Der Wolfgangsee, früher auch Abersee genannt, ist ein Alpenrandsee im Salzkammergut auf . Sein Ablauf ist die Ischl, die über die Traun in die Donau entwässert. Mit einer Wasserfläche von 13 km² ist er der größte See des Bundeslands Salzburg. Durch ihn verläuft die Seidenfadengrenze, Österreichs einzige sich selbst verändernde Landesgrenze, die den See in einen salzburgischen und oberösterreichischen Teil trennt. Der Wolfgangsee ist ein bedeutendes Tourismusziel, ein beliebter Badesee sowie ein Tauch- und Segelrevier. Er ist nach der Gemeinde Sankt Wolfgang im Salzkammergut benannt.
Geographie mini|Topografische Karte des Wolfgangsees mit dem Schafberg Der Wolfgangsee liegt im Salzkammergut in den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich. Verwaltungsmäßig gehört der größte Teil des Sees zum Bezirk Salzburg-Umgebung im Flachgau und der kleinere Teil zum oberösterreichischen Bezirk Gmunden im Traunviertel. Die Landesgrenze verläuft von Sankt Wolfgang im Salzkammergut zum Ausfluss der Ischl. Größere Orte am Salzburger Ufer sind die Gemeinden Sankt Gilgen im Nordwesten und Strobl im Südosten. Auch die Katastralgemeinden Winkl und Ried haben Anteil an der Salzburger Seefläche. Die Gemeinde Sankt Wolfgang im Salzkammergut im Nordosten des Sees liegt in Oberösterreich.
Der von Nordwest nach Südost langgestreckte See hat eine Länge von 10,3 km, eine maximale Breite von 2 km, eine Oberfläche von etwa 13,13 km² und eine durchschnittliche Tiefe von 50,8 m. Die tiefste Stelle wird mit 112,9 m angegeben. Das Wasservolumen beträgt 667,5 Millionen Kubikmeter.
Ufer Die Uferlänge des Wolfgangsees beträgt 32 km. Mehr als die Hälfte des Ufers ist im Privatbesitz, bebaut und zum größten Teil nicht öffentlich zugänglich. Der Siedlungskern der Gemeinden liegt am Ufer oder in Ufernähe. An den übrigen besiedelbaren Uferabschnitten entwickelten sich Streusiedlungen. Der Tourismus hat am Ufer eine große Anzahl von Campingplätzen, Seebädern und anderen touristischen Einrichtungen hervorgerufen. Die Natur des Seeufers ist deutlich beeinträchtigt. Besonders davon betroffen sind die Abschnitte in St. Gilgen, Strobl und St. Wolfgang. 40 % sind als natürlich bzw. naturnah eingestuft.
Morphologie Durch den Geschiebeeintrag des Zinkenbaches bildete sich die etwa 5 km² große Zinkenbach-Halbinsel im Südwesten. Zusammen mit dem kleineren gegenüberliegenden Delta des Ditlbaches bewirkte dies eine Gliederung des Sees in zwei ungleiche Becken. Im Bereich der Einschnürung hat der Wolfgangsee nur eine Breite von 250 m und eine Tiefe von 20 m. Das St. Gilgener Becken hat mit 507,4 Millionen m³ ein fast dreimal so großes Volumen wie das seichtere Strobler oder das St. Wolfganger Becken.
Im St. Gilgener Becken befindet sich im Nordosten die Fürbergbucht, in der sich mehrere Riegel und Kegel bis teilweise knapp unterhalb der Oberfläche erheben. In der Bucht liegt die einzige Insel im See, die Metzgerinsel mit dem Ochsenkreuz. Die etwa 200 m hohe und 600 m lange Falkensteinwand am Nordufer des Sees ist eine nahezu senkrecht in den See abfallende Felswand.
Verkehr Die Wolfgangsee Straße (B 158) führt, von Salzburg kommend, von St. Gilgen entlang des Südwestufers über Strobl nach Bad Ischl. Die St. Wolfgang Straße (L 546) verläuft am Nordufer bis nach St. Wolfgang. Von Norden führt die Mondsee Straße (B 154) vom Mondsee über die Scharflinger Höhe nach St. Gilgen. Als Verbindung von St. Wolfgang mit St. Gilgen auf der Nordseite des Sees gibt es nur einen Fußweg über die Falkensteinwand.
Der Wolfgangsee ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Salzburg und Bad Ischl erreichbar. Sankt Gilgen und Strobl sind mit der Autobuslinie 150, die Salzburg (Stadt) mit Bad Ischl verbindet, täglich tagsüber ein- bis zweimal pro Stunde zu erreichen. Das oberösterreichische Sankt Wolfgang ist mit der Buslinie 546 von Bad Ischl über Strobl mehrmals täglich erreichbar.
