Karl (Karel, Carolus) von Utenhove, Herr von Merkeghem,In Merckeghem (heute im Kanton Wormhout im Arrondissement Dunkerque) befand sich im ehemaligen Bistum Saint-Omer die Zisterzienser-Abtei Sainte-Marie de Houthove, gegründet 1194 von Dame Christine von Ravensberg (der Name der Herrschaft Ravensberg hat sich erhalten im „Mont des Corbeaux“ bei Merckeghem) beim Wohnplatz „Outhof“ (später wurde der Name einer „Seligen Marie de Houthove“ zugeschrieben); vgl. Aubert Le Mire, Jan Franz Foppens: Diplomatum Belgicorum, Bd. IV. Peter Foppens, Brüssel 1748, S. 526 (Google-Books); vermutlich stammt hierher der Familienname Utenhove. Horsen, Nieuwland,Die Herrschaft Nieuwland lag im Stadtgebiet von Gent im Bereich der heutigen gleichnamigen Straße; vgl. Rijksarchief Gent (Archief van de Heren van Nieuwland te Gent, Fonds Gent Nr. 64–69). Warenchem und Oosthoek (* um 1500 in Gent; † 1580 auf Schloss Friemersheim, heute Duisburg-Rheinhausen) war ein flämischer Humanist und Politiker.

Leben 150px|mini|Utenhovesteen am Vrijdagmarkt in Gent Karl von Utenhove der Ältere war der Sohn des Präsidenten des Rates von Flandern Nicolas (Claeys) von Utenhove († 1527) und seiner Frau (⚭ 1496/97) Agnes van den Kerckhove genannt van der Vaerent († 1530).Vgl. Nicolas Jean van der Heyden: Notices historiques et généalogiques sur les maisons de Kerckhove-Varent, van den Winkele et van der Donckt. (Sonderdruck aus Annales de l'Académie d'Archéologie de Belgique). J. E. Buschmann, Antwerpen 1853, S. 19 (Google-Books). Epitaphe der Eltern Karls von Utenhove befinden sich im Dominikanerkloster Gent.Vgl. Bernaert De Jonghe: Belgium Dominicanum sive Historia Provinciæ Germaniæ Inferioris sacri ordinis FF. Prædicatorum. Franz Foppens, Brüssel 1719, S. 40f (Google-Books). Das Stadtschloss „Utenhovesteen“ der Familie in Gent lag am Vrijdagmarkt 9–10 (1839 abgerissen, heute „Volkshaus Ons Huis“).

Studium in Löwen, Basel und Italien Karl von Utenhove der Ältere studierte am Collegium Trilingue in Löwen. Von Oktober 1525 bis Anfang 1526 begleitete Utenhove Johannes a Lasco (1499–1560) auf eine diplomatische Mission nach Italien, auf die dieser nach der Schlacht bei Pavia (1525) von Basel aus geschickt wurde. Die Reise führte unter anderem nach Venedig, Padua und Rom.Brief vom 21. September 1525 von Pierre Toussaint (um 1499–1573) an Guillaume Farel (1489–1565) in Straßburg. In: Aimé-Louis Herminjard: Correspondance des réformateurs dans les pays de langue française, Bd. I 1512 à 1526. H. Georg / Michel Levy, Genf / Paris 1866, bes. S. 386–389, S. 388 Anm. 10 (Google-Books).

Nach dem Tod seines Vaters Nicolas († 1527) war Utenhove wieder in Flandern und reiste auf Anregung seines Verwandten Omaar van Edingen (um 1488–1540)Auch Audomarus Edingus, Omer d’Enghien, Herr von Ophasselt. Seine Mutter war Barbara van Uutenhove. im Juni 1528 von Antwerpen aus nach Basel zu Erasmus von Rotterdam (1465 oder 1469–1536), der seinen Vater gekannt hatte. Utenhove lebte ab Juli 1528 für ein halbes Jahr als Tischgänger in Erasmus’ Haus und war dessen Amanuensis (Sekretär).

