( für „Jahr Null“) ist das fünfte reguläre Studioalbum von Trent Reznors Musikprojekt Nine Inch Nails. Es erschien am 13. April 2007 in Europa und am 17. April 2007 in den USA über Interscope Records. Als Singles wurden die Lieder Survivalism und Capital G ausgekoppelt.
Year Zero ist ein Konzeptalbum, roadrunnerrecords.com das eine dystopische Gesellschaft im Jahre 2022 ausmalt. Dies geschieht nicht nur mittels der Musik, der Songtexte oder des Artworks des Albums, sondern auch in erheblichem Maße durch ein, von der Firma 42 Entertainment entwickeltes Alternate Reality Game.Neil Bennett: 42 creates viral campaign for Nine Inch Nails. In: Digital Arts. 14. Februar 2007, abgerufen am 14. Oktober 2022 (englisch). Hierfür wurden im Vorfeld der Veröffentlichung verschiedene Rätsel und Hinweise auf Konzerten, Bandmerchandisings und im Internet platziert.Christian Kortmann: Vertonter Virus – Der große Zerstörer. In: sueddeutsche.de. 16. April 2007, abgerufen am 14. Oktober 2022.Michael Paoletta: Reznor adopts unusual Web campaign for new album. In: reuters.com. 2. April 2007, abgerufen am 14. Oktober 2022.
Mit Y34RZ3R0R3M1X3D („Year Zero Remixed“ in Leetspeak) erschien noch im November 2007 ein Remixalbum zu Year Zero.
Im September 2010 wurde gar eine Fernsehserie für HBO über das Konzept von Year Zero angekündigt, die von Lawrence Bender produziert und Reznor und Daniel Knauf entwickelt werden soll, jedoch bisher nicht realisiert wurde.
Aufnahme Titelliste Hyperpower! – 1:42 The Beginning of the End – 2:47 Survivalism – 4:24 The Good Soldier – 3:23 Vessel – 4:53 Me, I’m Not – 4:52 Capital G – 3:50 My Violent Heart – 4:14 The Warning – 3:39 God Given – 3:51 Meet Your Master – 4:09 The Greater Good – 4:52 The Great Destroyer – 3:17 Another Version of the Truth – 4:09 In This Twilight – 3:34 Zero-Sum – 6:15
Für Reznors Verhältnisse war der Zeitraum zwischen der Veröffentlichung von Year Zero und dem Vorgängeralbum With Teeth mit knapp zwei Jahren ungewöhnlich kurz. Die vorherigen Nine-Inch-Nails-Studioalben erschienen etwa im Fünf-Jahres-Rhythmus. Wie gewöhnlich übernahm Reznor den Großteil des Songwriting- und Aufnahmeprozesses alleine und nahm nur selten die Hilfe von Studiomusikern in Anspruch.
Mit den Aufnahmen zu Year Zero begann er im September 2006. Zu diesem Zeitpunkt waren Nine Inch Nails noch auf der Tour zu With Teeth unterwegs.
Die Texte entstanden hingegen erst nach Ende der Tour. Reznor hatte laut eigener Aussage zunächst keine genaue Vorstellung davon, wo er das Album textlich und thematisch ansiedeln sollte.
Das Resultat steht schließlich im Gegensatz zu seinem vorherigen Schaffen, bei dem die Texte stets eher introspektiv waren.
Musikalischer Stil mini|Pressefoto von Trent Reznor (2008) Bedingt durch die Limitierung im Songwritingprozess entstand ein Großteil der Musik direkt am Laptop. Reznor sprach davon, dass sie eher wie eine „Soundcollage“ klingen würde und „viel Spielerei“ darin zu finden sei.Visions, Ausgabe 170, Mai 2007, S. 35.
Keyboards und Drumcomputer dominieren den Klang des Albums, „während die Gitarren höchstens als Farbtupfer im spartanischen, effizient arrangierten Klangskelett eingesetzt werden.“Review auf vampster.com Einzig im Lied Capital G kommen zusätzlich noch einige klassische Orchesterinstrumente wie Trompete, Saxophon und Posaune zum Einsatz.
Die Stimme von Reznor wird als „unverwechselbar“ und „emotional“ beschrieben; sie variiert dabei „zwischen wütenden Hooklines, finsterem Flüstern und Flehen“.
Pitchfork vergleicht die Lieder Vessel, My Violent Heart und insbesondere das Ende von The Great Destroyer mit Merzbow und The Bomb Squad – dem langjährigen Produzententeam von Public Enemy. In einem Interview nannte Reznor die frühen Werke von Public Enemy tatsächlich als eine Inspirationsquelle für das Album.
