mini|hochkant=1.333|Gliederung in 14 katastrální území (Katastralgemeinden) Kraslice () ist eine zum Bezirk Sokolov der Karlsbader Region gehörende Stadt im Westen Tschechiens. In der Stadt, die an der Grenze zu Sachsen liegt und zur historischen Region des Musikwinkels gehört, hat der Musikinstrumentenbau traditionell eine große Bedeutung.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt in Westböhmen, ihr Stadtgebiet befindet sich in 514 Metern über Meereshöhe im Tal der Svatava (Zwota) zwischen dem Erzgebirge im Nordosten und dem Elstergebirge im Südwesten. Die Stadt liegt am Fuße des 715 m hohen Hradiště (Hausberg), auf dem früher eine Burg stand. In den eingemeindeten Ortsteilen finden sich mit dem Počátecký vrch (Ursprungberg, 818 m) und dem Tisovec (Eibenberg, 807 m) auch noch höhere Berge.
Nordwestlich von Kraslice verläuft die Grenze zu Sachsen. Dort liegt etwa fünf Kilometer flussaufwärts im Tal der Svatava die deutsche Nachbarstadt Klingenthal im Vogtlandkreis. Karlsbad, die größte Stadt und der Verwaltungssitz der Region, befindet sich in 40 km Entfernung im Südosten.
Stadtgliederung Kraslice gliedert sich in 15 Ortsteile (části obce): Nametschechisch Namedeutsch FlächehaÚzemně identifikační registr ČR Bevölkerung1930 – für die Stadt Graslitz insgesamt umgerechnet auf den heutigen Gebietsstand (Stadtgrenzen) Bevölkerung2011 BemerkungenČerná u KraslicSchwarzenbach b. Frankenhammer 654,26 234 10 ČiráLauterbach b. Graslitz 405,99 130 27 früher LitrbachyHraničná Markhausen 386,84 1253 - Kámen Stein am Hohen Stein248,73 251 12 Kostelní Kirchberg am Hohen Stein 503,29 371 15 Kraslice Graslitz 1301,43 13524 6213 Krásná u Kraslic Schönwerth 729,46 1100 106 Liboc u Kraslic Frankenhammer 656,87 471 2 früher ČtyřdomíMlýnská Konstadt 716,92 326 26 Počátky Ursprung 745,75 364 17 Sklená Glasberg 1) 412 33 Sněžná Schönau b. Graslitz 821,96 575 32 Tisová u Kraslic Eibenberg 203,20 1794 82 Valtéřov u Kraslic Waltersgrün 574,65 143 5 erstmals 1184 erwähnt als Ullersgrün, ab 1348 ValtéřovInformationen von zanikleobce.czZelená Hora u Kraslic Grünberg 186,07 1362 115 Stadt Kraslice Stadt Graslitz 8135,42 22310 6695 1) In Kraslice enthalten
Mit Ausnahme von Sklená (Glasberg) waren alle bis 1945 selbstständige Gemeinden des früheren Landkreises Graslitz. Sie entsprechen den heutigen 14 Katastralgemeinden (katastrální území). Glasberg war bereits damals ein Stadtteil von Graslitz, noch früher jedoch eine separate Gemeinde.
Grundsiedlungseinheiten sind Černá, Čirá, Hraničná, Kámen, Kostelní, Kraslice-jih, Kraslice-sever, Kraslice-sever-sídliště, Kraslice-východ, Krásná, Liboc, Mlýnská, Na Stráni, Počátky, Pod Ptačincem, Sklená-Smolná, Sněžná, Střed, Tisová, U Kamenného potoka, Valtéřov, Za tratí und Zelená Hora.http://www.uir.cz/zsj-obec/560472/Obec-Kraslice
Nachbarorte
Geschichte Historisch sind verschiedene Bezeichnungen für den Ort überliefert, beispielsweise Schloss Greselin, Zum Greselin, Gresslens, Gresslas, Greslas, Gresslitz, Graeslitz und Graßlitz. „Greselin“ bzw. Graslitz bedeutet „kleiner Nadelwald“ und war vermutlich die ursprüngliche Bezeichnung des Hausberges, der seinen Namen von dem später auf ihm erbauten „Haus“, dem Schloss, erhielt.Alfred Riedl: Die Gründung der Stadt Graslitz vor 600 Jahren. In: Festschrift zur 600-Jahrfeier der Stadt Graslitz, verbunden mit dem 6. Heimatkreistreffen der Graslitzer. In der Patenstadt Aschaffenburg vom 24.–27. Juli 1970. Heimatverband der Graslitzer, Graslitz 1970, S. 15–29. Das tschechische Homonym kraslice bedeutet Osterei, geht jedoch auf eine andere Wurzel (vermutlich ,krásný‘/,schön‘) zurück. Seit den 1990er-Jahren gibt es in Anspielung auf die Homonymie die „Osterpost Kraslice“. mini|hochkant=1.3|Innenstadt mit dem Rathaus im Hintergrund mini|Blick auf die Svatava
Anfang des 12. Jahrhunderts war die Region noch ein unbesiedeltes Waldgebiet. Erstmals wird in einer Schutzurkunde des Papstes Lucius III. für den Besitz des Klosters Waldsassen aus dem Jahre 1185 eine Ansiedlung im oberen Zwodautal mit Namen Bernhausen (Bernhusin) erwähnt.Alfred Riedl: Die Geschichte unserer Heimatstadt Graslitz. In: Emil Kolb: Graslitz. Die klingende Stadt. Ein Blick in die verlorene Heimat. Kolb-Verlag, Dettingen am Main 1956. Nach und nach kamen unter der Aufsicht der Mönche aus dem Kloster Waldsassen deutsche Bauern in das Gebiet.
