß Kiesow () Groß Polzin () Gützkow, Stadt () Karlsburg () Klein Bünzow () Murchin () Rubkow () Schmatzin () Wrangelsburg () Ziethen () Züssow * ()

Gebietsänderungen Auflösung der Gemeinden Buddenhagen und Hohendorf – Eingemeindung in die Stadt Wolgast (1. Januar 2012) Auflösung der Gemeinde Neuendorf A – Eingemeindung in die Gemeinde Ducherow (1. Januar 2012) Auflösung der Gemeinde Neuendorf B – Eingemeindung in die Gemeinde Spantekow (1. Januar 2012) Auflösung der Gemeinde Putzar – Eingemeindung in die Gemeinde Boldekow (1. Januar 2012) Auflösung der Gemeinden Damerow und Züsedom – Eingemeindung in die Gemeinde Rollwitz (1. Januar 2012) Auflösung der Gemeinden Blumenhagen und Klein Luckow – Eingemeindung in die Gemeinde Jatznick (1. Januar 2012) Auflösung der Gemeinde Düvier – Eingemeindung in die Stadt Loitz (1. Juli 2012) Fusion der Gemeinden Liepen und Neetzow – Neubildung der Gemeinde Neetzow-Liepen (1. Januar 2014) Auflösung der Gemeinden Heinrichsruh und Torgelow-Holländerei – Eingemeindung in die Stadt Torgelow (25. Mai 2014) Auflösung der Gemeinde Kölzin – Eingemeindung in die Stadt Gützkow (25. Mai 2014) Auflösung der Gemeinde Diedrichshagen – Eingemeindung in die Gemeinde Weitenhagen (26. Mai 2019) Fusion der Gemeinden Karlsburg und Lühmannsdorf – Neubildung der Gemeinde Karlsburg (26. Mai 2019)

Geschichte mini|Greifswald 1552, Zeichnung von Johann Gottlieb Giese mini|Anklam 1650 als Festungsstadt Schwedisch-Pommerns mini|Wolgast um 1760 mini|Ansicht von Ueckermünde Anfang des 17. Jh. mini|Der 1818 gebildete preußische Regierungsbezirk Stralsund war vom Gebietsstand her mit Schwedisch-Pommern ab 1720 identisch.

Der heutige Landkreis Vorpommern-Greifswald umfasst den südlichen Teil Vorpommerns, dem nach dem Zweiten Weltkrieg bei Deutschland verbliebenen Teil der vormals preußischen Provinz Pommern sowie kleine Teile der Uckermark und Mecklenburgs.

Vorgeschichte Die ersten Menschen kamen nach der Weichseleiszeit in die Region. Im Tal der Randow bei Wollschow, im Schwingetal südwestlich von Greifswald und an vielen anderen Stellen des Kreises zeugen eine Anzahl von Großsteingräbern und Steinkisten davon, dass Angehörige der neolithischen Trichterbecherkultur, etwa 4000 v. Chr., den Raum besiedelten. Beispielsweise ist das sogenannte „Walfischgrab“ (Wollschow 34) eine 1929 ausgegrabene Steinkiste. Sie verdankt ihren Namen der Form des Decksteins. In der nur 0,8 × 0,5 m messenden Kammer wurden drei Kinderskelette in Hockerstellung (angezogene Beine) und eine Keramikschale gefunden.

Schalensteine, Hügelgräber und viele aufgedeckte Siedlungen in der Region, die besonders beim Bau der A 20 und der Gasleitungen von Lubmin gefunden wurden, sind Denkmäler aus der Bronzezeit (Germanen).

Frühes Mittelalter Mit der Völkerwanderung um 400 bis 600 zogen die germanische Stämme aus dem Gebiet in Richtung Süden und Westen.

Vom 6. bis zum 7. Jahrhundert zogen Westslawen in die zum Teil verwaiste Region. Die einzelnen Stämme, wie die Ukrer/Ukranen, Redarier und Zirzipanen gehörten zu den Wenden, die dem Bund der Liutizen zuzurechnen sind. Viele Burgwälle, Siedlungen und Gräberfelder zeugen bis heute von den Wenden.

Durch Feldzüge der polnischen Herzöge Bolesław I. der Tapfere um 1000 gegen die heidnischen Pomoranen und Bolesław III. Schiefmund in den Jahren 1116, 1119 und 1121 gehörte ein Großteil des heutigen Landkreises in historisch kurzen Zeiträumen zum Königreich Polen unter den Piasten.

1005 entzogen sich die Pommeranen erneut der Kontrolle des polnischen Herzogs Bolesław ChrobryChronik des Thietmar von Merseburg und Bischof Reinbern verließ Kolberg. Um 1046 wird Zemuzil Bomerianorum als erster namentlich bekannter Herrscher der Pommern erwähnt.