mini|Jeanne Paquin, um 1915 mini|hochkant|Jeanne Paquin, karikiert von Sem, 1910 Jeanne Paquin, auch bekannt als Madame Paquin (* 23. Juni 1869 in L’Île-Saint-Denis als Jeanne Marie Charlotte Beckers; † 28. August 1936 in Paris) war eine der ersten bedeutenden Modeschöpferinnen. Sie bestimmte über drei Jahrzehnte das Modegeschehen ihrer Zeit mit. Berühmt wurden ihre mit Pelz besetzten Kostüme und Mäntel.

Leben mini|Fünf Uhr bei Paquin (Gemälde von Henri Gervex, 1906) mini|Die Angestellten des Hauses Paquin verlassen das Haus in der Rue de la Paix (Gemälde von Jean Béraud, 1907) Jeanne Beckers war die Tochter des Arztes Frédéric Guillaume Beckers und seiner Ehefrau Marguerite, geborene Bourgeois.Akte zur Aufnahme in die Ehrenlegion auf der Base de donées Léonore Sie erlernte den Beruf der Schneiderin im Pariser Modehaus Rouff und stieg dort zur Leiterin der Schneiderei auf. 1889 wurde sie Entwerferin im Modehaus Paquin, Lalanne & Cie, wo sie den Teilhaber Isidore Paquin (1862–1907) kennenlernte. Die beiden heirateten am 26. Februar 1891 in Saint-Germain-en-Laye. Das Ehepaar erwarb die restlichen Anteile am Unternehmen und eröffnete 1891 einen neuen Modesalon in der Rue de la Paix 3, in unmittelbarer Nachbarschaft des bekannten Modehauses Worth. Jeanne Paquin war verantwortlich für die Entwürfe, ihr Ehemann für die Geschäftsführung. Das Unternehmen erwarb sich rasch einen Ruf als eines der renommiertesten Modehäuser von Paris. Im Jahr 1897 wurde es in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt und der Firmensitz nach London verlegt, wo gemeinsam mit britischen Teilhabern eine Niederlassung in 39 Dover Street eröffnet wurde. Die Pariser Niederlassung, gesellschaftsrechtlich nur noch eine Filiale von Paquin Limited, bildete aber weiterhin den Mittelpunkt des Unternehmens. Sie beschäftigte im Jahr 1900 etwa 850 Angestellte. Im Jahr 1909 waren es bereits 1300, und pro Jahr wurden Stoffe im Wert von vier Millionen Francs verarbeítet. Neben dem Haus Nr. 3 wurden die Nachbargebäude in der Rue de la Paix 1 und 5 sowie der Rue des Capucines 6 erworben und miteinander verbunden.

1907 starb Jeanne Paquins Ehemann Isidor im Alter von 45 Jahren, und sie übernahm die alleinige Leitung des Modehauses. 1912 wurde ein Pelzgeschäft an der Fifth Avenue in New York eröffnet, das sie ihrem Halbbruder Henri Joire aus der zweiten Ehe ihrer Mutter übertrug. Weitere Niederlassungen in Madrid und Buenos Aires folgten wenig später. Sie war die erste Modeschöpferin, die zu Werbezwecken Mannequins zu den Pferderennen in Longchamp und Chantilly schickte. Außerdem unternahm sie nach dem Vorbild von Paul Poiret eine USA-Tournee mit vier Mannequins. Zu ihren Kundinnen zählten Berühmtheiten wie die Königin von Belgien und Wallis Simpson. Sie arbeitete gemeinsam mit Léon Bakst an Entwürfen für Bühnenkostüme. Bekannt war sie für luxuriöse Abendkleider in zarten, fein abgestimmten Farben, pelzverbrämte Kostüme und Mäntel sowie eine Kollektion von Tangokleidern, mit der sie 1913 Aufsehen erregte.

Im selben Jahr wurde sie „für wichtige Verdienste um die Exportwirtschaft“ als erste weibliche Modeschöpferin Ritter der Ehrenlegion. Bereits 1900 war sie Vorsitzende der Sektion „Mode“ bei der Pariser Weltausstellung gewesen; von 1917 bis 1919 fungierte sie als Präsidentin der „Chambre Syndicale de la Couture Parisienne“, deren Vizepräsidentin sie seit mehreren Jahren gewesen war.

In zweiter Ehe war Jeanne Paquin ab 1930 mit dem Politiker und Diplomaten Joseph Noulens verheiratet.Cimetières de France et d’ailleurs – Sorbets (32) : cimetière 1920 zog sie sich aus der Geschäftsführung zurück und übergab die kommerzielle Leitung an Henri Joire und die künstlerische Leitung an Madeleine Wallis. Ihr folgten als Chefdesigner 1936 Ana de Pombo, 1942 Antonio Castillo, danach Colette Massignac und Lou Claverie, die Kleider im Stil des New Look entwarfen. Die Firmenräume lagen jetzt in der Rue du Faubourg-St-Honoré 120. 1950 kaufte Paquin das House of Worth. In den 1950er-Jahren geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und musste zum 1. Juli 1956 liquidiert werden.

Jeanne Paquin ließ sich 1909/10 als Sommersitz von dem Architekten Auguste Bluysen eine Villa in Deauville errichten (später im Besitz von André Citroën)Maison de villégiature dite Villa Paquin ou Les Abeilles, puis Villa Citroën, actuellement immeuble dit Les Abeilles auf der Plateforme ouverte de patrimoine des französischen Kulturministeriums, 1912 von dem Architekten Louis Süe eine Villa in Saint-Cloud.

Sie liegt neben ihrem zweiten Ehemann auf dem Friedhof von Sorbets (Gers) begraben.

Eingang fand Jeanne Paquin auch in die Literatur. Marcel Proust erwähnt die Modeschöpferin in seinem Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Dort erklärt einer der Romanfiguren anlässlich einer Diskussion über Eleganz, dass es außer den Schwestern Callot sowie Doucet, Chéruit und – wenn auch mit dem einschränkenden Hinweis „manchmal auch“ – Jeanne Paquin – nur schauderhafte Couturiers gebe.

Galerie

Literatur Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5. Aufl. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3, S. 560f.

Weblinks

auf histoire.villennes.free.fr auf der Website des Victoria and Albert Museum, Abschnitt 'Originality and Opulence': the House of Paquin

Einzelnachweise

Kategorie:Modedesigner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion Kategorie:Wikipedia:Mitglied der Ehrenlegion (Ausprägung ungeklärt) Kategorie:Modedesigner (19. Jahrhundert) Kategorie:Geboren 1869 Kategorie:Gestorben 1936 Kategorie:Frau