mini|Bruno von François. Bruno Hugo Karl Friedrich von François (* 29. Juni 1818 in Magdeburg; † 6. August 1870 in Spicheren) war ein preußischer Generalmajor.
Leben Herkunft Er stammte aus einer 1774 nobilitierten hugenottischen Offiziersfamilie und war der Sohn des späteren preußischen Generalleutnants Karl von François (1785–1855) und dessen Ehefrau Betty, geborene von Vangerow (1799–1844).Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 5, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. , S. 384, Nr. 1609. Zu seinen Cousins bzw. Cousinen ersten Grades zählten der Verwaltungsjurist Alexander von François (1813–1861), der Generalmajor Gustav von François (1815–1877) sowie die Schriftstellerin Louise von François (1817–1893).
Militärkarriere François besuchte das Pädagogium in Halle und die Gymnasien in Koblenz, Köln und Luxemburg. Am 29. Dezember 1834 trat er als Musketier in das 37. Infanterie-Regiment der Preußischen Armee ein, das zu diesem Zeitpunkt von seinem Vater kommandiert wurde. Dort stieg er im Januar 1836 zum Sekondeleutnant auf und wurde ab 1. Oktober 1839 für drei Jahre zur weiteren Ausbildung an die Allgemeine Kriegsschule kommandiert. Im weiteren Verlauf seiner Militärkarriere nahm François 1864 am Krieg gegen Dänemark teil. Am 4. Januar 1866 beauftragte man ihn mit der Führung des 3. Posenschen Infanterie-Regiments Nr. 58 und ernannte ihn am 3. April 1866 zum Regimentskommandeur. Als solcher wurde François am 8. Juni 1866 Oberst und kämpfte im gleichen Jahr bei Nachod, Skalitz, und Schweinschädel gegen die Österreicher. In der Schlacht von Königgrätz wurde er am 3. Juli 1866 verwundet und am 20. September 1866 mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet.
Unter Stellung à la suite seines Regiments wurde François am 14. Juli 1870 mit der Führung der 27. Infanterie-Brigade beauftragt und am 26. Juli 1870 zum Generalmajor befördert. Fünf Tage später folgte seine Ernennung zum Kommandeur dieser Brigade, mit der er in den Krieg gegen Frankreich zog. Als Brigadekommandeur befehligte François das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39 und das Hannoversche Infanterie-Regiment Nr. 74 am 6. August 1870 in der Schlacht bei Spichern. Kurz nachdem er nach der Erstürmung des Roten Berges das Plateau der Spicherer Höhen erreicht hatte, wurde er unter dem erhobenen rechten Arm getroffen und brach zusammen. Durch Präzisionsschützen von vier weiteren Kugeln getroffen, starb er. Angeblich waren seine letzten Worte: „Es ist doch ein schöner Tod auf dem Schlachtfelde; ich sterbe gern, da ich sehe, dass das Gefecht vorwärts geht.“Der Deutsch-Französische Krieg 1870–71. Redigiert von der kriegsgeschichtlichen Abtheilung des Großen Generalstabes, Band I, 1, Mittler & Sohn, Berlin 1872, S. 327.
Sein umzäunter und mit einem Gedenkstein versehener Sterbeort liegt in unmittelbarer Nähe des Ehrenmals für das 1. Hannoversche Infanterie-Regiment Nr. 74. Sein Grab befindet sich auf dem Ehrenfriedhof des Deutsch-Französischen Gartens in Saarbrücken.
Die Grabinschrift lautet: „Er fiel von fünf feindlichen Kugeln getroffen im siegreichen Vorgehen bei Erstürmung der Spichernberge am 6. August 1870. Rosse werden zum Streittage bereitet aber der Sieg kommt vom Herrn. Spr. Salm. 21,31“. mini|Grab seiner Frau Marie von Wentzel auf dem Friedhof des Klosters Stift zum Heiligengrabe.