Grenze und Eigentum mini|hochkant|Die Seeklause mit dem Heiligen Wolfgang ist der Endpunkt der Seidenfadengrenze Das Gebiet am Wolfgangsee gehörte zum Territorium des Klosters Mondsee und des Erzstifts Salzburg. Mondsee und Salzburg erhoben Ansprüche auf die Fischereirechte im Wolfgangsee und die Jagd- und Holzrechte am Schafberg. Das führte zu jahrhundertelangen Grenzstreitigkeiten. Mit der Hüttensteinischen Grenzregelung des Jahres 1462 wurde eine erste Grenze festgelegt. Dazu wurde ein Seidenfaden auf Pflöcken zwischen der Ditlbachmündung und der Stelle, an der die Ischler Ache den Wolfgangsee verlässt, gespannt. Der nördliche Teil der rund 4 km langen Grenze gehörte zu Mondsee und somit zu Oberösterreich, der südliche Teil zum Erzstift Salzburg. Durch die Veränderung des Ditlbachdeltas musste die Grenze ständig nachgemessen werden. Außerdem war von der Ditlbachmündung die Ischler Ache nicht sichtbar und die Grenzstreitigkeiten dauerten an. Erst mit dem Grenzrezess vom 26. Mai 1689 zwischen Kaiser Leopold I. und dem Fürsterzbischof Johann Ernst von Thun und Hohenstein wurden die bis heute gültigen Grenzen festgelegt. Die Seidenfadengrenze verläuft heute von der Ditlbachmündung zum Südwestende des Bürgl und weiter zum Ausrinn der Ischler Ache. Sie ist die einzige sich selbst verlagernde Landesgrenze Österreichs. Durch den Vorbau des Ditlbachdeltas wird der oberösterreichische Anteil des Sees laufend größer. Die 1978 gegründete oberösterreichisch-salzburgische Raumordnungskommission ist zuständig für die Festlegung des Grenzverlaufs. Der oberösterreichische Teil des Wolfgangsees ist Eigentum der Forstverwaltung Herrschaft St. Wolfgang, im Besitz der Familie Scheidt. Der Salzburger Anteil ist Eigentum der Österreichischen Bundesforste.
Hydrologie mini|Die Seeklause, 2023 Das hydrologische Einzugsgebiet des Wolfgangsees hat eine Gesamtfläche von 124,5 km². Mit rund 59 km² entwässert der Zinkenbach mit seinen Teileinzugsgebieten davon mehr als die Hälfte und ist der bedeutendste Zubringer des Sees. Die anderen nennenswerten Zuflüsse sind Oppenauer Bach, Kohlbach, Seebach und Ditlbach. Der Abfluss am Ostende in die Ischler Ache (Ischl) hat einen mittleren Wert von (MQ) von 5,4 m³/s. Die Wassererneuerungszeit dauert 3,9 Jahre.
Zur Erleichterung der Holztrift wurde seit 1590 eine Klause betrieben. Das heutige Klauswehr wurde 1994/95 vom Wasserverband Wolfgangsee-Klause errichtet. Die Grenzwasserstände werden durch die Klauswehrordnung geregelt. Durch den künstlichen Eingriff verringerte sich die durchschnittliche Jahresamplitude vom mittleren Hochwasser zum mittleren Niederwasser von 108 cm auf 65 cm und die Differenz des höchsten und niedrigsten Monatsmittels von 40 cm auf 7 cm.
mini|Niederwasser im August 2026 Der höchste Wasserstand am Pegel Strobl mit 3 m war am 3. Mai 1920, beim „Jahrtausendhochwasser“ im August 2002 betrug er 2,25 m. Der niedrigste Wasserstand seit 1910 war mit 0,6 m im sehr trockenen Sommer 1947. Im ebenfalls sehr trockenen Sommer 2003 betrug der Wasserstand 0,97 m. Große Trockenheit führte auch in den Jahren 2018 (92 cm) und 2022 (97 cm) zu historischen Tiefstständen. Während der Dürre und Hitze in Europa 2026 wurden am 16. August 2026 in Strobl 87 cm gemessen.