Mit Hyperpower! und Another Version of the Truth enthält das Album auch wieder zwei rein instrumentale Stücke. Auf dem Vorgänger With Teeth gab es keine – ganz im Gegensatz zu dessen Vorgängeralbum The Fragile, das gleich mehrere Instrumentalstücke enthielt.es befinden sich insgesamt sechs Instrumentaltitel auf dem Doppelalbum The Fragile: The Frail, Just Like You Imagined, Pilgrimage, The Mark Has Been Made, Complication und Ripe (With Decay)
Die Rahmenhandlung Die Geschichte zu Year Zero spielt in den USA im Jahr 2022, als eine fundamental-christliche Regierung nach terroristischen Anschlägen auf das Land an die Macht gekommen ist. Anlässlich der „Wiedergeburt“ des Landes, wird der Kalender auf das Jahr Null zurückstellt (angelehnt an historische Kalender-Änderungen, beispielsweise durch die Roten Khmer oder die Französische Revolution). Innerhalb dieses Szenarios erfährt man, auf einer Reihe von verschiedenen Websites, Details der fiktiven Zukunft aus unterschiedlichen Perspektiven.
In den Medien wurde dies zum Teil als „virale Marketingkampagne“ bezeichnet; 20. Februar 2007. ein Ausdruck mit dem Reznor nicht besonders glücklich war:
Seine düstere Zukunftsvision wollte Reznor explizit als Kritik an der Bush-Administration verstanden wissen. Es sollte „ein Konzeptalbum gegen die Politik von George W. Bush“ sein, das den Präsidenten jedoch nicht direkt anspricht, „sondern die Probleme […] auf einer höheren Ebene“ verhandelt. Es sei zwar „gut, dass es Leute wie Michael Moore gibt, aber meine Form der Kritik sieht anders aus“, so Reznor in einem Interview.
Bei der Entwicklung des Konzepts erinnerte sich Reznor an die Marketingkampagne zum Film A.I. – Künstliche Intelligenz von Steven Spielberg, bei der ebenfalls ein Alternate Reality Game eingesetzt wurde. Die Firma 42 Entertainment, dessen Mitarbeiter Jahre zuvor das A.I.-Projekt gestalteten, wurde für die Umsetzung der Ideen engagiert.
In der Presse gab es größtenteils Lob für das Konzept, beispielsweise schrieb der Rolling Stone, dass das Year-Zero-Projekt „viel cooler“, als das zur Fernsehserie Lost sei.[ „Year Zero“ Project = Way Cooler Than „Lost“], Rolling Stone, 22. Februar 2007.
Die Rahmenhandlung und Songtexte wurden vom Schriftsteller Mario Osterland auf wiederkehrende Elemente und Motive hin analysiert und als „apokalyptische Erzählung“ charakterisiert, die erkennbar in der Tradition der Offenbarung des Johannes, sowie Romanen wie Aldous Huxleys Schöne neue Welt (1932) oder George Orwells 1984 (1948/49) steht.
Die digitale Schnitzeljagd I am trying to believe Die „digitale Schnitzeljagd“ begann am 12. Februar 2007 mit einem Band-T-Shirt, auf dem einige Buchstaben der aufgedruckten Tourdaten hervorgehoben waren. Sie ergeben den Satz. Auf der Internetseite iamtryingtobelieve.com fand man erste Informationen zur Hintergrundgeschichte.Timeline of Year Zero Discovery im NIN-Fan-Wiki
So wurde laut dieser Website seitens der US-Regierung eine Droge namens Parepin in das Trinkwasser gemischt, um die Gedanken der Bevölkerung zu kontrollieren, unter dem Vorwand, es sei ein Mittel zur Stärkung des Immunsystems gegen biologische Terrorangriffe. Dies soll zudem im Zusammenhang mit einer vielfach auftretenden Erscheinungen einer aus dem Himmel kommenden Hand (genannt The Presence; dt. die Präsenz; die Anwesenheit) stehen.The Presence taucht im Year-Zero-Kosmos noch häufiger auf; beispielsweise auf dem Albumcover.
Es war auch eine E-Mail-Adresse angegeben, über die man den Betreiber der Seite kontaktieren konnte. Tat man dies, erhielt man per Autoreply eine Nachricht, in der der Betreiber seine Anschuldigungen gegen die Regierung revidiert.die Antwort-E-Mail im Wortlaut:
Weitere Websites Etwa 30 Webpräsenzen, die die Geschichte um Year Zero aus verschiedenen Perspektiven weitererzählten, wurden zwischen Februar und April 2007 entdeckt.Proven Related Web Sites. im NIN-Fan-Wiki So gab es beispielsweise eine Gedenkseite für die Opfer eines Terrorangriffs auf Los Angeles, Websites von Kirchen und Militäreinheiten oder auch Seiten, die zum Widerstand gegen die Regierung unter dem Motto „Art is Resistance“ (dt. „Kunst ist Widerstand“) aufrufen.