Im Herbst 1528 besuchte Utenhove zusammen mit dem späteren Krakauer Bischof Andrzej Zebrzydowski (1496–1560) Paris. Dort lernte er den französischen Humanisten und Reformator Louis de Berquin (um 1485–1529) kennen, mit dem er einen Briefwechsel unterhielt. Im Februar 1529 reisten Utenhove und Zebrzydowski von Basel aus über Venedig an die Universität Padua. Erasmus gab Utenhove Empfehlungsschreiben an Giovanni Battista Cipelli (1478–1553)Auch Baptista Egnatius oder Egnazio, Humanist und Handschriftensammler (21. Februar 1529) (Google-Books). in Venedig und Kardinal Pietro Bembo (1470–1547) in Padua mit.Allen, Ep. 2106 (21. Februar 1529) (Google-Books); vgl. Ep. 2249 (um Januar 1530) (Google-Books), Antwort Bembos vom 4. April 1529 (Google-Books).

Erasmus widmete Karl von Utenhove 1529 seine Chrysostomus-Ausgabe,Erasmus Roterodamus: Aliqvot Opvscvla Divi Chrysostomi Graeca. Johann Froben Erben, Basel 1529. ließ ihn als Famulus Carolus zusammen mit Quirinus Talesius (1505–1573)Auch Direks zoon van Lipsen, aus Haarlem, Jurist, Humanist, Bürgermeister von Haarlem, während der Belagerung der Stadt als Sympathisant der Spanier hingerichtet. in einem Kolloquium über das Glücksspiel „Astragalismos“ auftreten᾿Αστραγαλισμός, sive talorvm lvsvs. Carolvs, Qvirinvs. In: Familiarivm Colloquiorum Des. Erasmi Roterodami opus. Froben, Basel 1529, S. 792–805 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). und führte einen umfangreichen Briefwechsel mit ihm – sechs Briefe des Erasmus an Utenhove sind erhalten,Allen Ep. 2093 (1. Februar 1529) (Google-Books); Ep. 2188 (1. Juli 1529) (Google-Books); Ep. 2209 (1. September 1529 nach Padua) (Digitalisat der Universitätsbibliothek Basel); Ep. 2288 (23. März 1530) (Google-Books); Ep. 2700 (9. August 1532) (Google-Books); Ep. 2799 (24. April 1533); (Desiderius Erasmus: De recta Latini Graecique sermonis pronumtiatione dialogus. 2. Aufl. Hieronymus Froben, Basel 1529, S. 473–484, und Desiderius Erasmus: Epistolae plvribvs auctiores. Pieter van der Aa, Leiden 1706) abgerufen am 4. April 2012. in weiteren Briefen an Johannes von Botzheim (um 1480–1535), Viglius Zuichemus (1507–1577), Pietro Bembo u. a. wird er erwähnt.Vgl. Allen, Epp. 2001; 2105; 2161; 2173; 2483; 2491; 2494; 2843; 3052 u. a.

Gent und Paris 1531 kehrte Karl von Utenhove aus Italien nach Flandern zurück. Auf der Rückreise besuchte er Erasmus im April 1531 in Freiburg im Breisgau. Im Mai 1531 traf Utenhove in Antwerpen ein.