Am 15. August 1370 verlieh Kaiser Karl IV. dem Ort Gresslein die „gleichen Rechte und Gewohnheiten“ wie der Stadt Elbogen und erhob ihn damit zur Königsstadt. Trotz des verliehenen Stadtrechtes entwickelte sich Graslitz aber zunächst nur langsam. Das änderte sich, als mit dem beginnenden Bergbau neue Siedler in die Stadt und die Umgebung kamen. 1541 wurde der Stadt Graslitz der Titel einer „Freien Bergstadt“ verliehen. In der Folge wuchs der Ort schnell. Wurden 1548 noch 29 Häuser gezählt, waren es 1575 bereits 50 und 1654 sogar 345 Anwesen. Damit wurde Graslitz zur zweitgrößten Bergstadt im böhmischen Teil des Erzgebirges. Es wurden vor allem Kupfer, Blei, Zinn und Silber abgebaut. 1585 war die Grundherrschaft Graslitz im Besitz von August Schönburg (1583–1610), welcher als Grundherr einen Bergfrieden für Graslitz anordnete.Josef Weinmann: Egerländer Biografisches Lexikon. Mit ausgewählten Personen aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Eger. Band 2: N–Z. Weinmann, Männedorf/ZH 1987, ISBN 3-922808-12-3, S. 171.
Im Jahre 1666 ging der Besitz von Stadt und Grundherrschaft Graslitz an den streng katholischen Grafen Hans Hartwig von Nostitz-Rieneck (1610–1683), den jüngsten Sohn des Johann von Nostitz und seiner Frau Sophie von Nostitz aus der Rottenburg’schen Linie, über. Er war auch Besitzer der Grundherrschaften Falkenau, Litmitz und Heinrichsgrün und gründete 1675/1676 in Silberbach bei Graslitz das erste Messingwerk Böhmens.Josef Weinmann: Egerländer Biografisches Lexikon. Mit ausgewählten Personen aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Eger. Band 2: N–Z. Weinmann, Männedorf/ZH 1987, ISBN 3-922808-12-3, S. 24. Im Jahre 1671 begann Johann Hartwig Nostitz-Rieneck die Gegenreformation durchzuführen, indem er die fast durchweg evangelische Bevölkerung vor die Wahl stellte, sich entweder zum katholischen Glauben zu bekennen oder auszuwandern. Zwischen 1671 und 1676 verließen daraufhin zwei Drittel der Bewohner, etwa 2000 Menschen, die Herrschaft Graslitz, um weiterhin beim protestantischen Bekenntnis bleiben zu können. Beispielsweise ließen sich zwölf Graslitzer Geigenmacher im sächsischen Markneukirchen nieder und gründeten dort 1677 die erste Geigenmacherinnung Deutschlands.Alfred Riedl: Die Gegenreformation in der Herrschaft Graslitz vor 300 Jahren (1621–1721). In: Festschrift zum Heimatkreistreffen der Graslitzer. 7, 1972, . Auch das benachbarte Klingenthal profitierte vom Bevölkerungszuwachs durch die böhmischen Exulanten.
Als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Bergbau immer weiter zurückging, setzte ein Strukturwandel in der Wirtschaft ein. Zwischen 1770 und 1800 wurde die Baumwollweberei in Graslitz eingeführt. 1808 wurde im heutigen Ortsteil Grünberg (tschechisch: Zelená Hora) die erste mechanische Baumwollspinnerei errichtet. Sie diente der Versorgung der zahlreichen Hausweber von Graslitz und Umgebung mit Baumwollgarn. Im Laufe des 19. Jahrhunderts folgten weitere mechanische Textilbetriebe, Leinen- und Baumwollwebereien sowie 1881 auch ein Unternehmen der Stickerei- und Spitzenindustrie, das unter Josef Meindl (1841–1899), seinem Vater, dem Gründer einer Weißwarenfabrik, und seinem Schwiegervater unter dem Namen Fuchs, Meindl und Horn eine der bedeutendsten Maschinenstickereien der Monarchie Österreich-Ungarn war.Josef Weinmann: Egerländer Biografisches Lexikon. Mit ausgewählten Personen aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Eger. Band 2: N–Z. Weinmann, Männedorf/ZH 1985, ISBN 3-922808-12-3, S. 347.