Die Seite anotherversionofthetruth.comman beachte, dass Titel 14 der CD ebenso heißt sieht hingegen auf den ersten Blick nach einer Propagandaseite des fiktiven „US Bureau of Morality“Das „US Bureau of Morality“ taucht auch im Artwork und auf einigen anderen Websites auf. aus, wenn man jedoch mit geklicktem Mauszeiger über das Bild fährt, wird deutlich, dass es sich auch hier um ein Webangebot des Widerstandes handelt.
Auf Konzerten gefundene USB-Sticks Während eines Konzerts der Band in Lissabon wurde auf einer Toilette ein USB-Stick gefunden, der das Lied My Violent Heart im MP3-Format enthielt. Weitere USB-Sticks mit den Liedern Me, I’m Not und In This Twilight wurden wenig später in Barcelona beziehungsweise Manchester gefunden. Diese absichtlich platzierten Leaks machten Fans der Band im Internet zugänglich, woraufhin die RIAA – der Verband der Musikindustrie in den USA – ironischerweise die Löschung dieser Dateien forderte.
Die letzten Sekunden der geleakten Version von My Violent Heart zeigen in einem logarithmischen Spektrogramm ein Bild von The Presence. Auf dem USB-Stick in Barcelona war neben dem Lied Me, I’m Not noch eine zweite Datei namens 2432.mp3 mit statischem Rauschen, welche eine im Spektrogramm sichtbare Telefonnummer enthielt, die ihrerseits auf eine der vielen Websites verweist.U.S. Wiretap. NIN-Fan-Wiki Auf dem Album ist dieses Rauschen dann nicht mehr am Ende von My Violent Heart, sondern am Ende von The Warning, dessen textlicher Inhalt sich ebenfalls auf The Presence beziehen lässt.The Warning. NIN-Fan-Wiki
Vorabveröffentlichung im Internet Etwa eine Woche bevor das Album auf Tonträger im Handel erschien, ließ es sich komplett und kostenfrei im Stream auf der Website der Band oder bei Myspace anhörenNIN Myspace Now Features 'Year Zero'. In: theninhotline.net. 10. April 2007, abgerufen am 14. Oktober 2022 (englisch). – eine Reaktion Reznors auf den in seinen Augen fehlgeleiteten Umgang seitens der Plattenfirmen mit der Urheberrechtsproblematik:
Year Zero war dann auch das letzte Studioalbum von Nine Inch Nails, das bei Interscope Records erschien. Spätere Veröffentlichungen erschienen auf dem von Trent Reznor selbst neu gegründeten Label The Null Corporation.
Artwork
Art-Director für das Album war Trent Reznors Freund Rob Sherdian.Visions, Ausgabe 170, Mai 2007, S. 34. Das Albumcover zeigt ein Bild von The Presence vor einem Hügel. Aufgenommen ist das blaustichige Bild aus der Perspektive eines Beifahrers in einem Auto.
Eine Besonderheit birgt die Oberfläche der CD selbst. Sie hat eine temperatursensitive Beschichtung, so dass sich die Farbe des Mediums beim Erwärmen (etwa durch längere Berührung oder das Abspielen in einem CD-Spieler) von braun nach weiß ändert. Die dann erst gut sichtbare Beschriftung zeigt einige Gruppen von Binärziffern, die durch Umwandlung in das ASCII-Format auf eine weitere Internetseite verweisen.Exterminal. im NIN-Fan-Wiki
Der Aufpreis für diese besondere Beschichtung betrug laut Reznor 83 Cent pro CD; trotzdem wurde für das Album teilweise ein viel höherer Aufschlag verlangt, was zu Differenzen zwischen Reznor und seiner Plattenfirma führte.Q & A with Trent Reznor of Nine Inch Nails. In: news.com.au. 17. Mai 2007 (englisch).
Zum Artwork gehört auch ein 24-seitigen Booklet mit den Songtexten. Darüber hinaus ziehen einige weitere Gimmicks Querverweise zur Hintergrundgeschichte des Albums; wie beispielsweise ein Hinweiszettel des United States Bureau of Morality mit dem Aufruf mit entsprechender Telefonnummer zur Anzeige „subversiver Taten oder Gedanken“.18664456580. im NIN-Fan-Wiki
Rezensionen Die Kritiken zu Year Zero fielen positiv bis gemischt aus.Year Zero bei Metacritic Bei Metacritic erhielt das Album eine Wertung von 76 % als Durchschnitt aus 28 professionellen Rezensionen sowie das Prädikat Generally favorable (dt. ‚Grundsätzlich positiv‘).