Fürstbischof Johannes Dantiscus von Kulm (1485–1548), der als polnischer Gesandter mit dem Hof Kaiser Karls V. (1500–1558) nach Gent kam, besuchte Utenhofe 1531 dort. 1532 widmete Sigismund Gelenius (1497–1554) Karl von Utenhove seine Ausgabe der Hymnen des Kallimachos von Kyrene,Sigismund Gelenius (Hrsg.): Callimachi Cyrenaei hymni, cum scholijs nunc primum aeditis. Hieronymus Froben und Nicolaus Episcopius, Basel 1532 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). und 1534 widmete Michael Isengrin († 1557) ihm seine Gesamtausgabe des Claudius Claudianus.Michael Isengrin (Hrsg.): Cl. Clavdiani poetae celeberrimi omnia quae quidem extant opera. Michael Isengrin, Basel 1534 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Basel). Im März 1534 besuchte Karl von Utenhove Liévin van den Zande (1488–1557)Auch Livinus Ammonius Carthusianus, de Harena; aus Gent, seit 1506 Karthäusermönch im Sint-Martens-Kloster in Lierde bei Grammont, 1533 im Kloster Koningdal bei Gent, Korrespondenz mit Erasmus. im Kloster Koningdal (Val-Royal) in Rooigem.Brief von L. van den Zande vom 17. März 1534 aus „Valle regia“ an Nicolaus Olahus (1493–1568); Arnold Ipolyi (Hrsg.): Oláh Miklós … Levelezése. Codex epistolaris Nicolai Oláh. MDXXVI - MDXXXVIII. (Monumenta Hungariae Historica. Diplomataria 25). A. M. T. Akadémia Könyvkiadó-Hivatala, Budapest 1875, S. 477–480, bes. S. 479. 1535 beklagt sich Erasmus, dass selbst seine liebsten Schüler wie Quirinus Talesius und Karl Utenhove ihm nicht mehr schreiben.Allen, Ep. 3052 (2. September 1535) an Konrad Goclenius (1485–1535) (Google-Books).

Utenhove war 1539, 1542 und 1548 erster Schöffe (Bürgermeister) seiner Heimatstadt. Im September 1539 leitete er die Genter Delegation, die in Mechelen mit der Statthalterin Maria von Ungarn (1505–1558) verhandelte.Leopold von Sacher-Masoch: Der Aufstand in Gent unter Kaiser Carl V. Friedrich Benedikt Hurter, Schaffhausen 1857, S. 185f. (Google-Books). 1541 bis 1543 war er wie 1500 sein Vater Nicolaes Vogt des Beginenhauses St. Aubertus am Poortackere, für den dort noch Anfang des 18. Jahrhunderts täglich gebetet wurde.Vgl. Z. I. V. V. P. I. U. L (Hrsg.): Gebeden-boeck jaer-getyden reghel ende aflaeten rakende de proevendirige Beggynen van't Beggyn-Hof van St. Aubertus gheseyt 't Poortacker. Johannes Eton, Gent 1714, S. 20 (Google-Books).

Utenhove war mit Karl Sucket (um 1506–1532),Auch Charles Sucquet; aus Brügge; ein Verwandter Utenhoves, Studium der Rechtswissenschaften in Bourges. Omaar van Edingen (um 1488–1540), Jakob Hessele (1506–1578),Brief von Jacobus Hesselus an Erasmus vom 12. Juli 1533 (Allen, Ep. 2843). Guillaume (Wilhelm) de Waele († 1540), Seigneur d’Axpoele et de Hansbeke,Seit 1515 Ratsherr in Gent, Kanzler von Flandern. Liévin van den Zande (1488–1557),L. van den Zande (Ammonius) erwähnt Karl von Utenhove in einem Brief von 1529 an Erasmus (Allen, Ep. 2209). Jakob de Blaesere († 1534)Mitglied des Großen Rates von Flandern. und Gérard Rym (um 1512–1579)Auch Gerhard Rhym, Rijm; 1547 „Advocat fiscal“ und 1557 Rat von Flandern, Grabmal in der Sint-Michielskerk. befreundet. 1549 widmete François GoethalsIn der Mitte des 15. Jahrhunderts war der Besitz der Herrschaft Nieuwland von der Familie Goethals auf die Familie Utenhove übergegangen. (um 1529–1616)Auch „Eucollus, Eutracelus, Panagathus“, Advokat des Rates von Flandern, Professor in Löwen und Douai. Utenhove eine Amphitragoedia über die Königin Ester.Franziscus Eutracelus: Amphitragoedia, cui nomen Edessa, siue Hester. Cornelius Manilius, Gent 1549. Karl von Utenhove stand im Briefwechsel unter anderem mit Johannes Dantiscus (1485–1548) und Bonifacius Amerbach (1495–1562).