Familie Am 13. August 1847 heiratete er in Luxemburg die aus Koblenz stammende Marie von Wentzel (1829–1909), eine Tochter des Generalleutnants Wilhelm von Wentzel. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor: Karl (1848–1850) Alfred (1849–1911), preußischer Generalmajor ⚭ 1892 Elisabeth von Petery (1863–1923) Olga (1851–1879) Curt (1852–1931), Offizier der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika und Gründer von Windhoek ⚭ Amalia Gereses, 1896–1911 ⚭ Margarethe Meyer zu Bohmte (* 1880) Hermann (1856–1933), preußischer General der Infanterie ⚭ Elisabeth von Besser (* 1859) Hugo (1861–1904), Offizier der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika ⚭ Else Goedecke Helene (1867–1869)
Gedenken mini|Anton von Werner: Sturm auf den Spicherer Berg. Saarbrücker Rathauszyklus, 1877–1880. In Darstellungen zum Deutsch-Französischen Krieg wurde die Aktion des Generals von François in der Schlacht von Spichern sehr oft über ihre strategische Bedeutung hinaus als Heldentat und sein Tod folglich als Heldentod dargestellt. Auf dem Monumentalgemälde Sturm auf den Spicherer Berg von Anton von Werner aus dem Jahr 1880 ist zu sehen, wie von François neben einem Trompeter stehend während der Schlacht von Spichern seine Soldaten zum Sturm auf den Roten Berg anspornt. Das Gemälde ist Teil des Saarbrücker Rathauszyklus, der zwei weitere Gemälde Werners mit Szenen aus dem Umfeld der Schlacht sowie vier Personenporträts umfasst und der Stadt Saarbrücken vom Königreich Preußen geschenkt wurde.Dominik Bartmann: Der Saarbrücker Rathauszyklus. In: Dominik Bartmann (Hrsg.): Anton von Werner. Geschichte in Bildern. Hirmer Verlag, München 1993, ISBN 3-7774-6140-7, S. 252–265. Die Gemälde befanden sich in einem eigens dafür errichteten, saalartigen Anbau des damaligen Rathauses, des heutigen Alten Rathauses, am Saarbrücker Schlossplatz. Der Anbau, der als Sitzungs- und Festsaal genutzt wurde, wurde beim schweren Bombenangriff vom 5. Oktober 1944 auf Saarbrücken zerstört. Die Bilder konnten jedoch gerettet werden und waren danach im Rathaus St. Johann eingelagert. Mittlerweile befinden sich die Gemälde im Besitz des Historischen Museums Saar, wo sie seit 2021 ausgestellt werden.
Der Bildhauer Wilhelm Schneider modellierte 1895 zum 25-jährigen Gedenken der Schlacht zwei lebensgroße Statuen nach dem Bildausschnitt, der von François und den Trompeter zeigt. Die Figurengruppe „Von François mit Trompeter“ wurde als provisorisches Gipsmodell vor der Bergwerksdirektion in St. Johann aufgestellt und danach in den St. Johanner Volksgarten gebracht, wo es lange Jahre stand und ungeschützt der Witterung ausgesetzt mit der Zeit verfiel.Rainer Knauf, Christoph Trepesch: Kriegerdenkmäler und Kriegsfriedhöfe. Formen des Kriegsgedenkens im Saarbrücker Raum zwischen 1870 und 1935. In: Lieselotte Kugler (Hrsg.): Grenzenlos. Lebenswelten in der deutsch-französischen Region an Saar und Mosel seit 1840. Historisches Museum Saar, Saarbrücken 1998, ISBN 3-9805574-1-3, S. 156–182. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurden die Reste beseitigt. Die Ausführung eines gleichartigen Denkmals aus galvanisiertem Bronzeguss scheiterte an der Kostenfrage und der Frage einer möglichen Beteiligung der Stadt St. Johann an der Finanzierung des Projekts.
Der Gedenkweg zu den Ehrenmalen auf den Spicherer Höhen ist nach Bruno von François benannt.
Literatur Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1907. Erster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 188. (Digitalisat) Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 8, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. , S. 242 ff., Nr. 2580. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1961. Band V, Band 26 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1961, , S. 77. Carl Bleibtreu: Schlacht bei Spichern am 6. August 1870. Reprint der Ausgabe 1903. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2009, ISBN 978-3-86777-071-2. Saarwald-Verein e. V. (Hrsg.): Ausflüge über die Spicherer Höhen. Heldenmut und Heldentod am Roten Berg. Bruno von François und Schultze-Katrin. Saarbrücken 2001, S. 19–24. Wulf Wein: Über den Gräbern ist lange schon Ruh. In: Saarbrücker Zeitung. Beilage Heimat vom 29./30. Mai 2010, S. H 4.
Einzelnachweise
Kategorie:Generalmajor (Königreich Preußen) Kategorie:Träger des Pour le Mérite (Militärorden) Kategorie:Person im Deutsch-Dänischen Krieg (Preußen) Kategorie:Person im Deutschen Krieg Kategorie:Person im Deutsch-Französischen Krieg Kategorie:Infanterist (Preußen) Bruno Kategorie:Adliger (Königreich Preußen) Kategorie:Preuße Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1818 Kategorie:Gestorben 1870 Kategorie:Mann