Gleichzeitig entwickelte sich die Herstellung von Musikinstrumenten. Vor allem die Blechblas- und Holzblasinstrumentenindustrie bestimmte ab 1850 das wirtschaftliche Gesicht der Stadt. Aber auch Mundharmonikas von Koestler und andere Musikinstrumente aller Art wurden hergestellt.
1873 wurde die Musikfachschule für den Bau von Musikinstrumenten gegründet. Die offizielle Bezeichnung der Schule lautete „Fachschule für Musikunterricht und Musikinstrumentenbauer“, später „K.k. Fachschule für Musik-Instrumenten-Erzeugung“. 1903 wurde ein Neubau an der Korbwiese bezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schulbetrieb 1955 wieder aufgenommen und 2009 aufgrund mangelnder Bewerber eingestellt. Im zweiten Stock des Gebäudes befand sich die Musikinstrumentensammlung, die unter anderem einen Satz von Adolphe Sax produzierten Saxophonen sowie die von Bohland & Fuchs 1911 gebaute und auf der Weltausstellung 1913 in New York präsentierte Subkontrabass-Tuba enthielt. Das Instrument wurde später in den Räumen von Amati-Denak gezeigt. Nach der Insolvenz des Unternehmens im Jahr 2020 retteten Mitarbeiter des Unternehmens die Sammlung vor dem Verkauf. 2023 entschied ein Gericht, dass die Sammlung nicht Staatseigentum ist, sondern zur Firma Amati Kraslice gehört.
1899 wurde der stillgelegte Bergbau von Klingenthal in Sachsen aus durch die sächsische Gewerkschaft Klingenthal-Graslitzer Kupferbergbau wieder aufgenommen und danach grenzüberschreitend ausgebaut.
mini|hochkant=0.7|Stadtplan von 1924 (Kernstadt) mini|1907 errichtete Fabrik der Metallblasinstrumenten-Firma Bohland & Fuchs
In Verbindung mit dem 1876 erfolgten Anschluss an das Eisenbahnnetz mit Sokolov brachten die beiden wirtschaftlichen Standbeine Musikinstrumenten- und Textilindustrie dem Ort bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Graslitz 86 mittlere und kleinere Textilbetriebe sowie 11 Musikinstrumentenfabriken. Außerdem existierten 40 selbstständige Betriebe, die entweder Musikinstrumente oder deren Bestandteile herstellten.Alfred Riedl: Graslitz vor 100 Jahren. In: Festschrift zum Heimatkreistreffen der Graslitzer. 8, 1974.
In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte der wirtschaftliche Aufschwung. Nach Kriegsende wurde Graslitz, das bisher Österreich-Ungarn angehört hatte, der neu geschaffenen Tschechoslowakischen Republik zugeschlagen. In den ersten Nachkriegsjahren verbesserte sich zunächst die Konjunktur. Eine Wirtschaftskrise 1922 und die Weltwirtschaftskrise am Anfang der dreißiger Jahre führten zu hohen Arbeitslosenzahlen und erheblichen Schwierigkeiten vor allem für die in Graslitz ansässigen exportabhängigen Industriezweige.
mini|Gebäude des Frauenlagers Graslitz
Aufgrund des Münchner Abkommens wurde Graslitz 1938 in das Deutsche Reich eingegliedert und gehörte bis 1945 zum Landkreis Graslitz, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.
Vom 7. August 1944 bis 15. April 1945 existierte im Ort ein Frauen-Außenlager des KZ Flossenbürg, dessen 877 Häftlinge Zwangsarbeit für das Luftfahrtgerätewerk Hakenfelde GmbH (LGW), ein Tochterunternehmen des Siemens-Konzerns, verrichten mussten. Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Abgerufen am 6. Juli 2016.
Vertreibung Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung aus Graslitz vertrieben. Ihr Vermögen wurde unter Berufung auf das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholischen Kirchen in der Tschechoslowakei enteignet. Dadurch ging die Bevölkerungszahl drastisch zurück. Die Musikinstrumentenbaubetriebe wurden konfisziert und unter dem Dach des staatlichen Unternehmens Amati zusammengefasst. Um tschechische Fachkräfte anzulernen, wurde einem Teil der deutschsprachigen Mitarbeiter die Aussiedlung verweigert. In einem Programm wurden junge Tschechen und Slowaken in Lehrlingsheimen untergebracht und in Lehrwerkstätten geschult.Adolf Fuchs: Die Standortverlagerung der sudetendeutschen Kleinmusikinstrumenten-Industrie von Graslitz und Schönbach, Marburg: Elwert 1953, S. 113 f.