In den konfessionellen Auseinandersetzungen in Gent und Flandern kurz vor dem „Achtzigjährigen Krieg“ stand Utenhove auf der protestantischen Seite und geriet zunehmend unter Druck. Philipp Melanchthon (1497–1560) schrieb ihm auf Anraten Peters van Edingen 1544/45 zwei Briefe nach Gent und sprach Trost zu.Briefe vom 30. September 1544 und 1. Mai 1545 in: Philipp Melanchthon: Epistolarvm Liber, Leiden: Bonaventura und Abraham Elsevier 1647, S. 31–33 (Google-Books) (Staatsbibliothek Berlin, MSS theol. lat. Fol. 376); Karl Gottlieb Bretschneider (Hrsg.): Philippi Melanthonis Opera quae supersunt omnia. (Corpus Reformatorum). Carl August Schwetschke, Halle (Saale), Bd. V, 1838, Sp. 489f, Nr. 3038 (Google-Books) und Bd. VI, 1839, Sp. 896, Nr. 4227 (Google-Books).

Den Winter 1556/57 verbrachte Karl von Utenhove mit seinen Söhnen Karl und Johann (Jan d. J.) in Paris. Er wohnte dort bei dem Arzt Matthias de Rijcke (Matheus Richius) aus Mesen, der 1567 nach Norwich kam und Lehrer von Jan Gruter wurde. Im Februar 1557 kehrte Utenhove nach Gent zurück.Brief vom 4. April 1557 von Cornelius Gualtherus (1512–1578) und Georg Cassander (1512–1566) aus Köln an Jan van Utenhove in London. In: J. H. Hessels (Hrsg.): Epistvlae, 1897, Nr. 19, S. 56–58, bes. S. 57f (Digitalisat bei OpenLibrary); Fredrik Pijper: Jan Utenhove. Zijn leven en zijne werken. Dissertation. Adriani, Leiden 1883, S. LXXIXf (). 1557 wurde die umfangreiche Bibliothek Utenhoves von dem flandrischen Inquisitor Pieter Titelmans (1501–1572)Zu ihm vgl. Johan van de Wiele: De inquisitierechtbank van Pieter Titelmans in de zestiende eeuw in Vlaanderen. In: Bijdragen en mededelingen betreffende de geschiedenis der Nederlanden 97 (1982), S. 19–63 (; 439 kB; abgerufen am 2. Februar 2016). konfisziert.Johan Decavele: Het culturele en intellectuele netwerk. Middeleeuwen en 16de eeuw. In: Het stedelijk netwerk in België in historisch perspectief (1350–1850) (Historische uitgaven 86). Gemeentekrediet, Brüssel 1992, S. 365–384, bes. S. 380f. Utenhove verließ Gent und leistete 1558 der Aufforderung Titelmans’, in die Stadt zurückzukehren, keine Folge.Brief vom 2. Juni 1558 von Arnold Piscator (de Visscher) aus Loppersum an Jan van Utenhove. In: J. H. Hessels 1897, S. 79f., bes. S. 80 (Digitalisat bei OpenLibrary). Titelman war der dort erwähnte Dekan von Ronse („Decanus Rotnacensis“).

Karl von Utenhove hielt sich zunächst in Brabant auf. 1560/61 setzte er sich in zwei Briefen an seinen Verwandten Jan van Utenhove (1516–1566), von denen er einen 1561 in Antwerpen verfasste, für die Aufnahme des als Täufer verdächtigten Adriaen Cornelis van Haemstede (1525–1562) in die Londoner Flüchtlingsgemeinde ein.Auke Jan Jelsma: (RTF; 2,4 MB) (diss. theol. 1970), Stichting de Gihonbron, Middelburg 2008.