Geologie Tektonik mini|Harter Plassenkalk bildet die Falkensteinwand Der Wolfgangsee ist ein Teil der Nördlichen Kalkalpen und wird von Gesteinen der Staufen-Höllengebirgs-Decke des Tirolischen Deckensystems umrahmt. Während der Bewegung der Staufen-Höllengebirgs-Decke nach Norden wurden das jüngere Bajuvarikum und das Rhenodanubische Deckensystem nordvergent überschoben. Die Staufen-Höllengebirgs-Decke ist durch das dextrale Blattverschiebungssystem der Nordwest nach Südost verlaufenden Wolfgangsee-Störung in zwei Schollen zerlegt. Im Südwesten liegt das Osterhorn-Tirolikum und im Nordosten das Schafberg-Tirolikum. Entlang dieser Störung wurden am Südwestufer Gesteine der unterlagernden Flyschzone und des Helvetikums durch die kalkalpine Schichtfolge bis an die Oberfläche hochgeschürft.
Der Wolfgangsee wird südwestseitig von den leicht zerfallenden Gosauschichten aus Mergel, Sandstein und Konglomerat, nordostseitig vorwiegend von den Lias-, Hierlatz- und thitonischen Plassenkalken des Schafberges umrahmt.
Ehemalige Vergletscherung mini|Blick auf den Bürgl mit dem Zentrum der Gemeinde Strobl. Der Talberg blieb auf Grund der Härte des Gesteins unter dem Gletscher erhalten und erhielt eine drumlinähnliche Gestalt. Das Gebiet um den Wolfgangsee war während der Eiszeiten immer vergletschert. Der mächtige Traungletscher verzweigte sich bei Bad Ischl und floss mit einem Seitenast durch das Ischltal über den Wolfgangsee zum Mondsee. Am Höhepunkt der jeweiligen Vereisung erfüllten große Eismassen die Täler und reichten immer wieder bis auf rund Nur der Gipfelbereich des Schafbergs ragte als Nunatakker aus den Eisströmen heraus. In den Tälern entstanden übertiefte Becken, die heute von Seen und deren Ablagerungen ausgefüllt sind.
Nachdem das Seebecken eisfrei geworden war, begann der Zinkenbach mit der Bildung der Deltaebene der Zinkenbach-Halbinsel, die auch heute noch vorgebaut wird. Die heutige Geschiebefracht des Zinkenbachs von etwa 7.400 m³ pro Jahr würde unter gleich bleibenden klimatischen Verhältnissen und dementsprechender Schuttzufuhr bedeuten, dass dieser Vorgang den Wolfgangsee in rund 90.000 Jahren völlig mit Sediment verfüllen und zum Verschwinden bringen würde.
Klima mini|Winterlicher Wolfgangsee mit Blick auf den Sparber Die Wetterwarte der GeoSphere Austria in St. Wolfgang im Salzkammergut () stellt exakte Daten für den Wolfgangsee zur Verfügung. Die Klimadaten zeigen eine für die Nördlichen Kalkalpen typische Temperatur- und Niederschlagsverteilung: kühle und niederschlagsreiche Sommer und niederschlagsarme Winter. Der Jahresniederschlag beträgt 1467 mm und die Jahresdurchschnittstemperatur 8,8 °C. Die im Salzkammergut nach Norden verschobenen Berge wirken gegen die von Westen kommenden Fronten wie Barrieren. Dies führt zu häufigen Stauniederschlägen. Gleichzeitig wirken die Seen mildernd auf Temperaturextreme. Durch die feuchten, warmen Luftmassen der umliegenden Seen kommt es im Herbst und Winter häufig zu stabilen Inversionswetterlagen.
Flora und Vegetation mini|Bestand des Schilfrohrs (Phragmites australis) in St. Wolfgang. Im Hintergrund der Sommeraustein. Die einzigen noch von Moor- und Röhrichtkomplexen eingenommenen Seeuferzonen des Wolfgangsees befinden sich westlich des Blinklingmooses sowie südöstlich der Zinkenbach-Halbinsel zwischen den Gehöften Zierler und Pilzner. Die Bestände des Schilfrohrs (Phragmites australis) und der Gewöhnlichen Teichbinse (Schoenoplectus lacustris) sind seit etwa 1950 sehr stark zurückgegangen. Die Gründe dafür sind noch nicht geklärt. Die Schwimmblattvegetation des Wolfgangsees ist nur marginal ausgebildet. Bestände der Gelben Teichrose (Nuphar lutea) befinden sich südöstlich der Zinkenbach-Halbinsel.
An submersen Pflanzen konnten Quellmoos (Fontinalis antipyretica), Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum), Spiegelndes Laichkraut (Potamogeton lucens), Durchwachsenes Laichkraut (Potamogeton perfoliatus) und das Kamm-Laichkraut (Stuckenia pectinata) nachgewiesen werden. Die Armleuchteralgen sind mit Chara hispida, Chara globularis, Chara aspera und Chara tomentosa vertreten.
Fauna Fische mini|Zahlreiche Aitel (Squalius cephalus) in der Fürbergbucht